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Abhusten und Sekretmobilisation mit dem Cough Assist

Das Abhusten von Sekret ist sehr wichtig, damit ein freies Atmen möglich bleibt. Husten ist ein Schutzreflex zur Reinigung der Atemwege, da so der Schleim gelockert und aus den Atemwegen herausgefördert werden kann.

Zum Husten werden die Bauch- und die Rippenmuskulatur benötigt. Bei Menschen mit einer Querschnittlähmung können diese Muskeln abhängig von der Diagnose, der Lähmungsart und -höhe eingeschränkt sein. Daher ist es möglich, dass sie Unterstützung beim Abhusten von Sekret benötigen.

Wie lässt sich das Abhusten unterstützen?

  1. eine gute Körperhaltung einnehmen
  2. bewusst tief einatmen
  3. Druck aufbauen durch Stimmlippenschluss – der dadurch entstehende Gegendruck erweitert die Bronchien
  4. kräftig und kurz husten, aber ohne zu verkrampfen
  5. zwischen den Hustenstössen kräftig durchatmen

Zäher Schleim lässt sich schlechter abhusten. Deshalb sollte man genügend trinken, insbesondere Tee (Anis, Fenchel, Thymian, Spitzwegerich, Eibisch und Süßholzwurzel).
Inhalationen können helfen, den Schleim flüssig zu machen. Am besten eignen sich Inhalationen mit Kochsalzlösung. Kochsalz wird mittels Ultraschall- oder Düsenvernebler zu kleinsten Tröpfchen zerstäubt. Diese gelangen beim Inhalieren tief in die Atemwege, wohingegen bei einfachen Dampfinhalationen die Bronchien gar nicht erst erreicht werden. Kochsalzlösung und Vernebler sind in Apotheken erhältlich.

Sekretmobilisation mit dem Cough Assist

Bei geschwächter oder teilweise gelähmter Atemmuskulatur ist die Fähigkeit, wirksam zu husten und allfälliges Sekret auszuwerfen, gemindert. Das Gerät Cough Assist bietet eine gute Unterstützung, um das Sekret zu lösen (zu mobilisieren). Durch die schnelle Umschaltung von positivem Druck in der Einatmungs-(Inspirations-)phase auf negativen Druck in der Ausatmungs-(Exspirations-)phase wird das natürliche Abhusten simuliert.

Um eine wirksame und komplikationsfreie Therapie mit dem Cough Assist durchführen zu können, müssen Patienten und Hilfspersonen von Fachpersonal eingeführt werden.

Was wird für die Therapie benötigt?

  • Cough Assist, ausgerüstet mit Gerätefilter, Schlauch und Maske/Mundstück oder Mount Katheter (bei vorhandener Trachealkanüle)
  • Tücher, um Hochgehustetes aufzufangen
  • bei Bedarf ein Absaugsystem
  • ggf. NaCl 0,9 % 10 ml in Mini-Plasco Ampullen, um zähes Sekret besser zu verflüssigen und so transportfähig zu machen
Cough Assist und Cough Assist E 70
Cough Assist und Cough Assist E 70

Vorbereitung der Therapie

  • wenn möglich in aufrechter Position lagern
  • die Arme möglichst so lagern, dass der Brustkorb genug Platz zur Ausdehnung hat
  • vor jedem Gebrauch des Gerätes die Einstellungen überprüfen – diese erfolgen nach Absprache mit einem Arzt oder einer Pflegefachperson
  • Maske, Mundstück oder Mount Katheter aufsetzen

Durchführung

  • ein Zyklus:
    • Kippschalter auf „Inhale" für 2-4 Sek.
    • sofortiges Umschalten auf „Exhale" für 3-5 Sek.
    • kurze Pause (1-2 Sek.)
  • Zyklus 3-6 Mal wiederholen
  • Je nachdem, wie viel Sekret vorhanden ist, ist Absaugen und/oder Reinigen von Maske, Mundstück oder Mount Katheter notwendig.
  • Konnte nicht das gesamte Sekret mobilisiert werden, können nach einer Erholungspause (je nach Empfinden einige Minuten) weitere Zyklen folgen.
  • Kann die anwendende Person den Cough Assist selbstständig bedienen und Mundstück/Maske selbst installieren, kann sie Auto Mode wählen; dabei übernimmt das individuell eingestellte Gerät den Druckwechsel von Inhale auf Exhale mit anschliessender Pause automatisch.

Der Wechsel der Schlauchsysteme erfolgt einmal pro Woche. Dazwischen sollte man sie bei Verunreinigung unter fliessendem Wasser säubern und anschliessend trocknen lassen.

Zu den Autoren:

  • Adrian Wyss ist Leiter der Abteilung Pflegeentwicklung und Bildung am Schweizer Paraplegiker-Zentrum (SPZ) in Nottwil/Schweiz, wo er seit 2006 arbeitet. Er ist Mitautor des Standardwerks zu Querschnittlähmung „Pflege von Menschen mit Querschnittlähmung" (Hrsg. Ute Haas).
  • Jens Katzer ist diplomierter Pflegefachmann mit Schwerpunkt Atmung und Beatmung. Er leitet das Fachforum Atemmanagement am SPZ.


aktualisiert: März 2016