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  1. Hutsch_old
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  3. Archiv Frag den Doktor
  4. Mittwoch, 29. März 2017
Hallo zusammen
Ich habe lange überlegt, ob ich hier schreiben darf, da es mir - im Gegensatz zu vielen hier - sehr gut geht, und trotzdem empfinde ich meine Einschränkungen oft als gross.
Vor 3 Jahren wurde in Höhe Th6 eine Zyste entfernt. Folgen sind nur noch eine Blase, die nicht funktioniert, die ich jedoch mit einem Sakralen Neurostimulator wieder im Griff habe und nicht mehr kathetrisieren muss. Seither habe ich auch keine autonome Dysreflexien mehr gemacht. Ich habe eine Fussorthese, so kann ich gut arbeiten und einen Lähmungssiefel für die Freizeit, sodass ich wieder normal gehen kann. Und Schmerzen, "nur" im OP-Gebiet, welche laut Schmerzärzten gemischt neuropatisch/nozizeptiv sind. Es wurde schon 2x mittels Radiofrequenzablation behandelt, was super nützte, jedoch nie für lange. Ich möchte nicht ewig Schmerzmittel nehmen, da mit 2400mg Ibuprofen und 4g Novalgin die Nieren und Leber irgendwann kaputt sind. MST kann ich nur in arbeitsfreien Tagen nehmen, weil ich sonst kognitiv zu sehr eingeschränkt bin.
Plötzlich kam mir die Idee, mich "einzugipsen", da ich nur Schmerzen habe, wenn ich mich bewege. Vor allem Rotationsbewegungen lösen die Schmerzen aus. Wenn ich nichts mache und liege habe ich keine Schmerzen. Ich bin aber ein Bewegungsmensch, ich habe mein Leben schon dermassen umgestellt, ich kann nicht noch weniger machen, das ist für mich keine Lebensqualität mehr. Grundsätzlich war die Angst der Therapeuten, dass ich mich in einem 3-Punkte-Korsett "ausruhe" und mich dann nicht mehr bewege und deshalb die Muskulatur zurück geht. Sie kenne mich nun aber so gut, dass sie wissen, dass Bewegung mein Leben ist. Seit 3 Monaten habe ich das Korsett und ziehe es zu Hause oft an und kann so meinen Haushalt wieder selbständig erledigen, was vorher nicht möglich war wegen der Schmerzen.
Trotzdem bin ich unsicher, ob das auf die Länge nicht schlecht ist?! Ich sehe zwar nur Vorteile: ich liege nicht mehr x Stunden am Tag auf dem Sofa, sondern bin den ganzen Tag in senkrechter Lage und kann meinen Alltag wieder selbständig bewältigen. Obwohl ich im Korsett in den Bewegungen eingeschränkt bin, bewege ich mich viel mehr wie zuvor.
In gespannter Vorfreude auf Antworten
Hutsch
Akzeptierte Antwort Pending Moderation
Diese Schilderung ist doch ein Musterbeispiel, wie selbst entwickelte Anpassungtechniken oft die besten sind, Im Austausch lässt sich in dert Folge ergründen, ob die eigene Entdeckung wirklich eine Neuerfindung ist oder ob andere denselben Schlich auch schon gefunden haben. Über dieses Portal erfährst du zudem, ob deine Vorgehensweise noch unerwünschte Nebenwiirkungen haben könnte, an die du vielleicht jetzt nicht denkst. Ich sehe nicht, was gegen den Trick mit dem Korsett sprechen könnte, zumal du es ja nicht immer trägst.
Weiter so!
  1. vor über einem Monat
  2. Archiv Frag den Doktor
  3. # 1 1
Akzeptierte Antwort Pending Moderation
Lieber Dr._Hans
Herzlichen Dank für die Ausführungen: es beruhigt mich doch sehr, dass auch aus neutralerSicht nichts dagegen sondern nur für das Korsett spricht! Ich habe seit 3 Monaten keine einzige Schmerztablette wegen der Rückenschmerzen benötigt, so sind sie ganz erträglich.
Herzliche Grüße Hutsch
  1. vor über einem Monat
  2. Archiv Frag den Doktor
  3. # 1 2
Akzeptierte Antwort Pending Moderation
Hallo Hutsch!
Vielen Dank für die präzise Schilderung Deines Problems.
Du hast recht, dass die hohen Dosen von Schmerzmitteln erhebliche Nebenwirkungen haben können, nicht nur auf die Aufmerksamkeit und Reaktionszeit (Autofahren) sondern auch auf Leber, Niere, Herz, Magen und die Blutgerinnung (Thrombosen oder Blutungen) (Ibuprofen in Maximaldosierung). Je nach den anderen Medikamenten, die Du noch dazu nimmst, wird das Risiko grösser. Auf jeden Fall nicht auch noch mit Alkohol kombinieren!
Zur Frage des Korsetts: Sich eingipsen lassen, würde eine Immobilisation wie in einem Zweischalenkorsett bedeuten (eine Schale am Rücken und ein Schale am Bauch, die mit Gurten zusammengeschnallt wurden (wie eine Schildkröte!)) . Früher hat man den Kindern solche Korsette angepasst, um die Entwicklung von Wirbelsäulenverkrümmungen (Skoliose) zu verhindern. Genützt hat es eher wenig, dafür hat es immer wieder Druckstellen und Rötungen verursacht und die Kinder wirklich behindert.
Bei Erwachsenen z. B. nach Wirbelfrakturen wegen Osteoporose (Knochenschwund) führten solche Korsette zu noch schnellerem Abbau der Knochensubstanz der Wirbelsäule und der Rückenmuskulatur, da sich die Patienten nicht mehr bewegten und auch nicht mehr bewegen konnten, wenn das Korsett richtig passte. Wenn man nach 6-10 Wochen das Korsett wieder abgewöhnen musste, war die ganze Problematik noch viel schlimmer, die Rückenmuskulatur geschwächt, die Knochen weiter abgebaut und das Frakturrisiko noch grösser.
Die Angst der Ärzte ist in diesen Tatsachen und Erfahrungen früherer Zeiten begründet. niemand möchte eine Empfehlung abgeben, die potentiell zu einem höheren Risiko für den Patienten führt.
Heute verwendet man praktisch nur noch Dreipunktkorsette, die den Rumpf aufrichten, in dem sie vorne am oberen Brustbein und unten an der Symphyse des Schambeins aufliegen und am Rücken in der Höhe der unteren Brustwirbelsäule über eine Pelotte mit einen verstellbaren Gurt die Wirbelsäule aufrichten. Die Rückenmuskulatur, die für das aufrechte Stehen und Gehen benötigt wird, muss trotzdem ihre Arbeit verrichten und auch die axiale Belastung der Wirbelsäule (in Längsrichtung) ist praktisch unverändert. Das einzige, was das Dreipunktekorsett dabei tut, ist den Rücken und damit den Rumpf in eine physiologisch korrekte, aufrechte Haltung zu bringen und Beuge- und Drehbewegungen zu verhindern.
Ich kann mir kaum vorstellen, dass man sich in einem Dreipunktekorsett gross ausruhen könnte. Man wird einfach immer wieder durch sanften Druck daran erinnert, sich rückengerecht zu bewegen. Zudem verstehe ich, dass Du das Korsett nicht 24 Stunden am Tag trägst.
Ich bin daher der Meinung (= meine persönliche Meinung) dass in Deinem Fall das Tragen des 3-Punkte Korsetts während der Hausarbeit (oder Büroarbeit) nicht schädlich ist. Alleine die Bewegungseinschränkungen sind möglicherweise störend. Wenn dadurch aber die Schmerzmittel reduziert werden können oder wenn dadurch sogar ganz auf sie verzichtet werden kann, sehe ich das eigentlich nur positiv. Man muss hier Vorteile gegenüber Nachteilen abwägen. Ich denke, die Vorteile überwiegen.
Mit freundlichen Grüssen
Dr._Hans, 31.3.2017
  1. vor über einem Monat
  2. Archiv Frag den Doktor
  3. # 1 3
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