Die Online-Community für Menschen mit Querschnittlähmung, ihre Angehörigen und Freunde
abbrechen

Ängste, denen wir uns stellen, verschwinden

Highlighted
Weiser Autor

Ängste, denen wir uns stellen, verschwinden

« Ein Baum, der so dick ist, dass du ihn gerade noch umfassen kannst, stammt aus einem kleinen Samenkorn; eine Reise von tausend Meilen beginnt mit einem kleinen Schritt» Laotse

Seit mehr als 2 Wochen plagt mich mein Ischias und so kann ich viel besser nachvollziehen, wie es Odyssita vielleicht geht, wenn sie das Bett hüten muss. Ich masse mir nicht an auch nur annähernd nachempfinden zu können, wie es ihr in den Momenten geht. Aber als ich so im Bett lag und meine Mails bearbeitete und googelte etc. , dachte ich mir, wie schafft Odyssita das bloss. Jeweils nach ein paar Minuten taten mir meine Arme weh oder wenn ich glück hatte, schlief ich einfach ein.

Es gab mir aber auch Zeit ein bisschen nachzudenken und plötzlich fiel mein Blick auf meine Matthews Bücher. Daraufhin nahm ich an einem 2stündigen Feldenkrais-Atelier teil und seither geht’s meinem Ischias massiv besser. Ich habe natürlich das Glück, dass mein Körper dies mitmacht.

Darf ich euch ein paar Bücher vorstellen, die mir in vielen Situation weitergeholfen haben. Als ich vor vielen Jahren angefangen habe, mich selbst zu suchen, ärgerte ich mich immer schrecklich über die Lebensweisheiten und die Ratgeber. Dabei dachte ich oft,» ja ja ihr könnt schon sagen…. Ihr habt keine Sorgen, ein schönes Haus und viel Geld, aus dieser Position da lässt es sich gut den Leuten Ratschläge zu erteilen».

Es gab immer wieder Momente in meinem Leben wo ich einfach nicht mehr weiterwusste, sei es beruflich oder privat. Irgendwann bin ich auf Andrew Matthews gestossen und dies war mein Durchbruch.

Es gab Themen und Erklärungen wie diese:

Ängste, denen wir uns stellen, verschwinden

Ein faszinierendes Prinzip besteht darin, dass Probleme, wenn wir endlich den Mut fassen, sie anzugehen, oft verschwinden und wir uns ihnen nicht mehr stellen müssen.

Fragen und bitten

Um etwas bitten oder nach etwas fragen vermittelt anderen das Vergnügen, Ihnen zu helfen. In der Tat ist es egoistisch, nicht zu fragen. Wenn Sie anderen gerne helfen, sollten Sie ihnen die gleiche Chance bieten. Nehmen Sie ihnen nicht die Freude, Ihnen helfen zu können! Dies gilt für alle Arten des Bittens und Fragens. Meistens sind die die Menschen mehr als willens, zu helfen, wenn sie sehen, dass Sie schon alles in Ihrer Kraft Liegende getan haben und etwas zusätzliche Unterstützung gebrauchen können. Viele Menschen würden verzweifelt gerne helfen, fürchten aber, sich aufzudrängen.

Meine ganz persönlichen Erfahrungen dazu kennt Ihr ja bereits.

Die elfte Stunde

Wenn man sich Ziele setzt und sie verfolgt, ist es wichtig, über die sogenannten «elften Stunden» Bescheid zu wissen.

Ist Ihnen je aufgefallen, dass die Dinge im Leben kurz vor der entscheidenden Wende zum Besseren manchmal wirklich mies aussehen? Geschäftsleute berichten oft, dass sie, kurz bevor sie ihr Vermögen machten, kurz davor standen aufzugeben. Sie trieben scheinbar ohne Ruder im Wildwasser, als sich plötzlich alles wie von selbst in Ordnung brachte. Sie hielten lange genug durch, um die Belohnung zu ernten.

Unsere letzte Erfahrung diesbezüglich kennt Ihr auch und diese geschah als Felix und ich um sein Leben kämpften.

Beharrlichkeit lohnt sich!

Dies erlebten wir auch als es um unseren Hauskauf in Südfrankreich ging. Wir bekamen die Hypothek nur gegen eine Lebensversicherung von Felix. Die Zürich Versicherung hat uns im letzten Moment abgesagt. Es war ein Riesenschock für uns beide. Wir blieben beharrlich und suchten weiter und siehe da, die Basler Versicherung nahm Felix auf.

Die Bücher findet man auch günstig gebraucht auf Internet. Herzliche Grüsse, Silvia

PS. und wieso meine Bilder "beharrlich" immer auf der Seite oder Kopf stehen, habe ich noch nicht herausgefunden. Vielleicht bin ich doch nicht beharrlich genug das Problem selbst anzugehenSmiley (zwinkernd)Dank dir schon im Voraus lieber JohannesHerz

so gehtsgut.jpgtuwasdir.jpghappyness.jpg

5 ANTWORTEN 5

Betreff: Ängste, denen wir uns stellen, verschwinden

Liebe Silvia

Danke für deine atemberaubendes, Erzählung wie immer.! Und Odyssita wird sicher auch Freud habe dazu zu sagen.

Es tut mir leid dass du eine Leiden musstest mit dein Ischia, umso mehr bin ich froh das es dir besser geht, und wünsche dir von Herzen das es so weiter bleibt, so wie ich das von herzen alle Mitmenschen wünsche, denn niemand hat Leid verdient kein Lebewesen sollte dies verdienen. Auch wenn viele Bösen Menschen auf diese Erde gibt, bin ich mir sicher, dass Sie so nicht auf dieser Welt gekommen sind, und das Sie die Bosheit erst ausbricht um ihren eigenes leid zu erstrecken, auch wenn dies gar nicht gut sein darf.!

Ja Stichwort Ängste, ich habe dies schon vor langer Zeit versucht zu verstehen und mich zu stellen, dabei vor langer Zeit hatte ich ein nettes Gespräch mit einem Professor, was er zu mir sagte, nahm ich auf und speicherte es im tiefsten Seele, und Zwar folgendes:

Wenn du am Ende einer weg angekommen bist, und der neuer oder weiterer weg 30cm gegenübersteht, aber davor musst du Springen damit du weiter gehen kannst, dabei musst du bedenken der Spalten vom 30cm ist ein tiefes Loch ein Tiefes Loch mit strömender Wasser. Also was machst du? Kerst du zurück? Oder wagst du denn doch beschaulicher Sprung? wenn du es nicht wagst, kannst du leider auch die Antwort nicht erhalten die du suchst. Ich hoffe konnte mich gut ausdrucken, und das ihr verstanden habt was ich meine. !

Lieber Gruss euch Alle Francesco

 

Angesehener Autor

Betreff: Ängste, denen wir uns stellen, verschwinden

Liebe Silvia

Zu erst wünsche ich dir ganz gute Besserung. Ich hoffe, dass dich dein Ischias schon ganz bald ganz in Ruhe lässt. 

Danke, dass du diese Lebensweisheiten mit uns teilst. Ich mag gerne solche Gedanken, nur so ganz platte "gratis" Lebensweisheiten so à la "uns wird nur aufgeladen, was wir auch tragen können" oder "ein behindertes Kind wählt seine Eltern aus" usw kann ich nicht ausstehen. Wir haben in den letzten 3 Jahren einiges davon anhören dürfen. Da uns ja auch mit meinen Jungs manchmal ganz schwierig war, habe ich auch dort ganz "tolle" Tipps hören dürfen. 

Ich durfte letzte Woche auch etwas Lernen, beziehungsweise ich wusste es ja schon, konnte es aber nicht auf mich münzen. "Es kommt immer wieder auf den Blickwinkel drauf an". So ging es mir letzet Woche ganz mies, bis mir dann meine Psychologin half den Blickwinkel zu ändern und eben nicht nur schwarz/weiss sondern auch grau zu sehen. Und weisst du was? Ich sehe jetzt sogar auch etwas Farbe ! Seid meinem Blickwinkelwechsel konnte sich einiges ändern! Denn  "nichts ändert sich, bis man sich selbst ändert, und plötzlich ändert sich alles"! Ich predige diesen Satz bei meiner Arbeit fast täglich - tja manchmal muss man diese Erfahrung auch selber machen! 

LG 

mondschrein

Weiser Autor

Betreff: Ängste, denen wir uns stellen, verschwinden

Lieber Francesco

Vielen Dank für deine guten Wünsche. Ich bin auf dem Weg zur Besserung, aber eben erst auf dem Weg. Am Samstag habe ich dann ein 3stündiges Feldenkrais-Atelier und dann sollten hoffentlich alle Verspannungen aufgelöst werden.

Doch du hast das sehr gut beschrieben mit dem Sprung und ich weiss, du bist gesprungen! Gell, es ist ein wunderbares Gefühl, dies gewagt zu haben. Ich bin vor etlichen Jahren mal übers Feuer gelaufen. Das war eine so spannende Erfahrung, nie hätte ich gedacht, dass ich mal über glühende Kohlen marschiere. Aber gell, das machst du mir nicht nach, denn die Reifen sind aus Gummi und ich weiss nicht was da passieren würden. Auf jeden Fall war ich so erstaunt, keine Verbrennungen es hat nur ein bisschen "genagelt" wie früher, als Kind mit den Lederskischuhen, wo einem die Füsse fast eingefroren sind, und als sie dann auftauten, oh weh. Aber ich bin noch heute stolz auf mich. 

Wie du sagst, wenn man es nicht wagt, weiss man nicht was einem noch erwartet. Herzlichst, Silvia

Weiser Autor

Betreff: Ängste, denen wir uns stellen, verschwinden

Meine liebe Mondschrein

Wie ich mich über deine Zeilen freue. Vielleicht war das wirklich die "elfte Stunde" und nun gehts aufwärts. Wunderbar, dass du sogar ein bisschen Farbe siehst. 

Ja das mit dem Predigen... Wie sagt man so schön hier in Frankreich, "le cordonnier est toujour le plus mal chaussé."  Nun hoffe ich, dass auch der nahende Sommer hilft das Grau zu vertreiben und du dir auch aus der Natur ein bisschen Kraft holen kannst. Und ganz wichtig, bleib beharrlich. Auch du hast ein Anrecht auf ein gutes Leben!

Herzliche Umarmung, Silvia

Experte

Betreff: Ängste, denen wir uns stellen, verschwinden

Liebe Silvia,

ich drücke Dir fest die Daumen, dass es mit Deinem Ischias bald wieder aufwärts geht!

Ja, wenn man so liegen muss und Schmerzen hat, dann ist es wirklich eine Erleichterung, wenn man schlafen kann (immerhin ist Schlaf das wirksamste Schmerzmittel). Je nach Schmerzen kann man sich ja dann auch schlecht auf irgendetwas konzentrieren, da bleibt oft nicht viel, als auf Schlaf zu hoffen und darauf, dass es vorbei geht.

Zu Büchern mit Lebensweisheiten habe ich ein gespaltentes Verhältnis. Früher habe ich sie ganz gerne gelesen, aber mit zunehmenden gesundheitlichen Einschränkungen ist mir Differenzierung immer wichtiger geworden. Ich finde es gut, wenn Lebensweisheiten als Erfahrungsweisheiten geteilt werden, v.a. als eigene Erfahrungen (z.B. in Autobiographien). Aber da ich inzwischen eine Liebe zum wissenschaftlichen Denken entwickelt habe, stelle ich fest, dass ich es wohltuend finde, wenn Ratgeber auf Forschung basieren. Ich muss aber dazu sagen, dass ich die Bücher, die Du empfiehlst, nicht kenne, und mich sehr freue, dass sie für Dich so hilfreich waren und sind. Manchmal hat man ja so Wegbegleiter - ein Buch, ein Lied, ein Gedicht - die einem immer wieder Kraft geben. Das ist etwas sehr Wertvolles.

"Ängste, denen wir uns stellen, verschwinden" - dazu habe ich sogar einmal eine Erklärung eines Psychologieprofessors gelesen, die ich sehr spannend fand. Ich meine, es war in diesem Artikel: https://www.zeit.de/2016/28/anschlag-bruessel-terror-gesellschaft-veraenderung/seite-6

Wenn wir uns unseren Ängsten stellen, sie verstehen, sie erklären können, handlungsfähig werden, dann werden andere Hirnareale aktiver und das Hirnareal, das für Angst zuständig ist, weniger aktiv. Im englischen sagt man auch "name it, tame it" - benenne es, zähme es.

Interessanterweise habe ich für mich irgendwann als Kind oder Teenager beschlossen, dass es nicht hilfreich ist, vor den Dingen, die mir Angst machen, davonzulaufen. Seitdem nehme ich Angst zum Anlass, genauer hinzuschauen, zu verstehen, was passiert, und als nächsten Schritt Handlungsoptionen zu finden, so dass ich mehr Kontrolle über die Situation habe und eben keine Angst mehr haben muss. Meine Hobbies haben das ein Stück weit widergespiegelt - ich war gerne in wilden Gegenden der Natur unterwegs. Deswegen habe ich mich ja auch extrem geärgert und missverstanden gefühlt, als Ärzte, die mich nicht kannten, meine Symptome nicht ernst nahmen, weil sie mich für ängstlich hielten.

Und ohne diesen Entschluss, mich dem, was mir Angst macht, zu stellen, hätte ich mich vermutlich nicht so dahinter geklemmt, zu verstehen, warum mir im Gesundheitssystem mit so viel Misstrauen und Unverständnis begegnet wurde - auch da musste ich erst einmal verstehen, was die Ursachen sind, um für mich Handlungsmöglichkeiten und Wege zu finden. Und das feste Vertrauen, dass sich immer irgendwie ein Weg findet und es immer irgendwie weitergeht, das hatte ich zum Glück immer. Da bin ich zäh (und mir darüber im Klaren, dass all das vor allem ein Privileg ist, nicht mein eigener Verdienst).

Liebe Grüße,

odyssita