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  3. Dienstag, 13. Februar 2018
Hallo, wollte fragen ist es sinvoll alls paraplegiker stezt die Kompressionsstrumpf  zu tragen? Oder ist es er kontraproduktive da ich ja sowieso immer im Rollstuhl gebunden bin.? Danke für ein Feedback. 
Ausserdem Kämpfe ich immer noch mit dem Akzeptanz der Neue situation als PAraplegiker seit 2015, es gibt tief und hoch aber auch sehr tiefe, gibt dieses Schmerz irgendwann nach ? 
Liebe grüsse 
Francesco 
Dr_Hans
Dr. Online
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Lieber Francescolife!

Das Verhältnis der Querschnittgelähmten zu den Kompressionsstrümpfen ist speziell. Meistens ist es eine Hassliebe!

Weil das Thromboserisiko nach einer Querschnittlähmung massiv ansteigt, muss der Patient von Beginn an eine gezielte Thromboseprophylaxe erhalten. In der Akutphase wird diese zweigleisig geführt, einerseits durch die Gabe von niedermolekularem Heparin (subcutane Spritze) oder neuerdings auch durch Tabletten die ebenfalls den Faktor Xa hemmen und dadurch die Gerinnungskaskade (Blutgerinnung) blockieren. Andererseits versucht man den Blutfluss in den Beinvenen zu beschleunigen, indem man die anfänglich meist schlaff gelähmten Beine in Kompressionsstrümpfe steckt, so dass der Querschnitt der Beinvenen um ca. 1/3 verringert wird und das Blut dadurch schneller zum Herzen zurückfliesst.

Dazu sind Kompressionsstrümpfe der Kompressionsklasse 2 notwendig, die einen Druck 3,1 bis 4,3 kPa aufbauen (23-32 mmHg). Die Kompressionsstrümpfe müssen hüfthoch sein, damit auch die Oberschenkelvenen entsprechend komprimiert werden.

Im Verlauf der Rehabilitation werden die Beinmuskeln spastisch und die Spastik massiert mit ihren unwillkürlichen Bewegungen die Beinvenen aus. Bei Vollmobilisation des Patienten (4 Wochen lang täglich 6 Std im Rollstuhl) kann dann die medikamentöse Prophylaxe und/oder die Kompressionsstrümpfe abgesetzt werden, aber nie beides miteinander. Die Patienten können wählen, welches Übel sie zuerst loswerden wollen.

Manchmal muss man zu den Stützstrümpfen zurückkehren. Sollte sich zeigen, dass die Unterschenkel und Füsse zu stark anschwellen, lohnt es sich, die Strümpfe wieder zu tragen und dies über längere Zeit. Bei Tetraplegikern helfen sie auch, den Blutdruckabfall und die Schwindelgefühle bei der morgendlichen Mobilisation zu verhindern, wenn man sie vorher anzieht.

Nicht zuletzt ist es auf langen Reisen auch anzuraten, die Stützstrümpfe wieder anzuziehen, wenn man stundenlang in einem Flugzeugsitz eingepfercht sitzen muss. Bei einer Reisedauer von über 4 Stunden ist auch eine medikamentöse Thromboseprophylaxe anzusetzen. Genügend trinken versteht sich von selbst.

Nur intakte und nicht ausgeleierte oder verschlissene Thrombosestrümpfe haben wirklich einen positiven Effekt. Damit keine Druckstellen verursacht werden, müssen sie faltenfrei angezogen werden und dürfen nirgends einschneiden.

Es ist also keinesfalls falsch, Kompressionsstrümpfe zu tragen. Gründe dafür gibt es genug. Empfehlenswert ist, alle 6 Monate neue Strümpfe zu nehmen, damit die Elastizität zur Kompression auch wirklich vorhanden ist.

Ich hoffe, das beantwortet Deine Frage.

Vielleicht haben ja andere Mitglieder der Community ebenfalls etwas zu diesem Thema zu sagen!

Deine zweite Frage ist nicht einfach zu beantworten. Eine Querschnittlähmung zu akzeptieren ist schwierig und der Weg dazu ist hart und führt über viele Hindernisse, Hochs und Tiefs, wie Du das nennst. Erfahrungsgemäss wird die Situation besser, sobald man sich neue Ziele setzt und diese auch konsequent verfolgt, z. B. Zusatzausbildung, berufliche Tätigkeiten, neue Hobbies, Rollstuhlsport, etc. Manchmal hilft auch das Niederschreiben seiner bisherigen Geschichte um sich davon zu trennen oder sie zur Seite zu legen und sich auf die neue Situation einzustellen und sich mit ihr auseinanderzusetzen.
Dieser Prozess braucht Zeit, aber man kann konstant daran arbeiten, dann erreicht man sein Ziel in kleinen Schritten.

Es grüsst Dich

Dr_Hans, 12.3.2018
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