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Körper & Komplikationen

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Wie Druckstellen entstehen Druckeinwirkung Was passiert bei längerer Druckeinwirkung? Lang anhaltender Druck oder auch kurzer starker Druck auf eine Hautstelle bewirkt eine Minderdurchblutung im Gewebe. Sichtbar wird eine lokale Rötung der Haut, die nicht mehr wegdrückbar ist. Diese Hautrötung entsteht durch Absterben von Zellen und macht eine Entlastung erforderlich. Besonders gefährdet sind die gelähmten Körperteile ohne Sensibilität. Gesäss mit Druckstellen Scherkräfte Was sind Scherkräfte? Gewebeverschiebung in gegensätzliche Richtung Langsames Zusammenschieben oder Ziehen der verschiedenen Gewebeschichten führt zu Mikroverletzungen. Wo entstehen Scherkräfte? Scherkräfte entstehen beim Sitzen im Bett, bei Rutschtransfers in den Rollstuhl oder Duschrollstuhl etc. Scherkräfte Wo häufig Druckstellen entstehen Gefährdete Punkte für Dekubitus beim Liegen (Quelle: Berufsfachschule für Sozialpflege Bayreuth) Gefährdete Punkte für Dekubitus beim Sitzen Wann sollte man die Haut kontrollieren? Mindestens zweimal täglich morgens bei der Körperpflege abends beim ins Bett Gehen Zusätzliche Hautkontrollen sind wichtig: nach Sitzen und Liegen auf einem neuen oder ungewohnten Untergrund neue Matratze und Lagerungsmaterial zu Hause fremde Matratze in einem Hotel, bei Freunden, Spital etc. neuer Rollstuhl oder Sitzkissen Sportgeräte wie Monoski, Handbike, Rennrollstuhl etc. Flugzeugsitz, Transfersitz für Flugzeug etc. Zahnarztstuhl, Untersuchungsliege, Röntgentisch etc. nach Tragen von neuer Kleidung und Schuhen dicke Hosennähte, enge Schuhe etc. bei Krankheit und Unfällen Fieber, Grippe Achtung: Fieber macht die Haut viel empfindlicher! Durchfall erhöhte Spastik nach Stürzen bei Hautveränderungen Schwellungen trockene Haut – Hautrisse, sehr schuppige Haut vermehrte Hornhaut Verhärtungen in heissem Klima bei starkem Schwitzen Wichtig Die wichtigste Massnahme zur Vorbeugung von Druckstellen ist eine regelmässige Kontrolle durch eine visuelle Begutachtung und Abtasten der Haut: an der geröteten Hautstelle mit dem Finger die Stelle eindrücken Ist die Stelle wegdrückbar (1-2 Sekunden weissliche Verfärbung), kann durch Entlastung eine weitere Schädigung der Haut verhindert werden. Ist die Stelle nicht wegdrückbar – das heisst, sie bleibt rot – ist die Haut geschädigt, es sich handelt sich bereits um einen Dekubitus. Es braucht eine längere, konsequente Entlastungsphase. Kommt es zu Verhärtungen, Schorf- oder Blasenbildung, ist der Dekubitus tiefer und muss dringend behandelt werden; ein Arztbesuch ist notwendig. Was tun bei einer Druckstelle? Wenn es zu einer Rötung kommt, ist eine sofortige Entlastung der betroffenen Stelle notwendig, bis sich die Haut erholt hat. Je weiter fortgeschritten die Druckstelle ist, umso länger dauert der Heilungsprozess. Ist eine Rötung nicht mehr wegdrückbar, braucht es Zeit, bis sich die Haut wieder erholt. Befindet sich die Druckstelle an einem Ort, der bei der Mobilisation im Rollstuhl nicht belastet ist, ist es möglich, tagsüber weiter im Rollstuhl zu sitzen. Allerdings sollten mehrere Entlastungspausen eingelegt werden. Wird die Stelle im Sitzen belastet, ist Bettruhe mit regelmässigem Umlagern notwendig. Je länger eine Druckstelle unbehandelt bleibt, desto tiefer wird der Dekubitus und umso länger dauert die Heilungsphase. Es ist nicht sinnvoll, die Wunde lange selber zu behandeln. Eine frühzeitige Kontrolle und Behandlung beim Hausarzt oder durch einen Pflegefachdienst verhindern Komplikationen. Wie lassen sich Druckstellen vermeiden? durch regelmässige Druckentlastung oder Gewichtsverlagerung im Rollstuhl – abheben, sich zur Seite oder nach vorne beugen, mit dem ganzen Rollstuhl ankippen (ca. alle 20 Minuten) Druckentlastung im Bett durch verschiedene Lagerungen – Seitenlage, Bauchlage vermeiden, dass man versehentlich auf Gegenständen liegt oder sitzt, die Druckstellen verursachen können – Knöpfe, Handys etc. faltenfreie Bettlaken, angepasste Kleidung ohne Nieten, Knöpfe oder dicke Nähte an Gesäss und Rücken Häufig gestellte Fragen Wenn ich mit dem Spiegel eine Rötung am Gesäss feststelle und nicht selber überprüfen kann, ob diese wegdrückbar ist, was kann ich tun? Angehörige oder ein Pflegedienst können für Sie den Spiegel halten oder für Sie die Hautbeurteilung durchführen. Was mache ich, wenn ich mit der Beurteilung einer Rötung unsicher bin? Begeben Sie sich frühzeitig in ärztliche Kontrolle beim Hausarzt oder fragen Sie bei einem Pflegedienst um Rat. Was kann ich tun, wenn ich feststelle, dass ich immer wieder von meiner Matratze Druckstellen bekomme? Kontaktieren Sie einen Pflegedienst oder eine Pflegeberatung. Die Mitarbeiter können Sie bei der Auswahl einer geeigneten Matratze unterstützen. Zur Autorin: Karin Gläsche ist Wund- und Stomaexpertin in der Abteilung Pflegeentwicklung und Bildung am Schweizer Paraplegiker-Zentrum (SPZ) in Nottwil/Schweiz, wo sie seit 1999 arbeitet. Sie ist Mitautorin des Standardwerks zu Querschnittlähmung "Paraplegie. Ganzheitliche Rehabilitation" (Hrsg. Guido A. Zäch & Hans Georg Koch). aktualisiert: Dezember 2013
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Was sind Kontrakturen und wie entstehen sie? Kontrakturen sind Muskel-, Sehnen- oder Bänderverkürzungen, die eine Bewegungseinschränkung in den Gelenken zur Folge haben. Sie entstehen, wenn Muskeln und Gelenke nicht genügend gedehnt bzw. bewegt werden. Wenn z.B. die Knie permanent gebeugt sind, verkürzen sich die Muskeln, die für das Strecken der Kniegelenke zuständig sind. Die Folge: Irgendwann lassen sich die Beine nicht mehr durchstrecken. Die Ursache für Kontrakturen können auch bereits bestehende Beweglichkeitseinschränkungen in Gelenken sein, die beispielsweise im Rahmen eines Heilungsprozesses vorgeschrieben sind (z.B. Gipsverband) oder durch eine Krankheit hervorgerufen wurden (z.B. Arthrose). Wo zeigen sich besonders häufig Bewegungseinschränkungen durch Kontrakturen? Hüftgelenke Kniegelenke Fussgelenke (Spitzfüsse) Zehen (Krallenzehen) bei Tetraplegikern auch an den Armen: Schultergelenke Ellenbogengelenke Handgelenke Wie können Kontrakturen verhindert werden? Kontrakturen werden dadurch verhindert, dass Arme und Beine aktiv (wenn möglich selbständig) bewegt werden und nicht ständig in derselben Stellung bleiben, z.B. durch wechselnde Positionen: liegend – sitzend gebeugt – gestreckt Warum ist es wichtig, Kontrakturen zu vermeiden? Eingeschränkte Beweglichkeit der Arme und Beine erschwert den Alltag und reduziert die Selbständigkeit massiv, z.B. beim Essen, sich waschen und kleiden, Transfers etc. Kontrakturen können zu Druckstellen führen. Wichtig Wenn Lagerungsmassnahmen nicht konsequent und korrekt durchgeführt werden, entstehen relativ schnell Kontrakturen, deren Therapie langwierig sein kann. Häufig gestellte Fragen Muss ich nach Austritt aus dem Krankenhaus die Spitzfussprophylaxe weiterführen?Normalerweise nicht. Wenn die Füsse während der Mobilisation (mehr als sechs Stunden) in der richtigen Position sind (mind. 90°-Winkel im Fussgelenk) und regelmässig Stehtraining durchgeführt wird (30 Minuten täglich), dann ist keine Spitzfussprophylaxe im Bett notwendig. Sollte sich jedoch die Situation verändern, z.B. durch Zunahme der Spastik, muss neu beurteilt werden, ob wieder eine Spitzfuss prophylaxe durchgeführt werden muss. Was passiert, wenn ich im Rollstuhl sehr selten oder nie Schuhe trage?Die Fussrasten an den Rollstühlen sind normalerweise so schmal, dass die Zehen nicht direkt aufliegen und nach unten hängen, wenn man keine Schuhe trägt. So können Krallenzehen entstehen, die in Schuhen Probleme mit Druckstellen bereiten. Ausserdem schützen Schuhe vor Verletzungen z.B. durch Anstossen an Wänden. Was ist die beste Lagerung im Bett, um Kontrakturen in den Hüft- und Kniegelenken zu verhindern?Am Besten eignet sich dazu die Bauchlage, weil dadurch die Gelenke gestreckt werden. Zur Autorin Christa Schwager ist Fachexpertin Bewegung in der Abteilung Pflegeentwicklung und Bildung am Schweizer Paraplegiker-Zentrum (SPZ) in Nottwil/Schweiz, wo sie seit 1994 arbeitet. Sie ist Mitautorin der Standardwerke zu Querschnittlähmung "Paraplegie. Ganzheitliche Rehabilitation" (Hrsg. Guido A. Zäch & Hans Georg Koch) sowie "Pflege von Menschen mit Querschnittlähmung" (Hrsg. Ute Haas).
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Was sind Hämorrhoiden? Die Hämorrhoidalgefässe sind ein Teil des Verschlussmechanismus des Enddarms und zuständig für den Feinverschluss des Darmausgangs. Der Verschluss funktioniert durch unterschiedlich starkes Füllen der Blutgefässe. Wenn die Funktion des An- und Abschwellens der Gefässe gestört ist und diese Beschwerden verursachen, spricht man von Hämorrhoiden. Welche Symptome haben Hämorrhoiden? analer Blutabgang leichte Schmierinkontinenz bei vorhandener Sensibilität: Juckreiz am After Brennen am After Was ist eine Analfissur? Eine Analfissur ist ein Riss im Analkanal. Er entsteht bei einem Missverhältnis zwischen dem Öffnungsvermögen des Darmausgangs und dem Stuhlvolumen. Schmerz führt zu einer zusätzlichen Verspannung des Darmausgangs; somit wird das Öffnungsvolumen noch kleiner. Es können Vernarbungen entstehen, welche die Elastizität des Darmausgangs weiter einschränken. Welche Symptome haben Analfissuren? Nässen, frisches Blut sichtbar auf dem Toilettenpapier bei vorhandener Sensibilität: Schmerzen beim Stuhlgang, eventuell lange anhaltend Juckreiz am After Wichtig Hämorrhoiden und Analfissuren lassen sich nicht immer vermeiden; wenn jedoch ein paar einfache Punkte beachtet werden, treten sie seltener auf: regelmässige Darmentleerung, alle 1-2 Tage normale Stuhlkonsistenz, nicht zu hart nur so viele digitale Manipulationen am Enddarm wie notwendig und diese vorsichtig durchführen, mit genügend Vaseline Was mache ich, wenn ich Beschwerden aufgrund von Hämorrhoiden oder einer Analfissur habe? Stuhlkonsistenz regulieren – es sollte eine weiche, geformte Konsistenz angestrebt werden durch: ballaststoffreiche Ernährung Vermeidung von blähenden Speisen ausreichende Trinkmenge Anpassung der Abführ medikamente Hämorrhoiden lokale Therapie mit Hämorrhoiden-Salbe/Zäpfchen Analfissuren bei Schmerzen eventuell mit einer lokalanästhetischen Salbe gute Hygiene – evtl. warme Sitzbäder Wenn Hämorrhoiden zu gross sind oder zu grosse Beschwerden verursachen, müssen sie operiert werden. Dabei werden die vergrösserten Gefässe meist mit Gummibändern ligiert (abgebunden) oder verödet. Häufig gestellte Fragen Wird Blut im Stuhlgang grundsätzlich durch Hämorrhoiden oder eine Analfissur verursacht? Ist das immer harmlos? Nein, es kann sich auch um eine Veränderung im Darm handeln. Darum sollte bei einer erstmals auftretenden Blutung der Hausarzt kontaktiert werden. Ist es gefährlich, wenn viel Blut kommt? In der Regel nicht, Hämorrhoiden können sehr stark bluten. Wenn die Blutung jedoch länger anhält, sollten Sie den Hausarzt benachrichtigen. Zu den Autorinnen: Christa Schwager ist Fachexpertin Bewegung in der Abteilung Pflegeentwicklung und Bildung am Schweizer Paraplegiker-Zentrum (SPZ) in Nottwil/Schweiz, wo sie seit 1994 arbeitet. Sie ist Mitautorin der Standardwerke zu Querschnittlähmung „Paraplegie. Ganzheitliche Rehabilitation" (Hrsg. Guido A. Zäch & Hans Georg Koch) und „Pflege von Menschen mit Querschnittlähmung" (Hrsg. Ute Haas). Karin Roth ist Pflegeexpertin in der Abteilung Pflegeentwicklung und Bildung am SPZ, wo sie seit 1997 arbeitet. Sie ist ebenfalls Mitautorin des Standardwerks zu Querschnittlähmung „Pflege von Menschen mit Querschnittlähmung". Der Artikel entstand in Zusammenarbeit mit dem Fachforum Darmmanagement des SPZ. aktualisiert: Dezember 2013
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Die Querschnittlähmung ist eine sehr komplexe Verletzung. Plötzlich funktioniert der Körper nicht mehr so, wie er es immer tat. Alltägliches erfordert enorm viel Aufmerksamkeit, Energie und Geduld. In der ersten Zeit nach Eintritt der Querschnittlähmung kann man sich kaum vorstellen, was überhaupt los ist und welche Konsequenzen dies für die Zukunft hat. Um den eigenen Rehabilitationsprozess und das weitere Leben aktiv mitgestalten zu können, sind viel Information und Wissen notwendig. In diesem Kapitel wird dargestellt, was mit dem Körper bei einer Querschnittlähmung passiert und welche Folgen dies hat. Dabei ist zu beachten, dass die Auswirkungen einer Rückenmarksschädigung von Mensch zu Mensch und je nach Ursache und Schwere der Verletzung sowie deren Ort im Rückenmark verschieden sind. Was ist eine Querschnittlähmung? Eine Querschnittlähmung ist eine Verletzung des Rückenmarks. Das Rückenmark verläuft im Wirbelkanal der Wirbelsäule. Diese zieht vom Nacken bis zum Kreuzbein und bildet das Grundgerüst unseres Körpers. Sie besteht aus 33 einzelnen übereinanderliegenden Knochen, den Wirbeln. Diese werden von Bandscheiben, Sehnen und Bändern zusammengehalten. Die Wirbelsäule wird in fünf Abschnitte unterteilt: die Halswirbelsäule (cervikal, Abk. C) die Brustwirbelsäule (thorakal, Abk. Th) die Lendenwirbelsäule (lumbal, Abk. L) das Kreuzbein (sakral, Abk. S) das Steissbein (coccygeal) Das Rückenmark ist im Prinzip ein Nervenstrang und kann – stark vereinfacht – mit einer Telefonleitung verglichen werden, über die Signale zwischen Hirn und Körper hin- und zurückgeleitet werden. Ähnlich wie die Wirbelsäule wird das Rückenmark in vier Abschnitte unterteilt, die sich wiederum in einzelne Segmente (Neurotome) gliedern. Zwischen den Wirbelkörpern zweigen Rückenmarksnerven auf beiden Seiten in die zugehörigen Körperregionen ab. Es gibt 8 Halssegmente (C1 bis C8) 12 Brustsegmente (Th1 bis Th12) 5 Lendensegmente (L1 bis L5) 5 Kreuzbeinsegmente (S1 bis S5) Bei einer Querschnittlähmung hat ein Unfall oder eine Krankheit das Rückenmark an einer bestimmten Stelle entweder beschädigt oder sogar durchtrennt, so dass die Kommunikation zwischen dem Körper unterhalb der Verletzung und dem Gehirn unterbrochen ist. Die Beschädigung des Rückenmarks nennt man eine Läsion. Wichtige Funktionen wie Beweglichkeit (motorische Funktionen) oder Empfindungsfähigkeit (sensorische Funktionen) fallen unterhalb der Läsion aus. Der Begriff „Querschnittlähmung“ kommt daher, dass bei einer solchen Verletzung eine Lähmungshöhe definiert werden kann, die quer durch den Menschen verläuft – im Gegensatz etwa zu einer längsseitigen Lähmung zum Beispiel bei einem Schlaganfall. Was ist der Unterschied zwischen traumatischer und nichttraumatischer Querschnittlähmung? Eine traumatische Querschnittlähmung entsteht durch eine Verletzung des Rückenmarks infolge eines Traumas, d. h. einer direkten äusseren Krafteinwirkung auf die Wirbelsäule und das darin liegende Rückenmark. Meist ist dies verbunden mit Luxationen (Ausrenkungen) oder Knochenbrüchen der Wirbelsäule und Verletzungen der angrenzenden Strukturen. Das Rückenmark wird dadurch eingeklemmt, gequetscht oder manchmal sogar zerrissen. Eine Querschnittlähmung kann aber auch alleine durch eine Prellung des Rückenmarks entstehen, wenn dies an der Wand des Rückenmarkkanals anschlägt. Traumatische Querschnittlähmungen entstehen am häufigsten im Sport, durch Stürze, im Verkehr und bei der Arbeit. Männer sind häufiger von traumatischen Querschnittlähmungen betroffen als Frauen. Bei nichttraumatischen Querschnittlähmungen wird das Nervengewebe des Rückenmarks durch eine Krankheit zerstört, geht wegen fehlender Blutversorgung zugrunde oder wird durch Tumoren oder Metastasen langsam verdrängt und eingeklemmt, bis eine Lähmung eintritt. Nichttraumatische Querschnittlähmungen werden durch Krankheiten des Rückenmarks oder der umgebenden Strukturen verursacht: Entzündungen, Infektionen, Blutungen, Durchblutungsstörungen, Tumoren und Metastasen sowie degenerative Erkrankungen des Nervensystems selbst. Auch Querschnittlähmungen, die durch ärztliche Behandlung entstehen, werden zu dieser Gruppe gezählt. Traumatische Querschnittlähmungen sind mit über 70% weit häufiger als nichttraumatische. Worin besteht der Unterschied zwischen Para- oder Tetraplegie? Grob gesprochen unterscheidet man die Paraplegie, bei der die Lähmungen ab dem Brust- (Th1-Th12), Lenden- (L1-L5) oder Kreuzbeinbereich (S1-S5) auftreten, von der Tetraplegie, bei der die Ursache der Lähmung eine Schädigung im Halsbereich (C1-C8) ist. Paraplegiker haben eine gute Funktion der Arme und Hände. Lähmungen treten vor allem im Bereich des Rumpfes und der Beine auf. Bei Tetraplegikern sind dagegen auch Hände und teilweise die Arme gelähmt. In einer ersten klinischen Untersuchung kann der Arzt die Verletzung genau lokalisieren. Mit bildgebenden Verfahren wie Röntgenuntersuchungen oder der Computertomographie (CT) werden die Verletzungen an den Wirbelkörpern sichtbar und die Kernspintomographie (MRI) zeigt die Schädigung im Rückenmark. Die Lähmungshöhe wird definiert durch das letzte voll funktionsfähige Rückenmarkssegment. Eine Tetraplegie „sub C6“ beispielsweise bedeutet, dass die Rückenmarkssegmente C1 bis C6 voll funktionsfähig und die Segmente ab C7 und unterhalb beeinträchtigt sind. Was bedeuten die Begriffe komplett und inkomplett? Je nach Ausmass der Schädigung der Nervenbahnen im Rückenmark ergibt sich eine komplette oder inkomplette Lähmung. Komplett ist die Querschnittlähmung, wenn unterhalb der Lähmungshöhe keine motorischen oder sensiblen Funktionen mehr festgestellt werden können (Ausnahme: Zonen teilweiser Erhaltung (ZPP)). Falls sich in den neurologischen Segmenten S4/S5 (Hautbereich rund um den Anus) noch Sensibilität nachweisen lässt, spricht man von inkompletter Lähmung. Anhand neurologischer Untersuchungen kann der Arzt den Ort und das Ausmass der Schädigung ziemlich genau feststellen. Er benutzt dafür drei international anerkannte Skalen: Mit dem Erhebungsblatt ISNCSCI (International Standards for Neurological Classification of SCI; siehe http://www.asia-spinalinjury.org/elearning/ASIA_ISCOS_high.pdf) werden die motorischen und sensiblen Ausfälle einer Querschnittlähmung dokumentiert. Mit der Skala AIS (ASIA Impairment Scale, wobei ASIA hier für American Spinal Injury Association steht, die amerikanische Gesellschaft für Rückenmarksverletzungen; siehe Seite 2 des obigen ISNCSCI-Blatts) werden die verschiedenen Abstufungen der inkompletten Lähmung bestimmt. Das Autonomic Standards Assessment Form (Untersuchungsblatt für das autonome Nervensystem; siehe http://www.asia-spinalinjury.org/elearning/ASIA_Auto_Stan_Worksheet_2012.pdf) ergänzt die Untersuchung der Funktionsstörungen des autonomen Nervensystems. Die Untersuchung bildet sämtliche erhaltenen sensiblen und motorischen Funktionen ab. Diese Funktionen, die Höhe der Verletzung und das Ausmass der Lähmung lassen zusammen eine Prognose der Lähmung und Rückschlüsse auf die künftigen Möglichkeiten im Alltag zu. Was sind die wichtigsten Auswirkungen einer Querschnittlähmung? Vorerst denkt man bei einer Lähmung nur an die Beweglichkeit der Beine oder Hände. Doch die Schädigung des Rückenmarks hat weitreichendere Auswirkungen, und zwar auf drei Ebenen: der erwähnten motorischen Ebene, wodurch die Bewegungen beeinträchtigt sind, der sensorischen Ebene, welche die Empfindungsfähigkeit zum Beispiel der Haut einschränkt, sowie der autonomen Ebene, welche die Tätigkeit der inneren Organe (Blase, Darm, Herz und Kreislauf, Atmung etc.) oder auch die Sexualfunktionen ohne unser willentliches Zutun steuert. Aus diesen Gründen sind auch die inneren Organe bei einer Querschnittlähmung stark beeinträchtigt. Wenn Blase und Darm nicht mehr automatisch funktionieren, müssen Betroffene sie sozusagen bewusst managen. Dies ist wichtig, um Komplikationen und dauernde Schädigungen wie Blasen- oder Niereninfektionen zu verhindern. Bis vor 60 Jahren galt die Querschnittlähmung vor allem wegen diesen Komplikationen als nicht behandelbar, heute ist die Lebenserwartung dank eines guten Blasen- und Darmmanagements fast gleich hoch wie bei Menschen ohne Querschnittlähmung. Frisch Verletzte werden in der Rehabilitation von Beginn an mit diesem Thema konfrontiert, die Schwierigkeiten können jedoch dank pflegerischer Unterstützung sowie technischer und medizinischer Hilfsmittel bewältigt werden. Ein spezielles Augenmerk muss zudem auf die Sensibilität (Empfindungsfähigkeit) der Haut gerichtet werden, da diese eingeschränkt sein kann. Weil Betroffene nicht mehr auf Alarmsignale wie Schmerz, Stiche oder Druckstellen reagieren können, müssen sie mögliche Schädigungen vorhersehen und dagegen vorsorgen. Bei Tetraplegikern und hochgelähmten Paraplegikern ist zudem die Temperaturregulation des Körpers beeinträchtigt. Bei Querschnittgelähmten treten auch häufig Atemschwierigkeiten in unterschiedlichem Mass auf. Es ist die Aufgabe des Rehabilitationsteams, den Betroffenen und ihren Angehörigen zu zeigen, wie sie diese möglichen Komplikationen bewältigen können. Dies bildet die Basis für eine den Möglichkeiten entsprechende, grösstmögliche Selbstständigkeit im Leben mit einer Querschnittlähmung. aktualisiert: Januar 2015
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Warum braucht es eine Kompressionstherapie? Der Rücktransport des Blutes zum Herzen ist bei Menschen mit Querschnittlähmung erschwert. Beim Sitzen im Rollstuhl muss das Blut in den Venen „bergauf“ fliessen. Die Wadenmuskulatur, die beim Gehen das Blut herzwärts treibt, fehlt ganz oder teilweise. Als Folge der Lähmung „versackt“ das Blut in den Beinen, sie schwellen an und der Blutdruck ist niedriger als bei nichtgelähmten Menschen. Wie funktionieren Kompressionsstrümpfe? Kompressionsstrümpfe beschleunigen den Blutstrom, senken den Venendruck, verhindern Wasseransammlungen und verbessern die Blutversorgung in den Beinen. Durch den besseren Rückfluss des Blutes zum Herzen ist die Gefahr der Bildung von Blutgerinnseln geringer. Wegen des Drucks der Strümpfe bleibt weniger Flüssigkeit im Gewebe zurück. Somit wirkt der Strumpf der Bildung von Ödemen entgegen. Rollstuhlfahrer tragen Strümpfe der Kompressionsklasse 2. Kompressionsstrümpfe (Quelle: MedicalExpo) Worauf müssen Sie unbedingt achten? Die Kompressionsstrümpfe müssen korrekt angezogen werden. Sie dürfen nicht heruntergerollt getragen werden, da Umstülpungen zu gefährlichen Stauungen führen können, welche Thrombosen begünstigen. Nach dem Anziehen sollte man auf die Vermeidung von Faltenbildung achten (vor allem in der Kniekehle). Nach dem Ausziehen muss die Haut auf Druckstellen kontrolliert werden. Wichtig Kompressionsstrümpfe immer mit Handschuhen anziehen, damit sie nicht durch die Fingernägel beschädigt werden. Bei Stützstrümpfen mit offener Fussspitze ist ein Gleitstrumpf empfehlenswert, da so der Stützstrumpf einfacher über den Fuss gezogen werden kann. Der Gleitstrumpf wird nach dem Anziehen entfernt. Anziehen von Kompressionsstrümpfen mit Handschuhen (Quelle: SIGVARIS) Wie werden Kompressionsstrümpfe gepflegt? Die Strümpfe sollten möglichst alle 1-2 Tage bei 40°C in der Maschine gewaschen werden. Das Waschen hält den Strumpf formstabil. Verwenden Sie dazu ein Feinwaschmittel und keinen Weichspüler. Werden die Strümpfe von Hand gewaschen, sollte man sie reichlich spülen und nicht wringen, sondern in ein Handtuch einrollen und ausdrücken. Die meisten Strümpfe können im Schongang im Wäschetrockner getrocknet werden. Es ist nicht zu empfehlen, sie zum Trocknen auf die Heizung oder in die pralle Sonne zu legen. Löcher oder Risse sollten nur Fachleute flicken. Vorstehende Fäden nicht abschneiden! Sind die Strümpfe beschädigt, empfiehlt es sich, nach den Gründen für diese Defekte zu suchen (aufgeraute Hornhaut, lange Zehennägel, defektes Schuhinnenfutter, falsches Handling usw.). Wenn Sie den Eindruck haben, dass der Umfang Ihrer Beine zunimmt, sollten Sie sofort Ihren Arzt benachrichtigen. Wenn Ihre Beine abnehmen und die Strümpfe zu lose sind, sollten Sie ebenfalls mit Ihrem Arzt in Verbindung treten. Wo bekommen Sie neue Kompressionsstrümpfe? In der Schweiz können Sie gegen Verschreibung Ihres Arztes zwei Paar Strümpfe pro Jahr beziehen, die Krankenkasse übernimmt die Kosten; in anderen Ländern müssen Sie sich diesbezüglich bei Ihrer Krankenkasse erkundigen. Strümpfe erhalten Sie in einem Sanitätsfachhandel. Was können Sie zusätzlich tun? Tragen Sie keine einengenden Kleider und Schuhe, da sie den Blutfluss in den Venen behindern können. Setzen Sie sich nicht längere Zeit grosser Wärme aus (sonnenbaden, warme Bäder etc.), denn bei Wärme weiten sich die Venen noch mehr, das Blut „versackt“. Schlagen Sie die Beine nicht übereinander, die Vene in der Kniekehle kann gestaut werden. Achten Sie auf ein angepasstes Körpergewicht. Herz, Arterien und Venen werden durch Übergewicht belastet. Häufig gestellte Fragen Muss ich wegen der Querschnittlähmung die Strümpfe dauerhaft tragen? Ob das Tragen von Kompressionsstrümpfen dauerhaft nötig ist, hängt von verschiedenen Faktoren ab. Meistens geht es aber ohne. Schwellen Ihre Beine sehr stark an, dann ist das Tragen von Strümpfen ratsam. Dies ist oft bei einem Klimawechsel der Fall. Auch zum Fliegen sind Strümpfe empfehlenswert. Das Tragen von Kompressionsstrümpfen hilft, den Blutdruck zu stabilisieren. Wenn Sie bei der Mobilisation Kreislaufprobleme haben, wird es eher schwierig, auf Strümpfe zu verzichten. Wie lange halten Stützstrümpfe? Medizinische Kompressionsstrümpfe halten ein halbes Jahr, bis das Gewebe an Festigkeit verliert und die medizinische Wirkung nachlässt. Was mache ich, wenn meine Stützstrümpfe Druckstellen verursachen? Kontrollieren Sie, ob die Strümpfe eventuell falsch angezogen waren und ob sich die Druckstellen über Nacht erholen. Sollte dies nicht der Fall sein, dürfen Sie die Stützstrümpfe nicht wieder anziehen. Wenden Sie sich an den Lieferanten, er wird den Sitz der Strümpfe überprüfen. Kann ich neue Stützstrümpfe telefonisch bestellen? Davon ist abzuraten. Ihre Beine können sich verändern, sodass neue Stützstrümpfe jedes Mal neu ausgemessen werden sollten. Zum Autor: Adrian Wyss ist Leiter der Abteilung Pflegeentwicklung und Bildung am Schweizer Paraplegiker-Zentrum (SPZ) in Nottwil/Schweiz, wo er seit 2006 arbeitet. Er ist Mitautor des Standardwerks zu Querschnittlähmung "Pflege von Menschen mit Querschnittlähmung" (Hrsg. Ute Haas). aktualisiert: Dezember 2013
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1) Invasive Beatmung Was versteht man unter einer invasiven Beatmung? Bei Tetraplegikern mit Läsion auf Höhe C4 oder darüber ist die Atmung unzureichend oder fällt komplett aus. Daher sind sie auf eine invasive Beatmung angewiesen – invasiv, da die Beatmung über eine Trachealkanüle erfolgt, die durch den Hals direkt in die Luftröhre führt. Unter Beatmung wird die teil- oder vollständige Übernahme der physiologischen Atmung durch externe Hilfe (Beatmungsgerät) verstanden. Man unterscheidet zwischen kontrollierter und assistierter Beatmung. Bei der kontrollierten Beatmung wird die Atemarbeit vollständig von der Beatmungsmaschine übernommen. Atemfrequenz, Atemtiefe und Atemzugvolumen werden durch Einstellungen in der Maschine gesteuert. Je nachdem, welche Parameter definiert werden, spricht man von einer druck- oder volumenkontrollierten Beatmung. Beatmungsgerät Vivo 50 Kontrollierte Beatmung Druckkontrollierte Beatmung Dies ist die am häufigsten angewandte Beatmungsform. Sie ist im Gegensatz zur volumenkontrollierten Beatmung schonender, da keine hohen Drücke entstehen können. Eingestellt werden die beiden Druckniveaus: oberer Druck = Einatmungsdruck unterer Druck = Druck, welcher in der Lunge nach der Ausatmung verbleibt Das Atem(zugs)volumen resultiert aus der Differenz der beiden Druckniveaus. Es verringert sich jedoch mit steigendem Atemwiderstand z. B. aufgrund von vorhandenen Sekret. Volumenkontrollierte Beatmung Bei dieser Beatmungsform wird innerhalb einer bestimmten, einstellbaren Zeit ein bestimmtes Atemvolumen in die Lunge appliziert. Bei dieser Form können sehr hohe Spitzendrücke entstehen, da der Respirator (Beatmungsgerät) nur das zu applizierende Volumen überwacht. Früher wurde diese Beatmungsform oft auf der Intensivstation eingesetzt, mittlerweile nur noch selten. Assistierte Beatmung Der natürliche Atemantrieb des Patienten wird bei dieser Beatmungsform berücksichtigt. Wenn der Patient anfängt zu atmen, wird der Atmungsvorgang unterstützt. Hat der Patient längere Atemaussetzer, wird er kontrolliert zwischenbeatmet. 2) Nicht-invasive Beatmung Was versteht man unter einer nicht-invasiven Beatmung? Unter der nicht-invasiven Beatmung versteht man eine mechanische Unterstützung der Atmung ohne endotrachealen Zugang (d. h. ohne Trachealkanüle in der Luftröhre). Die Beatmung erfolgt durch Überdruck via Gesichts-, Mund-Nasen- oder Nasenmasken. Verschiedene Maskentypen Die Anpassung und Einstellung einer nicht-invasiven Beatmung erfolgt durch erfahrenes Personal und erfordert anfangs eine kontinuierliche Überwachung. Das Tragen einer Beatmungsmaske ist eine Gewöhnungssache und muss trainiert werden. Einstellung der Nasenmaske Wann wird eine nicht-invasive Beatmung angewendet? Am bekanntesten ist die nicht-invasive Beatmung für Menschen, die unter nächtlicher Schlafapnoe leiden, d. h. sie machen im Schlaf lange Atempausen und leiden daher unter einer verminderten Sauerstoffversorgung. Ein weitere Gruppe, für die sich eine nicht-invasive Beatmung eignet, sind Menschen mit einem geschwächten Zwerchfell. Gründe dafür können sein: hohe Querschnittlähmung ALS (Amyotrophe Lateralsklerose, eine degenerative Nervenerkrankung) Critical-Illness-Polyneuropathie (Zustand nach Multiorganversagen) Weitere mögliche Ursachen für eine nicht-invasive Beatmung sind: „sich erschöpfende" Patienten mit hoher Atemfrequenz Oxygenierungsstörungen (Störung der Aufnahme von Sauerstoff ins Blut) milde respiratorische Azidose (Störung des Säure-Basen-Haushalts) Wann ist eine nicht-invasive Beatmung nicht geeignet? Wenn keine Spontanatmung (eigener Atemreiz) vorhanden ist, ist die nicht-invasive Beatmung ungeeignet. Bei Menschen mit Bewusstseinsstörungen wie Somnolenz oder Koma wird sie wegen fehlender Schutzreflexe (z. B. Brechreiz) ebenfalls nicht angewendet. Auch bei Menschen mit Agitiertheit (Unruhe) oder fehlendem Verständnis für die Massnahme ist eine Anwendung schwierig. Weitere mögliche Gründe, die gegen eine nicht-invasive Beatmung sprechen (und somit eine invasive Beatmung erfordern): viel Bronchialsekret, in Kombination mit ungenügendem Abhusten Verlegung der Atemwege durch Tumore oder Fremdkörper Probleme mit dem Aufsetzen der Maske, z. B. aufgrund von Anatomie, Gesichtsverletzungen oder -verbrennungen Was sind mögliche Komplikationen bei einer nicht-invasiven Beatmung? Gefahr der Aspiration (Eindringen von Material in die Atemwege) und Magenblähung Konjunktivitis (Augenbindehautentzündung), verursacht durch ausströmende Luft bei Leckage im Bereich der Nasenwurzel Druckstellen wegen zu fest sitzender Gesichtsmaske Welche Vor- und Nachteile hat eine nicht-invasive Beatmung? Für Menschen, die unter Schlafapnoe leiden, verbessert eine nicht-invasive Beatmung die Lebensqualität. Die Tagesmüdigkeit aufgrund der vielen nächtlichen Schlafunterbrüche, die durch den Sauerstoffmangel verursacht werden, nimmt deutlich ab. Ein Nachteil ist, dass die Maske störend sein kann, vor allem wenn man sich nachts im Bett dreht. Zudem muss man das Beatmungsgerät immer mitführen, wenn man es auch tagsüber braucht. Allgemein sollte das Ziel einer Atemunterstützung immer eine nicht-invasive Form sein, weil dadurch die Komplikationsrisiken wie z. B. Infektionen reduziert werden. Häufig gestellte Fragen Was mache ich, wenn die Atemmaske nicht gut sitzt? Es gibt viele verschiedene Typen und Grössen von Masken. Das Herausfinden der optimalen Maske braucht Zeit. Es ist auch möglich, dass erst nach längerer Zeit ein Problem auftritt. Wenden Sie sich an Fachpersonen, z. B. an das RespiCare-Team. Eventuell muss eine neue Maske angepasst werden. Kann ich mit dem Beatmungsgerät auf Reisen gehen? Ja, das ist möglich. Denken Sie daran sich zu informieren, ob sie einen Adapter für den Stecker benötigen, z. B. für den Anschluss an die Autobatterie. Zu den Autoren: Adrian Wyss ist Leiter der Abteilung Pflegeentwicklung und Bildung am Schweizer Paraplegiker-Zentrum (SPZ) in Nottwil/Schweiz, wo er seit 2006 arbeitet. Er ist Mitautor des Standardwerks zu Querschnittlähmung „Pflege von Menschen mit Querschnittlähmung" (Hrsg. Ute Haas). Jens Katzer ist diplomierter Pflegefachmann mit Schwerpunkt Atmung und Beatmung. Er leitet das Fachforum Atemmanagement am SPZ. aktualisiert: Januar 2017
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In manchen Fällen muss die Reinigung und Freihaltung des Nasen-Rachenraums von Sekret unterstützt werden. Dazu erfolgt das Absaugen durch die Nase und wenn nötig durch den Mund. Es ist insbesondere dann erforderlich, wenn ein ausreichendes oder selbständiges Schnäuzen nicht möglich ist oder wenn der Mund nicht gespült werden kann. Auch Trachealkanülen werden mindestens 2-3 Mal täglich zur Kontrolle der Durchgängigkeit abgesaugt – bei Sekret, das nicht abgehustet werden kann, auch häufiger. Absaugen ist notwendig bei ungenügendem Hustenstoss, um Sekret aus der Lunge zu mobilisieren zum Sicherstellen der Durchgängigkeit der Kanüle beim Entcuffen, um das oberhalb des Cuffs angesammelte Sekret zu entfernen bei Verdacht der Aspiration (Eindringen von Material in die Atemwege) durch Verschlucken/Erbrechen bei hörbarem Sekret Absaugen ist ein unangenehmer Vorgang. Personen, die diese Intervention durchführen, müssen gut geschult werden, damit es nicht zu Sauerstoffmangel (durch zu langes Absaugen), zu Schleimhautverletzung und Blutung (durch zu starken Sog) oder zu einer Keimeinschleppung (durch mangelnde Hygiene) kommt. Auch müssen sie die Symptome einer Vagus-Stimulation kennen (Verlangsamung der Herzfrequenz bis hin zu lebensbedrohlichen Rhythmusstörungen), die durch ein Absaugen erfolgen kann. Je nach Lokalisation des Absaugens benötigt man unterschiedliche Materialien. Neben einer Absaugvorrichtung sind dies: beim Absaugen in der Nase gebogener Katheter CH 10 oder 12 Gleitgel oder Gel zur Betäubung ggf. Nasensalbe beim Absaugen im Mund Yankauer (spezieller Absaugkatheter) gebogener oder atraumatischer (mit speziellem Ende zur Vermeidung von Verletzungen) Katheter beim Absaugen in der Kanüle/Luftröhre atraumatischer Katheter CH 12 oder 14 (ProFlo) ggf. Pulsoxymeter (Gerät zur Messung von Pulsfrequenz und Sauerstoffsättigung) sterile Handschuhe, Mundschutz, ggf. Schutzbrille Gebogener und atraumatischer Katheter Durchführung Absaugen in der Nase: Gel in die Nase geben; bei Verwendung von betäubendem Gel (Xylocain Gel) dieses 1-2 Min. einwirken lassen Gel auf den Katheter auftragen Katheter ohne Sog in die Nase einführen Absaugen mit Sogstärke 200 mbar Absaugen in der Kanüle/Luftröhre: Katheter mit Sog einführen (Sogstärke 400 mbar) evtl. Sekret verflüssigen Wechsel Ein Absaugkatheter darf max. drei Mal im gleichen Absaugvorgang verwendet werden. Es darf nie mit dem gleichen Katheter in Luftröhre und in Nase/Mund abgesaugt werden. Schläuche, Yankauer und Fingertip werden wöchentlich oder bei optischer Verschmutzung gewechselt. Wasserflaschen (zur Spülung des Absaugschlauchs nach dem Absaugen) werden ebenfalls einmal pro Woche erneuert, bei Verschmutzung früher. Das Wasser muss täglich gewechselt werden. Eine Anpassung der Hygienemassnahmen im häuslichen Umfeld kann individuell geprüft werden. Im Rahmen einer Klinik oder einer Institution sollte jedoch immer aseptisch gearbeitet werden (Verwendung von sterilen Materialien, Schutzhandschuhen etc.). Zu den Autoren: Adrian Wyss ist Leiter der Abteilung Pflegeentwicklung und Bildung am Schweizer Paraplegiker-Zentrum (SPZ) in Nottwil/Schweiz, wo er seit 2006 arbeitet. Er ist Mitautor des Standardwerks zu Querschnittlähmung „Pflege von Menschen mit Querschnittlähmung" (Hrsg. Ute Haas). Jens Katzer ist diplomierter Pflegefachmann mit Schwerpunkt Atmung und Beatmung. Er leitet das Fachforum Atemmanagement am SPZ. aktualisiert: Oktober 2016
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Das Abhusten von Sekret ist sehr wichtig, damit ein freies Atmen möglich bleibt. Husten ist ein Schutzreflex zur Reinigung der Atemwege, da so der Schleim gelockert und aus den Atemwegen herausgefördert werden kann. Zum Husten werden die Bauch- und die Rippenmuskulatur benötigt. Bei Menschen mit einer Querschnittlähmung können diese Muskeln abhängig von der Diagnose, der Lähmungsart und -höhe eingeschränkt sein. Daher ist es möglich, dass sie Unterstützung beim Abhusten von Sekret benötigen. Wie lässt sich das Abhusten unterstützen? eine gute Körperhaltung einnehmen bewusst tief einatmen Druck aufbauen durch Stimmlippenschluss – der dadurch entstehende Gegendruck erweitert die Bronchien kräftig und kurz husten, aber ohne zu verkrampfen zwischen den Hustenstössen kräftig durchatmen Zäher Schleim lässt sich schlechter abhusten. Deshalb sollte man genügend trinken, insbesondere Tee (Anis, Fenchel, Thymian, Spitzwegerich, Eibisch und Süßholzwurzel). Inhalationen können helfen, den Schleim flüssig zu machen. Am besten eignen sich Inhalationen mit Kochsalzlösung. Kochsalz wird mittels Ultraschall- oder Düsenvernebler zu kleinsten Tröpfchen zerstäubt. Diese gelangen beim Inhalieren tief in die Atemwege, wohingegen bei einfachen Dampfinhalationen die Bronchien gar nicht erst erreicht werden. Kochsalzlösung und Vernebler sind in Apotheken erhältlich. Sekretmobilisation mit dem Cough Assist Bei geschwächter oder teilweise gelähmter Atemmuskulatur ist die Fähigkeit, wirksam zu husten und allfälliges Sekret auszuwerfen, gemindert. Das Gerät Cough Assist bietet eine gute Unterstützung, um das Sekret zu lösen (zu mobilisieren). Durch die schnelle Umschaltung von positivem Druck in der Einatmungs-(Inspirations-)phase auf negativen Druck in der Ausatmungs-(Exspirations-)phase wird das natürliche Abhusten simuliert. Um eine wirksame und komplikationsfreie Therapie mit dem Cough Assist durchführen zu können, müssen Patienten und Hilfspersonen von Fachpersonal eingeführt werden. Was wird für die Therapie benötigt? Cough Assist, ausgerüstet mit Gerätefilter, Schlauch und Maske/Mundstück oder Mount Katheter (bei vorhandener Trachealkanüle) Tücher, um Hochgehustetes aufzufangen bei Bedarf ein Absaugsystem ggf. NaCl 0,9 % 10 ml in Mini-Plasco Ampullen, um zähes Sekret besser zu verflüssigen und so transportfähig zu machen Cough Assist und Cough Assist E 70 Vorbereitung der Therapie wenn möglich in aufrechter Position lagern die Arme möglichst so lagern, dass der Brustkorb genug Platz zur Ausdehnung hat vor jedem Gebrauch des Gerätes die Einstellungen überprüfen – diese erfolgen nach Absprache mit einem Arzt oder einer Pflegefachperson Maske, Mundstück oder Mount Katheter aufsetzen Durchführung ein Zyklus: Kippschalter auf „Inhale" für 2-4 Sek. sofortiges Umschalten auf „Exhale" für 3-5 Sek. kurze Pause (1-2 Sek.) Zyklus 3-6 Mal wiederholen Je nachdem, wie viel Sekret vorhanden ist, ist Absaugen und/oder Reinigen von Maske, Mundstück oder Mount Katheter notwendig. Konnte nicht das gesamte Sekret mobilisiert werden, können nach einer Erholungspause (je nach Empfinden einige Minuten) weitere Zyklen folgen. Kann die anwendende Person den Cough Assist selbstständig bedienen und Mundstück/Maske selbst installieren, kann sie Auto Mode wählen; dabei übernimmt das individuell eingestellte Gerät den Druckwechsel von Inhale auf Exhale mit anschliessender Pause automatisch. Der Wechsel der Schlauchsysteme erfolgt einmal pro Woche. Dazwischen sollte man sie bei Verunreinigung unter fliessendem Wasser säubern und anschliessend trocknen lassen. Zu den Autoren: Adrian Wyss ist Leiter der Abteilung Pflegeentwicklung und Bildung am Schweizer Paraplegiker-Zentrum (SPZ) in Nottwil/Schweiz, wo er seit 2006 arbeitet. Er ist Mitautor des Standardwerks zu Querschnittlähmung „Pflege von Menschen mit Querschnittlähmung" (Hrsg. Ute Haas). Jens Katzer ist diplomierter Pflegefachmann mit Schwerpunkt Atmung und Beatmung. Er leitet das Fachforum Atemmanagement am SPZ. aktualisiert: März 2016
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Definition von Schmerz Schmerz ist eine komplexe Empfindung, ähnlich einem Gefühl. Schmerz ist immer subjektiv, er lässt sich nicht messen, nicht beweisen und auch nicht widerlegen. Seit den siebziger Jahren gibt es eine offizielle Definition der internationalen Schmerzgesellschaft, die für akute wie auch für chronische Schmerzen gilt: „Schmerz ist ein unangenehmes Sinnes- und Gefühlserlebnis, das mit tatsächlicher oder potentieller Gewebeschädigung verknüpft ist oder mit Begriffen einer solchen Schädigung beschrieben wird." Die Definition folgt dem bio-psycho-sozialen Krankheitsmodell. Dieses Modell beschreibt, dass eine Krankheit – so auch Schmerz – nicht ausschliesslich durch körperliche Veränderungen verursacht wird, sondern dass ebenso Funktionsstörungen, emotionale, psychische oder soziale Probleme und Störungen zu Schmerzen und Krankheiten führen können. Daher wurde in der obigen Schmerzdefinition die kausale Verknüpfung von Schädigung und Schmerz aufgegeben. Das bedeutet, für einen Schmerz muss keine objektive Gewebeschädigung vorliegen, sondern es reicht die subjektive Empfindung einer solchen Schädigung. Akuter Schmerz Beim akuten Schmerz werden im Körper Rezeptoren – man könnte vereinfacht sagen: Mikrofone oder Klingelknöpfe – aktiviert, die ihre Informationen über das Rückenmark und über viele Schaltstellen in das zentrale Nervensystem, unser Gehirn, weiterleiten. Im Gehirn findet eine komplexe Verarbeitung dieser Informationen statt. Das Resultat dieser Prozesse kann dann die Empfindung von Schmerz sein, verbunden mit einer bestimmten Qualität (brennend, stechend, ziehend, pochend etc.) und einer mehr oder weniger genauen Lokalisation im Körper. Schmerzen können aber auch vom Gehirn unterdrückt werden, z.B. bei Ablenkung, Anspannung, Konzentration auf eine interessante Arbeit oder bei wichtigeren Aufgaben (wie Fliehen vor einer Gefahr, Schock nach einem Unfall). Akute Schmerzen haben eine Warnfunktion. Die Beseitigung der Ursache, die Behandlung der Verletzungen oder der zugrundeliegenden Krankheit lindert diesen Schmerz meistens rasch und nachhaltig. Schmerzmittel helfen in der Regel gut. Chronischer Schmerz Aus akuten Schmerzen können chronische Schmerzen entstehen. Chronisch im Zusammenhang mit Schmerzen bedeutet nicht alleine „lange anhaltend" oder „seit langer Zeit bestehend", zu einem chronischen Schmerz gehört die Verflechtung von verschiedenen Faktoren. Anzeichen für eine Chronifizierung sind die Ausweitung der Symptome auf der körperlichen Ebene – die von Schmerz betroffene Region im Körper breitet sich aus, weitere Schmerzorte treten auf –, aber auch das Auftreten von Problemen auf der psychisch-emotionalen Ebene und im Sozialleben. Die frühzeitige und ausreichende Behandlung von akuten Schmerzen ist die beste Vorbeugung gegen chronische Schmerzen. Falls eindeutig begründete und normalerweise gut wirksame Behandlungen kaum Einfluss auf den Schmerz haben, sollte man überlegen, ob es sich wirklich noch um einen akuten, einfachen Schmerz handelt, und auch andere Einflüsse in Betracht ziehen. Häufige chronische Schmerzprobleme sind: Kopfschmerzen Rückenschmerzen Nackenschmerzen neuropathische Schmerzen (verursacht durch eine Schädigung des Nervensystems wie z.B. Querschnittlähmung) multilokuläre (d.h. an mehreren Orten) oder ausgedehnte (d.h. über einen grösseren Körperbereich) chronische Schmerzen (z.B. Fibromyalgie) Insgesamt leiden ca. 16% der schweizerischen Wohnbevölkerung an chronischen Schmerzen, also ungefähr jeder Sechste. Menschen mit Querschnittlähmung haben häufiger chronische Schmerzen, oft in Verbindung mit Muskelspastik. Die meisten von ihnen sind nicht ausreichend versorgt und leiden vor sich hin. (Quelle: © fotolia) Ursachen und Auslöser So vielfältig die Schmerzformen sind und so individuell jeder Patient seinen Schmerz empfindet, so unterschiedlich sind auch die Auslöser, die am Anfang einer oft langjährigen Schmerzgeschichte stehen. Häufig sind die Auslöser zu einer Zeit aufgetreten, als der Patient in einer schwierigen Lebenssituation oder an einem Wendepunkt in seinem Leben stand. Auch stellen vorangegangene Verletzungen, Gewalterfahrungen oder andauernde psychische und soziale Belastungen Schwachstellen dar, die eine solche Entwicklung begünstigen. Chronischer Schmerz ist nach allgemein anerkannter Überzeugung nur auf der Basis eines bio-psycho-sozialen Krankheitskonzeptes zu verstehen. Dabei haben die verschiedenen Anteile von Fall zu Fall eine unterschiedliche Bedeutung. Häufig treten mit chronischen Schmerzen depressive Stimmungen, manchmal Ängste, sehr häufig Schlafstörungen auf. Im Einzelfall muss aber untersucht werden, ob diese Störungen schon vorher bestanden haben (also vielleicht die Entwicklung der chronischen Schmerzen begünstigt haben), ob sie gleichzeitig bestehen, ohne einen Einfluss auf die Schmerzen zu haben, oder ob sie Folge der chronischen Schmerzen sind. In jedem Fall müssen sie im Rahmen der Schmerzbehandlung mitbehandelt werden. Auswirkungen auf die Lebensqualität Die Lebensqualitätsforschung konnte zeigen, dass chronische Schmerzen den Menschen in seiner Gesamtheit und all seinen Lebensbereichen betreffen. Selbsteinschätzung der gesundheitsbezogenen Lebensqualität mit dem SF-36 (short form 36), Ergebnisse im Bezug zur Schmerzchronifizierung. Die rote Kurve zeigt die durchschnittlichen Werte aus einer repräsentativen Umfrage in der allgemeinen Bevölkerung. Die orange Kurve „I" zeigt die Ergebnisse für Patienten mit gering chronifizierten Schmerzen, die grüne Kurve „II" die Werte bei mittlerer Schmerzchronifizierung und die braune Kurve „III" bei hoher (Mainzer Stadienkonzept der Schmerzchronifizierung nach Gerbershagen). [Referenz: Gerbershagen HU, Lindena G, Korb J, Kramer S. Gesundheitsbezogene Lebensqualität bei Patienten mit chronischen Schmerzen. Der Schmerz. 2002;16(4),271-84.] Die Grafik zeigt deutlich, wie Patienten mit zunehmender Schmerzchronifizierung in allen abgefragten Bereichen durch die chronischen Schmerzen beeinträchtigt werden. Die Lokalisation der Schmerzen spielt dabei keine grosse Rolle. Diagnose und Behandlung Zur Erfassung und Diagnosestellung von chronischen Schmerzen ist ein Team notwendig. Ein Orthopäde beispielsweise kann nicht kompetent die Stimmungslage des Patienten beurteilen und eine psychiatrische Diagnose stellen; ein Sozialarbeiter kann nicht die Leistungsfähigkeit des Patienten, seine Einschränkungen und seine Ressourcen abschätzen; und ein Psychiater oder Psychologe kann nicht den Grad einer körperlichen Schädigung und die therapeutischen Möglichkeiten z.B. durch Physiotherapie beurteilen. Um der Komplexität des Patienten und seiner Situation gerecht zu werden, braucht es also ein Team von Schmerzspezialisten, die ihre Einschätzungen und Erkenntnisse austauschen und die weitere Behandlung miteinander abstimmen. Goldstandard für die Behandlung chronischer Schmerzen ist daher die interdisziplinäre (d.h. fachübergreifende) und multimodale (d.h. auf verschiedene Arten) Schmerztherapie. Der Erfolg der Therapie hängt stark von der Mitarbeit des Patienten ab, von der Erhebung der Vorgeschichte bis zur Motivation und Teilnahme an der Behandlung. Der Schmerzpatient bekommt in der Regel nicht nur eine Diagnose, sondern eine Auflistung der an der Entstehung und Aufrechterhaltung seiner Schmerzen beteiligten Komponenten. Schmerz ist eine Summe, in der sich vieles ausdrückt: Krankheit, Leid, Beeinträchtigung, erlittenes Unrecht und vieles mehr. Die Therapie findet nach Möglichkeit in einer Gruppe statt, da sich dort die Teilnehmer gegenseitig unterstützen und voneinander lernen können. Damit die Gruppe gut harmoniert und die Gruppenbehandlung Erfolg hat, ist eine gute Patientenauswahl notwendig. Am Schweizer Paraplegiker-Zentrum in Nottwil ist das Zentrum für Schmerzmedizin und Anästhesiologie als Spezialabteilung zur Behandlung akuter und chronischer Schmerzen angesiedelt. Dort erhalten ambulante und stationäre Patienten eine bestmögliche Untersuchung ihres Schmerzproblems und eine darauf aufbauende Behandlung – siehe www.schmerz-nottwil.ch/de/pub/zsm.htm. Nützliche Links: Ein instruktives Video zum Umgang mit Schmerz findet sich unter: www.schmerz-nottwil.ch/de/pub/zsm/patienteninformationen/schmerzvideo.htm. Als neu gegründete Organisation bietet die „Schmerzliga Schweiz" Information und Hilfe zur Selbsthilfe: www.schmerzliga.ch. Eine Liste der Fachpersonen mit der Qualifikation „Schmerzspezialist SGSS" ist auf der Homepage der „Schweizerischen Gesellschaft zum Studiums des Schmerzes" (SGSS) einsehbar: www.pain.ch. Zum Autor: Dr. med. André Ljutow, MSc, ist am Schweizer Paraplegiker-Zentrum in Nottwil Leiter des Zentrums für Schmerzmedizin, einer der grössten interdisziplinären Schmerzeinrichtungen im deutschsprachigen Raum. Als „Schmerzspezialist SGSS" mit zahlreichen weiteren internationalen Zusatzausbildungen ist Dr. med. Ljutow derzeit auch Präsident der Schweizerischen Gesellschaft zum Studium des Schmerzes. Ausserdem ist er als wissenschaftlicher Beirat am Aufbau einer Selbsthilfeorganisation für Schmerzpatienten der „Schmerzliga Schweiz" aktiv. aktualisiert: Februar 2016
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Die Inhalation ist eine Standardbehandlung bei akuter oder chronischer Atemwegserkrankung. Unter Inhalationstherapie versteht man das therapeutische Einatmen von Medikamenten oder das therapeutische Befeuchten der Atemwegsschleimhaut. Durch Letzteres wird der Selbstreinigungsmechanismus der Lunge gefördert. Zähflüssiges Sekret kann so verflüssigt und damit auch besser mobilisiert werden. Als Nebeneffekt wird die Lunge optimal belüftet, da man während der Inhalation bewusster und tiefer einatmet. Es ist wichtig, die Therapie richtig anzuwenden – andernfalls besteht die Gefahr, dass die Medikamente nicht bis zu dem Ort gelangen, wo sie ihre Wirkung entfalten sollten. Die meisten Medikamente müssen tief in die Lunge gelangen, damit sie dort in den Bronchien lokal wirken oder in den Lungenbläschen (Alveolen) ins Blut aufgenommen werden können. Neben der Inhalationstechnik spielt die Tröpfchengrösse eine entscheidende Rolle. Das blosse Inhalieren von Wasserdampf (Kamillenbad etc.) ist nur zur Befeuchtung der oberen Atemwege (Nasen-Rachenraum) sinnvoll. Die tieferen Atemwege wie Luftröhre oder Bronchien werden nicht erreicht. Für die Tiefeninhalation stehen Verneblersysteme und Dosieraerosole zur Verfügung. Mit Dosierareosolen werden ausschliesslich Medikamente verabreicht. Mit Verneblersystemen werden die Atemwege zusätzlich befeuchtet. Für eine Inhalation benötigt man einen Vernebler sowie ein Inhalierset mit einer Maske oder einem Mundstück. Bei einer Trachealkanüle lässt sich das Inhalierset auch direkt an den Mount Katheter (Tubusverlängerung) ansetzen. Inhalationsset Wichtig Beim Inhalieren mit einer Maske muss diese gut sitzen, da sonst die Augen gereizt werden können oder das Medikament nicht richtig inhaliert wird. Wie inhaliert man richtig? möglichst in sitzender Position inhalieren zur besseren Entfaltung der Lunge auf eine tiefe und ruhige Atmung konzentrieren nach der Inhalation evtl. Massnahmen zur Sekretmobilisation durchführen (z.B. Abhusten mit manueller Unterstützung oder mit Cough Assist) auf Reihenfolge und zeitliche Abstände der einzelnen Inhalationen achten, um ihre Wirkung nicht zu beeinträchtigen Patientin beim Inhalieren Welche Medikamente werden inhaliert? bronchialerweiternde Medikamente (Bronchodilatatoren) entzündungshemmende Medikamente (Kortison) schleimlösende Medikamente (Sekretolytika) Antibiotika Reinigung Das Inhalationsset wird nach jedem Gebrauch unter fliessendem Wasser ausgespült. Es ist trocken aufzubewahren, z.B. in einem Baumwollbeutel, und einmal pro Woche zu erneuern. Nach Anwendung von kortisonhaltigen Präparaten muss der Mund gereinigt werden (z.B. Mund-/Rachenspülung, etwas Essen, Zähneputzen), um Medikamentenreste zu beseitigen und Pilzbefall im Mund-/Rachenbereich zu vermeiden. Zu den Autoren: Adrian Wyss ist Leiter der Abteilung Pflegeentwicklung und Bildung am Schweizer Paraplegiker-Zentrum (SPZ) in Nottwil/Schweiz, wo er seit 2006 arbeitet. Er ist Mitautor des Standardwerks zu Querschnittlähmung „Pflege von Menschen mit Querschnittlähmung" (Hrsg. Ute Haas). Jens Katzer ist diplomierter Pflegefachmann mit Schwerpunkt Atmung und Beatmung. Er leitet das Fachforum Atemmanagement am SPZ. aktualisiert: Januar 2016
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Atmen ist für uns die normalste Sache der Welt. Wir denken kaum darüber nach, obwohl wir rund 20.000 Mal am Tag ein- und ausatmen. Ist der Mensch aktiv und strengt sich an, atmet er mehr, in Ruhephasen weniger. Mit der Einatmung wird Sauerstoff aufgenommen und in jede noch so kleine Zelle im Körper abgegeben. In den Zellen geschieht eine Art Verbrennung. Dabei entsteht Kohlendioxyd, das mit der Ausatmung aus dem Körper heraustransportiert wird. Die Atemwege Die Luft strömt über Mund und Nase ein und wird durch Rachen und Kehlkopf weitergeleitet. Diese luftleitenden Atmungsorgane sind mit einer Schleimhaut und mit kleinsten Härchen, dem Flimmerepithel, ausgekleidet. Hier wird die Atemluft von Staub gereinigt, erwärmt und angefeuchtet. Man spricht auch von den oberen Atemwegen. Anatomie der Atemwege (Quelle: eesom) Die unteren Atemwege sind eine Art Röhrensystem, das man sich als einen auf den Kopf gestellten Baum vorstellen kann. Sie beginnen mit der Luftröhre, auch Trachea genannt. Diese teilt sich auf Höhe des vierten Brustwirbels in einen linken und einen rechten Bronchialast. Anschliessend teilen sich die Atemwege in beiden Lungenflügeln noch weitere 22 Mal und werden dabei immer kleiner. Sie enden schliesslich in den kleinsten Lungenbläschen (Alveolen), die aus einer sehr dünnen Membran bestehen; aneinandergelegt würde die Oberfläche aller Alveolen 70-100 m² ergeben. In ihnen findet der Sauerstoffaustausch statt: Sauerstoff wird in den Blutkreislauf abgegeben und das beim Stoffwechsel entstandene Kohlendioxyd wird in die Alveolen aufgenommen. Untere Atemwege mit Querschnitt der Lunge (Quelle: MOVINCOACH.COM) Wie funktioniert unsere Atmung? Physiologie der Ein- und Ausatmung (Quelle: MOVINCOACH.COM) Bei der Einatmung senkt sich das Zwerchfell, gleichzeitig heben sich die Rippen. In dem entstandenen Zwischenraum herrscht ein Unterdruck, so dass die Lungen auseinandergezogen werden – Luft strömt ein. Diese für die Einatmung notwendige Druckdifferenz kann die Lunge selber nicht herstellen, da sie keine Muskulatur hat. Erforderlich zum Einatmen sind daher das Zwerchfell als Hauptatemmuskel sowie die Atemhilfsmuskulatur (z.B. äussere Zwischenrippen-(Interkostal-)muskeln und Bauchmuskeln). Die Einatmung ist somit ein aktiver Vorgang. Die Ausatmung ist hingegen ein passiver Vorgang. Nach der Einatmung entspannt sich das Zwerchfell und geht in seine ursprüngliche kuppelartige Form zurück. Die Muskulatur von Bauch-, Brust- und Zwischenrippen entspannt sich, die Rippen senken sich und das elastische Lungengewebe zieht sich zusammen – die Atemluft strömt aus der Lunge. Die beiden Lungenhälften liegen wie in Höhlen im Brustkorb. Die Lungen sind aussen mit einem Lungenfell überzogen, die Rippen innenseitig mit einem Rippenfell ausgekleidet. Diese beiden Felle bilden zusammen das Brustfell, welches dafür sorgt, dass die Lunge nicht in sich zusammenfällt (kollabiert). Zwischen Lungen- und Rippenfell befinden sich wenige Milliliter Flüssigkeit, so dass die beiden beim Ein- und Ausatmen ohne Reibung aneinander vorbeigleiten können. Steuerung der Atmung Die Atmung wird im Atemzentrum gesteuert. Es sitzt an der Stammhirnbasis, wo das Gehirn ins Rückenmark übergeht. Hier werden die Anzahl der Atemzüge, der Atemrhythmus und die Atemtiefe reguliert. Diese Steuerung erfolgt über verschiedene Mechanismen wie den Zwerchfellnerv, die Nerven der Atemhilfsmuskulatur und chemische Vorgänge im Blut (Veränderung des Sauerstoff-Kohlendioxydgehalts). Atmung bei Querschnittgelähmten Je höher das Lähmungsniveau, desto stärker ist die Atemhilfsmuskulatur betroffen. So haben querschnittgelähmte Menschen oft einen teilweisen oder vollständigen Ausfall der Bauchmuskulatur, weshalb sie nur eingeschränkt husten können. Zudem ändert der Ausfall dieser Muskeln die physiologische Atemmechanik: Da der Bauchmuskulatur die Muskelspannung fehlt, sinken die Bauchorgane nach unten, das Zwerchfell flacht ab. Es ist weniger beweglich und kann weniger Kraftentwicklung aufbringen, welche für die Einatmung notwendig ist. Der gelähmte Anteil des Brustkorbes wird nicht mehr angehoben, sondern durch Zug des Zwerchfells nach unten gezogen. So wird die Lunge während der Einatmung unvollständig und ungleichmässig auseinandergezogen, weniger Luft kann in die Lungen strömen. Das Atemzugvolumen ist somit kleiner und die Belüftung der Lungen ungleichmässig. Geschieht dies über längere Zeit, können die kleinen Atemwege auch ganz von der Belüftung ausgeschlossen werden, kollabieren oder „verkleben". Dies ist einer der Gründe, warum bei querschnittgelähmten Menschen auf eine Atemtherapie geachtet werden muss. Häufig gestellte Fragen Auf welcher Lähmungshöhe fällt die Atmung ganz aus? Das Zwerchfell, der Hauptmuskel für die Einatmung, wird von Nerven zwischen C3 und C5 versorgt. Fällt das Zwerchfell aus, ist keine eigene Atmung mehr möglich – man braucht eine Beatmungsmaschine. Zu den Autoren: Adrian Wyss ist Leiter der Abteilung Pflegeentwicklung und Bildung am Schweizer Paraplegiker-Zentrum (SPZ) in Nottwil/Schweiz, wo er seit 2006 arbeitet. Er ist Mitautor des Standardwerks zu Querschnittlähmung "Pflege von Menschen mit Querschnittlähmung" (Hrsg. Ute Haas). Jens Katzer ist diplomierter Pflegefachmann mit Schwerpunkt Atmung und Beatmung. Er leitet das Fachforum Atemmanagement am SPZ. aktualisiert: Dezember 2015
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Was verstehen wir unter Sensibilität? Unter Sensibilität verstehen wir den fünften Sinn, das Fühlen. Anders als bei den anderen vier Sinnen hat die Sensibilität kein eigenes Sinnesorgan, wie zum Beispiel der Sehsinn das Auge. Das sensible System bezieht seine Informationen aus einer Vielzahl von Nervenendigungen und Rezeptoren (eine Art spezialisierte Zelle, die Reize überträgt), die über den ganzen Körper verteilt sind. Es gibt uns Rückmeldungen aus unserem Körper mittels Druck, Dehnung, Vibration, Temperatur oder Schmerz. Diese Rückmeldungen kommen von verschiedenen Orten: von Haut und Schleimhäuten, aus den inneren Organen oder aus dem Muskel-/Skelettsystem (Stellung der Gelenke, Anspannung in den Muskeln). Die Sensibilität ist ein wichtiges Warnsystem unseres Körpers. Ist sie nicht mehr oder nur teilweise vorhanden, fehlen uns Informationen, die auf Gefahren hinweisen. Aufgrund der eingeschränkten Sensibilität ist bei Menschen mit einer Querschnittlähmung dieses wichtige Warnsignal ausgeschaltet, was zu diversen Komplikationen führen kann. Gefahren bei eingeschränkter oder nicht vorhandener Sensibilität Druckstellen Aufgrund der eingeschränkten oder fehlenden Sensibilität ist die Gefahr von Druckstellen für querschnittgelähmte Menschen besonders gross und wird in einem eigenen Artikel in der Bibliothek behandelt. Verbrennungen durch Wärmeanwendungen und durch Berühren von heissen Gegenständen oder Oberflächen Wärmeanwendungen gehören zu den ältesten medizinischen Verfahren und werden in der konventionellen westlichen Medizin wie auch bei Naturheilverfahren angewandt. Der Umgang mit ihnen ist den meisten von zu Hause vertraut: zu ihnen gehören Wärmflaschen, Kirschkernkissen, Heizkissen und -decken, Rotlicht, heisse Wickel und Packungen. Meistens werden Wärmeanwendungen als angenehm, entspannend oder belebend empfunden. Doch die Anwendung von Wärmequellen ist gefährlich, wenn das Wärmeempfinden gestört ist, denn es kann zu Verbrennungen und Verbrühungen kommen. (Quelle: © fotolia) Zudem gibt es viele Alltagssituationen, in denen wir mit heissen Gegenständen oder Oberflächen in Berührung kommen. Spürt man nicht mehr, dass sie heiss sind, ist besondere Vorsicht geboten, z.B. bei: Transport von heissen Gegenständen auf den Beinen Schutz zwischen Gegenstand und Beinen nötig! Duschen oder Baden Achtung: wechselnde Wassertemperaturen! Waschbeckenabfluss meist aus Metall – sehr heiss! Wärmekissen oder Wärmflaschen Oberflächen, die Wärme aufnehmen Liegestuhl, Sand etc. Sonne Das Empfinden für Wärme und Kälte ist bei eingeschränkter Sensibilität gestört. Dies kann zu Überhitzung oder Unterkühlung des Körpers führen. Querschnittgelähmte Menschen, vor allem Tetraplegiker, haben oft ein Kältegefühl, kleiden sich entsprechend übermässig warm und freuen sich über die wärmende Sonne. Doch die Sonne hat auch Schattenseiten. Die UV-Strahlung kann die Haut schädigen (Sonnenbrand) und Wärme kann zu einer Überhitzung (Sonnenstich) führen. Exzessives Sonnenbaden lässt die Haut schneller altern und fördert zahlreiche weitere Hautveränderungen bis hin zum Hautkrebs. Kontrollieren Sie nach einem Aufenthalt im Freien die Haut auf Veränderungen. Ein guter Sonnenschutz (Hut, Sonnenbrille und Sonnencreme) ist generell zu empfehlen. (Quelle: © fotolia) Temperaturregulation Menschen regulieren ihre Körpertemperatur unter anderem durch Schwitzen. Die Schwitzgrenze liegt bei Lufttemperaturen von knapp über 30°C. Bei querschnittgelähmten Menschen ist dieses temperaturregulierende Schwitzen nur in den Körperbereichen möglich, die nicht von der Lähmung betroffen sind. Das bedeutet, dass v.a. bei Tetraplegikern diese Regulierung stark eingeschränkt ist und nicht ausreicht, die Körpertemperatur im Normbereich zu halten, wenn sie sich hohen Temperaturen aussetzen. Bedingt durch die Querschnittlähmung kann das vegetative Nervensystem die Mechanismen zur Temperatur-regulation (Wärmeproduktion und Wärmeabgabe) wie Hautdurchblutung, Schwitzen, Muskelzittern sowie Umverteilung des Blutes von den inneren Organen zu den Muskeln nicht mehr richtig steuern. Dies kann zu Unterkühlung (Hypothermie) oder zu übermässigem Anstieg der Körpertemperatur (Hyperthermie) führen. Ursachen können eine zu hohe Raumtemperatur, starke Sonneneinwirkung oder falsche Kleidung sein. Tetraplegiker müssen daher besonders die Umgebungstemperaturen beachten. Besondere Vorsicht ist geboten, wenn sie in besonders warme Länder reisen, oder auch im Sommer in der Schweiz. Die folgenden Punkte sind für Tetraplegiker, aber auch für Menschen mit einer Paraplegie wichtig: Flüssigkeitsverlust Aufgrund des vermehrten Schwitzens muss mehr Flüssigkeit aufgenommen werden. Es gilt die Grundregel, dass pro Tag mindestens 1,5 Liter Urin über die Blase ausgeschieden werden sollten. Dies dient der Thrombosen- und auch der Harnwegsinfektionsprophylaxe. Thrombosen Die Gefahr für Thrombosen ist während der heissen Jahreszeit erhöht. Genügende Flüssigkeitszufuhr und Kompressionsstrümpfe stellen zusammen eine wirksame Prophylaxe dar. Dazu ist es wichtig, die Beine täglich auf Rötung, Überwärmung, Schwellung und Ödeme zu kontrollieren, da dies die ersten Anzeichen einer Thrombose sind. Druckstellen Durch Schwitzen und somit feuchte Haut ist die Gefahr für Druckstellen erhöht. Daher ist das Entlasten im Rollstuhl eine wichtige vorbeugende Massnahme. Feuchte Kleidung muss gewechselt und die Hautkontrolle darf nicht vergessen werden. Medikamente Menschen, die Anticholinergika wie Ditropan (für die Behandlung einer hyperaktiven Blase) oder Buscopan (gegen Bauchkrämpfe und spastische Verstopfung) einnehmen, sind in der Fähigkeit zu schwitzen eingeschränkt und müssen bei Sonnenbestrahlung besonders aufpassen. Auf dem Beipackzettel steht, ob die Lichtempfindlichkeit der Haut nach der Einnahme eines Medikaments zunimmt. Kompressionsstrümpfe (Quelle: © MedicalExpo) Wichtig Massnahmen für heisse Sommertage: Sprühflasche mit Wasser mitnehmen, um sich im Bedarfsfall bei Überhitzung einsprühen zu können und damit die gestörte Schweissbildung zu ersetzen immer eine Kopfbedeckung tragen viel trinken Hitze vermeiden leicht kleiden einen mobilen Ventilator benutzen Auch eine Unterkühlung kann auch zu schwerwiegenden körperlichen Folgen bis hin zu Bewusstlosigkeit führen. Deshalb ist auch in der kalten Jahreszeit bei längeren Aufenthalten im Freien besonders viel Vorsicht geboten, z.B. beim Spazierengehen oder Skifahren. Häufig gestellte Fragen Was kann ich machen, wenn ich merke, dass ich mich überhitze? Ein Spray mit kaltem Wasser (z.B. Blumenspray) kann da sehr hilfreich sein. Zudem sollte man genügend trinken. Grundsätzlich sollten Sie direkte, pralle Sonnenbestrahlung meiden. Sind elektrische Heizkissen besser als Bettflaschen? Auch elektrische Heizkissen können sehr heiss werden und darum muss man sehr gut aufpassen, wo man sie anwendet. Grundsätzlich gilt: nur in den Körperbereichen nutzen, in denen man Sensibilität hat. Ist es trotzdem möglich, als Tetraplegiker in heisse Länder zu reisen? Ja, wenn man sich an die oben genannten Punkte hält, sollte es möglich sein. Nicht jeder Tetraplegiker jedoch verträgt Hitze gleich gut. Falls aufgrund der Hitze Blutdruckprobleme auftreten, können eventuell auch isotonische Getränke unterstützend wirken. Referenz: Abteilung Arbeitsmedizin (2006). Factsheet Sonnenschutz bei der Arbeit. Luzern: SUVA. URL: http://www.suva.ch/factsheet-sonne.pdf (abgerufen am 04.11.14) Zu den Autorinnen: Christa Schwager ist Fachexpertin Bewegung in der Abteilung Pflegeentwicklung und Bildung am Schweizer Paraplegiker-Zentrum (SPZ) in Nottwil/Schweiz, wo sie seit 1994 arbeitet. Sie ist Mitautorin der Standardwerke zu Querschnittlähmung "Paraplegie. Ganzheitliche Rehabilitation" (Hrsg. Guido A. Zäch & Hans Georg Koch) und "Pflege von Menschen mit Querschnittlähmung" (Hrsg. Ute Haas) Karin Roth ist Pflegeexpertin in der Abteilung Pflegeentwicklung und Bildung am SPZ, wo sie seit 1997 arbeitet. Sie ist ebenfalls Mitautorin des Standardwerks zu Querschnittlähmung "Pflege von Menschen mit Querschnittlähmung". aktualisiert: Juni 2015
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In einem früheren Artikel hier in der Bibliothek wurde erläutert, wie Spastik entsteht und welche positiven und negativen Aspekte damit einhergehen. In diesem Artikel geht es nun um die Therapie. Eine Behandlung der Spastik muss klare Ziele haben, die zwischen Arzt und Patient vereinbart werden. Wichtige Ziele sind: Senkung der Spastik Vermeidung von Schmerzen Verbesserung von funktionellen Fähigkeiten und damit der Mobilität Vermeidung von Kontrakturen Verbesserung von Pflegbarkeit und Hygiene evtl. erst die Ermöglichung einer Rehabilitation. Nicht jede Spastik muss behandelt werden. Oft sind die Folgen der Nebenwirkungen der Behandlung (z.B. eingeschränkte Verkehrstauglichkeit) einschneidender als die Spastik selbst. Man darf auch nicht erwarten, dass durch eine Behandlung die Spastik ganz verschwindet. Es geht immer darum, zwischen Gewinn für den Patienten und Beeinträchtigung durch die Nebenwirkungen abzuwägen. Stufenschema der Spastikbehandlung Stufe 1: Auslösende Stimuli vermeiden Oft ist die Spastik von irgendwelchen sensorischen Ereignissen getriggert. Dies kann von Berührung über Schmerzempfindung bis zu akustischen und optischen Reizen gehen, beispielsweise wenn jemand die Türe zuknallt. Spastik ist häufig auch ein Zeichen einer gefüllten Blase, eines überdehnten Darmes, eines nicht wahrgenommenen Schmerzreizes im gelähmten Bereich (z.B. Dekubitalgeschwür) oder einer Infektion (Blase, Nebenhoden usw.). Die einfachste Behandlung besteht darum im Vermeiden dieser Zustände und Ereignisse. Dies verursacht keine Kosten, hat keine Nebenwirkungen und kann von jedem selbst umgesetzt werden. Bevor man beginnt, die Spastik zu behandeln, sollte man versuchen, die möglichen Ursachen zu eliminieren. Stufe 2: Antispastische Lagerungen und andere Methoden Es gibt diverse antispastische Lagerungen (z.B. Schneidersitz) und auch mit anderen Methoden wie Sauna, Schwimmbad oder Hippotherapie lässt sich die Spastik reduzieren. Häufig hält der Effekt über einige Stunden an und führt zu einem besseren Wohlbefinden des Betroffenen. Stehtraining kann die Spastik ebenfalls positiv beeinflussen. Es wird berichtet, dass eine Transkutane Elektrische Nervenstimulation (TENS) gute Effekte generiert, die Forschung darüber ist aber noch im Gange. Auch eine Veränderung der Sitzposition im Rollstuhl kann hilfreich sein; anzustreben ist ein 90°-Winkel in Hüfte und Knie bei leichter Kantelung (Neigung) der Sitzfläche (leicht nach hinten gekippt). Schliesslich scheinen auch neue Therapieformen wie Gehen im Lokomat oder in einem Exoskelett in der Lage zu sein, Spastik vorübergehend zu vermindern. Stufe 3: Physiotherapie Spezielle physiotherapeutische Übungen können die Spastizität deutlich reduzieren (z.B. Physiotherapie nach Vojta). Ziel ist die Hemmung von pathologischen, durch die Spastik verursachten Bewegungsmustern sowie die Verminderung der Beugespastik an den Armen und der Streckspastik an den Beinen. Das Stretching der Muskulatur verhindert eine strukturelle Verkürzung, regelmässiges Durchbewegen erhält die passive Beweglichkeit der Gelenke. Ideal wäre es, den so erreichten Zustand danach mit ein- bis zweimal Physiotherapie pro Woche und täglichen Selbstübungen zu erhalten. Stufe 4: Orale medikamentöse Behandlung Bei stärkerer Spastik und wesentlicher Beeinträchtigung im täglichen Leben ist eine medikamentöse Therapie in Erwägung zu ziehen. Hierfür muss einer der folgenden objektiven Gründe vorliegen: Die Spastik macht die Intimpflege am Patienten unmöglich. verursacht Druckstellen. stellt eine Verletzungsgefahr dar. verhindert die Partizipation am täglichen Leben. verursacht so starke Schmerzen, dass diese mit Schmerzmitteln behandelt werden müssten. Die meisten Medikamente dämpfen die Aktivität von Gehirn und Rückenmark, was sich in Bezug auf die Spastik positiv auswirkt. Andererseits führt dies auch zu Müdigkeit, Konzentrationsmangel, Schläfrigkeit und Blutdruckabfall sowie zu Muskelschwäche auch der nicht gelähmten Muskulatur. Bei inkomplett gelähmten Patienten wird die Steh- und Gehfähigkeit beeinträchtigt. Es kann sich eine ungünstige Sitzposition im Rollstuhl entwickeln, die zu sekundären Schäden und einer Einschränkung von Mobilität und Selbständigkeit führt. Man muss sich bewusst sein, dass keine der vom Arzt verschriebenen Substanzen die Spastik vollständig beseitigen oder die Kraft der betroffenen Muskeln verbessern kann. Die Spastik wird zwar medikamentös kontrolliert, doch die Kraft im nicht gelähmten Bereich des Körpers nimmt ab. Die Wahl und Dosierung der Substanzen sollte deshalb gut überlegt und abgewogen werden, da alle wirksamen Medikamente auch empfindliche Nebenwirkungen hervorrufen können. Stufe 5: Invasive Methoden (Botox) Botulinumtoxin (z.B. Botox) kennen wir heute eher aus der kosmetischen Industrie als aus der Medizin. Bei der Behandlung von lokaler Spastik einzelner Muskeln oder Muskelgruppen leistet es jedoch einen ausgezeichneten Beitrag zur Verbesserung der Funktion. Botulinumtoxin ist ein starkes Gift, das die Übertragung der Nervenimpulse auf den Muskel blockiert. Dadurch kommt es zur Schwächung des Muskels, je nach Dosis sogar zur kompletten Lähmung. Nach lokaler Injektion beträgt die Dauer bis zum Wirkungseintritt einige Tage, die Wirkung hält für drei bis vier Monate an. Kurzfristige Nervenblockaden können auch mit Lokalanästhetika erreicht werden. Stufe 6: Intrathekale Therapie Bei der intrathekalen Therapie werden verschiedene Substanzen (Baclofen, Morphium usw.) über eine chirurgisch implantierte Medikamentenpumpe direkt in die zerebrospinale Flüssigkeit (Hirnwasser) abgegeben, in der das Rückenmark schwimmt. Auf diese Weise der Verabreichung gelangt das Medikament direkt ins Nervengewebe – dies vermeidet Wirksamkeitsverluste wie im Falle einer oralen Einnahme, nämlich bei der Resorption im Magen, bei der Filtrierung durch die Leber und am Hindernis der Blut-Hirn-Schranke. Mit einem Bruchteil der sonst notwendigen Dosis wird so ein gleicher oder sogar besserer Effekt erzielt. Die Nebenwirkungen sind bei geringeren Dosen entsprechend reduziert. Bevor man sich zu einer solchen Massnahme entschliesst, sollte man den Effekt einige Tage mit einem vorübergehend durch die Haut gelegten intrathekalen Katheter (CoSPAN-Katheter) und einer externen Pumpe testen. So lässt sich herausfinden, mit welcher Dosis man eine gute Wirkung erreicht, bei für den Patienten akzeptablen Nebenwirkungen. Häufige Folgen einer Überdosierung sind Schläfrigkeit, Benommenheit, schlaffe Muskulatur, Übelkeit und Schwindel. Nach Implantation einer Pumpe muss diese je nach Verbrauch alle drei Wochen bis alle drei Monate wieder aufgefüllt werden. Dies geschieht durch einen Stich mit einer Kanüle durch die Haut bis ins Reservoir der Pumpe. Die Batterie der Pumpe hält etwa vier bis fünf Jahre, danach muss das ganze Aggregat chirurgisch ausgetauscht werden. Mögliche Ursachen für eine Unterdosierung sind eine Fehlfunktion der Pumpe sowie Abknicken, Leckage oder Fehllage des Katheters. Stufe 7: Orthopädische Behandlung Orthopädische Eingriffe zielen vor allem darauf ab, die Muskelkontrakturen zu korrigieren, damit der Patient wieder im Rollstuhl sitzen kann. Zur vereinfachten Intimpflege können verschiedene Tenolysen (Durchschneiden der Sehnen) von Muskeln der Adduktorengruppe durchgeführt werden. Spastik führt längerfristig auch zur Deformation der Wirbelsäule (Skoliose). Wenn die Massnahmen der Physiotherapie nicht mehr greifen und die Positionierung im Rollstuhl (Sitzschale) fehlschlägt, müssen Wirbelsäulenchirurgen Korrektureingriffe durchführen, um eine schmerzfreie Sitzposition wiederherzustellen. Stufe 8: Neurochirurgische Behandlung Die neurochirurgische Behandlung der Spastik besteht im Durchtrennen einiger Nervenfasern, welche die von der Spastik betroffenen Muskeln mit dem Rückenmark verbinden. Eine solche Behandlung kommt heute nur noch in sehr seltenen Fällen vor. Durch verbesserte Medikamente kann man in der Regel auf diese destruierenden, meist irreversiblen Operationen verzichten. Ausnahme: Urologen unterbrechen bei der Implantation eines Blasenstimulators die sakralen Spinalnerven, um die Spastik zu therapieren. Bei allen Stufen der Spastikbehandlung ist es entscheidend, dass Arzt und Patient einen Mittelweg zwischen erwünschter Wirkung und unerwünschten Nebenwirkungen finden und so eine Verbesserung der Lebensqualität erreichen. Zum Autor: Dr. med. Hans Georg Koch war 19 Jahre Oberarzt am Schweizer Paraplegiker-Zentrum (SPZ) in Nottwil/Schweiz. Er gab zusammen mit Guido A. Zäch, dem Gründer des SPZ, das Standardwerk zu Querschnittlähmung „Paraplegie. Ganzheitliche Rehabilitation" heraus. Hans Georg Koch ist Mitglied des paraforum-Teams. aktualisiert: Februar 2015
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Querschnittlähmung und viele andere neurologische Erkrankungen gehen häufig mit Spastik einher. Eine Untersuchung von Maynard (1990) an 96 Patienten hat ergeben, dass nach einer unfallbedingten Querschnittlähmung am Ende der Rehabilitation 67% der Patienten Symptome der Spastik entwickelt hatten. Bei 37% der Patienten war die Spastik so stark, dass eine medikamentöse Behandlung nötig wurde. In einer Nachkontrolle etwa ein Jahr nach der Rückenmarkverletzung zeigten sogar 78% der Patienten Spastik und 49% erhielten Medikamente. Bei Patienten mit Rückenmarkverletzungen im Halsbereich oder in der oberen Brustwirbelsäule war die Entwicklung einer Spastik signifikant häufiger als bei tiefer Gelähmten. Diese Untersuchung zeigt, dass eine grosse Zahl von Querschnittgelähmten mit dem Problem Spastik zu kämpfen hat. In einer Untersuchung von Walter (2002) wurden 99 querschnittgelähmte Patienten gefragt, mit welchen typischen Komplikationen einer Querschnittlähmung sie aktuell Probleme hatten. Am häufigsten wurde von 53% die Spastik genannt. An zweiter Stelle kamen Schmerzen (44%), als Drittes folgten Druckstellen und Dekubitus (38%). Mit der Behandlung der Spastik (Physiotherapie, Medikamente) waren 14% sehr zufrieden und 76% ziemlich zufrieden. Doch warum haben Querschnittgelähmte überhaupt Spastik? Diese Frage wird oft gestellt, es ist aber ausserordentlich schwierig, darauf eine einfache und verständliche Antwort zu finden. Ich werde dies in diesem Artikel trotzdem versuchen. Das Wort „Spastik“ leitet sich vom griechischen Wort „spasmos“ ab und bedeutet Krampf der Muskulatur. Dieser wird fast immer durch eine Schädigung des Rückenmarks (z.B. bei Querschnittlähmung) oder des Gehirns (z.B. bei einer Zerebralparese) verursacht. Aus medizinischer Sicht ist Spastik ein gesteigerter Dehnungswiderstand der Muskulatur, der bei passiver Bewegung auftritt und von deren Geschwindigkeit abhängig ist. Sie äussert sich neben einer Lähmung der Muskeln auch in der Verlangsamung des Bewegungsablaufes, in gesteigerten Eigenreflexen der Muskeln sowie in dauernd erhöhtem Muskeltonus (Muskelspannung). Verstärkt wird die Spastik durch Schmerzen, Infekte, volle Blase oder vollen Darm, Frakturen, Thrombosen, Dekubitus wie auch durch Schmerzen unterhalb der Lähmungshöhe oder sogar bei emotionaler Erregung. Bei einer frischen Querschnittlähmung beobachtet man zuerst keine Spastik, der Patient ist im spinalen Schock. Die Spastik tritt erst nach Tagen oder Wochen auf. Warum kann Spastik entstehen? Neurologisch gesehen ist Spastik eine Folge der Verletzung des oberen Motoneurons (Pyramidenbahn) sowie des Kontrollsystems von Muskelspannung und Reflexen (extrapyramidales System). Die folgende vereinfachte Darstellung der Muskelinnervation veranschaulicht die Mechanismen und Abläufe, die zur Entstehung der Spastik führen. Muskelinnervation und Mechanismen der Entstehung einer Spastik bei einer Querschnittlähmung Wegen der Unterbrechung der auf- und absteigenden Bahnen im Rückenmark fehlt die hemmende Wirkung des extrapyramidalen Systems, welche die Muskulatur normalerweise entspannen lässt. Das Gehirn verliert den dämpfenden Einfluss auf die Reflexe und auf die Kraftentwicklung der Muskulatur. Die Reflexbögen unterhalb der Lähmungshöhe sind somit nicht mehr „gebremst“ und reagieren stark, wenn sie ausgelöst werden. Viele querschnittgelähmte Patienten leiden deshalb an erhöhtem Muskeltonus oder krampfartig einschiessender Muskelaktivität, die man als Spasmen bezeichnet. Die repetitiven Zuckungen eines klonusartigen Spasmus (Zittern der Knie und/oder der Füsse) lassen sich mit einer Erregung erklären, die über längere Zeit auf dem Reflexbogen kreist: Durch einen banalen äusseren Einfluss (z.B. das Überfahren einer Schwelle) kommt es zur Dehnung von Muskelspindeln in einem Muskel. Die Dehnung wird über einen afferenten (d.h. zum Rückenmark führenden) Nerv dem unterhalb der Läsionshöhe noch funktionierenden Rückenmark gemeldet. Dieses versucht daraufhin reflexartig, durch einen motorischen Reiz die Streckung des Muskels zu verhindern. Der Reiz läuft über den efferenten (d.h. vom Rückenmark wegführenden) Nerv zum Muskel, der daraufhin zusammenzuckt. Die Zuckung führt wiederum zu einer Dehnung der Muskelspindel und so beginnt der Kreislauf dieses Reizes erneut, weil die Dämpfung wie oben beschrieben fehlt. Positive und negative Aspekte der Spastik Spastik ist nicht in jedem Fall etwas Negatives, sie hat in vielen Situationen auch positive Aspekte: Sie trainiert unwillkürlich die Muskulatur, wodurch einer Muskelatrophie (wie z.B. bei einer schlaffen Lähmung) vorgebeugt wird. Die Muskulatur an den Beinen bleibt erhalten, was nicht nur einen ästhetischen Effekt hat. Am Gesäss bleiben die Muskeln bestehen und polstern es auf diese Weise – dies schützt vor Dekubitus und führt zu einem besseren Gleichgewicht im Sitzen. Gelenke an gelähmten Extremitäten werden durch die Spasmen ab und zu durchbewegt – ganz ohne Physiotherapie. Die Muskelkontraktionen unterstützen ausserdem die venöse Blutzirkulation. Schwellungen der unteren Extremitäten sind geringer und die Gefahr von Thrombosen nimmt ab. Bei Tetraplegikern können Spasmen sogar den Hustenstoss unterstützen. Viele Patienten können die Spasmen gezielt auslösen und nutzen sie geschickt für Transfers und andere Aktivitäten des täglichen Lebens. Ein negativer Effekt der Spastik ist die Inaktivität des Betroffenen mit all ihren Folgen. Die Beeinträchtigung von Körperfunktionen durch die Spastik hat vielfältige Auswirkungen auf die Teilnahme am Leben und der Gesellschaft. Spastik kann längerfristig auch zu Kontrakturen (Muskelverkürzungen), Bewegungseinschränkungen und Druckstellen bis hin zur Einschränkung der Atmung führen; all dies behindert den Querschnittgelähmten zusätzlich. Oft berichten Betroffene auch von Schmerzen, die durch die Spastik ausgelöst werden und die eine zusätzliche Diagnostik und einschneidende Therapien erfordern. Demnächst wird hier in der Bibliothek ein zweiter Artikel veröffentlicht, der auf die Therapiemöglichkeiten der Spastik und deren Wirkung und Nebenwirkungen eingeht sowie auf das Stufenmodell der Spastikbehandlung. Zum Autor: Dr. med. Hans Georg Koch war 19 Jahre Oberarzt am Schweizer Paraplegiker-Zentrum (SPZ) in Nottwil/Schweiz. Er gab zusammen mit Guido A. Zäch, dem Gründer des SPZ, das Standardwerk zu Querschnittlähmung „Paraplegie. Ganzheitliche Rehabilitation" heraus. Hans Georg Koch ist Mitglied des paraforum-Teams. aktualisiert: Oktober 2014
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Studien haben gezeigt, dass Rollstuhlfahrer ein erhöhtes Risiko haben, Träger von multiresistenten Keimen zu werden. Für Nachkontrollen oder Komplikationen sind sie meist in regelmässigen Abständen in der Klinik, wo sie Personen begegnen können, die gefährliche Keime tragen. Wie können Sie sich verhalten, damit multiresistente Keime für Sie kein Problem werden? Hier einige Hinweise und Tipps: Was sind multiresistente Bakterien? Multiresistente Bakterien sind Bakterien, die gegen eine Vielzahl von Antibiotika resistent sind. Infektionen, die durch diese Bakterien verursacht werden, sind daher sehr schwer zu behandeln. Auf der Haut und Schleimhaut jedes Menschen befindet sich eine Vielzahl von Bakterien. Diese sind völlig normal und sogar nützlich, da sie einen natürlichen Schutz vor schädlichen Keimen bieten. Gewisse Bakterien allerdings haben im Laufe der Zeit Resistenzen gegen Antibiotika gebildet. Somit wirkt im Falle einer Infektion eine Antibiotikatherapie nicht oder nur unzureichend. In diesem Fall spricht man von einer Besiedelung mit z.B. MRSA, ESBL, MRE oder VRE. Patienten, die mit einem dieser Keime besiedelt sind, werden in der Klinik über die notwendigen Schutzmassnahmen informiert und angeleitet. Das medizinische Personal wird zusätzliche spezifische Schutzvorkehrungen vornehmen (sogenannte Isolationspflege), um die Übertragung auf andere Patienten zu verhindern. Die multiresistenten Bakterien siedeln sich auf der Haut oder in der Nase an. Von dort können sie über die Hände, beim Niesen oder beim Husten auf andere Menschen übertragen werden. Um diesen Weg der Übertragung zu verhindern, müssen die Schutzmassnahmen eingehalten werden. Multiresistente Keime sind grundsätzlich kein Problem, wenn man gesund ist. Sobald man aber in irgendeiner Form geschwächt ist – z.B. durch eine Wunde wie einen Dekubitus, durch Atemwegserkrankungen oder auch durch regelmässiges Katheterisieren – kann es vorkommen, dass der Körper die Keime nicht mehr im Griff hat und es zu einer dauerhaften Besiedelung kommt. Der Hauptübertragungsweg sind die Hände Bakterien können relativ lange auch auf nicht organischen Oberflächen überleben. Durch Berühren der Oberflächen besiedeln sich die Hände, und auf diesem Weg gelangen die Bakterien in den Körper, in die Nase, auf die Mundschleimhaut oder via Katheter in die Blase. Die Händedesinfektion ist die wichtigste Massnahme, um die Ausbreitung von multiresistenten Bakterien zu verhindern. Daher sollten Sie sich die Hände regelmässig reinigen oder gegebenenfalls zusätzlich desinfizieren. Reinigen Sie auch die Griffstellen an Ihrem Rollstuhl regelmässig. Hauptgefahr ist das Klinikpersonal Für das Klinikpersonal gelten strenge Richtlinien in Bezug auf die Händedesinfektion. Achten Sie darauf, dass Klinikmitarbeiter sich die Hände desinfizieren, bevor sie Pflege oder Therapiehandlungen an Ihnen vornehmen oder vor Untersuchungen Material in Ihrem Umfeld berühren. Helfen Sie dabei mit, dass diese Richtlinien eingehalten werden, indem Sie alle Mitarbeitenden bei Nichteinhaltung darauf ansprechen. Gerne dürfen Sie auch Ihre Angehörigen, Bekannten, Freunde zum Händedesinfizieren animieren. Es ist zu Ihrem Schutz! Hygienische Hände-Desinfektion (Quelle: © B. Braun Melsungen AG) Das richtige Verhalten gegenüber Trägern von multiresistenten Keimen Manchmal können Sie Patienten antreffen, die einen Mund-Nasen-Schutz tragen. Diese Schutzmaske ist zwingend zu tragen, wenn man in engem Kontakt mit anderen Personen ist. Besonders beim Husten und Sprechen können Keime durch Speicheltropfen übertragen werden. Das Einhalten eines Mindestabstands von 1,50 Metern zu Ihrem Gesprächspartner kann Ihnen helfen, sich vor Keimen zu schützen. Sofern sich Patienten mit Mundschutztragepflicht ausserhalb des Patientenzimmers bewegen, müssen sie den Mundschutz immer tragen. Die Maske muss die Nase und den Mund komplett abdecken, sonst ist ein Schutz nicht gewährleistet. Nur wenn sie sich ausserhalb des Klinikareals bewegen und nicht in einer Gruppe sind, dürfen sie die Maske abnehmen. Motivieren Sie Mitpatienten, sich richtig zu verhalten zum Schutz von allen. Halten Sie sich an diese Hinweise, dann sind multiresistente Keime keine Gefahr für Sie. Zum Autor: Adrian Wyss ist Leiter der Abteilung Pflegeentwicklung und Bildung am Schweizer Paraplegiker-Zentrum (SPZ) in Nottwil/Schweiz, wo er seit 2006 arbeitet. Er ist Mitautor des Standardwerks zu Querschnittlähmung "Pflege von Menschen mit Querschnittlähmung" (Hrsg. Ute Haas). aktualisiert: August 2014
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Was ist eine autonome Dysreflexie? Die autonome Dysreflexie, auch „Guttmann-Reflex“ genannt, ist eine Regulationsstörung, die zu einer Überreizung des vegetativen Nervensystems führt. Sie kann bei einer Querschnittlähmung oberhalb des siebten, selten auch des achten Brustwirbels auftreten. Die autonome Dysreflexie kann durch verschiedene Reize ausgelöst werden, am häufigsten durch einen Reiz in der Blase oder dem Darmbereich. Diese Reize verursachen unterhalb der Läsionshöhe eine unkontrollierte Engstellung der Gefässe. Dies führt zu einem rapiden Anstieg des Blutdrucks und es können die unten beschriebenen Anzeichen auftreten. Das Gehirn spürt, dass ein viel zu hoher Blutdruck besteht, und versucht, durch eine Verlangsamung der Herzfrequenz den Blutdruck zu senken. Anzeichen einer autonomen Dysreflexie pulsierende oder hämmernde Kopfschmerzen Schwindelgefühl Schweissausbruch Gesichtsrötung niedrige Pulsfrequenz massiver, ganz unmittelbar einsetzender Blutdruckanstieg Was sind die Ursachen? Die häufigsten Ursachen sind: Blasenüberfüllung, Blasenüberdehnung, Blasenspastik voller Darm (starke Verstopfung ) äusserliche Reize (Druck, Dekubitus, Verbrennungen) Weitere mögliche Ursachen: Infektion urologische/gynäkologische Untersuchungen Schwangerschaft/Entbindung sexuelle Aktivität intensive sportliche Belastung mit ungeleerter Blase Wichtig Anzeichen ernst nehmen! Unbehandelt können sie zu Krampfanfällen, Bewusstlosigkeit oder Schlaganfällen führen. Was ist zu tun? Die wichtigste Massnahme ist die Beseitigung der auslösenden Ursache: Sofortige Blasenentleerung durch Einmalkatheterismus Bei einem Dauerkatheter oder suprapubischen Katheter überprüfen, ob er abgeknickt oder der Urinbeutel zu voll ist. Wenn das nicht der Fall ist und die Symptome weiter bestehen, versuchen, den Katheter zu spülen. Sollte das nicht möglich sein, muss der Katheter umgehend gewechselt werden. Wenn die Blase leer ist: Überprüfen, ob der Darm voll ist, und gegebenenfalls eine Darmentleerung durchführen. Ändern der Sitz- oder Liegeposition, um zu überprüfen, ob sich ein Fremdkörper unter dem Gesäss/Körper befindet. Wichtig Wenn keine Ursache zu finden ist, sofort Kontakt mit dem Hausarzt aufnehmen! Häufig gestellte Fragen Kann ich die Blase normal über Triggern entleeren, wenn ich eine autonome Dysreflexie habe? Normalerweise nicht. Die Blase muss so rasch wie möglich mittels Einmalkatheter entleert werden. Was muss ich bei einer Schwangerschaft beachten? Bei querschnittgelähmten Frauen kann es während der Geburt zu einer autonomen Dysreflexie kommen. Nicht alle Gynäkologen sind mit dieser Komplikation vertraut, daher ist es wichtig, dieses Thema mit dem Arzt zu besprechen. Zu den Autorinnen: Karin Roth ist Pflegeexpertin in der Abteilung Pflegeentwicklung und Bildung am Schweizer Paraplegiker-Zentrum (SPZ) in Nottwil/Schweiz, wo sie seit 1997 arbeitet. Sie ist Mitautorin des Standardwerks zu Querschnittlähmung "Pflege von Menschen mit Querschnittlähmung" (Hrsg. Ute Haas). Christa Schwager ist Fachexpertin Bewegung in der Abteilung Pflegeentwicklung und Bildung am SPZ, wo sie seit 1994 arbeitet. Sie ist Mitautorin der Standardwerke zu Querschnittlähmung "Pflege von Menschen mit Querschnittlähmung" und "Paraplegie. Ganzheitliche Rehabilitation" (Hrsg. Guido A. Zäch & Hans Georg Koch). aktualisiert: Dezember 2013
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