Die Online-Community fĂŒr Menschen mit QuerschnittlĂ€hmung, ihre Angehörigen und Freunde
abbrechen

Die absurdesten barrierefreien Anlagen

Offizieller Blog-Autor

Die absurdesten barrierefreien Anlagen

Einrichtungen fĂŒr Rollstuhlfahrer, die einen zum Lachen oder zum Heulen bringen

Viele warnen ja, man soll nicht alles glauben, was man im Internet findet. KĂŒrzlich habe ich diese Fotos im Internet entdeckt – ich wĂŒrde Euch so gerne sagen, dass sie nicht echt sind, doch ich fĂŒrchte sie sind es:

Illustration 1.jpgTakeshi’s Rollstuhl-Challenge?

Illustration 2.jpgWenn man diesen Strichen folgt, kommt man nicht weit.

Illustration 3.jpgPerfekt fĂŒr meinen seitlich zusammendrĂŒckbaren Rollstuhl!

Illustration 4.jpgFĂŒr wen ist diese LĂŒcke gemacht? Adrenalin-Junkies?

illustration 5.jpgDieser Parkplatz ist nicht fĂŒr Behinderte, er ist behindert.

illustration 6.jpgDieses Schild fordert andere auf, die Rampe frei zu halten – aber macht eine Ausnahme fĂŒr sich selbst.

Ich werde noch mehr Fotos von absurden „barrierefreien“ Situationen mit Euch teilen, die ich bei meinem Heimatbesuch in Hongkong letzten November erlebt habe. Ich benutze keinen Rollstuhl, bin aber als Mutter mit einem Buggy unterwegs. Viele dieser Situationen nerven mich ebenfalls.

ZugÀnglichkeitsproblem Nr. 1: Die Blasen-Challenge

illustration 7.jpgAufgenommen in Kowloon Park, einem bekannten öffentlichen Park in Hongkong.

„In Reparatur“ und die nĂ€chste rollstuhlgĂ€ngige Toilette ist nicht in Sicht. Nie bis zur letzten Minute warten! #ThingsDisabledPeopleKnow

ZugĂ€nglichkeitsproblem Nr. 2: AufzĂŒge, die keine AufzĂŒge sind

illustration 8 (DE).pngDie Fahrstuhlsituation in Central, dem GeschÀftsviertel von Hongkong.

Noch nie war ich von AufzĂŒgen so frustriert.

Wir hatten einen anstrengenden Tag bei unserer Tour durch Central. In diesem GeschĂ€fts- und Touristenviertel stiessen wir entweder auf AufzĂŒge, die ausser Betrieb waren, oder auf solche, die wir nicht ohne Hilfe bedienen konnten. Um Zeit zu sparen, trugen wir letztendlich selber den Buggy die Treppen hinunter.

Es hĂ€tte mich interessiert, wie schnell wir Hilfe bekommen hĂ€tten, wenn wir den „Hilfe“-Knopf gedrĂŒckt hĂ€tten. Warum wurde dort ein nicht-automatischer Aufzug installiert? Warum ist es so schwierig, zugleich ZugĂ€nglichkeit und UnabhĂ€ngigkeit zu ermöglichen? #AbleNotDisabled

ZugĂ€nglichkeitsproblem Nr. 3: kostbare AufzĂŒge

Seht Euch mal die Karte von diesem Bahnhof an:

illustration 9.png

Endlich! So viele AufzĂŒge! 
 halt, doch nicht, eigentlich gibt es im gesamten Bahnhof nur drei AufzĂŒge, und nur einer davon fĂŒhrt zum Bahnsteig.

Folgendes ist uns passiert: Um zum Bahnsteig zu kommen, mussten wir mit unseren bezahlten Fahrkarten Schranken passieren. Also gingen wir durch die Schranken und suchten nach dem Aufzug, um auf den Bahnsteig zu gelangen
 doch ups! Der Aufzug befand sich auf der anderen Seite des Bahnhofs. Um diesen Aufzug zu erreichen, mussten wir wieder die Schranken mit neuen Fahrkarten passieren. #WheelchairLife

ZugÀnglichkeitsproblem Nr. 4: nervtötende Aufforderung

Der absurdeste Teil unserer Reise war, dass wir in den Bahnhöfen immer wieder auf das folgende Werbevideo gestossen sind. Das Video lĂ€uft den ganzen Tag im Bahnhof, um Menschen mit Buggys oder grossen GepĂ€ckstĂŒcken aufzufordern, den Aufzug zu nehmen.

Das Video wÀre weniger lÀcherlich, wenn sie vorher die ZugÀnglichkeit der Bahnhöfe verbessert hÀtten. #BreakingBarriers

ZugÀnglichkeitsprobleme: weltweite Sammlung

Unter den folgenden Links findet Ihr weitere Fotos von absurden „barrierefreien“ Anlagen aus aller Welt:

Was war die lĂ€cherlichste „barrierefreie“ Anlage fĂŒr Rollstuhlfahrer, die Ihr je gesehen habt? Was sollte getan werden, um die ZugĂ€nglichkeit allgemein zu verbessern?

[Übersetzung des originalen englischen Beitrags]

15 Kommentare

Hallo Liebe Kitwan 

Danke dir fĂŒr diesen Lustigen Beitrag, oder besser dieses Erschreckendes Beitrag, denn ja mag sein das es fĂŒr Menschen Lustig finden fĂŒr andere aber Kopf SchĂŒtteln und gar trĂ€nen ausbrecht... 

Ja im Effekt ich selbst habe es auch erlebt im andere LĂ€ndern und gar zwar nicht so schlimm aber sogar hier zu Lande.. 

Drum, bin ich immer sehr verunsichert wenn es um Reisen geht in ein anderem Land oder Kontinent, und schließlich habe meine reissen stark beschrĂ€nkt auf gebiete die ich kenne und ausprobiert habe. 

Lieber Grus schönes Wochenende 

Francesco 

Weiser Autor

Liebe Kitwan

Danke fĂŒr Deinen wichtigen Beitrag. Zum GlĂŒck bin ich noch keiner so ungeheuerlichen, skandalösen Anlage begegnet. Rollstuhlfahrer und entscheidungsbefugte Politiker mĂŒssten solche Anlagen vorgĂ€ngig ĂŒberprĂŒfen können, um deren Praxistauglichkeit zu bestĂ€tigen. FĂŒr mich heisst das, die RollstuhlgĂ€ngigkeit bei jedem Restaurantbesuch vorher genau zu ĂŒberprĂŒfen. Die obigen Bilder werden mich immer daran erinnern.

Mit herzlichem Gruss

cucusita

 

Offizieller Blog-Autor

Lieber Francesco,

liebe cucusita,

vielen Dank fĂŒr eure Kommentare.

Als ich diese Artikel schrieb, habe ich an @Francescolife  und @fritz gedacht.

In meinem anderen Artikel hat Fritz kommentiert, „Ich habe Hong Kong als sehr rollstuhlfreundlich in Erinnerung!“ Deshalb habe ich nicht meine barrierefreien Routen vor meiner Reise erforscht und geplant. Vielleicht wĂ€re meine Erfahrung besser, wenn ich meine barrierefreie Reise vorher geplant hĂ€tte.

Allerdings gibt es sicherlich mehr zu tun, die Stadt barrierefrei zu machen. z.B. FĂŒr mein ZugĂ€nglichkeitsproblem Nr. 3, eine grosse, klare Beschilderung vor den Schranken, die die Leute darĂŒber informiert, welche Schranke wir den Aufzug zum Bahnsteig nehmen sollen, wĂ€re hilfreich.

Noch einmal muss ich loben, was Francesco frĂŒher fĂŒr eine rollstuhlgĂ€ngige Kasse getan hat. Ich denke, dass das viel Mut und Geduld braucht. Das ist nicht einfach, wenn man fĂŒr etwas alleine kĂ€mpft. Oft ist diese Person als Unruhestifter bekannt. Manchmal denken die Leute einfach, dass jemand zu viel verlangt. Sie verstehen die BedĂŒrfnisse leider nicht.

Deshalb mag ich Kampagnen oder Bewegungen wie den Hashtag #ThingsDisabledPeopleKnow. Es ist eine gute Möglichkeit, miteinander unterstĂŒtzen. Es könnte hoffentlich auch die Aufmerksamkeit der Leute auf Themen lenken, die behandelt werden mĂŒssen und macht die Verbesserung.

Liebe GrĂŒsse

Kit Wan

Hallo liebe Kitwan 

ich danke dir von Herzen fĂŒr die ErwĂ€hnung, und ja wie du schön sagst ich gehe meisten weil ich alleine KĂ€mpfe, eben werde ich ehr als Stör Faktor eingestuft.. oder i klassischen Sinn ein Nervensege Mensch... und manchmal habe ich eben keine Lust um wieder zu machen weil eben einfach alleine es viel HĂŒrden hat, aber am Ende wenn ch genĂŒgend Kraft und freien Kopf habe, dann ist es mir egal das sie mir als nervensege bezeichnen, ich werde immer kĂ€mpfen fĂŒr Gerechtigkeit und tollerenz fĂŒr die Tiere fĂŒr die Kinder und fĂŒr die schwĂ€cheren! Es lohnt sich immer ! Und ja klar wĂŒrde ich wĂŒnschen das mehr Leuten mitmachen wĂŒrden, den nur gemeinsam können ein Berg bewegen.!  Es hat einfach viele Projekte die offen wĂ€re, das mit dem Parkplatz 3h Beispiel ist noch nicht hinter dem Berg.. aber bin dran, im Moment versuche ich ein parlamentaria zu kontaktieren um es eben eine nationale Reglung definiert wird... aber es ist noch ein weites Weg, und im Moment habe ich viel um die Ohren die es u meine Person geht die ich mich darĂŒber kĂŒmmern muss. 

Es beliebt spannend, und natĂŒrlich halte ich euch auf dem laufen.. 

lieber Guss euch alle 

francesco 

Experte

Hallo Ihr Lieben,

ich glaube, vielen Menschen sind die Konsequenzen von fehlender Barrierefreiheit gar nicht so bewusst. Der Zusatzaufwand fĂŒr die Planung, das Verzichten auf Teilhabe oder Reisen, wenn unklar ist, wie es um die Barrierefreiheit steht, die Frustration, wenn schon wieder eine unvorhergesehene HĂŒrde da ist,... Da ich nicht auf den Rollstuhl angewiesen bin, sind es fĂŒr mich andere Barrieren, aber ich kann alle diese Erfahrungen so gut nachvollziehen.

Und Kit Wan, Du sagst da etwas ganz wichtiges. Wenn man sich alleine gegen Unrecht einsetzt, wird man tatsĂ€chlich oft als Unruhestifter abgetan und muss damit rechnen, dass man in Folge Nachteile daraus hat. Francesco, ich bewundere Dich fĂŒr Dein Engagement und kann mir vorstellen, wieviel Kraft das kostet!

Ich frage mich: Ob es wohl eine Option wÀre, in einem solchen Fall als "Forengemeinschaft des SPZ" aufzutreten...?

Liebe GrĂŒĂŸe,

odyssita

Offizieller Blog-Autor

@odyssita: FĂŒr deine letzte Frage, sofort habe ich an "Community Rangers" gedacht, wie Power Rangers! Roboter (zwinkernd)

Schönes Wochenende! Frau (fröhlich)

Angesehener Autor

Ein toller Beitrag und auch wenn dramatisch - ich habe TrĂ€nen gelacht! 

Ich habe gerade gesterin in Murten einen Rollstuhlparkplatz entdeckt, der zwar keinen Baum auf dem Parkplatz sondern gleich vor dem Platz hatte. Wenn man schrĂ€g parkiert, ist es kein Problem aber gerade kann man auf dem Platz nicht stehen. GlĂŒcklicherweise sind die RollstuhlparkplĂ€tze sowieso etwas breiter. 

Das Freiburger Kantonsspital hat vor de Einganz einige ParkplĂ€tze (es waren vielleicht 3-4) Ausserdem auf dem Parkplatz gab es noch 2 ParkplĂ€tze. Ihr könnt euch vorstellen, die PlĂ€tze waren natĂŒrlich immer vollVon diesen ParkplĂ€tze ist das Spital ĂŒbrigens nur in einer leichten Steigung zu erreichen. FĂŒr FussgĂ€nger kaum zu spĂŒren, dafĂŒr ihm Rollstuhl umso mehr. Mein Mann hat dem Spital einen Brief geschrieben. Wir haben einen ganz netten Brief bekommen und die BehindertenparkplĂ€tze direkt vor dem Spital und diese auf dem Parkplatz wurden erweitert. 

Ich denke, dass es nicht immer als negativ rĂŒberkommt, wenn man auf diese MissstĂ€nde aufmerksam macht. In den meisten FĂ€llen sind sich Nichtbehinderte bzw. Nichtbetroffene einfach gar nicht bewusst, was Barrierefreiheit bedeutet.

Offizieller Blog-Autor

So cool! Ich freue mich ĂŒber eine weitere positive Erfahrung. Das ist wirklich ermutigend. Vielen Dank fĂŒr den Kommentar, @mondschreinFrau (ĂŒberglĂŒcklich)

Weiser Autor

Liebe Mondschrein

Zuerst konnte ich mir ein Schmunzeln betr. Baum vor dem Behindertenparkplatz nicht verkneifen 😉. Viel mehr freue ich mich aber ĂŒber Euren Erfolg. Dazu gratuliere ich Euch ganz herzlich. Was doch so ein Brief bewirken kann! 

Liebe GrĂŒsse

cucusita

Experte

Hallo miteinander,

ich habe noch ein Bild, das in diese Sammlung passt:

behindertenparkplatz.jpg

...allerdings gibt es gleich um die Ecke zum GlĂŒck noch "unverstellte" ParkplĂ€tze.

Viele GrĂŒĂŸe,

odyssita

Offizieller Blog-Autor

Wow, @odyssita! Jetzt bin ich verwirrt: war das einen Behindertenparkplatz und jetzt einen Parkplatz fĂŒr Einkaufswagen?! Oder parkt man die Einkaufswagen fĂŒr Rollstuhlfahrer hier? Aber alle Einkaufswagen in dieses Foto sehen gleich aus...

Experte

Hallo @kitwan,

das wird wohl frĂŒher ein Behindertenparkplatz gewesen sein. Einen einzelnen Einkaufswagen fĂŒr Rollstuhlfahrer gibt es in dem Supermarkt auch - der war allerdings zuletzt so geparkt, dass er mit dem Rollstuhl absolut nicht erreichbar gewesen wĂ€re. Im Innenbereich, zugestellt, ohne Wendemöglichkeit davor, und verkehrt herum. Ich hatte per Zufall mitbekommen, dass ein Rollstuhlfahrer danach gefragt hatte und dann in die Richtung verwiesen worden war. Er hatte sich allerdings einen Einkaufswagen mit Antrieb erhofft, und da der eh keinen Antrieb hatte, dann doch lieber seine EinkĂ€ufe (mehr oder weniger erfolgreich) auf dem Schoß balanciert. Ich hatte ihn dann noch gefragt, ob ich ihm den Wagen bringen soll, aber die Art des Wagens war fĂŒr ihn nicht so gut geeignet... Zumindest erzĂ€hlte er, dass er sehr viel Hilfsbereitschaft erlebt, das hat mich gefreut, zu hören. Aber besser wĂ€re es natĂŒrlich, wenn alles so eingerichtet wĂ€re, dass man selbstĂ€ndig unterwegs sein kann und nicht dauernd auf Hilfe angewiesen ist...

Liebe GrĂŒĂŸe,

odyssita

Offizieller Blog-Autor

Liebe odyssita,

oh nein, nur einen Einkaufswagen fĂŒr Rollstuhlfahrer?! Vielleicht ist es das Grund, warum ich nie oder selten Rollstuhlfahrer, die mit Einkaufswagen im Supermarkt einkaufen, sehe. Aber ob ich erinnere mich richtig, hat unser Supermarkt mehr als ein Einkaufswagen...

Wie funktionieren normalerweise Einkaufswagen fĂŒr Rollstuhlfahrer? Manchmal finde ich schwierig, wenn ich meinen Kinderwagen und meinen Einkaufswagen gleizeitig versoge. Ich hoffe, dass das besser mit den Einkaufswagen fĂŒr Rollstuhlfahrer ist...? Jetzt kenne ich das Problem mit dem Parkplatz der Einkaufswagen fĂŒr Rollstuhlfahrer, die behinderte Kasse...hoffentlich gibt es nicht so viele Probleme mehr... Frustrierte Frau

Liebe GrĂŒsse

Kit Wan

Offizieller Blog-Autor
Ihr Lieben! Ich muss eine Lanze fĂŒr Hong Kong brechen: Die Stadt ist wahrscheinlich der dichtest besiedelte Ort der Welt, die Stadt ist hĂŒgelig, die Stadt ist eines der grössten Finanzzentren der Welt und ist mit ihrem Hafen eine der grössten HandelsstĂ€dte der Welt. Trotzdem ist sie verglichen mit einer durchschnittlichen, vergleichsweise unbedeutenden Stadt in Europa erstaunlich rollstuhlgĂ€ngig. Jedenfalls wesentlich bequemer als zum Besipiel Siena in Italien, Lausanne in der Schweiz, Amsterdam in den Niederlanden oder die beiden StĂ€dte in meiner Nachbarschaft: Colmar und Freiburg. Von Paris will ich gar nicht reden. Ich erinnere im Übrigen daran, dass es in Hong Kong auch rollstuhlgĂ€ngige Hotels hat, die wirklich brauchbar sind, und Taxis mit ausfahrbarer Rampe. Ich war recht zufrieden in Hong Kong. Noch bequemer war es nur in Singapur.
Offizieller Blog-Autor

Vielen Dank, Fritz! Schön, das positive Feedback meiner Heimatstadt zu hören.
Mit den Kinderwagen haben wir noch nicht so viele StĂ€dte besucht. z.B. Die Museggmauer in Luzern ist meine LieblingssehenswĂŒrdigkeit, die ich mit meiner Besucher besichtige. Aber bis jetzt kann ich nicht meine Tochter mitbringen, weil das schwierig mit dem Kinderwagen ist.
Vielleicht in Hongkong haben wir nicht so viele historische SehenswĂŒrdigkeiten wie viele europĂ€ische StĂ€dte. Möglicherweise macht das einfacher, barrierefreien Anlagen zu bauen... Aber ich finde diesen Grund nicht so annehmbar...