Die Online-Community für Menschen mit Querschnittlähmung, ihre Angehörigen und Freunde
abbrechen

Blase & Darm

Sortieren nach:
Die normale Blasenfunktion Speicher- und Entleerungsfunktion der Harnblase (Quelle: APOGEPHA Arzneimittel GmbH) a) Leere Blase b) Füllung der Blase c) Entleerung der Blase Im entleerten Zustand ist der Blasenmuskel entspannt und der Schliessmuskel angespannt, die Blase ist verschlossen (siehe Abb. a). Füllt sich die Blase mit Urin, bleibt der Blasenmuskel entspannt und der Schliessmuskel angespannt, die Blase ist weiterhin verschlossen (siehe Abb. b). Die Nerven der Blasenwand registrieren die Dehnung der Blase und leiten bei Füllung eine Botschaft an das Gehirn weiter. Bei der Blasenentleerung wird willentlich der Schliessmuskel der Blase entspannt und er gibt die Öffnung zur Harnröhre frei (siehe Abb. c). Schaltzentrale Gehirn (Quelle: APOGEPHA Arzneimittel GmbH) 1) Gehirn 2) Rückenmark 3) Harnblase 4) Nervenbahnen 5) Schliessmuskel/Beckenbodenmuskulatur Was verändert sich bei einer schlaffen Blasenlähmung? Findet eine Verletzung unterhalb des zwölften Brustwirbels statt, kann man in der Regel davon ausgehen, dass die Blase schlaff gelähmt sein wird. Die Information über den Füllungszustand der Blase wird von Dehnungsrezeptoren an der Blasenwand registriert. Diese melden die Information, dass die Blase gefüllt ist, über die Blasennerven (Sakralnerven S2-5) in das Rückenmark. Sind die Blasennerven geschädigt, wird die Weiterleitung der Informationen gestört oder ist gar nicht mehr möglich. Es kann somit auch kein Informationsaustausch zwischen Blase und Gehirn stattfinden, so dass die Blase nicht mehr willentlich und kontrolliert geleert werden kann. Die Blase, obwohl eigentlich intakt, ist ohne Aktionsmöglichkeit, also schlaff. Manchmal dringen allerdings Informationen von der Blase über noch intakte Nerven bis zum Gehirn vor. In diesem Fall ist die Lähmung sensibel inkomplett. Der Harndrang kann dann entweder vollständig, abgeschwächt oder in veränderter Weise wahrgenommen werden. Zu den Autorinnen: Karin Roth ist Pflegeexpertin in der Abteilung Pflegeentwicklung und Bildung am Schweizer Paraplegiker-Zentrum (SPZ) in Nottwil/Schweiz, wo sie seit 1997 arbeitet. Sie ist Mitautorin des Standardwerks zu Querschnittlähmung "Pflege von Menschen mit Querschnittlähmung" (Hrsg. Ute Haas). Christa Schwager ist Fachexpertin Bewegung in der Abteilung Pflegeentwicklung und Bildung am SPZ, wo sie seit 1994 arbeitet. Sie ist Mitautorin der Standardwerke zu Querschnittlähmung "Pflege von Menschen mit Querschnittlähmung" und "Paraplegie. Ganzheitliche Rehabilitation" (Hrsg. Guido A. Zäch & Hans Georg Koch). Der Artikel entstand in Zusammenarbeit mit dem Fachforum Blasenmanagement des SPZ. aktualisiert: Dezember 2013
Vollständigen Artikel anzeigen
Die normale Blasenfunktion Speicher- und Entleerungsfunktion der Harnblase (Quelle: APOGEPHA Arzneimittel GmbH) a) Leere Blase b) Füllung der Blase c) Entleerung der Blase Im entleerten Zustand ist der Blasenmuskel entspannt und der Schliessmuskel angespannt, die Blase ist verschlossen (siehe Abb. a). Füllt sich die Blase mit Urin, bleibt der Blasenmuskel entspannt und der Schliessmuskel angespannt, die Blase ist weiterhin verschlossen (siehe Abb. b). Die Nerven der Blasenwand registrieren die Dehnung der Blase und leiten bei Füllung eine Botschaft an das Gehirn weiter. Bei der Blasenentleerung wird willentlich der Schliessmuskel der Blase entspannt und er gibt die Öffnung zur Harnröhre frei (siehe Abb. c). Schaltzentrale Gehirn (Quelle: APOGEPHA Arzneimittel GmbH) 1) Gehirn 2) Rückenmark 3) Harnblase 4) Nervenbahnen 5) Schliessmuskel/Beckenbodenmuskulatur Was verändert sich bei einer spastischen Blasenlähmung? Die Information über den Füllungszustand der Blase wird von Dehnungsrezeptoren an der Blasenwand registriert. Diese melden die Information, dass die Blase gefüllt ist, über die Blasennerven (Sakralnerven S2-5) in das Rückenmark. Die Eintrittsstelle dieser Nerven liegt unterhalb des zwölften Brustwirbels und wird Miktionszentrum genannt. Gelangt die Information vom Miktionszentrum nicht bis zum Gehirn, kommt auch keine Antwort zum Miktionszentrum zurück. In diesem Fall wird die vorhandene Information „Blase gefüllt“ unmittelbar als Befehl zum Wasserlassen an die Blasenmuskulatur zurückgeschickt (sogenannter Reflexbogen). Die Blase entleert sich immer dann, wenn der Reiz stark genug ist, dass die Dehnungsrezeptoren die Information auf den Weg schicken. Jedoch wechselt die Reizempfindung dauernd, sodass der Reflexbogen mal bei 200 ml oder auch schon bei 80 ml „anspringt“. Die Reflexblase hat somit keine verlässliche Füllungsmenge mehr. Zudem wird zwar die Blasenmuskulatur durch einen Reflex zum Wasserlassen stimuliert, der Schliessmuskel jedoch nicht gleichzeitig entspannt. Resultat: Blase und Schliessmuskel arbeiten nicht mit-, sondern gegeneinander. Als Folge kann in der Blase ein hoher Druck entstehen, der zu Inkontinenz und im Laufe der Zeit zu Schädigungen der Nieren führen kann. Zu den Autorinnen: Karin Roth ist Pflegeexpertin in der Abteilung Pflegeentwicklung und Bildung am Schweizer Paraplegiker-Zentrum (SPZ) in Nottwil/Schweiz, wo sie seit 1997 arbeitet. Sie ist Mitautorin des Standardwerks zu Querschnittlähmung "Pflege von Menschen mit Querschnittlähmung" (Hrsg. Ute Haas). Christa Schwager ist Fachexpertin Bewegung in der Abteilung Pflegeentwicklung und Bildung am SPZ, wo sie seit 1994 arbeitet. Sie ist Mitautorin der Standardwerke zu Querschnittlähmung "Pflege von Menschen mit Querschnittlähmung" und "Paraplegie. Ganzheitliche Rehabilitation" (Hrsg. Guido A. Zäch & Hans Georg Koch). Der Artikel entstand in Zusammenarbeit mit dem Fachforum Blasenmanagement des SPZ. aktualisiert: Dezember 2013
Vollständigen Artikel anzeigen
Was ist Obstipation? Wird der Stuhl verzögert, erschwert, mengenmässig gering, hart und trocken abgesetzt, spricht man von einer Obstipation (Verstopfung). Es gibt verschiedene Formen von Obstipation: chronische Obstipation, Reiseobstipation und akute Obstipation. Diese unterscheiden sich v.a. in den Ursachen. Verschiedene Arten von Obstipation Chronische Obstipation Querschnittgelähmte Menschen sind durch die reduzierte Darmperistaltik und verminderte körperliche Bewegung besonders häufig von chronischer Obstipation betroffen. Reiseobstipation Als Reiseobstipation bezeichnet man eine plötzlich auftretende Verstopfung als Folge einer Umstellung der Ernährung und der ungewohnten Umgebung auf Reisen. Sie tritt meist zeitlich begrenzt zu Beginn einer Reise auf. Gründe dafür sind: ungewohnte Nahrungsmittel und Gewürze Flüssigkeitsmangel, bedingt durch hohe Temperaturen und trockene Luft Zeitumstellung bei Fernreisen ungewohnter Alltagsablauf ungewohnte sanitäre Verhältnisse (keine rollstuhlgängigen Toiletten, fehlen von Duschrollstühlen etc.) Die meisten der oben genannten Gründe treffen auch bei einem Krankenhausaufenthalt zu. Die ungewohnte Kost, die Umstellung des Tagesablaufes (z.B. Bettruhe) und Veränderungen in der gewohnten Abführsituation (zeitlicher Druck, viele Leute im Zimmer etc.) können zu einer Obstipation führen, die sich in der gewohnten Umgebung wieder normalisiert. Akute Obstipation Die akute Obstipation kommt relativ selten vor und unterscheidet sich von der chronischen Obstipation dadurch, dass sie plötzlich auftritt und medizinisch abgeklärt werden muss. Treten zusätzlich zu normalen Verstopfungsbeschwerden weitere Probleme auf wie angeschwollener Bauch heftige Bauchschmerzen (bei vorhandener Sensibilität) Erbrechen von Kot (medizinische Notfallsituation) Schock (Symptome: hoher Puls, niedriger Blutdruck, kalter Schweiss), dann können diese Beschwerden auf einen Darmverschluss zurückzuführen sein, der sofort medizinisch behandelt werden muss. Wie erkennt man eine Obstipation bei einem querschnittgelähmten Menschen? harter Stuhlgang bei mind. 25 % der Entleerungen in der Regel weniger als drei Stuhlentleerungen pro Woche längere Entleerungszeit als gewohnt verlängerte(r) Entleerungsintervalle/Abführrhythmus unvollständige Stuhlentleerungen erfolglose Stuhlentleerungsversuche starke Blähungen (evtl. Atembeschwerden verursachend) Wie kann eine Obstipation vermieden werden? Ein konsequentes, individuell eingestelltes Darmmanagement hilft, das Risiko für eine Obstipation zu reduzieren: regelmässige, ausreichende Darmentleerung, wenn möglich immer zur selben Tageszeit (Abführrhythmus je nach Darmlähmungstyp, mind. jeden zweiten Tag) ausgewogene, ballaststoffreiche Ernährung genügende Flüssigkeitszufuhr, in heissem Klima entsprechend mehr => Richtmass: mind. 1,5 Liter Urin pro Tag muss über die Blase ausgeschieden werden körperliche Bewegung im Rahmen des Möglichen Was tun, wenn es doch zu einer Obstipation kommt? Durch eine Anpassung der oralen Stuhlmedikamente kann die Entleerung forciert werden, eventuell muss auch einmal zusätzlich abgeführt werden. Bringt dies keinen Erfolg, kann eine Stimulation mit einem Microklist oder Freka-Clyss notwendig werden. Führt auch dies zu keinem Erfolg, sollte der Arzt kontaktiert werden. Wichtig Eine Obstipation kann zu gravierenden Komplikationen führen. Daher ist es wichtig, das Darmmanagement konsequent durchzuführen und bei Veränderungen unbedingt zu reagieren.   Häufig gestellte Fragen Muss ich mich jedes Mal an den Arzt wenden, wenn ich unter Obstipation leide? Nein, nur wenn sich die Verstopfung über Tage hinzieht und sich keine Veränderung zeigt, sollte man sich an den Arzt wenden. Neue, bisher nie verabreichte Medikamente sollten nur in Absprache mit dem Arzt eingenommen werden. Kann es sein, dass ich trotz Durchfall unter einer Verstopfung leide? Ja, das ist möglich, man nennt das paradoxe Diarrhoe. Als Therapie muss in diesem Fall erst die Verstopfung beseitigt werden. Referenzen: URL: http://www.pflegewiki.de/wiki/Obstipation (abgerufen am 07.08.2013) Geng, V.: Obstipation. In: Haas, U. (Hrsg.) (2012): Pflege von Menschen mit Querschnittlähmung – Probleme, Bedürfnisse, Ressourcen und Interventionen. Bern: Verlag Hans Huber, S. 143f. Zu den Autorinnen: Christa Schwager ist Fachexpertin Bewegung in der Abteilung Pflegeentwicklung und Bildung am Schweizer Paraplegiker-Zentrum (SPZ) in Nottwil/Schweiz, wo sie seit 1994 arbeitet. Sie ist Mitautorin der Standardwerke zu Querschnittlähmung "Paraplegie. Ganzheitliche Rehabilitation" (Hrsg. Guido A. Zäch & Hans Georg Koch) und "Pflege von Menschen mit Querschnittlähmung" (Hrsg. Ute Haas). Karin Roth ist Pflegeexpertin in der Abteilung Pflegeentwicklung und Bildung am SPZ, wo sie seit 1997 arbeitet. Sie ist ebenfalls Mitautorin des Standardwerks zu Querschnittlähmung "Pflege von Menschen mit Querschnittlähmung". Der Artikel entstand in Zusammenarbeit mit dem Fachforum Darmmanagement des SPZ.   aktualisiert: Dezember 2013
Vollständigen Artikel anzeigen
Die Darmentleerung sollte in regelmässigem Abstand (ein oder zwei Tage) möglichst immer zur selben Tageszeit stattfinden. Durch das Einhalten eines regelmässigen Rhythmus wird der Darm trainiert und somit kann die Kontrolle über die Darmentleerung erhalten oder wieder gewonnen werden. Regulierung der Stuhlentleerung Um eine regelmässige Stuhlentleerung zu unterstützen, ist es sinnvoll, bestimmte Gewohnheiten einzuhalten, z.B. sollte die Entleerung immer zur selben Tageszeit (z.B. morgens oder abends) erfolgen. Eine abführende Wirkung haben Getränke wie Kaffee, Apfel- und Traubensaft sowie Lebensmittel wie Äpfel, Steinobst und Sauerkraut. Auch Sport bzw. regelmässige Bewegung sind für die Regulierung des Stuhlgangs wichtig. Für die Entscheidung, ob abführende Massnahmen ergriffen werden sollten, müssen mögliche andere Ursachen für Unregelmässigkeiten ausgeschlossen werden. Dazu gehören organbedingte Probleme (z.B. Divertikel), aber auch Stressphasen oder Reisen können Veränderungen im Verdauungssystem hervorrufen. Als letzte Möglichkeit sollte die Einnahme von Laxantien (Abführmitteln) in Erwägung gezogen werden. Bei wiederkehrenden Problemen kann das Führen eines Stuhlprotokolls eine gute Hilfestellung für die Beurteilung der Situation bieten (ein solches Protokoll kann in Mein Tagebuch erstellt werden). Techniken und Methoden zur Darmentleerung Es existieren verschiedene Techniken, wie der Darm entleert werden kann. Wichtig Für alle Techniken, bei denen mit dem Finger am Anus manipuliert wird, muss unbedingt ein Gleitmittel verwendet werden, da die Verletzungsgefahr sehr gross ist. Besonders vorsichtig muss bei Analfissuren und Hämorrhoiden vorgegangen werden. Digitale Enddarmstimulation (nur bei spastischer Darmlähmung) Durch kreisende Bewegungen mit dem Zeige- oder Mittelfinger und gleichzeitigem leichten Druck auf die Darmwand (mind. 30 Sekunden) kann der Stuhlreflex ausgelöst werden. Digitale Darmentleerung (Ausräumen) Bei der digitalen Enddarmentleerung wird der Enddarmbereich manuell mit dem Zeige- oder Mittelfinger ausgeräumt. Digitale Enddarmkontrolle (Nachtasten) Die Enddarmkontrolle dient dazu zu kontrollieren, ob der Enddarm leer ist, und wird in der Regel nach dem Abführen durchgeführt. Da bei fehlender Sensibilität das Gefühl der Füllung fehlt, sollte auch vor dem Abführen eine Enddarmkontrolle vorgenommen werden. Bei der Enddarmkontrolle sind kreisende Bewegungen zu vermeiden, da sonst der Stuhlreflex ausgelöst werden kann. Unterstützende Massnahmen Die Darmentleerung sollte möglichst sitzend auf dem WC oder Duschrollstuhl durchgeführt werden, da die Schwerkraft unterstützend wirkt. Es ist darauf zu achten, dass die Sitzposition entspannt ist und die Füsse nicht in der Luft hängen, sondern auf einem festen Untergrund platziert sind. Die Sitzflächen von WC oder Duschrollstuhl sollten zur Vermeidung von Druckstellen gegebenenfalls abgepolstert sein. Wenn die Darmentleerung im Bett durchgeführt werden muss, ist die linke Seitenlage zu bevorzugen, da der Verlauf des Dickdarmes eine Entleerung in dieser Position vereinfacht. Bauchpresse Die Aktivierung der Bauchmuskulatur kann für den Abführvorgang unterstützend eingesetzt werden. Voraussetzung dafür ist eine normale Stuhlkonsistenz. Wenn die Bauchmuskulatur aufgrund der Lähmungshöhe nicht aktiviert werden kann, können folgende Massnahmen das Abführen erleichtern: Vorbeugen des Oberkörpers Druck mit den Händen auf den Unterbauch Kolonmassage Bei der Kolonmassage handelt es sich um eine Form der Massage des Bauchraumes. Sie kann im Liegen oder Sitzen angewendet werden und wirkt unterstützend nach Verabreichen eines Zäpfchens oder bei digitaler Stimulation des Enddarmes. Dickdarm (Quelle: G-Netz) Vorgehen: Die Massage erfolgt im Uhrzeigersinn, da der Stuhl in dieser Richtung transportiert wird. Sie beginnt auf der linken unteren Bauchseite im absteigenden Dickdarm. Durch sanften Druck mit der flachen Hand wird der Stuhlgang Richtung Mastdarm geschoben. Man arbeitet sich langsam auf der linken Bauchseite höher, dann über den Bereich des querliegenden Dickdarms bis zum aufsteigenden Dickdarm auf der rechten Bauchseite. Die Kolonmassage dauert ca. 10-20 Minuten. Verabreichen von Zäpfchen (Suppositorium) Zäpfchen für eine bessere Gleitfähigkeit durch Reiben mit den Fingern leicht erwärmen oder mit Wasser benetzen (Lecicarbon). Keine Vaseline oder Ähnliches verwenden, da damit die Wirkung verringert wird. Zäpfchen zwischen Darmwand und Stuhl platzieren. Wenn der Mastdarm bereits voll von hartem Stuhlgang ist, evtl. zuerst digital ausräumen. Wirkungsdauer des Zäpfchens einhalten; eine Entleerungsdauer von max. 30 Minuten sollte angestrebt werden. Häufig gestellte Fragen Die Kolonmassage wirkt nur unzureichend, was kann ich tun? Die Anwendung der Kolonmassage ist nicht ganz einfach. Es wird empfohlen, sich durch eine Fachperson instruieren zu lassen. Wenn ich im Bett abführen muss, was muss ich dabei beachten? Idealerweise wird dies in linker Seitenlage gemacht. Von Bettschüsseln ist wegen erhöhter Dekubitusgefahr abzuraten. Ist es normal, dass ich mehr als eine Stunde für das Abführen brauche? Nein, mehr als eine Stunde sollte das Abführen nicht dauern. Falls eine Anpassung der Medikamente oder eine Optimierung der Entleerungstechnik nicht zum Erfolg führen, ist es empfehlenswert, mit einem Pflegefachdienst Kontakt aufzunehmen. Referenzen: BG Unfallklinik Murnau (2006): Ernährung, Verdauung und Darmentleerung bei Menschen mit einer Querschnittlähmung. Patienteninformation. Arbeitskreis Darmmanagement Querschnittgelähmter (2011): Neurogene Darmfunktionsstörung bei Querschnittlähmung. Kompendium. Lobbach: Manfred-Sauer-Stiftung. Zu den Autorinnen: Christa Schwager ist Fachexpertin Bewegung in der Abteilung Pflegeentwicklung und Bildung am Schweizer Paraplegiker-Zentrum (SPZ) in Nottwil/Schweiz, wo sie seit 1994 arbeitet. Sie ist Mitautorin der Standardwerke zu Querschnittlähmung "Paraplegie. Ganzheitliche Rehabilitation" (Hrsg. Guido A. Zäch & Hans Georg Koch) und "Pflege von Menschen mit Querschnittlähmung" (Hrsg. Ute Haas). Karin Roth ist Pflegeexpertin in der Abteilung Pflegeentwicklung und Bildung am SPZ, wo sie seit 1997 arbeitet. Sie ist ebenfalls Mitautorin des Standardwerks zu Querschnittlähmung "Pflege von Menschen mit Querschnittlähmung". Der Artikel entstand in Zusammenarbeit mit dem Fachforum Darmmanagement des SPZ.   aktualisiert: Dezember 2013
Vollständigen Artikel anzeigen
Was ist Katheterismus? Der Katheterismus (Blasenentleerung mit Hilfe eines Katheters) wird meistens bei einer schlaffen Blasenlähmung angewendet. Auch bei einer spastischen Blase kann manchmal eine medikamentöse Ruhigstellung bewirken, dass eine Blasenentleerung mit Katheterismus möglich wird. Um möglichst unabhängig zu sein, ist das Erlernen des Selbstkatheterismus wichtig, was auch für tiefgelähmte Tetraplegiker machbar ist. Wie häufig katheterisieren? Zu Beginn wird der Selbstkatheterismus in 3- bis 4-stündlichen Abständen durchgeführt, auch nachts. Die Abstände der Katheterisierungszeiten richten sich nach der Blasenfüllung. Wegen der Gefahr der Blasenüberdehnung sollten nicht mehr als 500 ml Urin in der Blase sein. Durch Beobachten und Anpassen der eigenen Trinkgewohnheiten können die Katheterisierungszeiten individuell angepasst werden, sodass es in der Regel möglich ist, nachts eine längere Pause zu machen. Die Hygiene Das Katheterisieren muss unter sauberen Bedingungen durchgeführt werden. Daher ist eine gute Körperhygiene sehr wichtig. Wird der Katheterismus nicht daheim, sondern z.B. in einem öffentlichen WC durchgeführt, ist darauf zu achten, die Hygienenormen einzuhalten. Eventuell benötigt man dazu andere Materialien als für die Blasenentleerung zu Hause. Das richtige Produkt Es gibt eine vielfältige Auswahl an Kathetern (mit oder ohne Oberflächenbeschichtung), separaten Gleitmitteln und Urinbeuteln von verschiedenen Anbietern. Sollten Probleme mit dem Material auftreten, lassen sich Alternativen finden. Hilfsmittel wie Hosenhalter für die Blasenentleerung im Rollstuhl oder Beinspiegel für Frauen erleichtern das Katheterisieren. Das benötigte Material kann bei Handelsfirmen für Inkontinenzartikel oder über Sanitätshäuser bezogen werden. Wichtig zu wissen ist, dass nicht alle im Handel erhältlichen Produkte von allen Versicherungen übernommen werden. In der Schweiz sind die von den Versicherungen erstatteten Produkte in der Mittel- und Gegenständeliste (MiGeL) des Bundesamts für Gesundheit erfasst. Für andere Länder wird empfohlen, direkt mit der Versicherung Kontakt aufzunehmen. Häufig gestellte Fragen Muss ich bei dem einmal gezeigten Material bleiben oder kann ich zu Hause anderes Material benutzen? Es gibt eine Vielzahl von Materialien. Ändern Sie bitte nie selbständig die Handlungsweise oder das Material, ohne es mit dem Urologen abzusprechen. Wie komme ich zu meinem Material nach dem Klinikaufenthalt? Vor Austritt aus der Rehabilitationseinrichtung wird Ihre Bezugsperson mit Ihnen zusammen das Austrittsmaterial bestellen. Somit haben Sie erst einmal für Zuhause alles, was Sie benötigen. Wenn Sie möchten, können Sie von Zuhause aus per Telefon oder Internet Ihr Material über ein Sanitätshaus oder bei einer Handelsfirma für Inkontinenzartikel nachbestellen. Muss ich genauso aufwändig katheterisieren wie das Pflegepersonal? Nein. Wenn man zu Hause den Katheterismus selbst durchführt, ist das Risiko, eine Blasenentzündung zu bekommen, geringer, da man an die Bakterien im häuslichen Umfeld gewohnt ist. Wichtig sind die Händedesinfektion vor und nach dem Katheterisieren und die Desinfektion der Harnröhrenmündung. Was mache ich auf Reisen? Auch auf Reisen können Sie selbst katheterisieren. Wenn Sie dies wie gewohnt sauber durchführen, ist das Infektionsrisiko nicht höher. Falls Sie in bestimmten Situationen, z.B. während eines Fluges, keine Gelegenheit haben selbst zu katheterisieren, gibt es die Möglichkeit eines zeitlich befristeten Dauerkatheters. Was mache ich, wenn sich Blut an der Katheterspitze oder im Urinbeutel findet bzw. aus der Harnröhre tritt? Wahrscheinlich handelt es sich um eine Schleimhautverletzung. Diese kann beim Einführen der Katheterspitze passieren oder durch einen erhöhten Sog entstehen, wenn Sie den Katheter beim Entfernen nicht abklemmen. Sollte dies wiederholt auftreten oder sollte es stark bluten, nehmen Sie bitte Kontakt mit dem Hausarzt oder Urologen auf. Was mache ich, wenn sich der Katheter nicht in die Blase einführen lässt? Vor allem bei Männern kann es sein, dass sich der Schliessmuskel verkrampft. Ziehen Sie den Katheter nicht zurück, sondern warten Sie einige Zeit und versuchen Sie dann noch einmal, den Katheter ohne Gewalt vorzuschieben. Sollte es nicht gelingen, brechen Sie den Vorgang ab und versuchen Sie es später noch einmal. Falls diese Probleme wiederholt auftreten, kontaktieren Sie den Urologen. Zu den Autorinnen: Karin Roth ist Pflegeexpertin in der Abteilung Pflegeentwicklung und Bildung am Schweizer Paraplegiker-Zentrum (SPZ) in Nottwil/Schweiz, wo sie seit 1997 arbeitet. Sie ist Mitautorin des Standardwerks zu Querschnittlähmung "Pflege von Menschen mit Querschnittlähmung" (Hrsg. Ute Haas). Christa Schwager ist Fachexpertin Bewegung in der Abteilung Pflegeentwicklung und Bildung am SPZ, wo sie seit 1994 arbeitet. Sie ist Mitautorin der Standardwerke zu Querschnittlähmung "Pflege von Menschen mit Querschnittlähmung" und "Paraplegie. Ganzheitliche Rehabilitation" (Hrsg. Guido A. Zäch & Hans Georg Koch). Der Artikel entstand in Zusammenarbeit mit dem Fachforum Blasenmanagement des SPZ.   aktualisiert: Dezember 2013
Vollständigen Artikel anzeigen
Was ist ein suprapubischer Blasenkatheter? Ein suprapubischer Blasenkatheter ist ein Dauerkatheter, der durch die Bauchdecke direkt in die Blase führt. Der Urin kann somit permanent unter Umgehung der Harnröhre abfliessen. Es gibt verschiedene Modelle und Befestigungsmöglichkeiten. Häufig wird der Katheter mit Hilfe eines kleinen Ballons in der Blase fixiert. Der Eingriff lässt sich ambulant durchführen. Suprapubischer Blasenkatheter (Quelle: DocCheck Pictures) Was muss beim Umgang mit dem Katheter beachtet werden? Der Katheter kann die Sekretbildung anregen. Das bedeutet, dass etwas Ausfluss aus der Eintrittsstelle des Katheters kommen kann. Die Mengen sind recht unterschiedlich. Das Sekret bietet den Nährboden für Bakterien, doch ein Verband schützt vor dem Eindringen von Bakterien und somit vor Entzündungen. Es ist jedoch wichtig, dass das Sekret keine Verkrustungen bildet. Darum muss der Verband regelmässig gewechselt werden: mindestens einmal pro Woche und auf jeden Fall, wenn er durchfeuchtet ist (z.B. nach dem Duschen) oder sich löst. Der Urinbeutel muss unter der Höhe der Blase (Blasenniveau) sitzen, damit der Urin auch wirklich vollständig ablaufen kann. Ebenso sollte der Schlauch nicht abgeknickt sein oder über dem Blasenniveau verlaufen. Häufig gestellte Fragen Ist es schlimm, wenn die Eintrittsstelle des Katheters gerötet ist? Was muss ich machen, wenn das Sekret aus der Austrittstelle des Katheters streng riecht oder an Menge zunimmt? Das könnten Anzeichen einer Entzündung oder die Folgen von mechanischem Reiz durch den Katheter sein. Falls auch nach regelmässigem Verbandswechsel mit guter Desinfektion der Kathetereintrittstelle keine Besserung eintritt, sollten Sie sich an Ihren Hausarzt wenden. Was mache ich, wenn kein Urin abfliesst? Der Katheter könnte verstopft sein. Häufig bilden sich Beläge im Katheter, die den Urinabfluss behindern. Durch regelmässiges Kneten des Katheters lassen sich diese Beläge grösstenteils verhindern und/oder beseitigen. Falls dies nichts nützen sollte, muss der Katheter gespült werden. Sollten Sie dies nach Instruktion nicht selber durchführen können, müssen Sie sich umgehend an Ihren Hausarzt oder einen Pflegedienst wenden. Ich habe ein Brennen oder Schmerzen in der Blase – was ist zu tun? Dies könnten erste Anzeichen eines Urininfektes sein – machen Sie einen Nephur-Test. Wenn der Test positiv ausfällt und/oder die Schmerzen nicht weggehen, kontaktieren Sie den Hausarzt. Eventuell verschwinden die Schmerzen durch ein Erhöhen der Trinkmenge. Es kommt Urin aus der Harnröhre – warum kann das sein? Mögliche Ursachen können sein:   Der Katheter ist verstopft. Der Urinbeutel liegt über der Höhe der Blase. Der Schlauch ist abgeknickt oder verläuft über dem Blasenniveau. Sollte auch nach Ausschluss dieser Möglichkeiten weiterhin Urin aus der Harnröhre laufen, wenden Sie sich an den Hausarzt oder einen Urologen. Wie häufig muss der Katheter gewechselt werden? Silikonkatheter werden in der Regel alle sechs bis acht Wochen gewechselt. Das richtet sich danach, wie viele Ablagerungen sich am Katheter befinden und ob er dazu neigt zu verstopfen. Wenn ich schwimmen gehen möchte, darf ich den Katheter dafür abstöpseln? Grundsätzlich nicht, da jedes Auseinandernehmen von Katheter und Urinbeutel die Gefahr einer Infektion darstellt. Besprechen Sie dies am besten mit Ihrem Urologen. Zu den Autorinnen: Karin Roth ist Pflegeexpertin in der Abteilung Pflegeentwicklung und Bildung am Schweizer Paraplegiker-Zentrum (SPZ) in Nottwil/Schweiz, wo sie seit 1997 arbeitet. Sie ist Mitautorin des Standardwerks zu Querschnittlähmung "Pflege von Menschen mit Querschnittlähmung" (Hrsg. Ute Haas). Christa Schwager ist Fachexpertin Bewegung in der Abteilung Pflegeentwicklung und Bildung am SPZ, wo sie seit 1994 arbeitet. Sie ist Mitautorin der Standardwerke zu Querschnittlähmung "Pflege von Menschen mit Querschnittlähmung" und "Paraplegie. Ganzheitliche Rehabilitation" (Hrsg. Guido A. Zäch & Hans Georg Koch). Der Artikel entstand in Zusammenarbeit mit dem Fachforum Blasenmanagement des SPZ.   aktualisiert: Dezember 2013
Vollständigen Artikel anzeigen
Was ist ein transurethraler Blasenkatheter? Ein transurethraler Blasenkatheter ist ein Dauerkatheter, der durch die Harnröhre bis in die Blase führt. Der Urin kann somit permanent abfliessen Der Katheter wird mit Hilfe eines kleinen Ballons in der Blase fixiert. Ansonsten wird er wie ein Einmalkatheter angebracht. Transurethraler Blasenkatheter (Quelle: jameda) Was muss beim Umgang mit dem Katheter beachtet werden? Ein Dauerkatheter in der Harnröhre regt die Harnröhrenschleimhaut zur Sekretbildung an. Das bedeutet, dass immer etwas Ausfluss aus der Harnröhre kommt. Die Mengen können recht unterschiedlich sein. Das Sekret bietet den Nährboden für Bakterien. Eine gute Körperhygiene ist daher sehr wichtig. Das Sekret sollte mindestens einmal am Tag abgewaschen werden. Der Urinbeutel muss unter der Höhe der Blase (Blasenniveau) sitzen, damit der Urin auch wirklich vollständig ablaufen kann. Ebenso sollte der Schlauch nicht abgeknickt sein oder über dem Blasenniveau verlaufen.   Häufig gestellte Fragen Was mache ich, wenn kein Urin abfliesst? Der Katheter könnte verstopft sein. Häufig bilden sich Beläge im Katheter, die den Urinabfluss behindern. Durch regelmässiges Kneten des Katheters lassen sich diese Beläge grösstenteils verhindern bzw. beseitigen. Falls dies nichts nützen sollte, muss der Katheter gespült werden. Sollten Sie dies nach Instruktion nicht selber durchführen können, sollten Sie sich umgehend an ihren Hausarzt oder einen Pflegedienst wenden. Ich habe ein Brennen oder Schmerzen in der Blase oder der Harnröhre – was ist zu tun? Dies könnten erste Anzeichen eines Urininfektes sein – machen Sie einen Nephur-Test. Wenn der Test positiv ausfällt und/oder die Schmerzen nicht weggehen, kontaktieren Sie den Hausarzt. Eventuell verschwinden die Schmerzen durch ein Erhöhen der Trinkmenge. Es kommt Urin neben dem Katheter aus der Harnröhre – warum kann das sein? Mögliche Ursachen können sein: Der Katheter ist verstopft. Der Urinbeutel liegt über der Höhe der Blase. Der Schlauch ist abgeknickt oder verläuft über dem Blasenniveau. Sollte auch nach Ausschluss dieser Möglichkeiten weiterhin Urin aus der Harnröhre laufen, wenden Sie sich an den Hausarzt oder einen Urologen. Was muss ich machen, wenn das Sekret aus der Austrittstelle des Katheters streng riecht oder an Menge zunimmt? Das könnten Anzeichen einer Entzündung oder die Folgen von mechanischem Reiz durch den Katheter sein. Falls trotz guter Hygiene keine Besserung eintritt, sollten Sie sich an Ihren Hausarzt wenden. Wie häufig muss der Katheter gewechselt werden? Katheter aus Silikon werden in der Regel alle drei bis vier Wochen gewechselt. Das richtet sich danach, wie viele Ablagerungen sich am Katheter befinden und er ob dazu neigt zu verstopfen. Wenn ich schwimmen gehen möchte, darf ich den Katheter dafür abstöpseln? Grundsätzlich nicht, da jedes Auseinandernehmen von Katheter und Urinbeutel die Gefahr einer Infektion darstellt. Besprechen Sie dies am besten mit Ihrem Urologen.   Zu den Autorinnen: Karin Roth ist Pflegeexpertin in der Abteilung Pflegeentwicklung und Bildung am Schweizer Paraplegiker-Zentrum (SPZ) in Nottwil/Schweiz, wo sie seit 1997 arbeitet. Sie ist Mitautorin des Standardwerks zu Querschnittlähmung "Pflege von Menschen mit Querschnittlähmung" (Hrsg. Ute Haas). Christa Schwager ist Fachexpertin Bewegung in der Abteilung Pflegeentwicklung und Bildung am SPZ, wo sie seit 1994 arbeitet. Sie ist Mitautorin der Standardwerke zu Querschnittlähmung "Pflege von Menschen mit Querschnittlähmung" und "Paraplegie. Ganzheitliche Rehabilitation" (Hrsg. Guido A. Zäch & Hans Georg Koch). Der Artikel entstand in Zusammenarbeit mit dem Fachforum Blasenmanagement des SPZ. aktualisiert: Dezember 2013
Vollständigen Artikel anzeigen
Um die Darmentleerung bei einer Querschnittlähmung zu regulieren, ist häufig eine medikamentöse Stimulation sowie eine Regulierung der Stuhlkonsistenz nötig. Da Laxantien nicht unbedenklich sind, obwohl sie oft aus pflanzlichen Bestandteilen gewonnen werden, gilt der Grundsatz: So wenig als möglich, soviel wie nötig. Einnahme von Abführmitteln kann einen Gewöhnungseffekt herbeiführen, daher sind nicht alle für den Langzeitgebrauch geeignet. Die Auswahl der Abführmittel wird aufgrund ihrer Wirkungsweise getroffen. Für die Darmentleerung wird eine normale Stuhlkonsistenz (geformte Stuhlkonsistenz) angestrebt. Eine ausgewogene Ernährung mit Ballaststoffen sowie eine ausreichende Flüssigkeitszufuhr hilft, die Stuhlkonsistenz zu regulieren; viel Bewegung unterstützt die Darmtätigkeit zusätzlich. Altbewährte Hausmittel – wie sinnvoll sind sie? Gerne greift man bei Abführproblemen auf natürliche Wirkstoffe zurück. Diese sind jedoch meist nicht sinnvoll für den Langzeitgebrauch oder bei einer Querschnittlähmung nicht geeignet. Sennesfrüchte In vielen Abführtees sind die Schalen von Sennesfrüchten enthalten, ebenso wird teilweise Feigensirup damit gemischt. Allerdings können Sennesfrüchte die Dickdarmtätigkeit einschränken, die Aufnahme von Flüssigkeit im Darm aus dem Gleichgewicht bringen und sie haben die Tendenz, abhängig zu machen. Weizenkleie, Leinsamen, Flohsamen etc. Diese Nahrungsmittelfasern sind in der normalen Ernährung unbedenklich, zur Stuhlregulierung bei einer Querschnittlähmung jedoch nur bedingt geeignet. Sie können sich im Darm in Schleimhautfalten oder Divertikeln ablagern und so zu Entzündungen führen. Rektale Entleerungshilfen Bei den rektalen Entleerungshilfen wie auch den oralen Laxantien (siehe unten) handelt es sich um Medikamente – bitte vor Gebrauch die Packungsbeilage lesen und bei Fragen und Unklarheiten den Hausarzt kontaktieren. Produkt Informationen Lecicarbon Wirkstoff: CO2 - Laxans regt durch die Bildung von Gasbläschen die Peristaltik an Dosierung: 1-2 Supp. Wirkungszeit: 15-30 Minuten wichtig: Zäpfchen mit Wasser befeuchten geeignet für die Langzeitanwendung Prontolax, Dulcolax Wirkstoff: Bisacodyl hemmen die Wasseraufnahme aus dem Darm, steigern die Peristaltik Dosierung: 1-2 Supp. Wirkungszeit: 20-60 Minuten laut Studien geeignet für die Langzeitanwendung Bulboid Wirkstoff: Glycerin entzieht der Umgebung Flüssigkeit, wirkt nur im Enddarm Dosierung: 1 Supp. Wirkungszeit: 30 Minuten nicht geeignet bei kompletter Querschnittlähmung, da Wirkung nur im Enddarm Freka-Clyss, Clyssie Klistier Wirkstoff: Salze Microklist Wirkstoff: Zucker, Zuckeralkohol entziehen dem Körper Flüssigkeit, die im Dickdarm zu einer Stuhlvolumenerhöhung führt und so die Darmtätigkeit anregt Dosierung: 1 Flasche bzw. 1 Applikator Wirkungszeit: 5-20 Minuten bei Abführschwierigkeiten, nicht geeignet für die Langzeitanwendung Orale Laxantien Grundsätzlich sollten so wenig Abführmittel wie möglich eingenommen werden. Sie werden je nach Stuhlkonsistenz angepasst. Die Wirkung tritt in der Regel nach frühestens 24 Stunden ein. Darum eignen sich diese Mittel nicht für den kurzfristigen Einsatz. Produkt Wirkung Duphalac Sirup Wirkstoff: Lactulose, Galactose Importal Sachet Wirkstoff: Synthetischer Zucker entziehen dem Körper Flüssigkeit, die im Dickdarm zu einer Stuhlvolumenerhöhung führt und die Darmtätigkeit anregt Dosierung: bis 3 x 20 ml (Duphalac), 1-2 x 1 Beutel (Importal) Wirkungseintritt: nach 12-48 Stunden geeignet für die Langzeitanwendung nicht geeignet Duphalac: bei Laktoseintoleranz Importal: bei Stoma Movicol Wirkstoff: Macrogol, Salze bindet Wasser und weicht dadurch den Stuhlgang auf Dosierung: bis 3 x 1 Beutel (1 Beutel entspricht 25 ml Konzentrat) Wirkungseintritt: nach 24-72 Stunden geeignet für die Langzeitanwendung Agiolax mite Wirkstoff: Flohsamen, Flohsamenschalen Colosan mite Wirkstoff: Sterculia Körnchen quellen auf und führen zu Stuhlvolumenvergrösserung, regen dadurch die Darmtätigkeit an; verleihen dem Stuhlgang eine weiche und geschmeidige Konsistenz Dosierung: bis 3 x 20 ml reichlich nachtrinken – mind. 1 Glas pro 5 ml Colosan/Agiolax Wirkungseintritt: nach 12 Stunden (Colosan) bis mehreren Tagen geeignet für die Langzeitanwendung Metamucil Regular Wirkstoff: Plantaginis-ovatae-Samenschalen, Traubenzucker Metamucil N Mite Orange Wirkstoff: Plantaginis-ovatae-Samenschalen, Saccharose quellen bei Wasseraufnahme auf und führen zu Stuhlvolumenvergrösserung, regen dadurch die Darmtätigkeit an; verleihen dem Stuhlgang eine weiche und geschmeidige Konsistenz Dosierung: bis 3 x 20 ml reichlich trinken – 1 Glas Wasser zum Auflösen und 1 Glas Wasser zusätzlich nach Einnahme Wirkungseintritt: nach 12-48 Stunden geeignet für die Langzeitanwendung Cave für Diabetiker: 10 ml Metamucil enthalten 13 kcal Feigensirup ohne Senna Fruchtzucker, Schleimstoffe und Fruchtsäuren bewirken, dass der Stuhl weicher wird Dosierung: bis 3 x 20 ml Wirkungseintritt: nach ca. 24 Stunden nicht unbedenklich in der Langzeitanwendung Wichtig Orale Laxantien entziehen dem Körper Wasser. Um dies auszugleichen, ist es nötig, viel zu trinken. Häufig gestellte Fragen Muss ich für eine Veränderung der Abführmedikamente immer den Arzt kontaktieren? Nicht zwingend. Wenn es sich nur um eine Anpassung der Dosis handelt und Sie das Medikament kennen, können Sie das selbständig handhaben. Wenn Sie Probleme haben oder grundsätzlich mit der Einstellung ihrer Abführmedikamente nicht mehr zufrieden sind, sollten Sie Ihren Hausarzt kontaktieren. Es empfiehlt sich nicht, sich nur in einer Apotheke beraten zu lassen, da die Wirkung von Laxantien bei querschnittgelähmten Menschen oft anders ist als bei Menschen ohne Darmlähmung und darum auch nicht alle Medikamente geeignet sind. Muss ich bis an mein Lebensende Abführmedikamente nehmen? Das ist sehr unterschiedlich, je nachdem, wie viel Bewegung Sie haben oder wie Sie Sich ernähren. Grundsätzlich ist das Ziel, eine gesunde Balance zu finden, so dass die Stuhlkonsistenz weich und geschmeidig ist. Das mindert die Gefahr von Hämorrhoiden oder Verletzungen des Anus, gewährleistet jedoch die Stuhlkontinenz. Muss ich bei der Wahl der Abführmedikamente etwas Spezielles beachten, wenn ich einen künstlichen Darmausgang habe? Ja, je nachdem, was für einen künstlichen Darmausgang Sie haben, sind nicht alle Medikamente geeignet, da viele der Medikamente im Dickdarm wirken. Daher empfiehlt es sich, für eine Anpassung der Abführmedikamente den Hausarzt oder den Darmspezialisten zu kontaktieren. Werden in der Schweiz alle Abführmittel von der Krankenkasse bezahlt? Dies ist meist nicht der Fall. Welche Kasse welches Medikament übernimmt ist unterschiedlich, bitte erkundigen Sie sich direkt bei ihrer Kasse. Zu den Autorinnen: Christa Schwager ist Fachexpertin Bewegung in der Abteilung Pflegeentwicklung und Bildung am Schweizer Paraplegiker-Zentrum (SPZ) in Nottwil/Schweiz, wo sie seit 1994 arbeitet. Sie ist Mitautorin der Standardwerke zu Querschnittlähmung „Paraplegie. Ganzheitliche Rehabilitation" (Hrsg. Guido A. Zäch & Hans Georg Koch) und „Pflege von Menschen mit Querschnittlähmung" (Hrsg. Ute Haas). Karin Roth ist Pflegeexpertin in der Abteilung Pflegeentwicklung und Bildung am SPZ, wo sie seit 1997 arbeitet. Sie ist ebenfalls Mitautorin des Standardwerks zu Querschnittlähmung „Pflege von Menschen mit Querschnittlähmung". Der Artikel entstand in Zusammenarbeit mit dem Fachforum Darmmanagement des SPZ.   aktualisiert: Dezember 2013
Vollständigen Artikel anzeigen
Was ist ein Kondomurinal? Ein Kondomurinal ist ein Harnableitungssystem in Form eines Kondoms, an den ein Schlauch mit Behälter angeschlossen wird. Zur Blasenentleerung mit einem Kondomurinal wird die Reflexaktivität genutzt – das bedeutet, durch rhythmisches Klopfen (Triggern) auf die Unterbauchregion oberhalb des Schambeins wird die Blasenentleerung aktiviert. Wie Triggern? Mit dem Triggern kann man den Reflexbogen stimulieren und somit die Blasenentleerung manuell auslösen. Bei dieser Entleerungstechnik reizt man die Dehnungsrezeptoren in der Blasenwand und der Reflexbogen wird aktiviert – die Blase entleert sich. Um die Dehnungsrezeptoren anzuregen, benötigt es keinen mechanischen Druck, sondern es genügt ein langsames Trommeln. Das Triggern erfolgt bis zur ersten Urinentleerung und wird, sobald der Urinfluss aufhört, wieder fortgesetzt. Dies kann bis zu zehn Minuten dauern. Die Effektivität der Blasenentleerung hängt von der Blasenkontraktion (Zusammenziehen der Blase), der Öffnung des Blasenhalses, aber auch von der Entspannung des Schliessmuskels ab. Die Entleerung erfolgt anfangs im regelmässigen Abstand von 3-4 Stunden. Später kann die Blasenentleerung individuell angepasst werden, wenn die Blase gespürt wird oder wenn Körperersatzzeichen wie Gänsehaut, Schweissausbrüche, Kopfschmerzen, Spasmen oder gewisse – individuell unterschiedliche – Gefühle im Bauchraum eine volle Blase signalisieren. Das richtige Produkt Vor dem ersten Anlegen eines Kondomurinals muss die Grösse mit einem Massband bestimmt werden. So kann man ein zu enges oder zu weites Kondom vermeiden. Es gibt eine vielfältige Auswahl an Klebstoffen, Kondomen, selbstklebenden Kondomen und Urinbeuteln von verschiedenen Anbietern. Wenn Sie einmal Probleme mit Ihrem Material haben, lassen sich Alternativen finden. Das benötigte Material kann bei Handelsfirmen für Inkontinenzartikel oder bei Sanitätshäusern bezogen werden. Worauf es ankommt Achten Sie darauf, dass der Urinbeutel unter der Höhe der Blase (Blasenniveau) sitzt, damit der Urin gut ablaufen kann. Ebenso sollte der Schlauch nicht abgeknickt sein oder über dem Blasenniveau verlaufen. Nach jedem Transfer sollte sicherheitshalber der Sitz des Kondoms und des Urinbeutels kontrolliert werden. Die Hygiene Egal ob aus Silikon oder Latex – das Kondom muss einmal in 24 Stunden gewechselt werden. Die Körperhygiene ist ein wichtiger Bestandteil, um die Haut gesund zu halten und damit längerfristig die Anwendung eines Kondomurinals zu ermöglichen. Häufig gestellte Fragen Was mache ich, wenn kein Urin fliesst? Überprüfen Sie, ob das Kondom verdreht ist. Überlegen Sie sich, wie viel Sie in den letzten Stunden getrunken haben. Eventuell können Sie durch Abtasten feststellen, ob Ihre Blase hart (= voll) ist. Falls dies der Fall sein sollte und auch durch erneutes Triggern kein Urin fliesst, entleeren Sie die Blase mittels Einmalkatheter oder kontaktieren Sie den Hausarzt. Bei voller Blase oder beim Triggern bekomme ich Kopfschmerzen. Was kann die Ursache dafür sein? Der Kopfschmerz hängt in den meisten Fällen mit extremen Blutdrucksteigerungen zusammen. Diese werden vom vegetativen Nervensystem ausgelöst. Man nennt dies auch autonome Dysreflexie oder „Guttmann-Reflex". Wichtig ist, dass die Blase sofort entleert wird, eventuell mittels Einmalkatheter, wenn die Kopfschmerzen zu gross sind und kein Urin läuft. Wenn die Kopfschmerzen immer wieder auftreten, kontaktieren Sie den Hausarzt oder einen Urologen. Ich habe ein Brennen oder Schmerzen in der Harnröhre/Blase – was muss ich tun? Dies könnten erste Anzeichen eines Urininfektes sein – machen Sie einen Nephur-Test. Wenn der Test positiv ausfällt und/oder die Schmerzen nicht weggehen, kontaktieren Sie den Hausarzt. Eventuell verschwinden die Schmerzen durch ein Erhöhen der Trinkmenge. Was ist zu tun, wenn die Penishaut gerötet ist? In den allermeisten Fällen handelt es sich um eine Pilzinfektion der Haut. Wenn die Rötung bei guter Körperhygiene nach wenigen Tagen nicht verschwindet, kontaktieren Sie den Hausarzt. Was soll ich machen, wenn die Penishaut offen oder verletzt ist? Ist die Hautverletzung nicht zu gross, gibt es Möglichkeiten, durch extradünne Hautschutzverbände trotzdem ein Kondom zu kleben. Wenn die offene Stelle nach wenigen Tagen nicht abgeheilt ist, kontaktieren Sie den Hausarzt. Was kann ich tun, wenn das Kondomurinal plötzlich viel schlechter hält? Überprüfen Sie, ob die Kondomgrösse noch passt, gegebenenfalls muss ein kleineres Kondom gewählt werden. Sehr schuppige, trockene Haut kann den Klebeffekt verringern. Beachten Sie, dass es verschiedene Kondomtypen mit unterschiedlichen Klebstoffen gibt. Beobachten Sie, ob sich der Penis „in den Bauch zurückzieht". Dies wird „Schlupfpenis" genannt und kann bewirken, dass das Kondom abgestreift wird. Sollte das der Fall sein, kontaktieren Sie eine Fachperson zu Kondomversorgung oder ihren Hausarzt. Zu den Autorinnen: Karin Roth ist Pflegeexpertin in der Abteilung Pflegeentwicklung und Bildung am Schweizer Paraplegiker-Zentrum (SPZ) in Nottwil/Schweiz, wo sie seit 1997 arbeitet. Sie ist Mitautorin des Standardwerks zu Querschnittlähmung "Pflege von Menschen mit Querschnittlähmung" (Hrsg. Ute Haas). Christa Schwager ist Fachexpertin Bewegung in der Abteilung Pflegeentwicklung und Bildung am SPZ, wo sie seit 1994 arbeitet. Sie ist Mitautorin der Standardwerke zu Querschnittlähmung "Pflege von Menschen mit Querschnittlähmung" und "Paraplegie. Ganzheitliche Rehabilitation" (Hrsg. Guido A. Zäch & Hans Georg Koch). Der Artikel entstand in Zusammenarbeit mit dem Fachforum Blasenmanagement des SPZ. aktualisiert: Dezember 2013
Vollständigen Artikel anzeigen
Was ist ein Blasenstimulator? Der Blasenstimulator ist ein Implantat, mit dem die Blasen- und Darmnerven direkt stimuliert werden können, um eine Blasen- und Darmentleerung zu ermöglichen. Er kann nur bei Personen mit einer kompletten Querschnittlähmung und einer spastischen Blasenlähmung zur Anwendung kommen. Wie funktioniert der Blasenstimulator? Der Controller (Steuergerät) (A) sendet Strom und Kontrollsignale durch das Übertragungskabel (B) zum Sender (C). Der implantierte Empfänger (D) verwandelt den Strom und die Kontrollsignale in elektrische Stimulationssignale. Diese Signale werden über Kabel (E) als Impulse zu den Elektroden (F) gesendet, um die Nerven von Blase und Darm zu stimulieren. Die Signale bewirken ein Zusammenziehen des Blasen- und des Schliessmuskels. In den Pausen zwischen den Signalen ist die Blase immer noch zusammengepresst, der Schliessmuskel jedoch entspannt sich, sodass sich die Blase entleeren kann. Blasenstimulator (Quelle: Finetech Medical) Handeln bei Komplikationen Was tun, wenn kein Urin fliesst? 1. Kontrolle, ob die Platte des Controllers richtig aufgesetzt wurde (richtige Sender- und Empfängerpunkte übereinander?) 2. Überprüfung, ob der Controller aufgeladen ist 3. Blasenentleerung mit Einmalkatheter bei Fremdkatheterismus frühzeitig Hilfsperson bestimmen: Bezugsperson Spitex Hausarzt etc. nicht vergessen: auf Reisen immer Katheter mitnehmen für den Fall, dass Probleme mit dem Blasenstimulator auftreten 4. Kontakt mit Urologie einer spezialisierten Klinik aufnehmen Gerätepflege tägliche Überprüfung des Ladezustands (Batteriestandanzeige in Prozent) aufladen nach Bedarf bei Reisen: Aufladegerät mitnehmen Die neue Gerätegeneration (alle schwarzen Geräte) benötigt in Europa keinen Adapter. Ausserhalb Europas passenden Steckeradapter mitnehmen. Die Spannung wird automatisch angepasst. Die alte Gerätegeneration (graue Geräte) benötigt im Ausland einen Adapter und die Spannung muss gegebenenfalls am Ladegerät auf 110 Volt umgestellt werden. Häufig gestellte Fragen Der Blasenstimulator ist ein Fremdkörper, darf ich damit eine MRI-Untersuchung haben? Ja. Ein MRI der neuen Generation ab 1.0 Tesla ist kein Problem. Zu den Autorinnen: Karin Roth ist Pflegeexpertin in der Abteilung Pflegeentwicklung und Bildung am Schweizer Paraplegiker-Zentrum (SPZ) in Nottwil/Schweiz, wo sie seit 1997 arbeitet. Sie ist Mitautorin des Standardwerks zu Querschnittlähmung „Pflege von Menschen mit Querschnittlähmung" (Hrsg. Ute Haas). Christa Schwager ist Fachexpertin Bewegung in der Abteilung Pflegeentwicklung und Bildung am SPZ, wo sie seit 1994 arbeitet. Sie ist Mitautorin der Standardwerke zu Querschnittlähmung „Pflege von Menschen mit Querschnittlähmung" und „Paraplegie. Ganzheitliche Rehabilitation" (Hrsg. Guido A. Zäch & Hans Georg Koch). Der Artikel entstand in Zusammenarbeit mit dem Fachforum Blasenmanagement des SPZ. aktualisiert: Dezember 2013
Vollständigen Artikel anzeigen
Blähungen sind ein weit verbreitetes Problem in der Bevölkerung. Querschnittgelähmte Menschen sind aufgrund ihrer gestörten Darmfunktion besonders häufig davon betroffen. Ursachen für Blähungen bei querschnittgelähmten Menschen Ursachen für Blähungen bei querschnittgelähmten Menschen Ernährungsbedingte Blähungen Unmittelbar nach dem Essen kann es zu ernährungsbedingten Blähungen kommen, die unter anderem durch folgende Nahrungsmittel hervorgerufen werden: Kohlsorten Krautsorten Zwiebelgewächse Lebensmittel mit hohem Anteil an Ballaststoffen stark zuckerhaltige Produkte Blähungen als Reaktion auf verschiedene Lebensmittel sind individuell verschieden. Auch die Art der Zubereitung kann eine entscheidende Rolle spielen: Manche Lebensmittel werden in gekochtem Zustand gut vertragen, die roh jedoch starke Blähungen verursachen. Auch Unverträglichkeiten auf bestimmte Nahrungsmittel oder ganze Gruppen von Nahrungsmitteln können Blähungen hervorrufen. Dazu gehören: Laktoseintoleranz (Unverträglichkeit von Milchzucker) Fruktoseintoleranz (Unverträglichkeit von Fruchtzucker) Glutenintoleranz (Unverträglichkeit von Gluten in Getreideprodukten) Histaminintoleranz (Unverträglichkeit von Histamin in der Nahrung) Meeresfrüchte und Fischprodukte geräuchertes Fleisch Rotwein etc. Verstopfungsbedingte Blähungen Bei einer Verstopfung bleibt der Stuhl länger als üblich im Darm und die Darmbakterien können ihn mehrfach verdauen. Dabei weitet sich das Darmvolumen und es kommt zu einer erhöhten Gasbildung im Darm. Was kann man gegen Blähungen tun? Obstipation (Verstopfung) beseitigen Lebensmittel identifizieren, die zu Blähungen führen Luftschlucken reduzieren, neue Verhaltensregeln erlernen: langsam essen gut kauen übermässig grosse Portionen vermeiden stressfreie Bedingungen für das Essen schaffen – ohne Hektik oder Zeitdruck regelmässige Essenszeiten hohen Kaffeekonsum reduzieren stark kohlensäurehaltige Getränke weglassen oder reduzieren Rauchen und Kaugummikauen einstellen Fenchel-, Kümmel- oder Anissamen einnehmen (gibt es auch in Teeform) entschäumende Medikamente wie Flatulex, Sab Simplex etc. einnehmen Häufig gestellte Fragen Können Blähungen auch Atembeschwerden verursachen? Ja, vor allem bei Tetraplegikern. Da bei ihnen die Atemhilfsmuskulatur eingeschränkt funktionsfähig ist oder ganz fehlt, atmen sie hauptsächlich in den Bauchraum. Befindet sich aufgrund von Blähungen viel Luft im Bauchraum, kann subjektiv das Gefühl von Atemnot entstehen. Referenz: Geng, V.: Blähungen. In: Haas, U. (Hrsg.) (2012): Pflege von Menschen mit Querschnittlähmung – Probleme, Bedürfnisse, Ressourcen und Interventionen. Bern: Verlag Hans Huber, S. 146ff. Zu den Autorinnen: Christa Schwager ist Fachexpertin Bewegung in der Abteilung Pflegeentwicklung und Bildung am Schweizer Paraplegiker-Zentrum (SPZ) in Nottwil/Schweiz, wo sie seit 1994 arbeitet. Sie ist Mitautorin der Standardwerke zu Querschnittlähmung "Paraplegie. Ganzheitliche Rehabilitation" (Hrsg. Guido A. Zäch & Hans Georg Koch) und "Pflege von Menschen mit Querschnittlähmung" (Hrsg. Ute Haas). Karin Roth ist Pflegeexpertin in der Abteilung Pflegeentwicklung und Bildung am SPZ, wo sie seit 1997 arbeitet. Sie ist ebenfalls Mitautorin des Standardwerks zu Querschnittlähmung "Pflege von Menschen mit Querschnittlähmung". Der Artikel entstand in Zusammenarbeit mit dem Fachforum Darmmanagement des SPZ.   aktualisiert: Dezember 2013
Vollständigen Artikel anzeigen
Als Stuhlinkontinenz wird der ungewollte Abgang von Wind oder Stuhl bezeichnet. Die Ursachen können neurogen, muskulär, aber auch konsistenzbedingt sein. Querschnittgelähmte Menschen können ihre Darmentleerung meist nicht willkürlich steuern. Mit einem individuell eingestellten Darmmanagement ist es ist jedoch möglich, eine Kontinenz zu erreichen und Inkontinenzereignisse weitgehend zu vermeiden. Spezielle Formen von Diarrhoe Diarrhoe ist das Fachwort für den Durchfall, das häufige Ausscheiden von Stuhlgang, meist in weitgehend verflüssigter Form. Eine Diarrhoe ist oft der Grund für eine Stuhlinkontinenz. Paradoxe Diarrhoe Bei dieser Form von Diarrhoe verstopft ein Hindernis den Dickdarm (grosse Ansammlung von hartem Stuhlgang, Tumor) und nur der bereits verdaute, dünne Stuhlgang kann das Hindernis passieren. Das bedeutet, dass flüssiger Stuhl ausgeschieden wird, obwohl eigentlich eine Verstopfung vorliegt. Überlaufinkontinenz Die Überlaufinkontinenz wird durch eine unzureichende Entleerung des Enddarms verursacht. Die dauernde Füllung des Enddarms (Stuhlausmauerung) führt zu einer Erschlaffung des inneren Schliessmuskels. So kann der Stuhl, der oberhalb der Stuhlausmauerung verflüssigt wurde, an dieser vorbeifliessen und es kommt zu einer unkontrollierten Darmentleerung. Was kann man bei wiederkehrender Inkontinenz tun? Ernährungsgewohnheiten überprüfen Ballaststoffzufuhr erhöhen Ernährungsprotokoll führen, um mögliche Lebensmittel als Ursache für eine Diarrhoe herauszufinden Darmentleerung optimieren Stuhl manuell ausräumen Abführrhythmus verkürzen Darmspülungen anwenden Medikamente überprüfen und anpassen osmotische Laxantien oder Quellmittel einsetzen (z.B. Duphalac, Movicol, Transipeg) Medikamente in Hinblick auf die Wirkung auf den Darm überprüfen (z.B. Antibiotika, Eisentabletten) Wenn diese Massnahmen keine Verbesserung bringen und die Inkontinenz weiterhin auftritt, muss eine weiterführende Diagnostik in Betracht gezogen werden, um die genaue Ursache herauszufinden. Wichtig Inkontinenz kann rasch zu Hautreizungen und Hautschädigungen führen. Flüssiger Stuhlgang kann sehr aggressiv für die Haut sein und rasch zu Hautrötungen und offenen Stellen im Analbereich führen. Hilfsmittel Es gibt verschiedene Arten von Einlagen, je nachdem, wie stark ausgeprägt die Inkontinenz ist. Einlagen erhöhen jedoch die Gefahr für Druckstellen am Gesäss und es ist besser, weitgehend darauf zu verzichten. Analtampon Lässt sich eine Inkontinenz nicht vollständig unter Kontrolle bringen, sind Analtampons eine Möglichkeit, trotzdem sportlichen Aktivitäten wie Schwimmen nachzugehen. Allerdings darf man die Analtampons nur für eine begrenzte Zeit anwenden; sie ganztägig zu belassen ist keine Alternative zu Einlagen, da die Gefahr von Druckstellen im Anus besteht. Hautschutz Bei akuten Hautreizungen aufgrund von Inkontinenz ist ein Hautschutz im Analbereich wichtig. Dabei sollten Cremes und Salben nur dünn aufgetragen und zwischendurch vollständig entfernt werden. Oxyplastine Wundpaste (Wundpaste mit Zinkoxyd) Bepanthen Salbe – kann pur oder 1:1 mit Oxyplastine Wundpaste gemischt angewendet werden 3M Cavilon Langzeit-Hautschutzcreme für intakte Haut; für bereits beschädigte und wunde Haut 3M Cavilon Reizfreier Hautschutz verwenden Häufig gestellte Fragen Wie lässt sich Zinkpaste (z.B. Oxyplastine) einfach und ohne grosses Rubbeln entfernen? Am einfachsten entfernt man die Paste mit Öl – Babyöl oder Speiseöl. Referenzen: URL: http://www.pflegewiki.de/wiki/Diarrhoe (abgerufen am 07.08.2013) Geng, V.: Inkontinenz. In: Haas, U. (Hrsg.) (2012): Pflege von Menschen mit Querschnittlähmung – Probleme, Bedürfnisse, Ressourcen und Interventionen. Bern: Verlag Hans Huber, S. 144ff. Zu den Autorinnen: Christa Schwager ist Fachexpertin Bewegung in der Abteilung Pflegeentwicklung und Bildung am Schweizer Paraplegiker-Zentrum (SPZ) in Nottwil/Schweiz, wo sie seit 1994 arbeitet. Sie ist Mitautorin der Standardwerke zu Querschnittlähmung "Paraplegie. Ganzheitliche Rehabilitation" (Hrsg. Guido A. Zäch & Hans Georg Koch) und "Pflege von Menschen mit Querschnittlähmung" (Hrsg. Ute Haas). Karin Roth ist Pflegeexpertin in der Abteilung Pflegeentwicklung und Bildung am SPZ, wo sie seit 1997 arbeitet. Sie ist ebenfalls Mitautorin des Standardwerks zu Querschnittlähmung "Pflege von Menschen mit Querschnittlähmung". Der Artikel entstand in Zusammenarbeit mit dem Fachforum Darmmanagement des SPZ. aktualisiert: Dezember 2013
Vollständigen Artikel anzeigen
Die normale Darmfunktion Die Stuhlentleerung (Defäkation) ist ein reflexartig ablaufender Vorgang, der jedoch willentlich beeinflusst werden kann. Bei ausreichender Füllung und damit Dehnung des Mastdarms werden über Nervenbahnen Impulse zum Defäkationszentrum im Rückenmark gesendet – im Grosshirn wird die Empfindung „Stuhldrang“ ausgelöst. Das Defäkationszentrum steuert die Muskulatur des Enddarms, welche den inneren Schliessmuskel erschlaffen lässt und zugleich zur Anspannung der äusseren Muskulatur des Enddarms führt. Dadurch wird der Darminhalt nach aussen getrieben. Eine anhaltende Anspannung von Zwerchfell und Bauchmuskeln, die sogenannte Bauchpresse, unterstützt den Vorgang. Ein Hinauszögern der Stuhlentleerung über eine gewisse Zeit ist deshalb möglich, weil der äussere Schliessmuskel willentlich angespannt werden kann und damit die Stuhlentleerung verhindert wird. Was verändert sich bei einer spastischen Darmlähmung? Spastischer Darm Die Information über den Füllungszustand des Darms wird von Dehnungsrezeptoren an der Darmwand registriert (1). Normalerweise wird diese Information via Defäkationszentrum (2) an das Gehirn weitergeleitet. Aufgrund der Schädigung des Rückenmarks (3) kann die Information jedoch nicht bis zum Gehirn gelangen. Stattdessen wird sie unmittelbar vom Defäkationszentrum an die Darmmuskulatur zurückgesendet mit dem Befehl „Darm gefüllt“ (sogenannter Reflexbogen). Die Stuhlentleerung kann nicht mehr willentlich gesteuert werden. Aufgrund des Reflexbogens transportiert die Darmwand (1) den Stuhlgang weiter, doch zugleich bleibt der äussere Schliessmuskel (4) geschlossen. Es findet keine normale Darmentleerung statt, sondern individuell verschieden kann es zu Inkontinenz oder zu Verstopfung kommen. Die Darmentleerung Bei einer spastischen Darmlähmung ist es möglich, den Darm so zu trainieren, dass nur alle zwei Tage eine Entleerung stattfinden muss. Dies ist jedoch abhängig von den Ausscheidungsgewohnheiten eines jeden Einzelnen. Ob ein Zwei-Tages-Rhythmus möglich ist, zeigt sich im Verlauf der Rehabilitation. Es gibt verschiedene Entleerungstechniken und Hilfsmittel für die Darmentleerung. Der Stuhlgang wird auch erheblich von den Ernährungsgewohnheiten sowie der Trinkmenge beeinflusst. Zu den Autorinnen: Christa Schwager ist Fachexpertin Bewegung in der Abteilung Pflegeentwicklung und Bildung am Schweizer Paraplegiker-Zentrum (SPZ) in Nottwil/Schweiz, wo sie seit 1994 arbeitet. Sie ist Mitautorin der Standardwerke zu Querschnittlähmung "Paraplegie. Ganzheitliche Rehabilitation" (Hrsg. Guido A. Zäch & Hans Georg Koch) und "Pflege von Menschen mit Querschnittlähmung" (Hrsg. Ute Haas). Karin Roth ist Pflegeexpertin in der Abteilung Pflegeentwicklung und Bildung am SPZ, wo sie seit 1997 arbeitet. Sie ist ebenfalls Mitautorin des Standardwerks zu Querschnittlähmung "Pflege von Menschen mit Querschnittlähmung". Der Artikel entstand in Zusammenarbeit mit dem Fachforum Darmmanagement des SPZ. aktualisiert: Dezember 2013
Vollständigen Artikel anzeigen
Die normale Darmfunktion Die Stuhlentleerung (Defäkation) ist ein reflexartig ablaufender Vorgang, der jedoch willentlich beeinflusst werden kann. Bei ausreichender Füllung und damit Dehnung des Mastdarms werden über Nervenbahnen Impulse zum Defäkationszentrum im Rückenmark gesendet – im Grosshirn wird die Empfindung „Stuhldrang“ ausgelöst. Das Defäkationszentrum steuert die Muskulatur des Enddarms, welche den inneren Schliessmuskel erschlaffen lässt und zugleich zur Anspannung der äusseren Muskulatur des Enddarms führt. Dadurch wird der Darminhalt nach aussen getrieben. Eine anhaltende Anspannung von Zwerchfell und Bauchmuskeln, die sogenannte Bauchpresse, unterstützt den Vorgang. Ein Hinauszögern der Stuhlentleerung über eine gewisse Zeit ist deshalb möglich, weil der äussere Schliessmuskel willentlich angespannt werden kann und damit die Stuhlentleerung verhindert wird. Was verändert sich bei einer schlaffen Darmlähmung? Schlaffer Darm Die Information über den Füllungszustand des Darms wird von Dehnungsrezeptoren an der Darmwand registriert (1). Normalerweise wird diese Information via Defäkationszentrum (2) an das Gehirn weitergeleitet. Aufgrund der Schädigung des Rückenmarks (3) kann die Information jedoch nicht vom Darm ins Rückenmark gelangen. Die Stuhlentleerung kann nicht mehr willentlich gesteuert werden. Die Darmwand (1) transportiert den Stuhlgang nicht weiter, der äussere Schliessmuskel (4) ist schlaff. Es findet keine normale Darmentleerung statt. Die Darmentleerung Bei einer schlaffen Darmlähmung kommt es häufig zu einer Inkontinenz. Um dies zu verhindern, ist tägliches Abführen notwendig. Es gibt verschiedene Entleerungstechniken und Hilfsmittel für die Darmentleerung. Der Stuhlgang wird auch erheblich von den Ernährungsgewohnheiten sowie der Trinkmenge beeinflusst. Zu den Autorinnen: Christa Schwager ist Fachexpertin Bewegung in der Abteilung Pflegeentwicklung und Bildung am Schweizer Paraplegiker-Zentrum (SPZ) in Nottwil/Schweiz, wo sie seit 1994 arbeitet. Sie ist Mitautorin der Standardwerke zu Querschnittlähmung "Paraplegie. Ganzheitliche Rehabilitation" (Hrsg. Guido A. Zäch & Hans Georg Koch) und "Pflege von Menschen mit Querschnittlähmung" (Hrsg. Ute Haas). Karin Roth ist Pflegeexpertin in der Abteilung Pflegeentwicklung und Bildung am SPZ, wo sie seit 1997 arbeitet. Sie ist ebenfalls Mitautorin des Standardwerks zu Querschnittlähmung "Pflege von Menschen mit Querschnittlähmung". Der Artikel entstand in Zusammenarbeit mit dem Fachforum Darmmanagement des SPZ. aktualisiert: Dezember 2013
Vollständigen Artikel anzeigen