Die Online-Community für Menschen mit Querschnittlähmung, ihre Angehörigen und Freunde

  1. cucusita
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  3. Leben mit Querschnittlähmung
  4. Dienstag, 18. September 2018
An einem heissen Sommernachmittag zieht es mich oft in Richtung Freizeitpark. In nur zehn Minuten erreiche ich diese Oase mit meinem E-Scooter. Hühner - die Seidenhühnchen haben es mir besonders angetan -, Enten, Geisslein, Ponys und Esel erhalten hier eine liebevolle Pflege. Auf diesem romantischen Spielplatz treffen sich gerne Mütter mit ihren Kleinkindern. Für alle stehen genügend Tische, Stühle und Sonnenschirme bereit. Es herrscht ein fröhliches Treiben, unterbrochen von einem gelegentlichen i-ah aus der Eselfamilie. Auch ich suche mir stets ein Schattenplätzli, bleibe aber in meinem Gefährt sitzen (aus Bequemlichkeit). - Plötzlich fällt mein Blick auf etwa zwölf Frauen, Muslimas, in ihren bodenlangen, schwarzen Gewändern. Zwei Frauen tragen eine komplette Gesichtsverschleierung, was mich ziemlich irritierte. Offenbar haben sich hier drei Generationen versammelt. Im riesigen Sandkasten vergnügen sich ihre Kinder, resp. Grosskinder. - Meine Gedanken machen Purzelbäume. Wer sind sie? Warum sind sie hier? Meine Neugier wächst. Dieses Bild entspricht nicht gerade meiner Vorstellung von gelungener Integration. Immer mehr verstricke ich mich in Fantasien. Auf mein mitgebrachtes Buch kann ich mich längst nicht mehr konzentrieren. 
Plötzlich erhebt sich aus dieser homogenen Gruppe eine junge Frau ohne Gesichtsverschleierung. Langsam kommt sie direkt auf mich zu. In den Händen trägt sie eine Konfektschachtel. Sie lächelt mich freundlich an, öffnet diese vorsichtig und... in fehlerfreiem Hochdeutsch höre ich ihre Worte: "Bitte bedienen Sie sich. Sie dürfen auch gerne noch einige mit nach Hause nehmen. Sie sind selbst gebacken." Schamröte steigt mir ins Gesicht, während ich mir eine Kleinigkeit gönne und mich herzlich bedanke.
Viel später löst sich das Rätsel auf. Hier werden gelegentlich Informationsnachmittage für Frauen mit muslimischem Hintergrund angeboten.
Liebe Grüsse von
cucusita
fritz
Blog-Autor
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eine hübsche und anschauliche Anekdote!
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Liebe cucusita
Schon lange wollte ich dir schreiben und danken für deinen anschaulichen Erlebnisbericht. Aber ich war ja grad unterwegs im Lande wo die Frauen vermehrt verhüllt unterwegs sind. Zwar kaum Vollverschleierung, aber halt mit Kopftuch und Abaya. In Frankreich, gerade hier in unserer Region leben viele Menschen aus muslimischen Ländern. So bin ich mir dies gewöhnt. Trotzdem bin ich nicht gefeit vor Vorurteilen. Aber immer mehr denke ich, warum lassen wir diesen Frauen nicht einfach ihre Kopftücher? Was stört uns daran? Hat mir je eine muslimische Frau etwas getan? Im Gegenteil, gerade in Aegypten habe ich eine Herzlichkeit erlebt und fühlte mich so sicher, wie selten irgendwo. Gell, schön sind diese Erfahrungen, die auch du  grad gemacht hast. 
Herzliche Grüsse, Silvia
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Liebe Tulipe,
tatsächlich hat sich dieses Bild der "schwarzen" Muslimas am langen Tisch für immer in meine Erinnerung eingegraben. Aber auch das freundliche Lächeln dieser mutigen jungen Frau werde ich nie vergessen. Mit wenigen Worten hat sie meine ganze Sympathie gewonnen :-)
Mit herzlichem Gruss
cucusita
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Hallo,
auch mich hat die Herzlichkeit in meinem Urlaub in Ägypten wirklich beeindruckt. Wenn man Kontakt zu einzelnen Menschen hat, dann rückt das Vorurteile ganz schnell zurecht. Wie dankbar bin ich für all die schönen Begegnungen, die ich schon in verschiedenen Ecken der Welt erleben durfte. Schon manchmal habe ich mir gedacht, dass jeder Mensch die Erfahrung machen sollte, in einem anderen Land in eine andere Kultur einzutauchen. Gerade in Sachen Herzlichkeit und Gastfreundschaft bin ich da regelrecht demütig geworden und habe mir gewünscht, davon zu lernen und das mit zurück zu bringen...
Liebe Grüße,
odyssita
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