1. KaRo Frischling
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  3. Montag, 30. August 2021

Hallo,  bei einem Unfall habe ich mir einen Halswirbel (C5) gebrochen und sitze seitdem mit inkompletten Querschnitt und ziemlichen Spastiken im Rollstuhl. Um die Spastiken in den Griff zu bekommen habe ich schon einiges ausprobiert (natürlich alle Arten von Muskelrelaxan (Baclofen, Sirdalud...), Botolinumtoxin, Med. Cannabis in verschiedenen Formen und auch Naturheilkundliches). Alles hat keine Wirkung auf die Spastiken. Regelmäßige Krankengymnastik,  Vojta Behandlungen und Motomed Einheiten habe ich natürlich auch.  Bewegung und stehen im Stehtrainer sind hilfreich,  aber nur relativ kurzfristig wirkungsvoll.   Zufällig habe ich herausgefunden, dass Kortison eine super Wirkung auf die Spastiken hat. Nachdem ich, bei einem Krankenhausaufenthalt, das gesamte Muskelrelaxan abgesetzt habe und 9mg Budesonid genommen habe,  waren sie verschwunden,  meine eigene Aktivität aber nicht. Nach einem 'Versuch ' mit meinem Neurologen mit 20mg Prednisolon wurden sie zumindest besser.  Mit Infusionen, mit denen z.B. MS-Patienten behandelt werden, wurde es nur nach der ersten etwas  besser,  nach den am nächsten bzw übernächsten Tag wurde es schlechter.  Da man Kortison ja nicht langfristig nehmen darf, weiß ich zwar was mir hilft, soll es aber nicht nehmen.  Jetzt meine Frage,  haben Sie das schon einmal gehört und wissen was stattdessen helfen könnte? Die Neurologen bei denen ich bisher war sind ratlos.

Viele Grüße, Katja 

Dr. JEAN
Dr. Online
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Liebe Katja, bitte entschuldige die späte Antwort. Ich war leider abwesend die Tage.

Du stellst eine interessante Frage: Wie kann Cortison die Spastik beeinflussen?

Steroide machen manchmal eine sogenannte Steroid-Myopathie. Dabei werden die Muskeln schwächer. Ein einfacher Test dafür  beim Fussgänger ist, ihn zu bitten, aud einen Stuhl zu steigen. Wenn er das nicht mehr schafft, hat er eine steroidbedingte Muskelschwäche. Diese Nebenwirkung tritt allerdings erst bei langzeitiger Gabe auf und kommt als Erklärung bei Dir nicht in Frage.

Die zweite Möglichkeit, die mir einfällt, ist dass die abschwellende, entzündungshemmende Wirkung von Cortison eine Rolle spielt. Es ist wahrscheinlich, dass Deine Spastik durch irgend einen entzündlichen oder angeschwollenen Herd im gelähmten Bereich ausgelöst wird. Nach Einnahme von Cortison beruhigt sich dieser Herd und die Spastik verschwindet. Dieser Effekt ist leider, wir Du selbst beobachten musstest, nur von kurzer Dauer.

Cortison hat schwere Nebenwirkungen bei langzeitiger Anwendung. Der Blutzuckerhaushalt wird gestört bis hin zu Diabetes, auch führt es zu Abbau einer wichtigen Schicht in der Haut, der sogenannten Lederhaut. Diese ist für die Festigkeit  der Haut zuständig. Ich muss Dir wohl nicht erklären, was ein Verlust dieser Festigkeit bei einem Rollstuhlfahrer bedeutet. Der Dekubitus ist vorprogrammiert. Es gibt andere Medikamente, die ähnlich wirken aber etwas weniger Nebenwirkungen haben: Die nichtsteroidalen Entzündungshemmer wie Brufen oder Voltaren, Aber auch diese können zu erntshaften Schäden führen unter anderem an Magenschleimhaut, Darmschleimhaut und Niere. deshalb solltest Du diese Medikamente nie ohne Rücksprache mit Deinem Arzt einnehmen, auch nicht die rezeptfrei erhältlichen Produkte.

Was weiter? Ich denke, Du solltest zusammen mit Deinem Arzt den Auslöser der Spastik suchen. Leider kann dieser überall im gelähmten Breich sein. Und aufgrund der Lähmung kannst Du selbst nicht spüren, wo er ist. Immerhin scheint es, dass der Herd möglicherweise etwas mit Deiner Körperhaltung zu tun hat, da sich die Spastik beim Stehtraining bessert. Ich würde deshalb als erstes die Wirbelsäule genauer anschauen. Kannst Du die Spastik durch Haltung des Kopfs beeinflussen? Bessert es oder wird es schlimmer bei bestimmten Positionen im Bett oder Rollstuhl? Was passiert, wenn Du dich nach vorne oder hinten beugst? Das können wertvolle Anhaltspunkte sein für Deinen Arzt.

Ich hoffe, dass ihr zusammen mit deinen Angaben und vielleicht auch radiologische Untersuchungen dieses Rätsel lösen könnt und wünsche Dir alles Gute.

herzliche Grüsse

Dein Dr. JEAN

p.s. Es wäre schön, wenn Du hier posten könntest, was ihr gefunden habt

  1. vor über einem Monat
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KaRo Frischling
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Hallo Dr. JEAN,

vielen Dank für die Antwort.  Wir forschen weiter, wenn wir etwas finden melde ich mich.

 Viele Grüße, Katja 

  1. vor über einem Monat
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