Die Online-Community für Menschen mit Querschnittlähmung, ihre Angehörigen und Freunde

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  3. Leben mit Querschnittlähmung
  4. Samstag, 21. September 2019

Liebe alle

Im Bereich des Schutzes vor Diskriminierung von Frauen mit Behinderungen gibt es derzeit wenig Referenzmaterial.

Das von der Avanti-Donne Organisation und dem Eidgenössischen Büro für die Gleichstellung von Menschen mit Behinderungen EBGB thematisches Dossier ist eines dieser Dokumente; ihr findet es im Anhang.

Zur Information ist Avanti - Donne - http://www.avantidonne.ch/ - eine Plattform für Frauen mit unterschiedlichsten Behinderungen.

Ich wünsche euch eine gute Lektüre.

Carken.

 

Anhänge
Johannes
Community Manager
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Hallo carken

Vielen Dank für diese Information. Der Schutz vor Diskriminierung von Frauen mit Behinderungen ist ein wichtiges Thema. Ich finde es grossartig, dass sich avanti donne und das EBGB dessen angenommen und solch ein umfangreiches Dossier erstellt haben. Hoffen wir, dass es auch jemand liest, denn 70 Seiten sind recht lang – gibt es auch eine Kurzversion?

Liebe Grüsse

Johannes

Akzeptierte Antwort Pending Moderation

Lieber Johannes

Ich habe mich bei avanti donne erkundigt. Laut Angie Hagmann, Geschäfsleiterin, "Nein, es gibt keine Zusammenfassung. Das Dossier behandelt die wichtigsten Rechte der BRK; die einzelnen Kapitel sind bereits stark komprimiert. Eine weitere Zusammenfassung wäre nicht sinnvoll".

Vielleicht bei der nächsten Auflage?

Ziel mein Post war die Frage "Frauen und Behinderungen" auch bei der Community zu thematisieren. Als Para und Tetaplegiker sind wir nicht immer bewusst das das Thema Gleichstellung andreren Menschen mit andren Behinderungen betrifft.

Zudem kann man vermuten, dass das Thema Gleichstellung bei uns Para und Tetraplegiker ungenügend bekannt ist. Laut des Schattenbericht zur UNO-Behindertenrechtskonvention (UNO-BRK von Inklusion Handicap, Dachverband der Behindertenorganisationen in der Schweiz " Viele Menschen mit Behinderungen und ihre Angehörigen sind sich ihrer Rechte aus der BRK und nationalem/kantonalem Recht nicht bewusst oder haben mangelnde Kenntnisse zu deren Inhalt und Möglichkeiten der Geltendmachung. Im Behindertengleichstellungsrecht wird der Wissenserwerb durch die Vielzahl an Rechtsquellen auf allen föderalen Ebenen und zu verschiedenen thematischen Bereichen sowie entsprechender Entscheide unterschiedlichster Instanzen erschwert. Viele Informationsquellen sind zudem nicht barrierefrei verfügbar".

Liebe Grüsse.

Carken

 

Johannes
Community Manager
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Lieber carken

Vielen Dank, dass Du Dich bei avanti donne erkundigt hast.

Es wäre schön, hier noch ein paar Stellungnahmen zum Thema Diskriminierung bzw. Gleichstellung von Frauen mit Behinderungen zu lesen. Habt Ihr damit Erfahrungen gemacht? Wie und wo genau? Natürlich sind auch die Männer herzlich eingeladen, sich zu beteiligen! ;)

Ich bin gespannt auf Eure Antworten!

Johannes

Akzeptierte Antwort Pending Moderation

Hallo carken,

vielen Dank, dass Du dieses wichtige und interessante Thema gestartet hast! Und klasse, dass es eine Plattform für Frauen mit unterschiedlichen Behinderungen gibt. Auch Dein Satz "Als Para und Tetaplegiker sind wir nicht immer bewusst das das Thema Gleichstellung andreren Menschen mit andren Behinderungen betrifft" hat mich gefreut. Ich würde mich sehr freuen, wenn Para- und Tetraplegiker mehr Schnittstellen zu anderen Krankheitsbildern und gesellschaftlichen Problemen thematisieren würden, denn sie haben eine Lobby, ein Krankheitsbild, das bekannt ist (bis dahin, dass der Rollstuhl als das Symbol für Behinderung steht), und somit ein gewisses Privileg und größere Chancen auf Gehör als andere, weniger gut bekannte Krankheitsbilder.

Johannes, Du fragst nach Stellungnahmen bzw. Erfahrungen zum Thema Diskriminierung bzw. Gleichstellung von Frauen mit Behinderung. Zu diesem Thema möchte ich eine sehr interessante Publikation teilen, auf die ich vor einer Weile hingewiesen wurde:

"“Brave Men” and “Emotional Women”: A Theory-Guided Literature Review on Gender Bias in Health Care and Gendered Norms towards Patients with Chronic Pain"

Ebenfalls auf englisch, aber gut lesbar zusammengefasst, geht dieser Artikel darauf ein:

Same symptoms, different gender - same care?

Ich bin inzwischen überzeugt, dass es eine systemische Diskriminierung von Frauen in Medizin und Forschung gibt. Dies hat sicherlich auch historische Gründe, wie z.B. das alte Konzept der Hysterie, das bis heute das Verständnis von weniger gut verstandenen Krankheitsbildern beeinflusst. Publikationen und Leitlinien zu "psychogenen" Krankheitsbildern verweisen z.T. darauf, dass diese Krankheitsbilder bei Frauen häufiger seien und verfestigen so bestehende Bias, diese Diagnosen bei Frauen häufiger zu stellen statt die Forschung nach körperlichen Ursachen voranzutreiben. Gleichzeitig konzentrierte sich die medizinische Forschung meist auf Männer - so sind z.B. in Tierversuchen männliche Versuchstiere üblich, und Frauen im gebärfähigen Alter wurden oft aus Studien ausgeschlossen, mit der Argumentation, die Schwankungen weiblicher Hormone würden die Studie verkomplizieren. Der Normmann war ebenfalls die Basis für Crashtest-Dummies.

Die "Data Gap", Datenlücke, wie es dieser Artikel aus dem Guardian nennt, hat Folgen. So sind viele Krankheitsbilder, die prozentual mehr Frauen als Männer betreffen, unzureichend erforscht und mehr stigmatisiert. Ich habe den Link gerade nicht zur Hand, aber es gibt Studien, die die Zeit bis zur Diagnosestellung bei Männern und bei Frauen vergleichen - bei Frauen ist sie meines Wissens im Schnitt markant länger, um so mehr so, wenn Symptome fälschlicherweise als psychogen angesehen wurden.

Vor diesem Hintergrund würde ich sagen: Ja, ich habe Erfahrungen mit der Diskriminierung von Frauen gemacht - und zwar in Form dessen, dass meine Symptome anfangs als psychogen abgetan wurden und ich von Ärzten behandelt wurde, als sei ich inkompetent, einfach nur, weil ich eine Frau mit Symptomen war, die sie sich nicht erklären konnten. Auch in Form dessen, dass meine Grunderkrankung, von der Frauen überproportional häufig betroffen sind, wenig bekannt und nicht gut erforscht ist und es lange Zeit bis zur Diagnosestellung dauerte.

Was für Erfahrungen habt Ihr gemacht, und was denkt Ihr dazu?

Liebe Grüße,

odyssita

Johannes
Community Manager
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Liebe odyssita

Vielen Dank für Deinen wieder einmal beeindruckenden und fundierten Beitrag! Ich teile Deine Sichtweise in Bezug auf die Diskriminierung von Frauen in Medizin und Forschung absolut und möchte noch einen Video-Link hinzufügen, der weniger wissenschaftlich, aber dafür auf deutsch ist: Jan Böhmermann hat das Thema vor kurzem im Neo Magazin aufgegriffen, was immerhin zeigt, dass es nun auch langsam in der allgemeinen Wahrnehmung ankommt. Dass sich deshalb etwas ändert, kann man nur hoffen...

Liebe Grüsse

Johannes

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Lieber Johannes,

vielen Dank für den Beitrag. Das freut mich, dass das Thema mehr Aufmerksamkeit bekommt. Ich habe mir den Beitrag inzwischen angeschaut, und er ist sicher ein guter, humorvoller Einstieg ins Thema. Gewünscht hätte ich mir noch einen Teil 2, in dem thematisiert wird, was an Alternativerklärungen herhalten muss (die Geschichte von der Psychogenese) - das ist ja auch so absurd, dass man das trotz allen damit verbundenen dramatischen Auswirkungen auch humorvoll verpacken könnte. Allein schon, dass es auf dem absurden historischen Konzept der Hysterie aufbaut, laut dem bei alleinstehenden Frauen Symptome dadurch entstehen, dass der Uterus eintrocknet und auf der Suche nach Feuchtigkeit durch den Körper wandert, dabei auf Organe und das Hirn drückt und dabei Symptome verursacht. Aber leider ist das ein Thema, das noch weitgehend unkritisch betrachtet wird. Ich denke, es ist die zweite Seite der Medaille einer Medizin, die sich am Normmann orientiert.

Liebe Grüße,

odyssita

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