Die Online-Community für Menschen mit Querschnittlähmung, ihre Angehörigen und Freunde
abbrechen

Absaugen

In manchen Fällen muss die Reinigung und Freihaltung des Nasen-Rachenraums von Sekret unterstützt werden. Dazu erfolgt das Absaugen durch die Nase und wenn nötig durch den Mund. Es ist insbesondere dann erforderlich, wenn ein ausreichendes oder selbständiges Schnäuzen nicht möglich ist oder wenn der Mund nicht gespült werden kann.

Auch Trachealkanülen werden mindestens 2-3 Mal täglich zur Kontrolle der Durchgängigkeit abgesaugt – bei Sekret, das nicht abgehustet werden kann, auch häufiger. Absaugen ist notwendig

  • bei ungenügendem Hustenstoss, um Sekret aus der Lunge zu mobilisieren
  • zum Sicherstellen der Durchgängigkeit der Kanüle
  • beim Entcuffen, um das oberhalb des Cuffs angesammelte Sekret zu entfernen
  • bei Verdacht der Aspiration (Eindringen von Material in die Atemwege) durch Verschlucken/Erbrechen
  • bei hörbarem Sekret

Absaugen ist ein unangenehmer Vorgang. Personen, die diese Intervention durchführen, müssen gut geschult werden, damit es nicht zu Sauerstoffmangel (durch zu langes Absaugen), zu Schleimhautverletzung und Blutung (durch zu starken Sog) oder zu einer Keimeinschleppung (durch mangelnde Hygiene) kommt. Auch müssen sie die Symptome einer Vagus-Stimulation kennen (Verlangsamung der Herzfrequenz bis hin zu lebensbedrohlichen Rhythmusstörungen), die durch ein Absaugen erfolgen kann.

Je nach Lokalisation des Absaugens benötigt man unterschiedliche Materialien. Neben einer Absaugvorrichtung sind dies:

  • beim Absaugen in der Nase
    • gebogener Katheter CH 10 oder 12
    • Gleitgel oder Gel zur Betäubung
    • ggf. Nasensalbe
  • beim Absaugen im Mund
    • Yankauer (spezieller Absaugkatheter)
    • gebogener oder atraumatischer (mit speziellem Ende zur Vermeidung von Verletzungen) Katheter
  • beim Absaugen in der Kanüle/Luftröhre
    • atraumatischer Katheter CH 12 oder 14 (ProFlo)
    • ggf. Pulsoxymeter (Gerät zur Messung von Pulsfrequenz und Sauerstoffsättigung)
    • sterile Handschuhe, Mundschutz, ggf. Schutzbrille
Gebogener und atraumatischer Katheter
Gebogener und atraumatischer Katheter

Durchführung

Absaugen in der Nase:

  • Gel in die Nase geben; bei Verwendung von betäubendem Gel (Xylocain Gel) dieses 1-2 Min. einwirken lassen
  • Gel auf den Katheter auftragen
  • Katheter ohne Sog in die Nase einführen
  • Absaugen mit Sogstärke 200 mbar

Absaugen in der Kanüle/Luftröhre:

  • Katheter mit Sog einführen (Sogstärke 400 mbar)
  • evtl. Sekret verflüssigen

Wechsel

  • Ein Absaugkatheter darf max. drei Mal im gleichen Absaugvorgang verwendet werden. Es darf nie mit dem gleichen Katheter in Luftröhre und in Nase/Mund abgesaugt werden.
  • Schläuche, Yankauer und Fingertip werden wöchentlich oder bei optischer Verschmutzung gewechselt.
  • Wasserflaschen (zur Spülung des Absaugschlauchs nach dem Absaugen) werden ebenfalls einmal pro Woche erneuert, bei Verschmutzung früher. Das Wasser muss täglich gewechselt werden.
  • Eine Anpassung der Hygienemassnahmen im häuslichen Umfeld kann individuell geprüft werden. Im Rahmen einer Klinik oder einer Institution sollte jedoch immer aseptisch gearbeitet werden (Verwendung von sterilen Materialien, Schutzhandschuhen etc.).

Zu den Autoren:

  • Adrian Wyss ist Leiter der Abteilung Pflegeentwicklung und Bildung am Schweizer Paraplegiker-Zentrum (SPZ) in Nottwil/Schweiz, wo er seit 2006 arbeitet. Er ist Mitautor des Standardwerks zu Querschnittlähmung „Pflege von Menschen mit Querschnittlähmung" (Hrsg. Ute Haas).
  • Jens Katzer ist diplomierter Pflegefachmann mit Schwerpunkt Atmung und Beatmung. Er leitet das Fachforum Atemmanagement am SPZ.


aktualisiert: Oktober 2016