Die Online-Community für Menschen mit Querschnittlähmung, ihre Angehörigen und Freunde

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  1. Tulipe
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  3. Leben mit Querschnittlähmung
  4. Montag, 20. August 2018
Als Felix vor 2 Jahren im PZ Nottwil war, erzählte ihm ein Mitpatient von seinen Ferien in Oberstdorf im Allgäu. Letzten Winter nahmen wir uns Zeit und durchsuchten das Netz. Es stimmte, unzählige schön asphaltierte Wander- und Velowege luden ein, das Allgäu zu erkunden. Leider war das Dialysezentrum in Oberstdorf geschlossen, so fokussierten wir unsere Suche auf die Region Immenstadt. Für uns war klar, in diesem Sommer sollten unsere beiden kleinen Hunde mit dabei sein. Da kam nur eine Ferienwohnung in Frage. Obwohl es einige rollstuhlgängige Ferienwohnungen gab, waren wir im Februar schon zu spät. So suchten wir wie früher. Ebenerdig, Türbreite, Dusche zugänglich usw. Im Talgut fanden wir unsere Traumwohnung, die aber nur sehr bedingt rollstuhlgerecht ist. Aber mit unseren Hilfsmitteln und der jahrelangen Reiseerfahrung wagten wir den Schritt. Bei der Rücksprache mit der Vermieterin, erfuhren wir, dass es je eine Stufe gibt beim Eingang und in den Garten und Kiesweg. Kiesweg "mmh" überhaupt nicht ideal, aber wir haben ja den Swisstrac dabei. Für eine Rampe wollte Frau Horlacher sorgen.

Als wir dort ankamen, stiegen mir die Tränen in die Augen. Der Kiesweg war feinsäuberlich gewischt und die nagelneue Rampe blitzte im Sonnenschein. Wir haben schon viel erlebt, aber dass jemand den Kiesweg extra geräumt hat, schier unglaublich.

Eine traumhafte Wohnung erwartete uns, der Garten extra noch eingezäunt für unsere Hunde. So viel Gastfreundschaft ist kaum zu überbieten.

Natürlich gab es auch viele Handicaps und wir wurden sehr gefordert. Es war in den Ferien und unseren Reisen schon immer so, die Welt ist nicht für Rollstuhlfahrer gemacht. Man ist immer irgendwie auf Hilfe angewiesen, wenn man sie dankbar annimmt kann man unheimlich viel Schönes sehen erleben und erfahren.

Nach den Ferien brauche ich meist 12 Sitzungen bei der Physio – diesmal war es anders. Zwar war nichts einfacher als sonst, im Gegenteil und bei jeder Etappe Auto be- und entladen, so ein Chrampf, aber in der Nähe gab es ein Thermalbad. Immer wenn Felix in der Dialyse war, besuchte ich das Wonnemar (leider nicht rollstuhlgerecht) und stellte mich an jede Düse. Und siehe da, einfach mirakulös. Ich will ein Thermalbad im Garten!

Eine wunderschöne Gegend dieses Allgäu, alles fein säuberlich geputzt und saftig grün – ein happiger Kontrast zu unserem Languedoc.

Mit der Gondel fuhren wir aufs Nebelhorn und aufs Fellhorn. Herrlich kühl hier oben.

Natürlich genossen wir auch die deutsche Küche, ein bisschen währschafter als die Mediterrane, aber dies gehört zum Urlaub dazu. Ein besonders Erlebnis hatten wir im Gartenrestaurant auf der Sonnenalp. Eine wildfremde Dame bestellte nachdem sie hörte, dass wir noch nie Kaiserschmarrn gegessen haben, eine Portion mit 3 Gabeln. Mmh, so fein….

Auf der Heimfahrt machten wir einen Halt im Pfahlbauerdorf Unteruhldingen am Bodensee. Alles prima rollstuhlgängig und gut geeignet für einen Tagesausflug.

Und zu guter Letzt ein Besuch im PZ. Während Felix seine Termine wahrnahm traf ich mich derweil mit Johannes, der mir ein feines Dessert spendierte, Danke! Es war schön ihn persönlich kennenzulernen.

Es waren schöne Ferien und wir hatten sagenhaftes Wetterglück. Trotzdem merkte ich wie bei uns beiden die Anspannung fiel, kaum hatten wir unser eigenes Gartentor wieder passiert.

Ferien sind für uns keine körperliche Erholung sondern eine tolle Abwechslung vom Alltag. Erholen tun wir uns jetzt.

Und solltet ihr nun Lust auf Ferien im Allgäu haben, wenn ihr rechtzeitig sucht, findet ihr bestimmt eine rollstuhlgängige Ferienwohnung oder ein Hotel.

Herzliche Grüsse, Silvia



 

 
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Johannes
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Liebe Silvia Herzlichen Dank für den anschaulichen Bericht Eurer Reise ins Allgäu. Es ist toll, dass Ihr trotz all der Anstrengungen, die mit einer solchen Reise verbunden sind, so viele positive Eindrücke sammeln konntet – dann nimmt man umso eher in Kauf, dass man sich hinterher von der Reise erholen muss. Erfreulicherweise haben sich in meinem Heimatland die Gastgeber besser angestellt als bei Deinem unerfreulichen Erlebnis in Sugiez ;) Mich hat es auch sehr gefreut, Dich persönlich kennenzulernen. Ich habe grossen Respekt, wie professionell Du das Reisen mit einem Rollstuhlfahrer, der zudem auf die Dialyse angewiesen ist, meisterst. Und ich war schwer beeindruckt, wie Du ein Auto bis auf den letzten Quadratzentimeter vollpacken kannst ;) Jeder ist herzlich willkommen, seine Reiseerlebnisse hier zu teilen – wir sind gespannt! Liebe Grüsse Johannes

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Liebe Tulipe-Familie
Eure Gastgeberfamilie im Allgäu hat mich tief beeindruckt. Nicht nur der sauber gewischte Kiesweg, sondern auch die Einzäunung des Gartes für Eure Lieblinge sind keine Selbstverständlichkeit, sondern zeugen von Herzenswärme. – Du hast eindrücklich beschrieben: Hilfe dankbar annehmen können oder auch darum bitten, ist unerlässlich. Im letzteren habe ich noch Lernbedarf ?. Du hast es wieder meisterhaft verstanden, das Notwendige mit dem Wohltuenden zu verbinden; Dialyse und Thermalbad.
Wenn ich das Wort „Kaiserschmarrn“ lese, läuft mir schon das Wasser im Mund zusammen. Ich bin absoluter Fan von Mehlspeisen. Auf unserer Hochzeitsreise vor 50 Jahren wollte ich nach einer wunderbaren, reichhaltigen Mahlzeit als Nachspeise „Salzburger Nockerln“ bestellen, worauf mir der Kellner lachend entgegnete: „Aber Madame, das schaffen’s nie“. Ich Greenhorn hatte ja keine Ahnung, wie sättigend dieses Gericht ist. Und so warte ich bis heute auf diese Nockerln. Oder ich könnte mir doch auch im Internet ein feines Rezept herausaussuchen und selber die Kochmütze aufsetzen ?.
Jetzt wünsche ich Euch „Vieren“ recht gute Erholung nach den tollen Ferien im Allgäu.
Herzliche Grüsse von
cucusita
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