Hier ist ein neues Kapitel des Vademecums zum Umgang mit Informationen. Heute geht es um die sozialen Medien. Wurden sie anfangs nur genutzt, um mit Freunden in Kontakt zu bleiben, so ist ihre Rolle heute deutlich vielfältiger: Auf sozialen Medien bleibt man in Kontakt, hat Spass, veröffentlicht Urlaubsfotos und – man informiert sich.

In den letzten Wochen haben wir Informationen über die aktuelle Pandemie – das Virus und seine Symptome, wie man sich schützen kann usw. – gesucht und erhalten. Einige dieser Informationen stammen wahrscheinlich aus sozialen Medien. Doch wie werden Nachrichten in den sozialen Medien dargestellt?

Wenn wir in sozialen Medien eine Nachricht lesen oder ein Video sehen, das sich mit den aktuellen Ereignissen befasst, sollten wir die folgenden Punkte berücksichtigen:

  1. Nachrichten passen sich unseren Gewohnheiten an. Im Durchschnitt verbringen wir 15 Sekunden mit dem Lesen eines Nachrichtenartikels und 10 Sekunden mit dem Anschauen eines Videos. Daher ist es nicht verwunderlich, dass Social Media-Nachrichten in kurzen, nicht sehr ausführlichen Artikeln oder Videos präsentiert werden.
  2. Nicht alle Nachrichten sind im Newsfeed enthalten. Nachrichten beschränken sich nicht auf die Informationen, die wir im Newsfeed finden. Je mehr über ein Phänomen gesprochen wird, desto mehr Informationen findet man darüber. Der Rest tritt in den Hintergrund. Seit dem Coronavirus sind andere Themen wie Einwanderung, Kriege oder Kriminalität fast aus den Nachrichten verschwunden.
  3. Eine Frage der Likes. Soziale Medien sind wie ein Schaufenster. Der Ladenbesitzer wählt die modischste Kleidung aus und präsentiert sie im Schaufenster, um Kunden anzulocken. Ebenso präsentieren uns die sozialen Medien die beliebtesten Nachrichten: Je öfter eine Nachricht gelikt und geteilt wird, desto wahrscheinlicher ist es, dass sie in unserem Newsfeed erscheint.
  4. Freunde beeinflussen uns. Ob es uns gefällt oder nicht, die Meinungen unserer Freunde beeinflussen unser Denken und Verhalten. Soziale Medien verstärken dieses Phänomen, indem sie für uns diejenigen Inhalte hervorheben, mit denen sich unsere Freunde beschäftigen.
  5. Ein Algorithmus, der unsere Überzeugungen bestärkt. Was wir in unserem Newsfeed sehen, ist das Ergebnis eines Algorithmus, der uns eher das gibt, was uns interessiert und gefällt. Im Falle von Nachrichten präsentieren uns die sozialen Medien oft Inhalte, die mit unserer Meinung übereinstimmen.

Denken wir daran, dass die von sozialen Medien angebotenen Informationen nicht repräsentativ sind für das, was in der Welt geschieht, oder für alles, zu einem bestimmten Thema gesagt wird. Ausserdem sind die sozialen Medien kein Ort für eingehende Analysen. Vergessen wir also nicht, uns auch über andere Kanäle zu informieren!

Kommentare (3)

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Ja, die sozialen Medien halten einem tendentiell einen Spiegel vor...

Wobei es wie bei vielem darauf ankommt, wie man die sozialen Medien nutzt. Ich nutze zum Beispiel Twitter, um internationalen Wissenschaftlern und Wissenschaftsjournalisten zu...

Ja, die sozialen Medien halten einem tendentiell einen Spiegel vor...

Wobei es wie bei vielem darauf ankommt, wie man die sozialen Medien nutzt. Ich nutze zum Beispiel Twitter, um internationalen Wissenschaftlern und Wissenschaftsjournalisten zu folgen. Das ist manchmal fast wie Peer-Review in Echtzeit, wenn Preprints diskutiert werden - und für mich ein interessanter Blick über den Tellerrand der deutschsprachigen Medien. Immer wieder gibt es auch Tweetorials, in denen Fachleute ihren Forschungsbereich verständlich erklären.

Facebook, Instagram etc. nutze ich dagegen gar nicht.

Liebe Grüße,
odyssita

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Ich benutze die Sozialen Medien nicht viel aktiv und meistens nur, um die Fotos meiner Freunden zu schauen. Aber in dieser Pandemie habe ich gelernt, die Sozialen Medien auch für andere Zwecke zu benutzen, nämlich um mich zu informieren. Auf...

Ich benutze die Sozialen Medien nicht viel aktiv und meistens nur, um die Fotos meiner Freunden zu schauen. Aber in dieser Pandemie habe ich gelernt, die Sozialen Medien auch für andere Zwecke zu benutzen, nämlich um mich zu informieren. Auf Instagram habe ich Wissenschaftlern und Wissenschaftsjournalisten gefunden. Während der Kaffeepause, am Abend, habe ich die "Stories" angeschaut. Von denen habe ich viel gelernt und zusätzliche Quellen entdeckt. Auch dank den Sozialen Medien habe ich mein persönlich "Medienmonitoring" aufgebaut. Aber sich zu informieren, verschiedene Quellen zu vergleichen, usw. braucht nicht nur Zeit sondern auch Motivation.

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Liebe Claudia,

ja, da hast Du recht - sich zu informieren braucht Zeit, Motivation, und es ist hilfreich, am Anfang ein paar Hinweise zu haben, wie man das am besten macht, wie man die Informationen filtern und wie man einschätzen kann, was...

Liebe Claudia,

ja, da hast Du recht - sich zu informieren braucht Zeit, Motivation, und es ist hilfreich, am Anfang ein paar Hinweise zu haben, wie man das am besten macht, wie man die Informationen filtern und wie man einschätzen kann, was glaubwürdig ist. Daher ist es toll und wichtig, dass Ihr das Vademecum anbietet.

Ja, auch über Twitter kann man gut zusätzliche Quellen entdecken, wenn man erst einmal herausgefunden hat, wer die Fachleute sind, denen man folgen kann. Am Anfang habe ich auch immer wieder in die Originalquellen geschaut (Publikationen etc.), um zu sehen, wie diese durch die Wissenschaftler bewertet werden. Das ist generell etwas, was ich gerne mache und was mir hilft, Informationen einzuschätzen: Schauen, wo sie ursprünglich herkommen und auch mal die Rohdaten anschauen. Wenn die Interpretation nicht zu den Rohdaten passt oder Rohdaten nicht einsehbar sind, werde ich kritisch.

Liebe Grüße,
odyssita

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