Die Online-Community für Menschen mit Querschnittlähmung, ihre Angehörigen und Freunde

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  1. Tulipe
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  3. Leben mit Querschnittlähmung
  4. Sonntag, 15. März 2020

 

Während sich die Städte leeren und zu Geisterstädten mutieren, kehrt Leben in unser kleines Dorf ein. Unter der Woche ist es hier normalerweise immer so ruhig, wie in der Schweiz an einem Sonntag. Die Jungen sind am Arbeiten und die Kinder in der Schule oder Krippe. Die Schulferien verbringen die Kinder meist bei den Grosseltern und wer das Glück hat, Grosseltern im Süden zu haben ist natürlich besonders bevorteilt. Viele Grosseltern sind nach den Sommerferien meist derart geschafft, dass sie selbst dringend Ferien benötigen.

In dieser Woche ist es anders. Viele Eltern bleiben abwechslungsweise zu hause. Aus allen Gärten rundherum hört man fröhliches Kinderlachen, Rasenmäher und brummende oder sägende Geräusche. Eltern packen den Rucksack und spazieren zum nahegelegenen Wald.

Für Felix und mich ist die «Isolation» nicht ganz so neu oder dramatisch. Wir müssen auf wenige Dinge verzichten. Die 3x wöchentlichen Dialysen zu Hause bedeuteten schon sehr wenig Freizeit. So nutzten wir die freien Tage oft für kleine Ausflüge, sei es in die Berge oder ans Meer. Da unser Lieblingsrestaurant am Meer einen Besitzerwechsel hatte und eben nicht mehr so gut ist, fällt uns auch der Verzicht auf den Restaurantbesuch nicht allzu schwer. Felix geht seit 2 Wochen nicht mehr in die Physiotherapie, so geniessen wir diese zusätzliche freie Zeit umso mehr. Wir machen Ausfahrten in die Natur und stellen fest wie gut dies tut. Es unterbricht die Informationsflut und wir erfreuen uns an der knospenden Natur. Einmal mehr sind wir dankbar, dass wir die Dialyse zu Hause machen können, so sind wir kaum äusseren Einflüssen ausgesetzt. Einkaufen tue ich nun alleine einmal in der Woche und den frischen Fisch und das Gemüse hole ich auf dem kleinen Wochenmarkt. Brot backe ich schon seit Jahren meistens selbst.

Ich stelle fest, dass die Telefonate mit meiner betagten Mutter jetzt immer etwas länger dauern und wir uns so viel näherkommen.

Da uns jetzt auch mehr Zeit bleibt, können wir diese nutzen um Schinkengipfeli selbst zu machen und einfrieren. Basteln und rund ums Haus werkeln. Unkraut jäten, Rasen mähen etc. Mit Bazooka spielen und viel Lesen. Ich habe mir extra noch Lasur gekauft um die verwitterten Holztische und Bänke zu streichen.

Gehamstert haben wir nicht, einfach nur vernünftig eingekauft. Aber bei etwas habe ich ganz bewusst Vorrat angelegt, nämlich mit dem «downladen» von Büchern von meiner Stadtbibliothek. Damit habe ich auch fast einen Tag vertrödelt, um mich zu entscheiden, welches Buch nun in meine persönliche Bibliothek kommt. Und mit meinen Fotobüchern bin ich auch noch 3 Jahre im Rückstand.

Ganz bewusst habe ich mich entschieden, nur noch 1x im Tag die Nachrichten zu verfolgen. Wir werden auch so überhäuft mit vielen guten Tipps um den Corona Virus fernzuhalten. Da ist alles dabei vom Gurgeln bis zum Beten.

Ich halte es wie immer, wenn die Gedanken zu trübe werden, suche ich Trost in einer Beschäftigung, die mir Freude macht.

So wünsche ich euch allen auch ganz viele gute Momente und freudvolle Beschäftigungen. Mir ist bewusst, dass viele von euch sich nicht manuell beschäftigen können. Solltet ihr Lust auf einen Chat haben. Ich nehme mir Zeit und freue mich. Falls jemand gerne telefonischen Kontakt wünscht, dann schreibt mir eine Privatnachricht und dann plaudern wir ein bisschen.

Einmal mehr hilft mir mein Lieblingsgedicht «Stufen» von Hermann Hesse. Ich stelle es nochmals ein. Herzlichst, Silvia

 

Stufen

 

Wie jede Blüte welkt und jede Jugend
dem Alter weicht, blüht jede Lebensstufe,
Blüht jede Weisheit auch und jede Tugend
zu ihrer Zeit und darf nicht ewig dauern.
Es muß das Herz bei jedem Lebensrufe
bereit zum Abschied sein und Neubeginne,
um sich in Tapferkeit und ohne Trauern
in andre, neue Bindungen zu geben.
Und jedem Anfang wohnt ein Zauber inne,
der uns beschützt und der uns hilft, zu leben.

Wir sollen heiter Raum um Raum durchschreiten,
An keinem wie an einer Heimat hängen,
Der Weltgeist will nicht fesseln uns und engen,
Er will uns Stuf´ um Stufe heben, weiten.
Kaum sind wir heimisch einem Lebenskreise
Und traulich eingewohnt, so droht Erschlaffen;
Nur wer bereit zu Aufbruch ist und Reise,
Mag lähmender Gewöhnung sich entraffen.

Es wird vielleicht auch noch die Todesstunde
Uns neuen Räumen jung entgegen senden,
Des Lebens Ruf an uns wird niemals enden,
Wohlan denn Herz, nimm Abschied und gesunde!

Hermann Hesse

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Liebe Community-Familie

Das Corona-Thema hat uns fest im Griff. Ab heute um Mitternacht steht die Schweiz grösstenteils still.

Grosse Probleme kommen vor allem auf die Alleinerziehenden zu, die nicht so rasch alternative Lösungen finden, wenn die Grosseltern ausfallen. Jetzt wird Nachbarschaftshilfe ganz wichtig. Neue Betreuungsmöglichkeiten lassen sich nicht von heute auf morgen finden.

Auf der anderen Seite bin ich durch meinen Bekannten- und Freundeskreis mit älteren und alten alleinlebenden Personen in Kontakt. Für sie ist diese neue Isolation besonders belastend. Ehrenamtliche Tätigkeiten sind abgesagt, Seniorenwanderungen auf irgendwann verschoben. Schöne Kontakte mit jungen Familien im Haus sind auch nicht mehr möglich. Eine kinderlose Freundin hat ihre Rolle als Ersatzgrosi immer sehr genossen. Dass auch Bibliotheken schliessen müssen, wird von Aelteren besonders bedauert.

Heute hat mir der Augenarzt empfohlen, meinen Termin auf Juni zu verschieben. Meine Kurferien am Sempachersee wage ich noch nicht zu buchen trotz Gutschein von Fr. 100.--. Physiotherapie ist ebenfalls abgesagt.

Wirklich glückliche Gesichter sehe ich per WhatsApp bei unseren beiden Enkelkindern. Wahrscheinlich sind sie bis Ende April vom Schulbesuch befreit. Und schon sind sie dabei, neue, kreative Rezepte für das Mittagsmenu zu planen und umzusetzen.

Gestern Nachmittag habe ich es so genossen, zwei Stunden an der Frühlingssonne vor unserer Scheune zu sitzen und eine bunte Vogelschar zu beobachten, die aus unseren zahlreichen Futtersäcklein ihren Bauch füllten. Sind sie vielleicht auch am Hamstern? Das war mein highlight des Tages.

Zum Glück kann ich Freundschaften auch durch Telefongespräche, E-Mail oder WhatsApp pflegen.

"Freundschaft macht im Herzen wieder Schönwetter nach Stürmen und Unwettern." (Francis Bacon)

Liebe Silvia, ich freue mich, dass dir mein Lieblingsgedicht von Hermann Hesse auch so gut gefällt ;-)

Liebe Community-Familie, wir bleiben uns auch in der Corona-Zeit freundschaftlich verbunden.

Mit herzlichem Gruss

cucusita

Johannes
Community Manager
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Ihr Lieben

Vielen Dank Silvia für Deinen schönen Stimmungsbericht! Es freut mich zu lesen, dass Du und Felix für die kommende Zeit bestens gerüstet seid und Ihr aus der Isolation sogar etwas Positives ziehen könnt und schöne Dinge tut. Euch hilft wohl auch, dass Ihr Eure eigene schlimmste Krise schon vor einem Jahr hinter Euch gebracht habt, um nun diese hier recht gelassen anzugehen. Danke auch für Dein liebes Angebot zum Chatten und Plaudern – ich kann jedem nur empfehlen, es in Anspruch zu nehmen 😉

Liebe cucusita, für Dich in der Kleinstadt und für Deinen Bekanntenkreis ist es wohl etwas schwieriger, den neuen Lebensumständen viel Gutes abzugewinnen, die ja hier in der Schweiz noch nicht einmal die letzte Stufe erreicht haben. Es ist aber schön zu wissen, dass Du auch das Telefon und die neuen Medien gut nutzen kannst, um Kontakte zu pflegen und positive Gedanken auszusenden – davon profitieren wir ja hier auf der Community quasi täglich 😊

Ich wünsche Euch alles Gute in dieser besonderen Zeit – bleibt gesund!

Johannes

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Hallo ihr Lieben

Bei uns ist nun alles schon wieder einen Schritt weiter. Wir benötigen nun einen "Passierschein" dh. eine Attestation de déplacement. Diese dürfen wir uns aber selbst ausstellen. So können wir damit einkaufen, zu Arzt oder mit dem Hund Gassi gehen. Bin gespannt, wann ich diesen hier auf dem Land erstmals zeigen muss. Leider ist in der Zwischenzeit auch der Wochenmarkt eingestellt und so gibt es also die nächsten Tage keinen frischen Fisch. Aber im Nachbarsdorf haben wir einen Gemüsehändler da haben wir Dienstag und Freitag immer frisches Gemüse. Dies soll vorerst offen bleiben. Gut, denn die Spargeln spriessen.

Um möglichst keine Fremdpersonen im Haus zu haben sind wir mit unserer "Perle" übereingekommen, dass sie anstatt putzt unsere Einkäufe erledigt. Da ja Einkaufen mit ziemlich viel anstehen verbunden ist, wird sie dies übernehmen. So macht sie ihre und unsere Einkäufe gleichzeitig und ich bezahle ihr den Lohn weiter. Für uns eine enorme Entlastung und beiden gedient.

Liebe Cucussita, mir geht es auch so mit der Vogelbeobachtung. Ich liebe dies und schon zu Zeiten ohnen Corona verbrachten wir Stunden am Fenster. 

Und ja, das Telefon ist wirklich super. Aber heute hatte ich mehrmals Probleme, da das Netz überlastet war. 

Häbets guet, herzlichst, Silvia

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Hallo Ihr Lieben,

es ist schön, von Euch zu lesen.

Hier bei uns scheint die Sonne. Gestern sass ich einige Zeit am offenen Fenster in der Sonne und habe die kühle Luft und die warmen Sonnenstrahlen genossen. Es war ganz ruhig, das kenne ich so von der Stadt kaum. Keine Autos, keine Menschenstimmen, das einzige Geräusch war der Wind in den Bäumen. Diese Stille, in der man nur die Geräusche der Natur in den Gärten hinter dem Haus hört, geniesse ich sonst bei meinen Landfluchten immer so.

In den nächsten Tagen werde ich entscheiden, welche Kräuter ich innen für meine Fensterbank haben will. Ein kleiner Laden in der Nähe würde mir Kästen bepflanzen und liefern und berät mich ganz toll, darüber freue ich mich sehr. Falls Ihr noch Tipps habt für Kräuter, die ich nicht vergessen sollte: Gern! Ich hätte auch gerne ein, zwei Kästen mit Rucola, das esse ich sehr gerne. Ich hoffe, dass meine wechselhafte Gesundheit es mir erlaubt, die Pflanzen dann richtig zu pflegen - bislang habe ich nur sehr pflegeleichte Pflanzen in der Wohnung.

Jeden Abend um 19 Uhr stelle ich eine Kerze ins Fenster zur Straße hin und nehme mir bewusst Zeit, in Gedanken bei den Menschen zu sein, die mir am Herzen liegen und bei denen, die in dieser Situation besondere Verantwortung tragen.

Ganz liebe Grüße,

odyssita

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