Die Online-Community für Menschen mit Querschnittlähmung, ihre Angehörigen und Freunde

  1. Karo_old
  2. {ed-badge-title-trailblazer}
  3. Archiv Frag den Doktor
  4. Freitag, 06. März 2015
Mit scheint es das sehr vieles im Bereich Wirbelsäule und Nervenbahnen noch immer ein grosses Fragezeichen zu sein scheint... Ist es so, dass man bis heute viele Sachen einfach noch nicht Beantworten kann? 
Akzeptierte Antwort Pending Moderation
Hallo Karo



 



Warum ist noch vieles so unklar? Zu dieser Frage könnte man
ein ganzes Buch schreiben!



 



Ich nehme an, Du beziehst diese Frage auf das Wissen rund um
die Querschnittlähmung.



Die Paraplegiologie (= Wissenschaft der QS-Lähmung) ist ein
Randgebiet der Medizin, das nur von einigen wenigen Ärzten und noch viel weniger
Spitälern betrieben wird. Es setzt sich aus einer Vielzahl von Disziplinen
zusammen, von der Neurologie, Orthopädie und Neurochirurgie über Intensivmedizin,
Rehabilitationsmedizin, Physiotherapie, Ergotherapie bis hin zur Psychologie
und Sozialmedizin, um nur einige zu nennen.



Eine Querschnittlähmung ist ein vielschichtiges Problem und
viele Phänomene dieser Gesundheitsstörung lassen sich nur erklären, wenn man
die Auswirkungen und Interaktionen auf unterschiedlichen Ebenen versteht.



 



 



Der geheime Wunsch jedes Patienten ist wieder gehen zu
können, auch wenn dieser nicht immer zuvorderst steht.



Dazu müsste man wissen, wie man die verletzten Nervenbahnen
und Nervenzellen wieder zum Funktionieren bringen könnte. Dies ist Aufgabe Grundlagenforschung,
die sich Schritt für Schritt an mögliche Lösungen herantastet, sei es in
Zellkulturen oder mit Tiermodellen. Inwieweit diese Resultate dann auf den
Menschen übertragbar sind, muss durch weitere Versuche an Affen und
schliesslich am Menschen bewiesen werden. (Siehe auch https://www.paraforum.ch/patients-counselling-forum/postdetail.jsf?id=298)




 



Forschung am Menschen unterliegt heute ausserordentlich
strengen Vorschriften (Bundesgesetz über die Forschung am Menschen) (http://www.bag.admin.ch/themen/medizin/00701/00702/07558/) und dies bedeutet
einen riesigen administrativen, apparativen und finanziellen Aufwand.



Es gibt im Vergleich zu anderen Gesundheitsstörungen relativ
wenig Patienten und jeder Patient zeigt eine andere Ausprägung der Lähmung,
weil das Rückenmark nie genau gleich verletzt ist.



Damit genügend freiwillige Probanden zu finden sind, müssen
entweder Patientegruppen gebildet werden oder mehrere Zentren müssen (manchmal über die Landesgrenzen hinaus) miteinander zusammenarbeiten,
was die Sache nicht gerade vereinfacht.



 



Viele Berichte über einzelne Fallbeobachtungen, die durch
die Medien als grosse Erfolge breit ausgeschlachtet werden, sind auch durch korrekt
und konsequent eingesetzte Rehabilitationsmassnahmen möglich. Es ist in diesen
Fällen oft schwierig zu unterscheiden, was im Rahmen der natürlichen Erholung
erreicht werden kann und was schliesslich das Resultat einer zusätzlichen
Intervention darstellt. Um dies herauszufinden wäre ein Kollektiv mit mehreren
Probanden nötig, die leider nicht zur Verfügung stehen. Die natürliche Erholung
kann in den ersten 2-3 Monaten dramatische Verbesserungen bringen. (Dazu bitte
auch meinen Beitrag https://www.paraforum.ch/life-and-culture/postdetail.jsf?id=115
lesen).



 



Es darf dabei nicht vergessen werden, dass es verschiedene andere
Forschungsansätze gibt, die die Lebensbedingungen, die Selbständigkeit,
Unabhängigkeit und Mobilität der Querschnittgelähmten wesentlich verbessern.
Ich denke z. B. an Forschung im Bereiche der Rehabilitationstechnik, Hilfsmittel,
Interfacetechnik zu Computern, Robotik oder Sicherheitstechnik.



Die Querschnittgelähmten profitieren auch von den
Ergebnissen der psychosozialen Untersuchungen der Schweizer Paraplegiker-Forschung
und andere Paraplegiker-Zentren unterhalten ihre speziellen Forschungszentren
mit klar fokussierten Zielen.



Auch Ergebnisse aus anderen Bereichen der Medizin (z. B. Wundheilung
(Decubitus), Orthopädie, plastische Chirurgie, Spastikbehandlung, Infektprophylaxe
etc.). helfen, die Behandlung und damit die Lebensbedingungen von
Querschnittgelähmten zu verbessern. In den vergangenen 30 Jahren wurde damit schon einiges erreicht.


 



Schliesslich müssen auch einige ökonomische Probleme berücksichtigt
werden. Die Resultate der Grundlagenforschung dienen meist nur einigen wenigen,
speziell ausgesuchten Fällen. Die Industrie kann damit nicht im gleichen Masse
Geld verdienen wie z. B. mit Diabetes (=Zuckerkrankheit) oder Hypertonie (=Bluthochdruck).
Das Interesse für unseren Bereich der medizinischen Forschung ist daher eher gering
und deshalb sind diese Forschungsprojekte schwierig zu finanzieren und durchzuführen.



 



Wir versuchen mit unserer Webseite "paraforum" den heutigen
Stand der Wissenschaft für die Leser allgemeinverständlich darzustellen und auf
gezielte Fragen nach bestem Wissen zu antworten. Leider liegt noch vieles im
Dunkeln, aber täglich kommt Neues dazu!



 



In diesem Sinne hoffe ich auf weitere Reaktionen.



 



9.3.2015, Dr._Hans
  1. vor über einem Monat
  2. Archiv Frag den Doktor
  3. # 1 1
Akzeptierte Antwort Pending Moderation
vielen Dank für die Antwort... es ist einfach so frustrierend im Rollstuhl zu hocken während die 4 Kinder um einem rum rennen und nicht einmal zu wissen wie es weiter gehen soll... Querschnitt gelähmt tönt nach einer diagnose - ist es aber doch eher eine ansammlung vieler Diagnosen und Ursachen und allem.... 
IV, Versicherung alle wollen klare Diagnosen - ärzte können keine geben weil sie noch weiter suchen wollen.. und ich bin die die darunter leidet... das nevt... 
  1. vor über einem Monat
  2. Archiv Frag den Doktor
  3. # 1 2
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