• Die Online-Community für Menschen mit Querschnittlähmung, ihre Angehörigen und Freunde

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«Rolli Blues», eine ungarische Actionkomödie mit drei Hauptdarstellern im Rollstuhl

Hauptdarsteller im Rollstuhl sind selten. Die ungarische Actionkomödie «Rolli Blues – Wenn's wieder mal hart auf hart kommt» hat gleich drei davon – und dazu klingt der Plot unterhaltsam: Es geht um zwei beste Freunde im Rollstuhl und einen Auftragskiller, der seinen Rollstuhl als Tarnung benutzt und der die beiden anderen erst für seine Aufträge einspannen will und dann doch umbringen soll.

Der Film hat mehrere Auszeichnungen erhalten und wurde von Ungarn sogar ins Rennen um den Oscar für den besten fremdsprachigen Film geschickt. Darum wartet nicht zu lange, denn er ist bei SRF nur bis Dienstag verfügbar: https://www.srf.ch/play/tv/film/video/rolli-blues---wenns-wieder-mal-hart-auf-hart-kommt?id=c57cb755-9d0b-4cd7-87eb-6dbbfc0c12c8

Resilienztraining für Betroffene und Informationstag für Angehörige am SPZ

Gerne weisen wir auf die Sommerkurse von Para Know-how hin, ein grossartiges Wissensangebot am SPZ für Betroffene und Angehörige. Am 8. August findet im Schweizer Paraplegiker-Zentrum in Nottwil ein eintägiger Kurs zum Thema «Resilienztraining – Stärken Sie Ihre psychische Belastbarkeit» statt, am 14. August ein Informationstag für Angehörige und Bezugspersonen von Menschen mit Querschnittlähmung.

Hier die Links für die Anmeldung und weitere Informationen: Resilienztraining und Informationstag für Angehörige. Auf dem Community-Blog gibt es auch einen Erfahrungsbericht über das Resilienztraining.

Vademecum – Kapitel 10: Wenn Fehlinformation von einem Nobelpreisträger kommt

In den Kapiteln 1 und 2 unseres Vademecums haben wir Tipps gegeben, wie man die Glaubwürdigkeit eines Redners beurteilt. Ein wichtiges Element ist die Kompetenz des Redners, die spezialisiert und durch eine fachliche Ausbildung oder langjährige Erfahrung nachgewiesen sein muss.

Der Fall Luc Montagnier war sehr umstritten, gerade weil diese Kriterien erfüllt waren. Fehlinformationen können also auch aus einer scheinbar glaubwürdigen Quelle stammen, z. B. von einem Nobelpreisträger für Medizin. Wie kann man diese Art von Fehlinformation erkennen?

Wir schlagen drei zusätzliche Kriterien vor, die auf einer Überlegung des Philosophen Alvin Goldman beruhen, um die Frage zu beantworten: Handelt es sich um Fehlinformation?

  1. Was sagt die Wissenschaftsgemeinde? Wenn zwei Experten unterschiedlicher Meinungen sind, sollten wir versuchen zu verstehen, was die wissenschaftliche Community sagt. Wenn es auch nicht unmöglich ist, dass sich die Mehrheit irrt, so kann sich doch ein Einzelner leichter irren.
  2. Gibt es einen Interessenkonflikt? Es mag nicht leicht zu beurteilen sein, ob ein Experte in einem Interessenkonflikt steht. Und doch ist es ein zentraler Punkt. In wissenschaftlichen Publikationen müssen die Forscher beispielsweise angeben, wer die Studie finanziert (Universität, Pharmaunternehmen, öffentliche Mittel).
  3. Was sagt der Experte sonst noch? Ein letzter Punkt betrifft die Aussagen des Experten zu anderen ähnlichen Fragen: Sind sie umstritten oder werden sie geteilt? Geben sie den wissenschaftlichen Konsens wieder? Wenn ein Experte systematisch aus dem Chor singt, dann vielleicht nur, weil er gerne seine Stimme hört.

Personen, die – gestärkt durch ihre Autorität – Meinungen verbreiten, die denen der Wissenschaftsgemeinde widersprechen, erschweren die Lage im aktuellen Zeitalter der Fehlinformation. Um uns unter den Aussagen von Experten zurechtzufinden, müssen wir unseren kritischen Sinn trainieren.

Weltweit erstes Master-Programm in Behinderung, Design und Innovation

Wir haben schon viele Geschichten über Innovationen «für» Menschen mit Behinderung gehört, die aufgrund unrealistischer Annahmen oder mangelhafter Bedarfsanalysen missglückt sind. Das muss sich ändern – und eine der weltweit führenden Universitäten nimmt die Mission an.

Im September 2020 startet das University College London seine erste Kohorte von Studenten für das Masterprogramm Behinderung, Design und Innovation. Während des einjährigen Programms erfahren die Studenten, was Behinderung bedeutet, inwiefern Design-Entscheidungen für Menschen mit Behinderung eine wichtige Rolle spielen, und wie man mithilfe von Design komplexe Herausforderungen von Behinderung löst. Ausserdem lernen sie, Inklusion und Diversität in ihre Überlegungen einzubeziehen, und sie machen sich mit Behinderungsgesetzgebung, -politik und Richtlinien vertraut, die weltweit auf die Entwicklungen der Industrie Anwendung finden.

Das Programm richtet sich an Personen, welche die globalen Herausforderungen von Innovationen im Bereich Behinderung annehmen möchten. Drei Snowdon Masters-Stipendien stehen ausserordentlichen Studenten mit Behinderung zur Verfügung, die in das Programm aufgenommen werden. Die Anmeldung für die erste Kohorte läuft noch bis zum 10. Juli 2020. Weitere Informationen gibt es hier (in englischer Sprache).

Handicap Search, die interaktive Karte für barrierefreie Orte

Handicap Search (www.handicap-search.ch) bietet Informationen über den barrierefreien Zugang zu allen möglichen öffentlichen Dienstleistern. Auf einer interaktiven Karte auf Basis von Google Maps sind die Orte sehr detailliert im Hinblick auf ihre Barrierefreiheit beschrieben – bis hin zu exakter Türbreite, Tischhöhe, Manövrierbarkeit und Bodenbeschaffenheit.

Auf der Homepage wird Handicap Search als «ein Projekt von Menschen mit Handicap für Menschen mit Handicap bezeichnet». Dies ist seine zweite grosse Stärke: Alle Angaben über den barrierefreien Zugang werden von Betroffenen selbst geprüft und dargestellt, denn diese haben «Expertenwissen» und «kennen die Barrieren genau». In der Tat arbeiten in dem Projekt ausschliesslich Menschen mit einer Behinderung.

Da das Projekt seinen Sitz in Bad Ragaz hat, überrascht es nicht, dass die allermeisten Einträge auf der Karte in den Kantonen St. Gallen und Graubünden zu finden sind. Und das ist die grosse Schwäche des Projekts: Insgesamt dürften es nicht mehr als ein paar Dutzend erfasste Orte sein. Es ist zu hoffen, dass sich auf der Karte auch für die übrige Schweiz bald mehr Informationen zur Barrierefreiheit der Orte finden.

Das Team von Handicap Search arbeitet sicher fleissig daran: Sie nehmen unter Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein! gerne weitere barrierefreie Adressen für die Aufnahme in das Verzeichnis entgegen. Die Prüfung der Adressen erfolgt allerdings immer vor Ort durch Teams von Handicap Search.

Falls Ihr Interesse habt, selber Orte auf ihre Barrierefreiheit hin zu testen: Gesucht werden in fast allen anderen Kantonen noch Tester-Teams, bestehend aus je einem Rollstuhlfahrer und einem Fussgänger. Mehr Informationen gibt es hier.

Globis neues Buch über Roboter und das SPZ

Globi ist wieder auf Abenteuerreise! Diesmal kommt die beliebte Schweizer Zeichentrickfigur auch ins Schweizer Paraplegiker-Zentrum (SPZ) in Nottwil und besucht dort seinen Freund Nik, der sich nach einem Unfall im SPZ rehabilitiert. Globi erfährt alles über das neue Robotik-Gerät im SPZ und wie sie Nik helfen, wieder auf die Beine zu kommen.

Um die faszinierende Welt der Robotik und Digitalisierung zu erkunden, nimmt Globi auch am Cybathlon der ETH teil und reist bis nach Japan, dem Land, das als Pionier in Robotik und künstlicher Intelligenz gilt. Seine Abenteuer und Entdeckungen sind in «Globi und die Roboter» dargestellt, dem neusten Buch aus der Globi-Wissensreihe.

globi und die roboter

Das Buch wurde illustriert von Daniel Frick und geschrieben von Atlant Bieri, einem Wissenschaftsjournalisten und Bestsellerautor von Kindersachbüchern. Atlant Bieri und sein Sohn Arin erzählen in diesem Video über ihre Recherchearbeit und Erfahrungen mit dem neuen Buch:

 

Vademecum – Kapitel 9: Soziale Medien – wenn die Information uns auswählt

Hier ist ein neues Kapitel des Vademecums zum Umgang mit Informationen. Heute geht es um die sozialen Medien. Wurden sie anfangs nur genutzt, um mit Freunden in Kontakt zu bleiben, so ist ihre Rolle heute deutlich vielfältiger: Auf sozialen Medien bleibt man in Kontakt, hat Spass, veröffentlicht Urlaubsfotos und – man informiert sich.

In den letzten Wochen haben wir Informationen über die aktuelle Pandemie – das Virus und seine Symptome, wie man sich schützen kann usw. – gesucht und erhalten. Einige dieser Informationen stammen wahrscheinlich aus sozialen Medien. Doch wie werden Nachrichten in den sozialen Medien dargestellt?

Wenn wir in sozialen Medien eine Nachricht lesen oder ein Video sehen, das sich mit den aktuellen Ereignissen befasst, sollten wir die folgenden Punkte berücksichtigen:

  1. Nachrichten passen sich unseren Gewohnheiten an. Im Durchschnitt verbringen wir 15 Sekunden mit dem Lesen eines Nachrichtenartikels und 10 Sekunden mit dem Anschauen eines Videos. Daher ist es nicht verwunderlich, dass Social Media-Nachrichten in kurzen, nicht sehr ausführlichen Artikeln oder Videos präsentiert werden.
  2. Nicht alle Nachrichten sind im Newsfeed enthalten. Nachrichten beschränken sich nicht auf die Informationen, die wir im Newsfeed finden. Je mehr über ein Phänomen gesprochen wird, desto mehr Informationen findet man darüber. Der Rest tritt in den Hintergrund. Seit dem Coronavirus sind andere Themen wie Einwanderung, Kriege oder Kriminalität fast aus den Nachrichten verschwunden.
  3. Eine Frage der Likes. Soziale Medien sind wie ein Schaufenster. Der Ladenbesitzer wählt die modischste Kleidung aus und präsentiert sie im Schaufenster, um Kunden anzulocken. Ebenso präsentieren uns die sozialen Medien die beliebtesten Nachrichten: Je öfter eine Nachricht gelikt und geteilt wird, desto wahrscheinlicher ist es, dass sie in unserem Newsfeed erscheint.
  4. Freunde beeinflussen uns. Ob es uns gefällt oder nicht, die Meinungen unserer Freunde beeinflussen unser Denken und Verhalten. Soziale Medien verstärken dieses Phänomen, indem sie für uns diejenigen Inhalte hervorheben, mit denen sich unsere Freunde beschäftigen.
  5. Ein Algorithmus, der unsere Überzeugungen bestärkt. Was wir in unserem Newsfeed sehen, ist das Ergebnis eines Algorithmus, der uns eher das gibt, was uns interessiert und gefällt. Im Falle von Nachrichten präsentieren uns die sozialen Medien oft Inhalte, die mit unserer Meinung übereinstimmen.

Denken wir daran, dass die von sozialen Medien angebotenen Informationen nicht repräsentativ sind für das, was in der Welt geschieht, oder für alles, zu einem bestimmten Thema gesagt wird. Ausserdem sind die sozialen Medien kein Ort für eingehende Analysen. Vergessen wir also nicht, uns auch über andere Kanäle zu informieren!

Netflix-Doku «Crip Camp» über die Behindertenrevolution der 70er Jahre

Die neue preisgekröntee Netflix-Dokumentation «Crip Camp: A Disability Revolution» handelt von Camp Jened, einem Sommercamp für Jugendliche mit Behinderungen in den frühen 1970er Jahren.

Co-Regisseur des Films ist Jim LeBrecht, ein Behindertenaktivist, der mit Spina bifida geboren wurde und das Camp mit 15 Jahren besuchte. Die Dokumentation zeigt seltenes Filmmaterial über das Camp, in dem Jugendliche mit allen möglichen Behinderungen zum ersten Mal Befreiung und vollständige Integration als menschliche Wesen erlebten. Camp Jened wird als eine seltene Utopie für Behinderte beschrieben, in der jeder die Freiheit hatte, sich auszudrücken und Themen wie überfürsorgliche Eltern und das gemeinsame Verlangen nach gesellschaftlicher Akzeptanz zu diskutieren. Das Camp spielte auch eine wichtige Rolle bei der Gründung der Behindertenrechtsbewegung der späten 70er und 80er Jahre.

Hier ist der Trailer zu dem Dokumentarfilm, der übrigens von Barack und Michelle Obama produziert wurde. Eine deutsche Version liegt noch nicht vor, aber die Bilder sprechen für sich:

In diesem CNN-Interview mit den Regisseuren erfahrt Ihr mehr über den Film und seinen umstrittenen Namen «Crip Camp», zu Deutsch «Krüppelcamp».

Vademecum – Kapitel 8: Verschwörungstheorien – wie erkennt man sie?

Die aktuelle Situation der COVID-19-Pandemie ist sehr unsicher und viele Fragen sind noch offen. Eine davon ist die Frage, wie alles begann und woher das Virus kam.

Wenn eine Situation komplex ist, wenn sie nicht gut verstanden wird, wenn es Ungewissheit gibt, suchen wir nach Erklärungen – idealerweise klare und unmissverständliche Erklärungen. Verschwörungstheorien gedeihen gerade deshalb so gut, weil sie so spannend sind wie die Handlung eines Films und oft die Lücken in den offiziellen Versionen füllen.

Aber in einer Notsituation wie der aktuellen Pandemie sind Verschwörungstheorien gefährlich, weil sie ablenken und riskantes Verhalten (z. B. Missachtung von Hygienevorschriften) oder Angst hervorrufen können. Deshalb ist es wichtig, sie zu erkennen, um sich nicht von ihnen beeinflussen zu lassen.

Im Folgenden präsentieren wir einige Ideen zur Beantwortung der Frage: Wie erkennt man Verschwörungstheorien?

  1. Es gibt immer einen «Bösen». In allen Verschwörungstheorien gibt es einen «Bösen», eine starke und manipulative Macht, die alles machen kann, und es gibt Opfer. Der Feind kann eine Person sein, aber oft ist es eine Gruppe, eine Organisation oder eine Nation.
  2. Nichts ist, wie es zu sein scheint. Ein weiteres Merkmal von Verschwörungstheorien ist es, Misstrauen gegenüber der offiziellen Version zu verstärken («irgendetwas stimmt nicht»). Diese Theorien laden uns ein, unter die Oberfläche zu schauen, um die Handlungen und wahren Absichten der Verschwörer zu erkennen.
  3. Alles ist miteinander verbunden. Das dritte Merkmal ist, Ereignisse als Ursache und Wirkung umzudeuten, wenn es sich in Wahrheit um Zufälle handelt. Einige Fakten werden aus dem Kontext heraus verallgemeinert, miteinander verwoben und zur Untermauerung der These verwendet.
  4. Antworten auf unbeantwortete Fragen. Das vierte Merkmal ist die Beantwortung von Fragen, für die es noch keine Antworten gibt. Der Mensch sucht von Natur aus nach Antworten und bevorzugt abstruse Erklärungen gegenüber gar keiner Erklärung. Verschwörungstheorien entsprechen diesem Bedürfnis.
  5. Sie sind unwiderlegbar. Das letzte Merkmal von Verschwörungstheorien ist, dass sie für «Herr und Frau Jedermann» unmöglich zu widerlegen sind. Tatsächlich sind die Beweise, auf die sie sich stützen, mangels technischer Mittel und spezialisierter Fähigkeiten fast nie überprüfbar.

Wenn wir in den Informationen, die wir erhalten haben, eines oder mehrere dieser Merkmale erkennen, können wir sie anzweifeln und erwägen, dass es sich um eine Verschwörungstheorie handelt – so vermeiden wir, sie weiterzugeben.

Vademecum – Kapitel 7: Risikobewertung

In dieser Zeit der Ungewissheit ist es unerlässlich, das Risiko, sich mit COVID-19 zu infizieren, richtig einzuschätzen. Eine Unterschätzung des Risikos könnte dazu führen, dass wir die Bedeutung von Präventivmassnahmen vergessen und uns unnötigen Risiken aussetzen. Andererseits könnte eine Überschätzung des Risikos zu ungerechtfertigten Ängsten führen, die unser Wohlbefinden beeinträchtigen.

Bei der Beurteilung eines Gesundheitsrisikos bewertet jeder von uns die Wahrscheinlichkeit, an der Krankheit zu erkranken (die Anfälligkeit), sowie den Schweregrad der Krankheit für uns. Dabei berücksichtigen wir Aspekte wie z. B. unser Alter, ob wir aus beruflichen Gründen viel Zeit unter Menschen verbringen müssen oder ob wir an einer chronischen Krankheit leiden.

Die wissenschaftliche Literatur hat jedoch gezeigt, dass die Informationen, die wir aus Zeitungen oder sozialen Medien erhalten, ebenfalls eine wichtige Rolle bei der Bildung – und oft auch der Verzerrung – unserer Risikobewertung spielen. Wie genau machen sie das?

  • Sie machen das Virus allgegenwärtig. Die Coronakrise hat zweifellos erhebliche Auswirkungen auf unser Leben und verdient daher Aufmerksamkeit. Über nichts anderes zu reden, als wenn alle anderen Themen verschwunden wären, kann jedoch dazu beitragen, Angst zu schüren.
  • Sie betonen die Unsicherheit. Zu viele Informationen zu erhalten, die oft nicht miteinander übereinstimmen, schafft Unsicherheit. Diese Unsicherheit führt zur Wahrnehmung eines höheren Risikos.
  • Sie stellen negative Aspekte in den Vordergrund. Wenn wir, wie im Fall dieser Pandemie, hauptsächlich von Trauer und Tragödie sprechen, verstärkt die daraus resultierende Negativität das wahrgenommene Risiko. Auf der anderen Seite können positive Botschaften und Hoffnung unsere Anspannung lindern.
  • Sie verwenden Metaphern. Wenn wir das neue Coronavirus mit der saisonalen Grippe vergleichen, werden wir es unterschätzen. Andererseits führt der Vergleich mit einem Krieg – mit Schützengräben, gefallenen Soldaten und Helden an der Front – dazu, dass wir das Risiko als viel grösser wahrnehmen, als es tatsächlich ist. Die Rhetorik, mit der wir von einem Problem sprechen, kann es kleiner oder grösser machen.
  • Sie beschreiben Fälle, die uns ähnlich sind. Wir setzen uns eher in Beziehung zu Menschen, die wir kennen und die uns ähnlich sind, als zu Prozentzahlen. Zum Beispiel wissen wir, dass die Wahrscheinlichkeit gering ist, dass Kinder an COVID-19 erkranken; dennoch wird unsere Risikowahrnehmung erhöht, wenn wir lesen oder hören, dass ein Kind im Alter unseres Sohnes an COVID-19 erkrankt ist.

Bei der Risikobewertung sollten wir versuchen, objektive Faktoren zu berücksichtigen. So vermeiden wir es, das Risiko zu leicht zu nehmen oder uns im Gegenteil mit ungerechtfertigten Befürchtungen zu überfordern.

Vademecum – Kapitel 6: Sind die Informationen zuverlässig?

Wie in den ersten beiden Kapiteln gesehen, ist es wichtig, vor der Bewertung des Inhalts einer Botschaft die Quelle zu beurteilen: Wissen wir, wer spricht? Ist der Redner glaubwürdig? Wenn die Quelle diesen ersten Test besteht, können wir uns auf die Botschaft konzentrieren.

In den meisten Fällen haben wir nicht die Kompetenz, selbst zu beurteilen, ob Informationen wahr oder falsch sind. Wir können jedoch Strategien zur Erkennung von Nachrichten anwenden, die erfundene, irreführende oder verzerrte Informationen enthalten («Fake News»).

Wenn wir Nachrichten lesen oder hören, die davon handeln, was COVID-19 ist, wie sich die Krankheit verbreitet und wie sie verhindert werden kann, oder die Vorhersagen über Verlauf und Auswirkungen der Krankheit machen, sollten wir uns die folgenden Fragen stellen:

  1. Wovon ist genau die Rede? Denken wir zum Beispiel an die Nachricht über das im Labor erzeugte Coronavirus: Die Nachricht ist wahr, aber es handelt sich um ein anderes Coronavirus. Es ist wichtig, den Kontext zu verstehen. Wenn man den gesamten Artikel liest und nicht bei der Überschrift stehen bleibt, versteht man genau, worum es darin geht.
  2. Wird über die Nachricht auch auf institutionellen Webseiten berichtet? Nachrichten und Daten, über die die wissenschaftliche Gemeinschaft einen Konsens erzielt hat, werden auf institutionellen Webseiten veröffentlicht, z. B. der WHO. Eine gute Methode, um die Zuverlässigkeit der erhaltenen Nachricht zu überprüfen, ist sich zu vergewissern, dass sie auch auf institutionellen Webseiten erscheint.
  3. Ist die Nachricht auf dem neuesten Stand? Eine gute Faustregel ist, immer das Veröffentlichungsdatum der Nachricht zu überprüfen. In der Tat sind bei einer andauernden Pandemie jeden Tag neue Daten verfügbar. Was gestern in den Nachrichten berichtet wurde, ist also möglicherweise nicht mehr aktuell.
  4. Berichtet die Nachricht über Fakten oder Meinungen? Wenn über Wissenschaft gesprochen wird, sollte eine Nachricht Fakten präsentieren, die durch solide Beweise (z. B. wissenschaftliche Belege) und zuverlässige Quellen (z. B. Universitäten oder öffentliche Gesundheitsinstitute) gestützt sind. Meinungen sollten grundsätzlich mit Vorsicht bewertet werden.
  5. Steht Emotionalität im Vordergrund? Wir sollten misstrauisch gegenüber Botschaften sein, die unsere Emotionalität ausnutzen, zum Beispiel durch die Präsentation persönlicher Geschichten oder durch sensationslüsterne Schlagzeilen. Emotionalität wird oft als Köder benutzt, um ein Publikum zu gewinnen.

Wenn wir Nachrichten lesen oder hören, müssen wir uns fragen, ob sie zuverlässig sind. So können wir vermeiden, falsche, verzerrte oder irrelevante Informationen zu verwenden und zu teilen.

Skitouren gehen mit dem Exoskelett WIITE

Eine Forschungsgruppe der EPFL in Lausanne hat ihr TWIICE-Exoskelett so adaptiert, dass auch komplette Paraplegiker damit Skitouren gehen können.

Das adaptierte Exoskelett mit dem Namen WIITE ist für normale Tourenskischuhe geeignet und erlaubt das Aufstehen und Gehen im Schnee. Einzige Bedingung: Der Anwender muss in der Lage sein, mit dem Oberkörper die Stöcke zu kontrollieren, die für Gleichgewicht und Kontrolle des Exoskeletts sorgen. Das Exoskelett wird manuell gesteuert: Jede Aktion wird durch kurzes Drücken eines Auslösers an den Griffen der Krücken bzw. Skistöcke ausgelöst.

Die Idee stammt von Martin Loos, einem begeisterten Wintersportler, der unbedingt in die freie Natur zurückkehren wollte, um seine eigenen Spuren am Hang eines verschneiten Berges zu hinterlassen.

Mehr Infos unter https://actu.epfl.ch/news/wiite-the-exoskeleton-for-backcountry-skiing/ und hier ein Video von Martin Loos «in action» bei seiner ersten Skitour seit seiner Querschnittlähmung (leider gibt es noch keine deutschen Materialien):

Zwei Bücher des Tetraplegikers Marcel Stalder

Marcel Stalder, Tetraplegiker aus der Nähe von Basel, hat zwei Bücher geschrieben. Das erste, «May it be - möge es sein», erzählt von seinem Umgang mit dem Unfall, ein missglückter Doppelsalto auf dem Trampolin vor 30 Jahren.

Laut Buchbeschreibung erzählt Marcel Stalder «schnörkellos offen und ergreifend …, wie ein Unfall seinen ganzen Lebensplan zunichtemacht. Als echter Kämpfer nimmt er sein Schicksal schliesslich an und findet nach und nach Wege, um sein Leben als Tetraplegiker neu zu gestalten, sich seiner Träume wieder bewusst zu werden, diese zu leben und seinem Dasein dadurch einen neuen, tieferen Sinn zu geben.»

Das zweite Buch «Move on – weiterfahren» dreht sich um Marcels Reise mit drei Assistenten in seinem Camper durch Nord- und Zentralamerika.

Aus der Buchbeschreibung: «In diesem aussergewöhnlichen Reisebuch berichtet er von den Abenteuern des Quartetts, von wundervollen, magischen Orten, die sie besuchen, den Begegnungen mit interessanten Menschen, den besonderen Herausforderungen, mit denen er als Rollstuhl-Fahrer konfrontiert wird und den Schwierigkeiten, welche durch Müdigkeit, Heimweh und enge Platzverhältnisse schlussendlich ihren Tribut fordern.»

Marcel Stalder sagt über sich selbst: «Ich bin glücklicher als vor dem Unfall». Ein Interview mit ihm aus der Sendung «Doppelpunkt» auf Radio SRF 1 gibt es unter diesem Link. Seine Website lautet https://www.staldi.ch/. Die elektronischen Bücher lassen sich auf jeder Plattform herunterladen, die iBooks bereitstellt.

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