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Wie hilfsbereit sind Deine Mitbürger?

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Community-Manager

Wie hilfsbereit sind Deine Mitbürger?

Der Aargauer Frank Risi hat auf einem Behindertenparkplatz in der Camargue in Frankreich dieses Schild gefunden – offenbar standen zu häufig Autos, die dort nichts zu suchen hatten:

Schild Behindertenparkplatz.JPGÜbersetzt: Wenn Sie meinen Platz nehmen, dann nehmen Sie doch auch meine Behinderung!

(Das Schild war sogar in der Sendung Kassensturz des SRF zu sehen. Der Beitrag beginnt bei 03:34.) 

Wann hat Dich das Verhalten Deiner Mitmenschen einmal richtig frustriert? Wann warst Du positiv überrascht? Und hast Du mehr gute oder schlechte Erfahrungen?

17 ANTWORTEN

Betreff: Wie hilfsbereit sind Deine Mitbürger?

Das Traurige ist das man all täglich immer mehr Leute findet das Sie auf ein Gehebehiderten Parkplatz parkieren ohne die Berechtigung und immer mehr mit der faule Ausrede ich muss nur Kurz rein und raus oder war nur kurz weg.. Das frustriert sehr denn dieses Kurz ist nie unter 5/10 min und veranlasst das jemand mit Behiderung weiter fährt zum Teil auch weit entfernt um zu parkieren zu dürfen und somit eine Behinderung mehr drauflegt.! Dies ist mir persönlich schon leider mehrmals passiert ich musst sogar in 2 Fälle das erhoffte Sonnenausgang oder 1 mal Arzt Besuch in der Stadt bleiben lassen und früstriert wieder heim Keren.. 

Was aber ich immer wieder Toll finde ich wenn ich ein oder aussteige von mein Auto und bin Drann mein Manuelles Rollstuhl ein oder aus zu verladen, Halten viele Leute von Jung bis ALt und fragen mich ob ich Hilfe oder Unterstützung brauche, Auch wenn ich es meisten verneint weil eben auch Teil meines Gleichgewicht ist die Technik um dies zu überwinden, finde ich es Toll das es Aber viel aus sich die Initiative nehmen und dir Hilfe anbieten. 

Offizieller Blog-Autor

Betreff: Wie hilfsbereit sind Deine Mitbürger?

Es brennt mir beinahe unter den Fingernägeln. Die berechtigte Klage über die besetzten Behindertenparkplätze, oft sind es auch die WCs, bieten mir Gelegenheit, wieder mal meine alte Theorie aufzutischen: Es gibt die Kaltschnäuzigen und die teils übertrieben Anteilnehmenden. Meine Erfahrung ist, dass die Anteilnehmenden klar die Mehrheit bilden.

Diese erfahrungsbasierte "Theorie" müssen wir aber ergänzen. Autofahrer haben eine gewisse Neigung zu vergessen, dass sie Menschen sind, die auch Mitmenschen haben. Sobald sie ausgestiegen sind und als Fussgänger weiter gehen, schmimpfen sie ähnlich wie wir über Autofahrer, die ihnen den Weg versperren oder sie gefährden. Sie sind gute Menschen, solange sie nicht im Auto sitzen. Genau gleich ist es mit denen, die Druck auf der Blase verspüren. Sie reduzieren sich in dieser Lage auf Träger einer vollen Blase und blenden das Menschsein aus. Kommen sie dann aus der Behindertentoilette, in die sich nicht gehören, wieder raus, zischen sie meistens verschämt vorbei. Selten bleiben sie stehen und entschuldigen sich überschwänglich. Ihre Blase ist jetzt leer, und sie würden mich gerne in ein Gespräch verwickeln. Dabei vergessen sie, dass meine Blase immer noch voll ist und auch ich unter Zeitdruck stehe.

Und die Moral der Geschichte? Wer sich in Not fühlt, ist nicht mehr rücksichtsvoll. Auch damit müssen wir leben, fürchte ich.

   

fritz

Betreff: Wie hilfsbereit sind Deine Mitbürger?

Lieber Fritz ich glaube du hast es auf dem Punkt gebracht, mehr ist ja auch leider nichts zu sagen :-) 

Offizieller Blog-Autor

Betreff: Wie hilfsbereit sind Deine Mitbürger?

...eigentlich schade, dass es nich mehr zu sagen gibt?! Vielleicht finden wir noch jemanden, der mehr weiss?

 

fritz
Weiser Autor

Betreff: Wie hilfsbereit sind Deine Mitbürger?

Ich denke auch, dass es da schon noch etwas zu sagen gibt. Also hier in Frankreich finden sich die Schilder überall. Der Lions Club sponsert dauernd und in allen Regionen das Zusatzschild. Wie hilfsbereit sind die Mitmenschen? Die Schweizer sind teilweise schon hilfsbereit, aber  im Vergleich zu den Franzosen steht die Hilfsbereitschaft klein geschrieben. Als wir nach Frankreich zogen, sind wir aus allen Wolken gefallen. Du kannst hingehen wo du möchtest, es ist rollstuhlgängig. Dh. auf den ersten Blick, denkst du, ups, das geht nicht. Schwupps, kommt jemand herbeigeeilt mit einer Rampe oder der Erklärung, wo genau du durch musst. Parkplätze hats überall und auch vor dem Supermarkt nicht nur einer. Geht Felix alleine einkaufen, dann ist immer jemand da, der hilft beim Einkäufe einladen. In den Supermärkten gibts eine Kasse für Behinderte und Schwangere und es ist für die Franzosen kein Thema, die lassen dich immer vor. Egal wo wir uns befinden und was wir auch tun, sobald jemand sieht, dass ich vielleicht ein bisschen Mühe habe, Felix Rollstuhl ein-oder auszuladen, schon ist jemand da, der seine Hilfe anbietet. Leider haben wir dies in der Schweiz wenig erlebt. Diese Spontaneität geht den Schweizern ab. Ebenso erlebten wir die Hilfsbereitschaft auf unseren Reisen, da waren es immer die Deutschen, die ankamen und uns Hilfe anboten. So für heute genug. 

Herzliche Grüsse aus dem regnerischen Südfrankreich, Silvia

Community-Manager

Betreff: Wie hilfsbereit sind Deine Mitbürger?

Hallo Tulipe

Vielen Dank für Deine Einsichten aus Frankreich! Das finde ich eine spannende Einschätzung: Die Franzosen und Deutsche sind hilfsbereiter als Schweizer. Wer stellt die Ehre der Schweizer wieder her? Smiley (zwinkernd) Oder sehen die anderen in der Community das ähnlich?

Schönen Tag

Johannes

Weiser Autor

Betreff: Wie hilfsbereit sind Deine Mitbürger?

Hallo Johannes

Ja dies wird ziemlich schwierig, die Ehre der Schweiz wiederherzustellenSmiley (zwinkernd). Aber die Schweiz hat sonst ganz viel Gutes und Schönes zu bieten. Und es gibt ganz klar viele hilfbereite Menschen. Ausspielen will ich die Länder nicht gegeneinander. Die Aera Blocher hat halt vieles zum Unguten bewirkt. So befürworten unsere schweizer Mitbürger bereits die Sozialdetektive....  

Herzlichst, Silvia

 

 

Angesehener Autor

Betreff: Wie hilfsbereit sind Deine Mitbürger?

Sali mitenand

Wer kennt sie nicht, die durch Gesunde besetzten Behindertenparkplätze? Wie wohl diese Parkplatzräuber reagierten, wenn ich die Worte spontan ausspräche, die auf den Zusatzschildern in Frankreich stehen? Das wäre doch wieder einmal eine Herausforderung für mich. - Tulipe's Schilderung der Behindertenfreundlichkeit in Frankreich hat meine Lust geweckt, wieder einmal dorthin zu fahren.

Im alltäglichen Umgang habe ich viele positive Erfahrungen mit meinen Mitbürgern gemacht. Sogar Fremde begrüssen mich freundlich, wenn ich allein mit meinem kleinen Scooter unterwegs bin. Auch in Restaurants stosse ich auf Hilfsbereitschaft und Interesse. Nachbarinnen haben ihre Unterstützung angeboten. (Im Hilfe Anbieten war ich stets besser als im Hilfe Annehmen. Daran muss ich noch arbeiten ;-) Zum Glück bin ich pflegerisch ziemlich selbstständig und kann auch einiges im Haushalt erledigen. Vieles muss ich leider meinem Mann überlassen. Freundschaften, die ich schon seit Jahrzehnten pflege, dauern an und haben sich bewährt. Manchmal habe ich Angst, langweilig zu werden, weil ich nicht mehr so viel Interessantes aus eigenem Erleben zu erzählen habe.

Fritz, Deine Analyse und Moral von der Geschichte hat mich einmal mehr zum Schmunzeln gebracht :-) Danke.

Sympathische Menschen, die sich zu Kontrollfreaks entwickeln, sobald sie im Auto sitzen und selber fahren, sind mir leider auch bekannt. Manchmal erschreckt mich dann ihr menschenverachtendes Vokabular. Dann möchte ich am liebsten aussteigen!

Herzlich grüsst

cucusita

Weiser Autor

Betreff: Wie hilfsbereit sind Deine Mitbürger?

Hallo miteinander,

bei mir sind meine Einschränkungen ja nicht so sichtbar, da ich meist ohne Hilfsmittel durch die Gegend wackele. Ganz vereinzelt kommt es vor, dass mir jemand von sich aus einen Sitzplatz anbietet oder Hilfe dabei, meinen Rucksack aufzusetzen. Meist ist es eher so, dass ich darum bitten muss, einen Sitzplatz zu bekommen. Da gibt es dann unterschiedliche Reaktionen. Am unangenehmsten sind für mich die Leute, die mit eisigem Blick so tun, als hätten sie mich nicht gehört - das kommt zum Glück aber nur selten vor. In den meisten Fällen wird mir auf meine Bitte hin ein Platz angeboten, ich erkläre meine Situation, man tauscht ein kurzes Lächeln aus und fertig. Manchmal kommen dadurch aber auch nette Gespräche zustande, wofür ich immer offen bin und woran ich mich freue. Ich würde sagen, insgesamt überwiegen glücklicherweise doch die positiven Reaktionen (wobei die Initiative jeweils von mir ausgeht).

Interessanterweise ist mir letztens aufgefallen, dass Leute, die am Rand der Gesellschaft stehen, weniger Hemmungen zu haben scheinen, mich anzusprechen und ihre Empathie auszudrücken - wie letztens ein alkoholisierter Mann im Supermarkt, als ich mit meiner festen Halskrause unterwegs war. Ob da weniger Berührungsängste bestehen hinsichtlich der Unvorhersehbarkeiten des Lebens und der Gesundheit?

Dass Rücksichtnahme eingeschränkt ist, wenn sich jemand selber in Not fühlt, ist vermutlich menschlich. Selbst empathische Menschen werden vermutlich - wenn sie nicht zur Selbstaufgabe neigen - ihre eigenen Bedürfnisse gegen die Bedürfnisse anderer Menschen abwägen (so muss ich es z.B. machen, wenn es um Sitzplätze in der Bahn geht oder Hilfe beim Tragen eines Kinderwagens gesucht wird - wenn ich da meine Bedürfnisse hintenan stelle, schade ich meiner Gesundheit). Das finde ich legitim, vor allem, wenn das transparent gemacht wird. Oft werden die Bedürfnisse anderer Menschen vielleicht auch nicht gesehen, weil Hintergrundwissen fehlt oder nicht nachgedacht wird (z.B. werden Behindertentoiletten auf den größeren Platzbedarf reduziert, ohne die Frage nach der Bedeutung von Wartezeiten und der besonderen Notwendigkeit der Sauberkeit im Kopf zu haben - und wenn es nur um mehr Platz gehen würde, wäre es ja kein Problem, eine freistehende Behindertentoilette zu nutzen). In den Fällen führen zusätzliche Informationen meist zu Verständnis. Problematisch finde ich dagegen die Fälle, in denen die Bedürfnisse anderer Menschen ganz ausgeblendet werden. Mit diesem Mangel an Empathie habe ich Schwierigkeiten.

cucusita, ich stelle fest, dass wir zwei "itas" in manchem recht ähnlich zu denken scheinen. Smiley (fröhlich) Auch mir fällt es leichter, Hilfe anzubieten als anzunehmen. Und mit menschenverachtendem Vokabular, sei es im Verkehr oder in anderen Situationen, habe ich auch meine Probleme.

Interessant fand ich noch die Beobachtung einer Mitpatientin vor einiger Zeit, die mir erzählte, seit sie sichtbar schlecht zu Fuß sei, würde sie viel öfter angefasst werden. Im Prinzip gut gemeint, wenn Leute sie stützen wollen, aber nicht wirklich hilfreich, da das eher aus dem Gleichgewicht bringt. Auch mir passiert das inzwischen ab und zu, und in den Fällen ist es oft gar nicht so leicht, die Leute davon zu überzeugen, dass das zwar gut gemeint, aber letzten Endes nicht so hilfreich ist. Alles nicht so einfach mit der Hilfsbereitschaft...

Liebe Grüße,

odyssita