1. Ray Beobachter
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  3. Samstag, 20. August 2022

Hallo,

Ich hatte vorletzten Montag meinen Oberschenkel operieren lassen weil er komplett gebrochen war. Jetzt wurde er operativ fixiert. Es kam auch raus das ich Osteoporose durch meine Lähmung habe die aber noch nicht extrem ist. Ich habe das Gefühl dass mein Knochen aber garnicht zusammen wächst weil er auch ständig knackt. In Kliniken habe ich auch schon angefragt aber stehe auf der Warteliste. Was kann ich machen damit es wieder zusammen wächst? Bei jedem Transfer habe ich bedenken das ich dadurch die Heilung zu nichte mache. 

Ich habe zu Hause einen Stehtisch. Kann ich es damit ausprobieren oder schadet es? Seit der OP habe ich auch massive Darmpropleme und 24/7 extreme neuropathische Schmerzen.

Ich habe noch ein Bild eingefügt das der Arzt vor der OP eingezeichnet hatte was genau gemacht wird.

Mfg Ramon 

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Dr. JEAN
Dr. Online
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Hallo Ramon,

Es ist schwierig, aufgrund Deiner Angaben etwas genaueres zu sagen. Ich nehme an, dass Du Paraplegiker bist, der seine Beine nicht im Alltag einsetzt. 

Wie Du schreibst, ist bei Lähmung mit einem schnelleren Abbau des Knochenkalks zu rechnen als beim Fussgänger. Auch beim Fussgänger aber gilt: Ab dem 40. Lebensjahr verliert der Fussgänger ca 1% Kalk  pro Jahr im Normallfall. 50% der Frauen über 50 Jahre und 20% der Männer werden einen osteoporosebedingten Knochenbruch erleiden. Der Grund , dass Frauen besonders betroffen sind, liegt am Abfall des Hormons Oestrogen in den Wechseljahren, dass die Knochen offenbar gar nicht mögern. Bei Querschnittgelähmten get der Abbau deutlich schneller.

Begünstigend für Osteoporose sind Bewegungsmangel, Nikotin , Alkohol und ein tiefer Vitamin-D-Spiegel. Bei der Ernährung sind calciumreiche Nahrungsmittel (Milchprodukte, bestimmte Mineralwasser) wichtig. 

Die Osteoporose wird an verschiedenen Knochen gemessen (Vorderarm, Lendenwirbelsäule, Hüfte und bei Gelähmten auch am Schienbein). Dazu wird ein spezielles Röntgengerät mit niedriger Strahlendosis eingesetzt, der DEXA-Scan.

Behandelt wird die Oteoporose durch Einnahme von Vitamin D, falls es erniedrigt ist, durch viel Bewegung im Freien und durch bestimmte Osteoporosemedikamente, die den Knochenabbau hemmen, meist sogenannte Biphosphonate. Diese werden oft wöchentlich oder sogar jährlich verabreicht, je nach Produkt. Die zusätzliche Gabe von Calcium ist heute nicht mehr üblich bei normaler Ernährung.

Die Behandlung der Osteoporose mit Medikamenten hat ihre Schwierigkeiten, vor allem bei Gelähmten. Wir wissen nicht, wann der ideale Zeitpunkt zur Behandlung ist, und wie lange man behandeln kann. um das herauszufinden müssen Gelähmte (ein insgesamt sehr seltenes Krankheitsbild) über viele Jahre beobachtet und gemessen werden, bis eine Fraktur (ebenfalls ein seltenes Ereignis zum Glück) auftritt. Ich denke jedoch, dass es richtig ist, die Gelähmten schon recht früh mit Osteoporosemedikamenten zu behandeln und so lange wie möglich. Dazu fast immer eine gute Dosis Vitamin D, damit es in den Wintermonaten nicht zu einem Mangel kommt. 

Nun zu Deiner Operation und dem Knacken, das Du gehört hast sowie Deiner Angst, dass es nicht zusammenwächst.

Ich hoffe, Dein Chirurg hat Dir das Implantat genau erklärt. Deine Zeichnung sieht aus wie ein Gamma-Nagel. Dieser besteht aus einem Nagel, der in der Knochenmarkshöhle liegt und unten verriegelt ist. Durch diesen Nagel geht oben eine dicke Schraube, die den Hüftgelenkskopf festhält. Wichtig für Dich ist, dass diese Schraube NICHT fix am Marknagel befestigt ist. Sie kann vor- und zurückgleiten, hält aber immer den Kopf im richtigen Winkel. Wir nennen das eine dynamische Schraube.Kein Wunder also, dass Du manchmal ein Knacken hörst. Beim Fussgänger wird so der Hüftkopf bei der Belastung des Beins täglich fest an den Oberschenkelknochen gedrückt, bis die beiden Knochenteile schliesslich wieder zusammenwachsen. Manchmal funktioniert das nicht, und man muss auf eine andere Platte/Schraube ausweichen oder die Schraube fixieren. Hier kommt ein Punkt, den ich nicht schönreden kann: Bei Querschnittgelähmten, die ihr Bein nie belasten, funktioniert das weniger gut als beim Fussgänger, da eben die regelmässige Belastung fehlt. Trotzdem ist der Vorteil dieses Implantats, dass es durch sehr kleine Hautschnitte eingelegt werden kann und die Wunden rasch heilen, gross. Ich hoffe sehr, dass bei den regelmässigen Kontrollen gefunden wird, dass es bei Dir klappt und die beiden Knochen schliesslich zusammenwachsen. Aber das braucht vielleicht etwas mehr Geduld.

 

Herzliche Grüsse und Alles Gute

Dein 

 

Dr. JEAN

  1. vor über einem Monat
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  3. # 1 1
Ray Beobachter
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Vielen Dank für Ihre super Aufklärung. Genau so wie Sie es beschreiben, wurde das Implantat gemacht. Heißt das also es ist ein falsches Implantat?

  1. vor über einem Monat
  2. Frag den Doktor
  3. # 1 2
Dr. JEAN
Dr. Online
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Hallo Ray, nein es ist nicht das falsche Implantat. Es hat eine deutlich kürzere Heilungszeit als wenn man die ganze Hüfte aufmachen muss. Ich sage nur, dass die Erfolgsrate etwas geringer ist nach meiner Erfahrung, als beim Fussgänger.

 

Gute Besserung!

 

Dein Dr. JEAN

  1. vor über einem Monat
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  3. # 1 3
Ray Beobachter
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Ich habe seit gewisser Zeit Schmerzen an dem Bein und allgemein ziemliche Spastik. Wenn ich Ibuprofen nehme, gehen die Schmerzen weg. Es ist nichts neuropathisches. Wie ist das möglich wenn ich doch komplett querschnittsgelähmt bin? Ist das ein Zeichen von Heilung? Das Röntgenbild sieht gut aus. Die Innenseite vom Schenkel scheint schon zusammengewachsen zu sein. Außen sah man noch was und genau da schmerzt es jetzt immer wieder. Geröntgt wurde ich vor ca 2 1/2 Wochen und da war noch kein Schmerz. 

-Wie ist es möglich das ich dort Schmerzen empfinde trotz meiner Lähmung?

-Verbessert sich der Spasmus nach der Heilung?

-Sind die Schmerzen ein Anzeichen für den Heilungsprozess?

  1. vor über einem Monat
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  3. # 1 4
Dr. JEAN
Dr. Online
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Hallo Ray,

es freut mich, dass die Heilung so gut fortschreitet.

Wie Du sagst, hast Du wenig Schmerzen, solange Du Ibuprofen einnimmst. Das ist ein Entzündungshemmer, den ich auch oft einsetze bei Knochenschmerzen. Warum das Medikament bei Dir auch im gelähmten Bereich wirkt, kann ich nicht eindeutig sagen.

Ist es möglich, dass Du eben doch Schmerzsensibilität hast dort? Die Schmerzen, die via Rückenmark übermittelt werden, sind ja sehr genau lokalisierbar (z. B. "Hüftgelenk" oder "Knie"). Neuropathische Schmerzen sind diffuser, oft kann nicht einmal zwischen linkem und rechtem Bein unterschieden werden. Der Begriff "komplett" bedeutet bei Querschnittlähmung ja nur, dass Darmausgang und Geschlechtsteile keine Sensibilität und keine Motorik haben. Viele komplett Gelähmte haben eine sogenannte "Teilinnervation", das heisst, sie können unterhalb des Lähmungsniveaus etwas spüren oder auch bewegen.

Ein möglicher Mechanismus könnte auch sein, dass der heilende Knochen neuropathische Schmerzen triggert. Da Knochenheilung immer auch mit etwas Entzündung und leichten Schmerzen einhergeht, beseitigst Du möglicherweise mit dem Ibuprofen den Auslöser von neuropathischen Schmerzen (und Spastik).

Leichte Schmerzen im Bereich eines heilenden Knochens im nicht gelähmten Bereich sind normal, stärkere Schmerzen sind es nicht. Aber vielleicht ist es ja, wie gesagt, einfach ein neuropathischer Schmerz, der getriggert wird. Und da gilt, dass auch ein kleiner Auslöser viel Schmerzen machen kann und umgekehrt.

Da Dein Knochen so gut heilt, erwarte ich, dass die Beschwerden in einigen Wochen ganz verschwinden.

Ich wünsche Dir alles Gute.

 

Dein 

 

Dr. JEAN

  1. vor über einem Monat
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  3. # 1 5
Ray Beobachter
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Vielen Dank für die Antwort.

Ich spüre leider nichts in den Beinen und Bauchbereich. Es sind definitiv keine neuropathische Schmerzen. Ich habe ein Gammanagel bekommen. Tief innerlich spüre ich es aber. Wenn auch das Wetter umschwingt, ist es stärker. Ich weiss auch was Phantomschmerzen sind und das vermute ich auch nicht. Genauso mit dem Darm. An manchen Stellen wenn er zu voll ist oder aufgebläht und ich drauf drücke, schmerzt es. Mittlerweile schmerzt es auch ab und an im Brust Bereich hinten unter der Lähmungshöhe als hätte mich was gestochen. Vermutlich war es damals die Stelle an dem die Rippe sich in die Lunge bohrte. 

Es ist alles sehr skurril. 

Lg

  1. vor über einem Monat
  2. Frag den Doktor
  3. # 1 6
Dr. JEAN
Dr. Online
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Vielleicht doch ein Gemisch aus neuropathischem Schmerz und normalem Schmerz. Schmerzen werden über andere Bahnen übertragen als z.B Oberflächensensibilität. Vor allem das Stechen, das Du GENAU dort lokalisieren kannst, wo eine Rippe gebrochen war, klingt eher nicht nach Phanotomschmerz/Neuropathischer Schmerz. Es ist nicht so selten, dass einige Fasern im Rückenmark die Verletzung überstehen. Und jede Lähmung ist anders. Keine zwei Patienten haben genau die gleiche Lähmung. Das macht unsere Arbeit ja auch so kompliziert manchmal.

Warum bist Du sicher, dass es keine neuropathischen Schmerzen sind in den Beinen? Es gibt ja den "at-level pain", die gürtelförmigen Schmerzen/Brennen/Drücken/Kribbeln auf Höhe der Lähmung. Und dann den "below-level pain", der unterhalb der Lähmungshöhe lokalisiert  wird. Entstehen tun ja beide meist am Ort der Rückenmarksverletzung.

Ich habe gelernt zu akzeptieren, dass wir nicht alle Symptome erklären können bei Querschnittlähmung.

 

herzliche Grüsse

 

Dein

 

Dr. JEAN

 

  1. vor über einem Monat
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  3. # 1 7
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