1. odyssita Star
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  3. Freitag, 26. Januar 2018
Lieber Dr. Hans,
heute habe ich eine konkrete und leider auch akute Frage. Ich habe mir einen Infekt eingefangen, und ich habe das Gefühl, dass mein autonomes Nervensystem damit überfordert ist und aus dem Ruder läuft; die Instabilitäten in der HWS machen es natürlich auch nicht einfacher.
Gibt es Erfahrungswerte, wie man Dysautonomie im Zusammenhang mit einem Infekt managen kann?
Aktuell geht es aufwärts, aber geblieben sind Bauchschmerzen linksseitig (die ich z.T. auch dann habe, wenn ich eine Fehlstellung kraniozervikal und dadurch Dysautonomie habe). Zuvor waren noch Übelkeit (ohne Erbrechen), Schwitzen/Frieren (über Stunden alle paar Minuten Gänsehaut) und Schmerzen dabei; auch mein Herz fühlte sich irgendwie komisch an. Bei den Messungen hatte ich kein Fieber; ich hatte aber das Gefühl, als würde meine Körpertemperatur ziemlich schwanken. An und für sich ist das ein HNO-Infekt, der nicht so dramatisch sein dürfte - aber dass es mir bei einem Infekt elender geht als zu erwarten wäre, bin ich gewohnt...
Könnte es sein, dass die Bauchschmerzen daher kommen, dass es mir im Rahmen der Dysautonomie auch Hormone fehlreguliert hat? Welche Labortests wären in dem Fall relevant? Es ist geplant, Blut abzunehmen, um nach dem Erreger zu schauen - vielleicht kann ich darum bitten, dass weitere Parameter bestimmt werden.
Danke!
Liebe Grüße,
odyssita
Dr_Hans
Dr. Online
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Liebe Odyssita,

 

Infekte, vor allem Harnwegsinfekte können bei chronisch querschnittgelähmten Menschen (mit einer Lähmungshöhe oberhalb Th6) immer wieder Fehlreaktionen des autonomen Nervensystems auslösen, die sich in den bekannten Symptomen wie Kopfschmerz, Bluthochdruck, Angst, kaltes Schwitzen, beengte Nase, rotes Gesicht, Hühnerhaut (im nicht gelähmten Körperbereich), Engegefühl in der Brust und eventuell Sehstörungen hervorrufen.

Ohne Querschnittlähmung sind diese Reaktionen weit seltener und weniger prominent, können aber in gewissen Situationen in abgeschwächter Form und verschiedensten Kombinationen ebenfalls auftreten (z. B. bei Darm oder Gallenkoliken). Das autonome Nervensystem funktioniert bei einer nicht querschnittgelähmten Person genau gleich.

Der Hypothalamus als oberstes Regulationszentrum des autonomen Nervensystems kontrolliert (z. B. bremst) oder moduliert diese Reaktionen, so dass sie klinisch nicht immer deutlich erscheinen.

Der Hypothalamus ist auch Steuerungszentrum für verschiedene Hormone der Hypophyse. Welche Reaktionen dort im speziellen Fall genau verursacht werden, ist schwierig zu sagen, solange man sich kein detailliertes klinisches Bild machen kann.

 

Bevor ich zu (teuren) Hormonmessungen gehen würde, könnte man einfachere klinische Parameter untersuchen, z. B. eine 24 h oder 48 h Blutdruckmessung. Diese würde die Blutdruckschwankungen, die ich bei einer autonomen Dysregulation/Dysfunktion erwarten würde, aufzeigen können. Dabei wird jeweils auch die Pulsfrequenz aufgezeichnet. Ebenfalls könnte man die Körpertemperatur kontinuierlich monitorisieren bzw. regelmässig messen (alle 20 Minuten) und aufzeichnen/auflisten. So würden sich schon einige Fehlleistungen des autonomen Nervensystems entdecken lassen.

 

Eine Blutentnahme zur Bestimmung der Entzündungsparameter finde ich sinnvoll. Bei Zeichen einer Sepsis (= SIRS und klinisch nachgewiesener Infektion) wären auch zweimalig 2 Blutkulturen angezeigt. Dafür müssten aber heftige klinische Symptome vorhanden sein.

 

Soviel für heute, ich bin gespannt auf das Infektlabor!

 

Es grüsst Dich

Dr_Hans, 29.1.2018

 

 

 

 
  1. vor über einem Monat
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  3. # 1 1
odyssita Star
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Lieber Dr. Hans,
ganz herzlichen Dank für die schnelle Antwort.
Zum Glück haben die ganz heftigen Symptome nur einen Tag angehalten, aber ich fühle mich noch ziemlich wackelig und meinem Körper fällt die Kompensation offensichtlich deutlich schwerer als zu fitteren Zeiten (so habe ich z.B. grade weniger Kontrolle über meinen Muskeltonus).
Lieben Dank für den Tipp mit Blutdruck und Körpertemperatur. Das merke ich mir, wenn wieder so etwas auftreten sollte. Mein Herz hat sich schon sehr angestrengt angefühlt in der Akutphase...
Die Laborergebnisse habe ich noch nicht; ich vermute, der Infekt selber was auch nichts Wildes. Ich reagiere da einfach sehr empfindlich.
Da ich am Donnerstag und Freitag, wie oft in solchen Situationen, einen sehr trockenen Mund hatte und nonstop hätte trinken können, hatte ich am Freitag mal meinen Blutzucker messen lassen, das geht ja unkompliziert. Der Blutzucker war normal.
Gibt es denn irgendwelche Management-Möglichkeiten bei Dysautonomie in Kombination mit einem Infekt? Kann man irgendetwas anderes tun als hoffen, dass es vorbei geht?
Danke!
Liebe Grüße,
odyssita
  1. vor über einem Monat
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  3. # 1 2
odyssita Star
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Lieber Dr._Hans,
ich habe inzwischen die Laborwerte von der Zeit den Infekts - gut ist, dass ich zum Vergleich Werte von 14 Tage zuvor habe. Ich versuche nun, daraus schlau zu werden. Vielleicht können Sie mir dabei etwas helfen? Sind dies normale Laborveränderungen, die so während eines Infekts auch bei einem ansonsten gesunden Menschen auftreten würden, oder würde der ein oder andere Wert ggf. den Verdacht auf eine autonome Dysreflexie stärken? Gibt es für die Zukunft Laborwerte, die bei V.a. autonome Dysreflexie aussagekräftig sein könnten und mit bestimmt werden sollten?
Alle Werte waren 14 Tage zuvor noch im Normbereich. Während des Infekts lagen folgende Werte des kleinen Blutbilds außerhalb der Norm:
Leukozyten erniedrigt - wohl normal bei einem viralen Infekt?
GFR nach MDRD - mit knapp über 60 erniedrigt (zuvor 86).
HDL-Cholesterin - mit knapp unter 40 mg/dl leicht erniedrigt (zuvor knapp über 60).
Vielen Dank für Ihre Zeit und Ihren Rat!
Viele Grüße,
odyssita
  1. vor über einem Monat
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  3. # 1 3
Dr_Hans
Dr. Online
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Liebe Odyssita!

Ich glaube es besteht kein Grund, Angst zu haben.

Du hast recht, wenn Du die erniedrigten Leukozyten in den Zusammenhang mit einem viralen Infekt stellst. Das ist eine naheliegende und häufige Ursache, insbesondere wenn Du die diesen Winter grassierende Grippe durchgemacht hast.

GFR (Glomeruäre Filtrationsrate): Normalwerte sind abhängig von Alter und Geschlecht. Die korrekte Bestimmung ist aufwändig. In der MDRD-Berechnungsformel werden diese beiden Faktoren berücksichtigt. Dazu kommt noch die standardisierte Körperoberfläche (1,73 m2). Bei der Cockroft-Gault-Formel wird hingegen das Körpergewicht einbezogen.

Die Normalwerte bei Frauen in Deinem Alter müsste etwa bei 100 ml/min liegen. 60 ml/min wäre dann schon eine verminderte glomeruläre Filtrationsrate. Da ich aber nicht weiss, wie die Kreatininbestimmung erfolgt ist und welche der vier beschriebenen MDRD-Formeln verwendet wurde, ist es schwierig zu sagen, ob dieser Wert stimmt. Mit einem einzigen Laborwert, einem möglichen Zufallsbefund würde ich mich sowieso nicht zufrieden geben. Das Ganze müsste für mich dann doch schon in ein klinisches Gesamtbild passen.
(Nierenfunktionseinschränkungen aufgrund von ureteralem Reflux bei Ehlers-Danlos-Syndrom sind beschrieben -> Ultraschall Nierenbecken/Ureter zur Verifizierung des Reflux).

Bei einer nächsten Bestimmung würde ich auch einmal gleichzeitig das Cystatin C im Blut bestimmen. Auch würde mich interessieren, wie es bezüglich einer Mikroalbuminurie im Urin aussieht. Mit zusätzlichen und wiederholt kontrollierten Laborwerten liesse sich genaueres aussagen.

Das tiefe LDL Cholesterin würde mich jetzt eigentlich nicht beunruhigen. Dieses wird ja als Risikofaktor für eine Koronare Herzkrankheit und andere Gefässkrankheiten (Arteriosklerose) verantwortlich gemacht. darum versucht man es bei vielen Patienten mit Medikamenten zu senken.
Ich sehe das eher in einem ernährungsbedingten Zusammenhang (z.B. Fasten) aufgrund Deines viralen Infektes. Auch sehr ballaststoffreiche Nahrung oder spezielle Speisen (Knoblauch, Bärlauch (jetzt gerade aktuell) oder Walnüsse, Sojabohnen, Fischgerichte) können das Cholesterin senken.

Vorerst kein Grund zu Beunruhigung. Ich sehe auch keinen Zusammenhang zu einer Dysautonomie. Wenn Du Dich vollständig erholt hast, wird alles wieder im Normbereich liegen. Es braucht nur etwas Geduld.

Ich wünsche Dir ein schönes Wochenende, die meteorologischen Voraussetzung scheinen zu stimmen! Etwas Sonne tanken wegen dem Vitamin D!

Es grüsst Dich

Dr_Hans, 20.4.2019
  1. vor über einem Monat
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  3. # 1 4
odyssita Star
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Lieber Dr. Hans,
ganz herzlichen Dank für die schnelle und ausführliche Antwort und die Erklärungen.
Mir geht es ja immer so: Ich bin dankbar für alles, was dazu beiträgt, meine Symptome zu verifizieren und zuzuordnen. Von meinem Gefühl her waren während des Infekts zumindest einen Tag lang ordentliche autonome Regulationsstörungen im Spiel - Blutdruck, Puls und Temperaturregulation fühlten sich für mich komplett durcheinander an, mir war schlecht (ohne Erbrechen), ich hatte Bauchschmerzen und mein Herz fühlte sich ebenfalls überlastet an. Da ich in solchen Situationen nicht in der Lage bin, mir kurzfristig Informationen einzuholen und Diagnostik in die Wege zu leiten (und meine Ärzte vor Ort mit dem Thema nicht so vertraut sind, bzw. ich es erst gar nicht zum Arzt schaffe), habe ich gerne einen Plan fürs nächste Mal, bzw. dafür, was ich in der Zwischenzeit tun kann, um auf den nächsten starken Infekt besser vorbereitet zu sein. Insofern ist Ihr Rat für mich Gold wert. Ganz, ganz herzlichen Dank!
Das Urin kontrolliere ich ab und zu selber mit handelsüblichen Sticks. Meist ist das Ergebnis unauffällig. Ich weiss aber natürlich nicht, wie sensitiv diese Sticks sind. Bei Blutuntersuchungen ist mir in den letzten Jahren schon immer mal wieder aufgefallen, dass mein Kreatinin-Wert ziemlich schwankt.
Während des Infekts habe ich tatsächlich kaum gegessen - weder hatte ich Appetit, noch hätte ich den Weg in den Speisesaal oder aufs Stationszimmer geschafft. Ich war danach noch einige Wochen geschwächt, hatte mich in der Zwischenzeit aber wieder recht gut erholt, bis mich eine Untersuchung, bei der ich durch Kopfbewegungen Symptome triggern sollte, wieder außer Gefecht gesetzt hat. Es ist einfach ein auf und ab...
Ich werde Ihre Vorschläge auf jeden Fall beim nächsten Termin bei meiner Hausärztin ansprechen; danke für Ihren Rat!
Fürs Wetter würde ich gerne 22 Grad, Sonne und angenehm kühle Luft bestellen. :) Da fehlen mir die Berge in der Nähe, wo ich so weit hoch fahren könnte, bis meine Wohlfühltemperatur erreicht ist...
Liebe Grüße und Ihnen ein schönes und erholsames Wochenende,
odyssita
  1. vor über einem Monat
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  3. # 1 5
odyssita Star
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Lieber Dr. Hans,
ich hoffe, Ihnen geht es gut und die Hitzewelle macht Ihnen nicht zu sehr zu schaffen?
Ich würde gerne noch einmal auf diesen Thread zurückkommen. Nachdem ich mich bei heissen Temperaturen ja in den letzten Jahren sehr unwohl fühle und heute wieder ein solcher Tag war (obwohl ich mich erst zum Abend vor die Tür getraut habe - aber die Wohnung heizt sich doch auch auf), habe ich am Abend einmal im 20-minütigen Abstand Blutdruck, Puls und Körpertemperatur (sublingual) gemessen - im Liegen, beim Kochen und im Sitzen. Also alles eigentlich nicht gerade Hochleistungssport... In der Küche war es aber ziemlich heiss.
Während sich meine HWS heute eigentlich recht gut positioniert anfühlt, so dass ich aktuell ohne Halskrause und ohne Schmerzen in diesem Bereich unterwegs bin, habe ich das Gefühl, dass mir die Temperaturen Probleme bereiten. Ich habe ein gewisses Druckgefühl im Kopf und einen leichten haubenartigen Kopfschmerz (bzw. oben am Kopf), der nicht zu meinen typischen Kopfschmerzen zählt, mir ist etwas schwindelig, etwas schlecht und mein Herz fühlt sich angestrengt und teilweise etwas "holperig" an. Einen Infekt habe ich aktuell nicht.
Ich habe über einen Zeitraum von ca. zwei Stunden gemessen. Dabei schwankte die Körpertemperatur sublingual zwischen 37,0 und 38,5 Grad, der Puls zwischen 70 und 130 und der Blutdruck zwischen 128/88 und 167/112. Die hohen Werte bei Körpertemperatur, Blutdruck und Puls korrelieren jeweils mit dem Kochen in der heissen Küche, die niedrigen mit dem Liegen. An und für sich habe ich u.a. die Diagnose einer neurogenen orthostatischen Hypotonie - von der war heute nichts zu merken. Während meines Infekts, als ich die ursprüngliche Frage gestellt habe, habe ich mich natürlich markant schlechter gefühlt als heute (das heute ist die "light"-Variante, aber z.B. die Art und Weise, auf die sich das Herz angestrengt anfühlt, ist ähnlich, nur nicht so extrem) - beim nächsten Infekt werde ich versuchen, ob ich es schaffe, diese Werte im Verlauf zu messen.
Ich habe übrigens darauf geachtet, vor der Temperaturmessung kein heisses Essen gekostet zu haben. :) Die Blutdruckmessung war teils im Liegen, teils im Sitzen, teils im Stehen, mit Handgelenkmessgerät - das Handgelenk war jedoch immer auf Höhe des Herzens, die Muskeln entspannt, gestresst war ich nicht. Wirklich im Heissen draußen war ich nicht - vielleicht muss ich das morgen mal testen? Ich weiss aber, dass mir da innerhalb weniger Minuten sehr unwohl wird.
Nun frage ich mich, was ich damit mache. Ich informiere mich immer ganz gerne, bevor ich mich an meine Ärzte vor Ort wende - vor allem, wenn ich nicht ganz sicher bin, ob etwas noch als "normal" angesehen werden kann oder schon klar auffällig ist.
Daher wäre ich für Ihre Einschätzung dankbar. Sind diese Schwankungen normal, oder ist das schon auffällig? Und wenn das auffällig ist: Wäre das im Rahmen einer zentralen Beeinträchtigung kraniozervikal erklärbar, also z.B. im Sinne einer autonomen Dysreflexie?
Gibt es dafür Behandlungs-, Therapie- oder Managementansätze (außer, sich entsprechend herunterzukühlen)? Gibt es an irgendeinem Punkt "red flags", wann ich aktiv werden sollte und mich zeitnah an einen Arzt vor Ort wenden sollte?
Für Ihren Rat wäre ich dankbar.
Ihnen alles Gute und schöne Sommertage!
Liebe Grüße,
odyssita
  1. vor über einem Monat
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  3. # 1 6
odyssita Star
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Lieber @Dr_Hans
noch ein kurzer Nachtrag: Neugierdehalber habe ich eben meine Werte im Sitzen mit denen nach drei Minuten Stehen ohne Muskelpumpe (also Beinmuskeln entspannt, Beine nicht überkreuzt) verglichen. Von 140/90, Puls 88 auf 100/63, Puls 132 in drei Minuten - kein Wunder wurde mir dabei ziemlich schlecht und unwohl...
Irgendwas ist da wohl gerade schon durcheinander, oder? Erst die hohen Werte kombiniert mit der erhöhten Körpertemperatur, jetzt das... Kennen Sie das?
Liebe Grüße,
odyssita
  1. vor über einem Monat
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  3. # 1 7
Dr_Hans
Dr. Online
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Liebe Odyssita,

Vielen Dank für Deine Frage, die ich hier zu beantworten versuche.

Die geschilderten Reaktionen (Schwankungen der Körpertemperatur, Puls und Blutdruck) scheinen mir bei diese extremen klimatischen Bedingungen und entsprechenden Anstrengungen eigentlich normal. Man würde so etwas auch bei einem Sportler beobachten, Während er Leistung erbringen muss. Die beobachteten und gemessenen Werte regulieren sich auf physiologische Weise, eigentlich so wie sie sollten.

Kochen scheint mir jetzt zwar nicht gerade eine sportliche Leistung zu sein, kann aber durchaus auch anstrengend sein. Die zusätzliche Wärme in der Küche, Stehen, hin und her gehen, Heben von Gegenständen, Strecken zu den obersten Küchenablagen etc. kann sowohl die Körpertemperatur wie auch den Puls und den Blutdruck anheben.

Bei einer anschliessenden Ruhephase normalisieren sie sich wieder.

Ich nehme an, dass bei Dir die Schweisssekretion am ganzen Körper vorhanden ist und den Körper während diesen Extremsituationen an der ganzen Oberfläche kühlt.

Der Kreislauf versucht das Blut in die Peripherie zu pumpen, damit es in den Armen und Beinen und auch am Schädel abkühlen kann. Das geht natürlich nicht ohne zusätzliche Belastung des Herzens, das dafür das Schlagvolumen und die Schlagfrequenz erhöht. Einen grossen Teil der Wärme führt der Mensch am Kopf ab (darum müssen Säuglinge ein Käppchen tragen, damit sie nicht auskühlen).

Auch an Fuss und Handflächen wird die Wärmeabgabe durch spezielle unter der Haut liegende Gefässnetze beeinflusst. Die erhöhte Temperatur während der Leistungserbringung ist nicht ungewöhnlich. Der menschliche Körper toleriert sogarTemperaturen bis ca. 40° C, danach würde man bewusstlos.

Zur Kühlung kann man nasse T-Shirts anziehen, die dann den ganzen Oberkörper grossflächig abkühlen. Kühlende Umschläge an Beinen und Armen werden für die Notfallbehandlung vorgeschlagen.

Für Sportler gibt es spezielle Kühlwesten oder Kühlbäder, die sie vor einer Höchstleitung herunterkühlen. Bei Basketballern in den USA habe ich auch schon elektrisch betriebene Kühlhandschuhe gesehen, in welche die Sportler ihre Hände stecken, während sie auf der Auswechselbank sitzen.

Wichtig ist in diesem Zusammenhang auch ein entsprechender Flüssigkeits- und Elektrolytersatz, damit das zirkulierende Flüssigkeitsvolumen trotz Schwitzen erhalten bleibt und es nicht zu einem Volumen- und Elektrolytdefizit kommt. Sonst käme man in eine sog. Hypovolämie mit Blutdruckabfall, die ähnlich wie eine orthostatische Hypotonie zu Schwindel und Bewusstseinsverlust führt. Pro Grad erhöhte Körpertemperatur rechnet man mit einem Verlust von 500 ml Flüssigkeit/Tag, die man auf jeden Fall zu den 2,5 bis 3 Litern täglicher Trinkmenge dazurechnen und einnehmen muss.

Bei Dir ist aber alles normal und wie Du richtig beobachtet hast, funktionieren die Regelmechanismen einwandfrei! Keine Sorge.

Soviel für heute. Es grüsst Dich

Dr_Hans, 21.8.2018
  1. vor über einem Monat
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odyssita Star
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Lieber Dr._Hans,
herzlichen Dank für Ihre Antwort.
Der QSART im Bereich der Arme war bei mir bei zweimaliger Messung in den letzten Jahren auffällig (verzögerte und nur minimale (also markante erniedrigte) Schweissekretion), und auch eine neurogene orthostatische Hypotonie mit verringerter Noradrenalin-Ausschüttung ist diagnostiziert. Dass die Regulation der autonomen Körperfunktionen bei mir nicht richtig funktioniert, ist also bekannt, und ich habe ja auch den Vergleich zu früher, als das noch normal(er) funktioniert hat - Anlass zu den beschriebenen Messungen war, dass ich mich an dem Tag schon deutlich unwohl gefühlt habe und es sich anfühlte, als seien diese Körperfunktionen fehlreguliert. In solchen Situationen frage ich mich natürlich, was ich kurz- und langfristig machen kann, damit es mir besser geht - und dazu ist es hilfreich, zu verstehen, was genau da los ist.
In den Folgetagen waren meine Werte übrigens niedriger und konstant, also schon anders als an dem Tag, an dem ich mich so unwohl gefühlt habe. Das "unwohl fühlen" war auch deutlich anders als das Gefühl, das man hat, wenn man schwitzt oder sich körperlich anstrengt, das kann ich schon auseinander halten. :) Aber ich werde das wohl einfach als eines der vielen Rätsel, die mein Körper mit sich bringt, stehen lassen müssen...
Stehen, Heben, Strecken in der Küche versuche ich, weitestgehend zu reduzieren (Sitzen bzw. Bein auf einem Stuhl abstützen wenn möglich, Platzierung aller notwendigen Geräte möglichst auf Arbeitshöhe), da mir das bekanntermaßen Probleme bereitet. Aber ja, ganz vermeiden kann man es nicht. Und ich koche eigentlich gerne - es ist eine kreative Tätigkeit, mit der man sich und anderen etwas Gutes tun kann.
Vielen Dank für die Erklärung, wie der Körper Kühlung reguliert - das ist sehr interessant. Auch die Tipps, wie man sich herunterkühlen bzw. auch im Notfall reagieren kann, sind sehr hilfreich, danke! Eine Sprühflasche und einen Ventilator habe ich mir inzwischen auch besorgt. Der Aufenthalt im Freien tagsüber (z.B. Wegestrecken zu Ärzten und Therapieterminen) ist für mich aber trotzdem problematisch, da mir zunehmend unwohl wird, je länger ich mich in der Hitze aufhalte. Ich freue mich schon auf den Herbst...
Liebe Grüße,
odyssita
  1. vor über einem Monat
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