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Kommerz mit Rollstuhlfahrern?

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Kommerz mit Rollstuhlfahrern?

Diese Rollstuhl-Werbevideos werden Euer Herz erwärmen. Vielleicht.

Wir haben Euch schon einige Videos und Serien aus dem Internet gezeigt, bei denen Rollstuhlfahrer eine Hauptrolle spielen. Von den TED Talks über Behinderung über die Online-Videoserie My Gimpy Life und die Youtuber mit Querschnittlähmung, von der Darstellung von motorischen Behinderungen in Filmen und TV-Serien bis hin zu den Dingen, die man nicht zu einem Rollstuhlfahrer sagen sollte, waren schon viele unterschiedliche Dinge dabei. Bei den heutigen Fundstücken handelt es sich um Werbeclips mit – Ihr ahnt es schon Smiley (zwinkernd) – Rollstuhlfahrern.

Fangen wir mit einer Werbung an, die ein paar von Euch vielleicht schon kennen: der Guinness-Basketball-Werbung.

Viele wissen, wie wichtig Freunde sind. Wenige wissen, dass man als Rollstuhlfahrer einen – im wahrsten Sinn – anderen Blickwinkel und eine besondere Wertschätzung für wahre Freundschaften hat. Denn nicht selten stellen sich erst nach einem tragischen Ereignis die wahren Freunde heraus, die einem zur Seite stehen. Dieser Clip hält genau das fest, worauf es ankommt: sich gemeinsam auf eine neue Situation einstellen und sie zur Normalität werden lassen. Aber seht selbst:

Der zweite Werbeclip ist noch ein Stück länger und emotionaler. Es geht es um einen Hund namens Chance, der nach einem tragischen Unfall am Strassenrand liegen gelassen wurde, weil man ihn für tot hielt. Chance wurde gerettet, doch ist seit seinem Unfall auf den Rollstuhl als Hilfsmittel angewiesen. Sein Herrchen sitzt ebenfalls im Rollstuhl, und so beginnt die berührende Geschichte dieser zwei besten Freunde, die die Situation des anderen jeweils besser verstehen als es sonst jemand jemals könnte. Schaut es Euch an und haltet die Kleenex (!) bereit Smiley (zwinkernd)

Mitten ins Herz, oder? Bei uns blieb kein Auge trocken, als wir das Video zum ersten Mal sahen. Zufällig wurde das Thema Tierliebe ja gerade erst im Forum diskutiert – vielen Dank an alle, die dazu beigetragen haben!

Falls Ihr weitere (Werbe-)Videos kennt, in denen Personen im Rollstuhl porträtiert werden, postet sie gerne unten in die Kommentare.

So gut solche Videos auch gemacht sind – es schwingt die Frage mit, ob hier mit dem Schicksal Betroffener Geld gemacht wird. Ist ein solches Video reiner Kommerz, der versucht aufzufallen? Oder braucht es diese Art von Aufmerksamkeit für Rollstuhlfahrer in Medien und Werbung? Was meint Ihr?

5 Kommentare

Ach, mein Lieber Johannes,
Und schon wieder ein wunderschönen Beitrag. ! Das erste Video mit der Freundschaft, hat mich getroffen, du ahnst ja auch wieso... (am Ende hatte ich fast Lust das Bier zu kaufen, leider darf ich ja nicht trinken .. )
Aber dann das Video mit dem Hund, ho wow.! da haben nicht nur meine Augen getropft sondern auch meine Seele und Herz. ! Ich kann es nicht mit Wörter Fassen.! Und ja ich weiss allzu gut was du meinst, dass nach einem Schicksalsschlag, man die waren Freunde sieht, gar das wahre Gesichter der Familie wag ich zu schreiben. dazu habe ich noch ein grins im Gesicht, und mir kam der Gedanke als ich noch erfolgreich war, und ich auch in Nizza Cot Azur lebte, da hatte ich sogar Freunde und Familie, die ich nicht wusste, dass ich hatte oder gar existieren... Und nach hinein mit der Zeit und dem Gesundheitszustand, sage nur meine Freunde kann ich in einer Hand zählen... Aber ich weiss das ich mit Abstand nicht der einzige bin.! Umso mehr betonen ich gerne immer wieder Toll das es euch gibt toll das es auch diese Community existiert. !
Hier ein Link YouTube das mich auch berührt hat, über Freundschaft und Liebe gegenüber einem Rollstuhlfahrer

https://www.youtube.com/watch?v=XB3iaNYoh8k

Und hier ien Link über eien rehaklink für Hunde.. 

https://www.youtube.com/watch?v=kzASX5daB1A

 

Lieber gruss euch alle, schöne Woche 

Francesco 

Weiser Autor

Liebe Community-Familie

Zuerst möchte ich Francesco für seine obigen aufrichtigen Worte danken und auch für die beiden Youtube-Links.

Schon als der  frühere Video- Beitrag „Liebe, die über den Rollstuhl hinausgeht“ aktuell war, habe ich mich gewundert, wie wenig Resonanz er nach sich zog. Dabei kamen immer wieder die gleichen Gefühle hoch. Ich konnte mich des Gedankens nicht erwehren, dass einzelne Begleitpersonen vor allem sich selber profilieren wollen. Ob damit auch kommerzielle Interessen verbunden sind, wage ich nicht zu beurteilen.

Andererseits hat mir die Guiness-Bierreklame sehr gut gefallen, weil der Ausgang so überraschend war, dass ich schmunzeln musste. Ein tolles Beispiel für mögliche Inklusion: alle für einen. Das Video mit dem querschnittgelähmten „Chance“ war äusserst berührend. Er scheint sich mit dem Fahrgestell angefreundet zu haben und macht trotz allem einen glücklichen Eindruck. Das allein zählt für mich. Hier könnte man fast von Begegnung auf Augenhöhe mit seinem besten Freund sprechen. Erst im Nachhinein wurde mir bewusst, dass es sich um eine Kleenex-Werbung handelt. Wer macht hier das grosse Geschäft? Es handelt sich immer um Gratwanderungen, die ein sorgfältiges Abwägen erfordern.

Bin gespannt auf Eure Sichtweisen.

Liebe Grüsse

cucusita

 

Experte

Hallo Ihr Lieben,

den ersten Werbeclip fand ich tatsächlich richtig gut. Die überraschende Wendung, aber auch, dass der Rollstuhl nicht dramatisiert wurde und nicht im Mittelpunkt stand, sondern in einen positiven Zusammenhang gesetzt wurde.

Mit dem zweiten Werbeclip habe ich so meine Probleme. Nicht mit der eigentlichen Geschichte dahinter - die ist positiv und schön - sondern mit der Wahl der übergeblendeten Worte. Und damit, dass der Werbeclip schon allein dadurch, dass er für Taschentücher wirbt, zeigt, dass er auf die Tränendrüse drücken will. Das hat für mich etwas Manipulatives (na ja, ein Stück weit hat das natürlich jede Werbung).

Übergeblendete Worte/Zitate, die ich im zweiten Werbeclip problematisch finde:

"Niemand wollte ihn. Er war beschädigt. Eine Last." Ich finde das im Zusammenhang mit Behinderung eine sehr, sehr probematische Sichtweise. Es ist problematisch, wenn andere Behinderung so sehen, und es ist problematisch, wenn Menschen mit Behinderung diese Sichtweise internalisieren. Unser Wert hängt nicht davon ab, ob wir ohne oder mit Behinderung leben.

Auch den Satz: "There isn't anything that anybody can't do"- "Es gibts nicht, was jemand nicht machen kann" finde ich sehr problematisch. Das ist eine Verallgemeinerung, die so einfach nicht stimmt und die die Erfahrungen von vielen Menschen mit Behinderung oder mit sozialen Nachteilen negiert. Was man machen kann, hängt von der Art der Behinderung ab, hängt davon ab, welche Hilfsmittel und welche soziale Unterstützung zur Verfügung steht, welche finanziellen und anderen Ressourcen jemand hat, in welchem Land man geboren wurde etc. Und wenn so etwas von einem Rollstuhlfahrer kommt, dann besteht die Gefahr, dass andere Menschen mit unerreichbaren Erwartungen konfrontiert werden, nach dem Motto "wenn Du es nur wolltest, könntest Du das auch", sprich: "selber schuld". So eine Aussage, "es gibts nicht, was jemand nicht machen kann", deutet für mich darauf hin, dass sich jemand seiner Privilegien nicht bewusst ist.

Wie seht Ihr das?

Liebe Grüße,

odyssita

Experte

Lieber Francesco,

jetzt habe ich auch Deine beiden Links angeschaut. Wow. Die fand ich toll und wirklich berührend. Danke fürs Teilen der Links!

Liebe Grüße,

odyssita

Hallo Liebe Odyssita 

Herzlichen danke, ja ich fand es auch sehr berührend, und habe es gerne geteilt.! 

Wünsche dir und euch alle eine schöne Rest der Woche, Lieber Gruss Francesco