In dieser Zeit der Ungewissheit ist es unerlässlich, das Risiko, sich mit COVID-19 zu infizieren, richtig einzuschätzen. Eine Unterschätzung des Risikos könnte dazu führen, dass wir die Bedeutung von Präventivmassnahmen vergessen und uns unnötigen Risiken aussetzen. Andererseits könnte eine Überschätzung des Risikos zu ungerechtfertigten Ängsten führen, die unser Wohlbefinden beeinträchtigen.

Bei der Beurteilung eines Gesundheitsrisikos bewertet jeder von uns die Wahrscheinlichkeit, an der Krankheit zu erkranken (die Anfälligkeit), sowie den Schweregrad der Krankheit für uns. Dabei berücksichtigen wir Aspekte wie z. B. unser Alter, ob wir aus beruflichen Gründen viel Zeit unter Menschen verbringen müssen oder ob wir an einer chronischen Krankheit leiden.

Die wissenschaftliche Literatur hat jedoch gezeigt, dass die Informationen, die wir aus Zeitungen oder sozialen Medien erhalten, ebenfalls eine wichtige Rolle bei der Bildung – und oft auch der Verzerrung – unserer Risikobewertung spielen. Wie genau machen sie das?

  • Sie machen das Virus allgegenwärtig. Die Coronakrise hat zweifellos erhebliche Auswirkungen auf unser Leben und verdient daher Aufmerksamkeit. Über nichts anderes zu reden, als wenn alle anderen Themen verschwunden wären, kann jedoch dazu beitragen, Angst zu schüren.
  • Sie betonen die Unsicherheit. Zu viele Informationen zu erhalten, die oft nicht miteinander übereinstimmen, schafft Unsicherheit. Diese Unsicherheit führt zur Wahrnehmung eines höheren Risikos.
  • Sie stellen negative Aspekte in den Vordergrund. Wenn wir, wie im Fall dieser Pandemie, hauptsächlich von Trauer und Tragödie sprechen, verstärkt die daraus resultierende Negativität das wahrgenommene Risiko. Auf der anderen Seite können positive Botschaften und Hoffnung unsere Anspannung lindern.
  • Sie verwenden Metaphern. Wenn wir das neue Coronavirus mit der saisonalen Grippe vergleichen, werden wir es unterschätzen. Andererseits führt der Vergleich mit einem Krieg – mit Schützengräben, gefallenen Soldaten und Helden an der Front – dazu, dass wir das Risiko als viel grösser wahrnehmen, als es tatsächlich ist. Die Rhetorik, mit der wir von einem Problem sprechen, kann es kleiner oder grösser machen.
  • Sie beschreiben Fälle, die uns ähnlich sind. Wir setzen uns eher in Beziehung zu Menschen, die wir kennen und die uns ähnlich sind, als zu Prozentzahlen. Zum Beispiel wissen wir, dass die Wahrscheinlichkeit gering ist, dass Kinder an COVID-19 erkranken; dennoch wird unsere Risikowahrnehmung erhöht, wenn wir lesen oder hören, dass ein Kind im Alter unseres Sohnes an COVID-19 erkrankt ist.

Bei der Risikobewertung sollten wir versuchen, objektive Faktoren zu berücksichtigen. So vermeiden wir es, das Risiko zu leicht zu nehmen oder uns im Gegenteil mit ungerechtfertigten Befürchtungen zu überfordern.

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