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Reisen & Freizeit

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Walzer, Cha-Cha-Cha, Ballett oder doch lieber Urban Dance? Ein Einblick in die vielfältige Welt des Rollstuhltanzes.

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Sinnliches Bergerlebnis

Alle, die schon mal von Zürich Richtung Chur gefahren sind, haben auch den Chäserrugg gesehen, aber nicht bewusst wahrgenommen. Von Zürich kommend, ist er der letzte der sieben Churfirsten. Sie bilden den stolzen Gebirgszug am Nordufer des Walensees. Die Bahnlinie und die Autobahn liegen gegenüber auf der Südseite des Sees.

Bild 1.jpgAuf jeden Berg der Churfirsten-Gruppe führt ein Wanderweg, aber nur der 2262 Meter hohe Chäserrugg ist auch mit einer Luftseilbahn zu erreichen. Sie trägt uns zur Bergstation. Die Basler Stararchitekten Herzog & de Meuron haben diese Station 2015 neu errichtet. Sie hat wie jeder ihrer Bauten etwas Besonderes, das wir im Normalfall bei Bauwerken nicht finden. Form und Funktion sind ideal aufeinander abgestimmt und geben dem holzverschalten Zweckbau eine wohl dosierte Eleganz, die sich wunderbar in die Berglandschaft einfügt.

Bild 2.jpgIn Unterwasser im malerischen Toggenburg beginnt die Reise, zunächst in einer romantischen Standseilbahn bis Iltios, der hübsch gelegenen Alp auf halbem Wege, und dann weiter in der Luftseilbahn auf den Chäserrugg – und das alles, ohne auch nur eine Stufe überwinden zu müssen. Oben angekommen, eröffnet sich ein phantastisches Panorama: Im Norden über den Säntis hinaus bis weit nach Deutschland, im Süden die Glarner Alpen und im Südosten erstreckt sich der Blick bis zu den Bündner Alpen. Ganz weit unten in schwindelerregender Tiefe der Walensee.

Bild 3.jpgDiesen Ausblick und die unendliche Weite zu geniessen, ist wohl das, was die meisten auf dem stolzen Chäserrugg suchen. Die aparte Architektur erleben sie als wohltuende Dreingabe, doch der guten Dinge sind bekanntlich immer drei: Das Restaurant ist weit besser, als es in einer Berghütte zu erwarten ist. Charmantes Servierpersonal bringt uns herrliche, wunderbar zubereitete Gerichte und erlesene Getränke zu ganz normalen Preisen.

Der Ausflug auf den Chäserrugg ist auf allen Ebenen ein sinnliches Erlebnis. Im Herbst erst recht, denn mit ihm kühlt sich die Luft ab, und die Weitsicht wird noch klarer.

Links:

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Kurze Distanzen – schöne Traumwelten

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Entdeckt Deutschland – mit diesen Websites!

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Liebe Querschnittler!

Sind wir nicht mehr, was wir mal waren? Das frage ich euch, und ich möchte wissen: Habt auch ihr euch das schon überlegt?

Anlass dazu gibt mir die Architektur in den behindertengerechten Badezimmern dieser Welt – also in Hotels, Bahnhöfen und Flughäfen, aber auch Kreuzfahrtschiffen.

Im Laufe der achtziger Jahre des letzten Jahrhunderts entwickelte sich in diesen Badezimmern alles so, wie wir es gerne haben: Platz für uns und unseren Rollstuhl neben der Toilette, auf der anderen Seite eine Stütze, und zwar dort, wo die Hand unseres ausgestreckten Arms sie sucht, um auf die Schüssel rüber zu schwingen.

Seit 10, 15 Jahren ist das vielerorts nicht mehr so. Häufig ist die Stütze dort, wo wir uns mit dem Rollstuhl hinstellen müssen, eine andere gibt es nicht, oder es sind senkrecht angebrachte Griffe an der Hinterwand, an der das Clo angeschraubt ist.




Es kommt sogar vor, dass die Stützen fest montiert und nicht hoch klappbar sind. Wie in einem Käfig ist die WC-Schüssel links und rechts von Metallrohren umgeben und für einen Rollstuhlfahrer unzugänglich.



Für Sitzende sind die Stützen auch immer zu hoch. Ebenso die Waschbecken, an denen wir gerne die Zähne putzen. Meistens gilt das auch für die Armaturen und Stützen in den Duschen.



Wem nützt das alles? Unseren allerliebsten Mitmenschen, den gehbehinderten Senioren, dem Hemiplegiker, dem Parkinsonler, dem Kollegen mit Multipler Sklerose, der noch etwas gehen kann. Sie alle ziehen sich an diesen Griffen, die für uns – scheinbar - irgendwo hingekorkst sind, hoch. Ein Hoch auf all diese Mitmenschen! Auch sie tragen eine Last.

Wie aber ziehen wir uns hoch? Gar nicht, denn wir sitzen ja! Im übertragenen Sinne möchten wir uns aber sehr wohl hochziehen.

So wechselten wir unlängst in Spanien in eine nicht behindertengerechte Suite. Die Toilette stand zwischen einer ausladenden Fensternische und dem oberen Ende der Badewanne. Ich stellte mich in die Nische, die Kante der Badewanne diente mir als Stütze.

Genau so begannen wir unsere Reisetätigkeit im Jahre 1978, als es noch keine behindertengerechten Hotelzimmer gab…

…Frankreich war zu jener Zeit praktisch unzugänglich, denn von dort kommt das vornehme <Cabinet> - ein abgetrenntes Räumchen innerhalb des Badezimmers, zugänglich durch eine 50 bis 60 Zentimeter breite Türe. Es bleibt uns versperrt. Das gibt es nichts mehr zu improvisieren.

Ich wünsche trotz allem schöne Ferien!

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«Welcome back!»

Die Gipfelstürmer sind zurück!

Nach einem längeren 'Winterschlaf' sind die Gipfelstürmer um Dr. Hans Georg Koch, René Wildi, Andrea Glässel und Nikola Angelov wieder voll in Aktion!


Als erstes Ziel nach einer rund sechsmonatigen Pause haben wir uns das erste Mal einen Gipfel im Jura ausgesucht – den Solothurner 'Hausberg' Weissenstein, von wo aus man bei guten Sichtverhältnissen das ganze Mittelland und fast die gesamte Alpenkette überblicken kann!


Treff- und Ausgangspunkt unseres Ausflugs war der Solothurner Bahnhof, wo wir verschiedene Medienvertreter, die sich für unser Projekt interessierten, begrüssen durften. Für die «Solothurner Zeitung» gesellten sich Noëlle Karpf (Text) und Hanspeter Bärtschi (Bilder) zu uns, für «Radio 32» war Livia Middendorp vor Ort und für «Tele M1» resp. «Telebärn» berichtete Christof Gerber.


Erst allerdings mussten sich die Teilnehmer im örtlichen Café eine kleine Stärkung gönnen, um sich physisch und psychisch auf die bevorstehende Tour einzustimmen.

Hier stiess auch unser Begleiter im Rollstuhl zu uns: kein Geringerer als Rollstuhlsport-Legende und Präsident der Gönnervereinigung, Heinz Frei!

Heinz Frei ist in der Nähe von Solothurn zuhause, und wie für viele von uns war es auch für ihn das erste Mal, dass er seinen 'Hausberg' mit der neuen Weissenstein-Seilbahn besuchte.


Dermassen gestärkt machten wir uns also auf, um mit öffentlichen Verkehrsmitteln (öV) den Weissenstein zu erstürmen! Um zur Talstation der Bergbahn zu gelangen, muss man mit der SBB-Linie Solothurn-Moutier bis nach Oberdorf fahren.

Die Zukunft dieser Linie steht allerdings auf der Kippe; offenbar sind die Auslastung zu gering und die Kosten für eine Sanierung der etwas maroden Strecke zu hoch. Ob im Falle einer Schliessung der Linie die Talstation der Weissensteinbahn mit einer Busverbindung ab Solothurn erschlossen werden wird, wird sich ab dem Jahre 2020 zeigen.


Aber um es vorweg zu nehmen: Für Rollstuhlfahrer ist es unter den jetzigen Bedingungen sowieso nicht empfehlenswert, mit der Bahn nach Oberdorf zu fahren – wie dieser Bericht dokumentieren wird!

In Solothurn ist eigentlich noch alles bestens (wie obiges Bild zeigt); der Einstieg in die Bahn erfolgt fast schwellenlos, die kleine Spalte bis zum Wagen ist für einen geübten Rollstuhlfahrer oder mit etwas Hilfe kein Problem; auch die Türen der Bahn öffnen sich weit, und im Wagen selbst hat es genügend Platz.


Das eigentliche Problem stellt der Bahnhof «Oberdorf» dar: Obwohl der Zug hier nach links geneigt ist, bestehen doch ca. 20cm Höhenunterschied zwischen Bahn und Perron – selbst für einen Könner wie Heinz Frei eine echte Herausforderung, ja ein Risiko! Hier muss man einfach sagen: so etwas geht ohne Hilfe nicht – von Elektrorollstühlen wollen wir gar nicht erst reden!

Darüber hinaus gibt es auf diesem Bahnhof auch keine Rampen, kein Rollstuhl-WC, einfach nichts…

Fazit: Eine Anreise mit der Bahn zur Talstation ist selbständig nicht machbar und selbst mit Hilfe nicht empfehlenswert!


Dabei wäre die Anbindung mit öV an die Weissenstein-Seilbahn doch optimal – wie dieses Bild zeigt: links die «Haltestelle Oberdorf», keine 50m entfernt davon die Talstation!

Was man hier allerdings auch sieht, das ist der grosszügige Parkplatz!


Und auf diesem Parkplatz sind gleich neben dem Eingang zur Talstation 4 Parkplätze für Rollstuhlfahrer reserviert. Bis auf weiteres muss man also feststellen: Wenn mit der Seilbahn auf den Weissenstein, dann mit dem Auto anreisen...


Betritt man den Eingangsbereich der Talstation, fallen einem zuerst die beiden uralten Doppelsessel auf – eine Referenz an die frühere Seilbahn!

Links geht es zu Fuss zum Billettschalter und zur Bahn hoch, in der Mitte des Bildes sehen wir den Lift, der uns im Rollstuhl nach oben bringt, und rechts – mit einer Holztäferung eingekleidet – befinden sich die Damen-, Herren- und Rollstuhl-WCs.


Dann geht es in die Gondeln! Das Tempo der Gondeln lässt sich so stark reduzieren, dass der Ein- und Ausstieg problemlos zu bewältigen ist. Die Türen sind 79cm breit, die Sitzbänke hochklappbar; so lassen sich gut 2 Rollstühle pro Gondel transportieren. Für sehr breite Elektrorollstühle könnte es dennoch knapp werden.


Und schon geht es Richtung Gipfel! Ein Blick zurück zeigt uns noch einmal die Situation bei der Talstation mit dem etwas futuristisch anmutenden Gebäude in der Mitte des Bildes.

Gleichzeitig können wir erkennen, dass die Gondeln so konstruiert sind, dass man ringsum freie Sicht hat.

Wer jetzt etwas Höhenangst kriegt oder sich Sorgen macht, was denn alles passieren könnte, falls die Bahn stehen bleiben sollte, muss sich nicht fürchten,…


… denn die Weissenstein-Seilbahn hat auch für diesen Fall vorgesorgt! Schon vor der Inbetriebnahme nämlich hat man da ein Notfall-Szenario durchgespielt, in dem ein Rollstuhlfahrer aus einer Kabine 'gerettet' werden musste. Man darf der Bahn also durchaus vertrauen! ;-)

(Bild z.Vfg. gestellt von Konrad Stuber, Betriebsleiter der Weissenstein-Seilbahn)


Die Fahrt auf den Weissenstein via die Mittelstation Nesselboden (ohne umsteigen zu müssen) dauert ungefähr 15 Minuten. Zeit genug also, um die Aussicht zu geniessen oder – wie hier im Bild – ein ausführliches Interview zu geben: Livia Middendorp von Radio 32 befragt hier gerade den wissenschaftlichen Leiter unseres Projekts, Dr. Hans Georg Koch.

Im Hintergrund sehen wir bereits das Ziel unserer Reise: Das Hotel und Kurhaus Weissenstein!


Der Weissenstein ist ja nicht wirklich ein einzelner, in die Höhe ragender Gipfel, sondern eher ein langgezogener Bergrücken, auf dem an einer Stelle das Kurhaus thront. Dieses ist inzwischen doch etwas in die Jahre gekommen, und wenn alles nach Plan läuft, dann sollte ein Teil des Hotels ab nächstem Jahr durch einen Neubau ersetzt werden. Das würde dann auch gleich Gelegenheit bieten, die heute nicht optimal rollstuhlgängige Situation beim Hotel zu verbessern.


Erst aber kommen wir bei der Bergstation an. Auch hier ist es für Rollstuhlfahrer einfach zu manövrieren.


Von der Bergstation führt ein (seit kurzem) asphaltierter Weg mit max. 6% Steigung hoch zum Kurhaus. Heinz Frei wird hier genau beobachtet von Noëlle Karpf und Hanspeter Bärtschi (Solothurner Zeitung) sowie von Christof Gerber (Tele M1 / Telebärn).

Im Hintergrund sieht man in der Bildmitte einen gelben Punkt. Dies ist der Ausgangspunkt des Planetenwegs.


Die gelbe Kugel symbolisiert die Sonne, und im Grössenverhältnis von 1:1 Milliarde sind die Planeten unseres Sonnensystems um dieses Zentrum angeordnet. Lange Abschnitte dieses Weges lassen sich auch im Rollstuhl gut befahren.

Links sieht man die Bergstation und ganz am Rand das Kurhaus, rechts öffnet sich der Blick zu einem weiteren Gasthof und einem der vielen Wanderwege (im Hintergrund), die sich auch im Rollstuhl bewältigen lassen.


Will man mit dem Rollstuhl ins Hotel und Restaurant gelangen, tut man dies via den Haupteingang über eine kleine Rampe.


Will man hingegen direkt auf die Terrasse fahren (vom Restaurant auf die Terrasse hat es 3 hohe, schwer überwindbare Stufen), dann muss man den Weg um das Kurhaus herum nehmen. Nicht immer ganz einfach, vor allem wenn der im Hintergrund sichtbare Parkplatz total verstellt oder der Boden durch Regen aufgeweicht und matschig ist.


So sieht dann die Situation von Osten her gesehen aus: rechts das Kurhaus und links die langgezogene Terrasse.


Von Westen her betrachtet sieht man die obere (bedient) und die untere Terrasse (Selbstbedienung). Letztere ist für Rollstühle nicht zugänglich.


Will man jetzt von der Terrasse her direkt ins Restaurant, so muss man im Rollstuhl erst einmal 3 happige Stufen überwinden – auch für einen geübten Rollstuhlfahrer nur mit Hilfe machbar!

Dabei wäre gerade hier mit wenig Aufwand viel zu verbessern: eine kleine mobile Rampe würde genügen, und schon könnte man auch im Rollstuhl selbständig hinein- und herausfahren!


Nach einer ersten Analyse der Situation vor Ort wollen die Gipfelstürmer und ihre Begleiter natürlich auch das kulinarische Angebot des Restaurants testen, um sich dann gestärkt der weiteren Feldforschung widmen zu können!

Zum Restaurant lässt sich kurz sagen: sehr gutes Preis-Leistungs-Verhältnis bei breiter Menü-Auswahl – inklusive Top-Aussicht bei schönem Wetter!

Im Restaurant selbst kann man sich im Rollstuhl hindernisfrei bewegen (bei grossem Besucherandrang kann es dann natürlich, wie in jedem Restaurant, ein wenig eng werden); ein Rollstuhl-WC hat es ebenfalls (im Damen-WC).


Was gibt es nun aber alles zu sehen und zu tun auf dem Weissenstein? Die meisten Besucher gehen wohl auf den Weissenstein, um von der Terrasse aus die Aussicht zu geniessen.

In der Sommersaison lassen sich oft Gleitschirmflieger beobachten, welche die Wiese unterhalb des Kurhauses als Startplatz für ihre Flüge benutzen.


Auf der Terrasse ist auch eine grosse Panoramatafel angebracht, wo man sich über die sichtbaren Gipfel der Alpenkette orientieren kann. Für Rollstuhlfahrer allerdings ist diese (wie auch das Fernrohr im Hintergrund) zu hoch angebracht.


Dann ist der Weissenstein natürlich ein beliebtes Wandergebiet mit einer Fülle von Wanderwegen unterschiedlicher Schwierigkeitsgrade. Auf der Nordseite sind einige davon auch für Rollstuhlfahrer gut zu meistern.


Auch die kleine Kapelle gleich unterhalb des Kurhauses ist im Rollstuhl erreichbar. Allerdings ist der Weg dahin ziemlich holperig und sehr steil – also nur mit Hilfe zu machen.


Gleich bei der Terrasse findet man einen kleinen 'Juragarten' mit Pflanzen, die für diese Gegend typisch sind. Zugänglich ist dieser Garten allerdings nur für Fussgänger.

Auch auf Biker und Downhill-Biker wirkt der Weissenstein wie ein Magnet… und im Winter – wenn es denn wieder einmal genügend Schnee hat – kann man den Berg hinunter schlitteln.


Nach unserer Inspektion des Gipfels geht es wieder zurück Richtung Solothurn. Doch bevor wir wieder an den Ausgangspunkt unserer Reise gelangen, gilt es nochmals die eine oder andere 'Hürde' zu überwinden!


Bei der Talstation angelangt, müssen wir ja wieder den Zug zurück nehmen. Da es, wie gesagt, beim Bahnhof keine Unterführung mit Rampen hat, müssen die Geleise trotz Verbot direkt überquert werden.


Und ganz zum Schluss wartet dann ein veritabler Kraftakt auf unsere Begleiter: 40 cm Höhenunterschied müssen bewältigt werden, um Heinz Frei mit seinem Rollstuhl in die Bahn zu hieven!


Zum Schluss lässt sich festhalten: Wenn man im Rollstuhl auf den Weissenstein gelangen will, dann verzichtet man vernünftigerweise auf die Anreise im Zug und nimmt stattdessen den PW.

Die Seilbahn ist ausgezeichnet auf Rollstuhlfahrer vorbereitet, das Restaurant bietet guten Service und feines Essen – und all das wird bei schönem Wetter noch versüsst durch die wunderschöne Aussicht aufs Mittelland und auf die Alpenkette im Süden!


Viel Spass beim Erproben dieses Ausflugs und bis bald!


Die Gipfelstürmer


Anhang 1: pdf-Checkliste Weissenstein

Anhang 2: Radio 32 Mittagsbericht

Anhang 3: Radio 32 Abendbericht

Anhang 4: Tele M1 / Telebärn Reportage

Anhang 5: Panoramabild Weissenstein (jpg)

Online Beitrag vom Solothurner Tagblatt:

www.solothurnerzeitung.ch/solothurn/kanton-solothu...


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«Benvenuti al Sud!»


Dies darf man zurecht ausrufen, denn die Gipfelstürmer haben zum ersten Mal das Tessin besucht und dabei eine Erstbesteigung des Monte San Salvatore im Rollstuhl durchgeführt!



Der San Salvatore ist gewissermassen der 'Hausberg' von Lugano, und von hier aus - so hat man uns versichert - kann man bei schönem Wetter bis hinunter nach Palermo in Sizilien sehen…


Nun, das stimmt natürlich nicht! Aber bis in den Süden nach Mailand soll die Sicht reichen – auch wenn man wohl lediglich die Dunstglocke der Stadt wird erahnen können.


Wir (Dr. Hans Georg Koch und René Wildi) starten bei unserem Ausflug in Zürich; die Rollstuhlfahrer (Gian Paolo Donghi und Katia Martini, beide im Tessin wohnhaft), die uns auf den Berg begleiten, treffen wir in Lugano, zusammen mit Michele Vodola, dem Vize-Präsidenten des Rollstuhlclubs 'Insuperabili' – 'den Unbezwingbaren'.



Michele ist es auch, der uns einen bequemen Transport im Vereinsbus an den Fuss des Monte San Salvatore ermöglicht. Gewiss hätten wir auch den Bus Nr. 2 vom Bahnhof bis nach Paradiso-Geretta nehmen können – aber wer sagt schon 'Nein!', wenn man so zuvorkommend behandelt wird?!



Und so sind wir denn in Windeseile bei der Talstation der Funicolare, am Fusse von Luganos Hausberg.



Reist man mit dem öV an, dann muss man von der Busstation noch ungefähr 200 Meter bis zur Bahn zurücklegen. Mit dem Auto fährt man direkt vor das Gebäude, wo ein Behindertenparkplatz zur Verfügung steht.



Bei der Talstation empfängt uns Francesco Markesch (mit dem Rücken zur Kamera), Betriebsleiter der San-Salvatore-Bahn, und begleitet uns einen Nachmittag lang auf unserer Erkundungstour auf dem Berg.

Der Haupteingang der Talstation – wie auf dem Bild ersichtlich – ist nicht rollstuhlgängig, weshalb es sinnvoll ist, die Fahrkarten von einer Begleitperson besorgen zu lassen. Dies allerdings zu ausserordentlich günstigen Konditionen: Rollstuhlfahrer reisen zum halben Tarif, eine Begleitperson sogar gratis!

Der Zugang zur Bahn erfolgt für Rollstuhlfahrer durch ein Tor in der Schranke rechts vom Gebäude:



Dann geht es eine kleine Rampe hoch …



… und mit etwas Hilfe hinein in die Standseilbahn.



Und schon ist man unterwegs, hoch hinauf über die Dächer von Lugano-Paradiso!



Bei der Zwischenstation gilt es umzusteigen. Eine kleine 'Hebebühne' sorgt für den Anschluss an den zweiten Teil der Bergbahn.



Bei der Ankunft in der Bergstation dann sorgt ein Treppenlift für den Transport hinauf in Richtung Bergrestaurant.



Hier sehen wir den Eingangsbereich der Bergstation. Die Wege hier sind eben und hindernisfrei.



Etwas von oben betrachtet sieht man, dass die Bereiche unmittelbar um das zentrale Gebäude überall gut zugänglich sind. Das Restaurant inkl. Veranda befindet sich im Erdgeschoss (im Obergeschoss hat es Konferenzräume), hinter dem Gebäude liegt die grosse Terrasse mit Südsicht, und gleich rechts neben dem Bau hat es einen grosszügigen Picknickplatz.



Fährt man an diesem Picknickplatz vorbei, führt eine Rampe zur Aussichtsterrasse.



Direkt daneben gibt es einen Kinderspielplatz, wo sich die Jüngeren zwischendurch ordentlich austoben können.



Wie gesagt: alle Bereiche im und direkt um das Gebäude sind hindernisfrei – bis auf eine kleine, aber eher unbedeutende Stufe, die wir direkt beim Eingang zum Restaurant entdeckt haben.



Um uns ein wenig für den bevorstehenden Gipfelsturm zu stärken, setzen wir uns erst einmal hin, um den angebotenen Tagesteller zu geniessen. Dieser kann übrigens sozusagen als 'Kombi-Abo' zusammen mit der Fahrkarte zu einem sehr günstigen Preis erworben werden!



Bevor es dann endgültig losgeht Richtung Gipfel, müssen wir unbedingt noch einen kurzen Blick ins Rollstuhl-WC im ersten Stock werfen – gemäss Aussage des Betriebsleiters das 'schönste WC der Schweiz'!

Nun, über diese Aussage kann man natürlich geteilter Meinung sein, denn das schönste WC haben wir bei einem früheren Ausflug ja bereits erkoren…

Aber was sicher stimmt: die Aussicht aus dem grossen Fenster ist bestimmt sehr speziell – vielleicht 'die schönste Aussicht aus einem Rollstuhl-WC in der Schweiz'?!



Dann geht es aber los mit unserer Inspektionstour hin zum Gipfel!

Verlässt man als Rollstuhlfahrer den Bereich unmittelbar ums Restaurantgebäude und will auf eine der beiden Aussichtsplattformen südlich oder nördlich der Anlage gelangen, dann ist man zwingend auf Hilfe angewiesen.

Hier helfen Dr. Hans Georg Koch und Michele Vodola unserer Begleiterin im Rollstuhl, Katia Martini, auf jene Terrasse zu gelangen, von welcher aus man einen schönen Ausblick auf Lugano geniessen kann.



Dort angekommen, gönnen wir uns eine kurze Verschnauf- und Fotoshootingpause.



Nicht nur die Landschaft ringsum kann man da betrachten, sondern auch diverse historische Werbeplakate, die im Rahmen einer Ausstellung an verschiedenen Orten platziert sind.



Dann geht es aber mit Muskel- und Krafteinsatz wieder weiter Richtung Gipfel. Die Treppenstufen sind mit etwas Hilfe zu meistern, genau wie auch der teilweise ziemlich steile Weg nach oben:



Ob abwärts oder aufwärts: der Weg ist breit genug für einen Rollstuhl, seitlich gesichert und mit Unterstützung machbar.



Was allerdings nicht 'machbar' ist im Rollstuhl, das sind die zahlreichen kleinen Pfade, die das Gelände durchziehen – oder wie hier der Zugang zum kleinen Museum: die Treppe zu steil, Weg und Eingang ins Museum zu eng. Ebbene… man muss/kann nicht alles haben!



Doch dann geht es weiter hinauf bis zum Gipfel des Monte San Salvatore. Und dass dieser Moment feierlich auf einem Bild festgehalten werden muss, das hat seinen Grund: Glauben wir Francesco Markesch, dann haben wir soeben die Erstbesteigung des San Salvatore im Rollstuhl durchgeführt! Wenn das kein Grund für ein Erinnerungsfoto ist?!



Für Rollstuhlfahrer ist hier nun aber der Gipfelsturm zu Ende. Fussgänger können noch auf die Plattform auf der kleinen Kirche in der Bildmitte hinaufsteigen. Deren Türen sind eng, die Treppen schmal und steil, aber ist man oben angelangt, dann hat man einen 360°-Ausblick auf die gesamte Umgebung:



Aber egal, ob man als Rollstuhlfahrer oder als Fussgänger unterwegs ist: die Panoramas, die sich dem Betrachter bieten, sind so oder so äusserst eindrücklich!


In dem Sinne können wir sagen:


«Arrivederci Monte San Salvatore – auf ein baldiges Wiedersehen!»


Die Gipfelstürmer


PS: Die Gipfelstürmer gehen nun in die Winterpause – leider! Die nächsten Berichte werden dann wohl ab Frühling 2016 erscheinen. Guten Winterschlaf!


Anhang 1: pdf-Checkliste San Salvatore

Anhang 2: Presse-Artikel 1 (jpg)

Anhang 3: Presse-Artikel 2 (jpg)

Online Beitrag von tio.ch: http://www.tio.ch/News/Ticino/Attualita/1054548/In-sedia-a-rotelle--Alla-conquista-delle-vette-

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'Form Follows Function' lautet ein Credo in der architektonischen Gestaltung – d.h. die Form eines Gebäudes hat sich in erster Linie an der Funktion eines Gebäudes auszurichten.


Die von Stararchitekt Mario Botta entworfene Bergstation von Glacier 3000 tut dies. In ihrer Gestaltung erinnert sie an eine im ewigen Eis der Antarktis platzierte Forschungsstation. Eine passende Form also für Wintersportler oder Sommerwanderer, die an der Grenze zum ewigen Eis ihre eigenen Grenzen ausloten wollen.


An Rollstuhlfahrer allerdings wurde – meines Erachtens – bei der Gestaltung des Baus weniger konsequent gedacht. Aber der Reihe nach…



Bei unserer sechsten Erkundungstour waren wir auf dem Scex Rouge, dem Gipfel des zu 'Glacier 3000' gehörenden Wander- und Skigebietes zwischen Gstaad und Les Diablerets, gleich oberhalb des Col du Pillon, wo sich auch die Talstation der Bergbahn befindet.


Unsere Reiseroute führte uns mit dem Zug von Bern via Zweisimmen nach Gstaad und von da aus weiter mit dem Bus auf den Col du Pillon.



Mit der BLS fährt man von Bern problemlos und hindernisfrei bis nach Zweisimmen. Dort gilt es umzusteigen auf den 'Goldenpass' nach Montreux. Dieser Zug fährt mal als Regionalzug, mal als Direktzug in der 'Panoramic'- oder, wie bei uns, in der 'Classic'-Variante auf dieser Strecke. Die 'Classic'-Waggons sind zwar heimelig (siehe Bild oben), aber für Rollstühle untauglich. Entweder man nimmt mit einem Platz im Material-Waggon vorlieb, oder dann wählt man einen anderen Zug aus mit etwas mehr Platz.



In Gstaad erfolgt der Wechsel vom Zug auf das Postauto. Der Bahnhof ist für Rollstuhlfahrer gut eingerichtet – Rollstuhllift für den Ein- und Ausstieg beim Zug (unbedingt reservieren!), Personenlifte auf allen Perrons, schwellenfreie Zugänge zu allen Bereichen des Areals.


In der Bildmitte sehen wir das Bahnhofsgebäude mit den Toiletten (Eurokey!). Hinter dem Gebäude hat es einen grösseren Parkplatz mit zwei separaten Plätzen für Rollstuhl-PW.



Nach rund 30-minütiger Fahrt im Postauto erreichen wir den Col du Pillon und damit die Talstation von Glacier 3000.


Parkplätze für PW hat es da genug, speziell markierte Bereiche für Rollstuhl-PW allerdings haben wir keine gesehen – vielleicht deshalb, weil gerade ein grosser Bereich des Platzes frisch geteert wurde.



Bei der Talstation fanden sich dann auch alle Teilnehmer unserer Expedition auf den Scex Rouge ein – inklusive eines Reporterteams vom 'Télévision Suisse de la Romandie'.



Die Kabinen der Glacier-3000-Bahn sind sehr grosszügig konstruiert – 125 Fussgängern bieten sie Platz! Da hat es natürlich auch genügend Raum für mehrere Rollstühle und sogar das eine oder andere Haustier!



Die Fenster sind so angebracht, dass man auch im Rollstuhl sitzend perfekte Sicht auf die Berge ringsum hat.



Die Bergstation selbst ist ein Gebäudekomplex aus Station, zwei Restaurants, einem Souvenirladen und einer nach Südosten ausgerichteten Aussichtsplattform.


Restaurants und Plattform sind über die zwei Lifte im Gebäude problemlos zugänglich, aber wenn man von der Bergstation direkt auf den kleinen Vorplatz fährt, wo auch der grosse Souvenirladen an die Station angegliedert ist, dann ist bald einmal Schluss mit der Bewegungsfreiheit: der Laden ist nur über eine Treppe erreichbar, ebenso die 'höchstgelegene Rodelbahn der Welt', und die Wanderwege sind für Rollstuhlfahrer auch nicht erreichbar oder aber nicht rollstuhltauglich.


Wenn man sich nun auf die recht grosszügige Aussichtsterrasse im 2. Stock begibt (Bild oben), dann hat man tatsächlich eine tolle Sicht auf die Berner und Walliser Alpen. Fussgänger können durch die Hightech-Fernrohre (rechts der Bildmitte sieht man eins davon) die umliegenden Gipfel betrachten und kriegen gleich auch deren Namen eingeblendet; für Rollstuhlfahrer sind sie aber zu hoch angebracht.



Dafür gibt es für sie eine gut einsehbare Informationstafel zu den Gebirgszügen rundherum.



Die momentane Hauptattraktion von Glacier 3000 ist aber der Aussichtspunkt des Scex Rouge (Bildmitte) und der seit dem letzten Jahr bestehende 'Peak Walk', eine 107 m lange Hängebrücke zum benachbarten Gipfel…


Wie man auf obigem Bild erahnen kann, ist dieser Aussichtspunkt mit dem Zugang über eine Stahlbrücke, Galerie und steile Treppe im Prinzip nicht zugänglich für Rollstuhlfahrer…


Im Prinzip…



… aber unsere Expeditionsteilnehmer wollten sich von diesen widrigen Gegebenheiten nicht abschrecken lassen und nahmen den Weg unter die Räder!



Nach einer kurzen Besprechung über die Machbarkeit des Vorhabens und mögliche Transportarten ging es dann gipfelwärts…



… entweder von kräftigen Händen getragen im Rollstuhl oder …



… im Huckepack-Verfahren – ebenfalls von kräftigen Händen getragen!


Wenn ich mir hier allerdings eine persönliche Bemerkung erlauben darf: Ich würde dieses Vorgehen NICHT unbedingt zur Nachahmung empfehlen! Die Treppe ist lang und steil, ein kleiner Ausrutscher genügt, und man findet sich etliche Meter weiter unten wieder…


Aber alle unsere Teilnehmer waren sehr sportlich und kräftig, dazu natürlich sehr motiviert, und so glaubten sie, das Risiko verantworten zu können.



Auch der 'Peak Walk' wollte erobert sein, und so kämpften wir uns denn durch die immer wieder herbeiziehenden Wolkenfetzen hin zum zweiten Gipfel.



Mitten in den Wolken sieht man natürlich nicht wahnsinnig viel von der umliegenden Landschaft, aber wenn man an einem schönen Tag den Weg nach da oben findet, dann bietet sich auf dem 'Peak Walk' schon ein toller Ausblick in alle Himmelsrichtungen (hier nach Westen)!


Dreht man sich dann um und blickt Richtung Osten, dann sieht es so aus:



Hinter dem Scex Rouge in der Bildmitte türmen sich die Berner und Walliser Alpen auf.



Überhaupt bietet der Scex Rouge eine sehr schönes Panorama in alle Richtungen – nicht nur wie hier nach Südosten (eine ca. 210°-Aufnahme)…



… sondern auch nach Nordwesten!



Unsere Expeditionsteilnehmer allerdings wurden immer wieder von Wolkenschwaden heimgesucht. Doch das tat der Stimmung in der Gruppe keinen Abbruch! Hier sehen wir in der hinteren Reihe (v.l.n.r.) Hugues Buchard (Kameramann vom TSR), Nikola Angelov, René Wildi, Dr. Hans Georg Koch, Didier Dvorak (Ehemann von Silke Pan) und Pascale Defrance (Reporterin vom TSR), vorne Silke Pan und Sébastian Tobler, unsere Begleitpersonen im Rollstuhl. Das Bild aufgenommen hat Guillaume Roud, Presseattaché des SPV in der Westschweiz.



Nach so viel Wolken, Wind und kalter Witterung hatten wir alle einen kleinen Imbiss verdient…


… denn in der Bergstation gibt es zwei leicht zugängliche Restaurants: ein bedientes (im 4. Stock) sowie ein Selbstbedienungsrestaurant im 3. Stock. Beide Restaurants haben grosse Fensterfronten, so dass man also auch an der Wärme sitzend die Aussicht geniessen kann – vorausgesetzt natürlich, man sitzt nicht gerade mitten in einer Wolke drin…



… Und dann, dann ging es doch langsam wieder zurück in die Wolke und in die Niederungen des Col du Pillon, um von da aus die Heimreise anzutreten.


Fazit: Allen Teilnehmern hat die Exkursion viel Vergnügen bereitet. Alle Bereiche in der Bergstation sind frei und leicht zugänglich. Aber die Bewegungsfreiheit um die Bergstation ist für Rollstuhlfahrer doch ziemlich stark eingeschränkt. Scex Rouge / Glacier 3000 mag im Sommer für Wanderer, im Winter für Schneesportler ein kleines Paradies sein, aber wenn man bedenkt, dass eine Fahrkarte für Erwachsene (ohne GA oder Halbtax) auf den Gipfel und zurück Fr. 79.- kostet, dann stimmt meines Erachtens das Preis-/Leistungsverhältnis für Rollstuhlfahrer nicht ganz.


Dies war's also für den Augenblick von unserer Seite. Bevor nun der Winter auch in den tiefen Lagen des Landes über uns hereinbricht, wollen wir uns noch einmal in den milden Süden wagen. Dann gibt es hoffentlich bald den ersten Reisebericht aus der Schweizer Sonnenstube!


Die Gipfelstürmer


- Anhang 1: Scex Rouge pdf-Checkliste

- TV-Bericht des Westschweizer Fernsehens vom 13. Oktober 2015 unter: http://www.rts.ch/play/tv/19h30/video/vd-des-personnes-en-chaise-roulante-testent-laccessibilite-des...


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'Neapel sehen und sterben!' So heisst ein bekanntes Sprichwort…



… aber eigentlich müsste es heissen: 'Muottas Muragl sehen und sterben!'

Der Legende nach soll sich ja der liebe Gott nach 6 Tagen Schöpfungsarbeit am 7. Tag auf den Muottas Muragl gesetzt, die Landschaft um sich betrachtet und – tief bewegt durch das wunderschöne Oberengadin – 3 Tränen der Rührung vergossen haben, welche in der Folge die heute sichtbaren Seen der Oberengadiner Seenplatte bildeten.

Ob diese Legende stimmt oder nicht, vermag ich nicht zu sagen. Aber was ich sicher sagen kann, ist dies: dass Muottas Muragl zu jenen Orten in der Schweiz gehört, die man im Verlaufe seines Lebens einfach einmal gesehen haben muss.

Natürlich bin ich mit meiner Einschätzung alles andere als unvoreingenommen. Ich bin sogar mit meiner Einschätzung absolut und unwiderruflich voreingenommen! Schlicht und einfach deshalb, weil mir dieser Ort so gut gefällt.

Aber wir wollen ja hier nicht einfach ein billiges Werbe-Textchen über unsere letzte Exkursion im Rahmen der 'Operation Gipfelstürmer' präsentieren, sondern einen objektiven Bericht für all jene, die einmal einen (Tages-)Ausflug dorthin wagen wollen! Also…

Eigentlich beginnt die Reise aus dem Unterland auf den Muottas Muragl ja nicht erst im Oberengadin, sondern bereits viel früher. Von Zürich her kommend muss man sich z.B. fragen, ob man mit der (rhätischen) Bahn die Route von Landquart via Klosters und Sagliains nach Samedan wählt – ober ob man nicht doch lieber via Chur, Thusis, Tiefencastel und Bergün dorthin fährt. Auf der ersten Route ist man zwar ein wenig schneller unterwegs, via Chur reist man dafür auf der zum Weltkulturerbe gehörenden 'Albula-Linie'…



Und weshalb die Albula-Linie zum Weltkulturerbe gehört, merkt man spätestens dann, wenn man über das Landwasser-Viadukt in der Nähe von Filisur fährt. Aber das ist natürlich nur ein Höhepunkt auf der gesamten Reise mit der RhB von Chur nach Samedan.



In Samedan gilt es auszusteigen – der Rollstuhllift erwartet uns bereits. Die Waggons der RhB sind allerdings nicht optimal gerüstet für Rollstuhlfahrer. Die Standard-Türbreite beträgt 60 cm, der Zugang zum Innenbereich ist sogar noch enger. Dadurch muss man entweder im Vorraum des Waggons reisen – oder dann Vorlieb nehmen mit dem Postwaggon, wo dann auch problemlos Elektrorollstühle transportiert werden können, wo es allerdings auch deutlich lauter ist als in den normalen Waggons.



Von Samedan aus nehmen wir dann den Niederflurbus nach Punt Muragl. Der Bahnhof ist bestens gerüstet für Rollstuhlfahrer: Rampen, Lifte, WC, Kiosk, Restaurant… alles ist vorhanden.

Theoretisch könnten wir von Samedan aus auch die RhB Richtung Pontresina nehmen – einige neuere Waggons dieses Zuges haben einen fast schwellenlosen Zugang für Rollstühle. Aber die Umsteigezeiten sind etwas eng bemessen und das hauptsächliche Problem liegt bei der Bahnhaltestelle in Punt Muragl, denn diese ist für Rollstühle schlicht (noch) nicht eingerichtet.



Da fällt es viel einfacher, sich mit dem Bus direkt vor die Talstation der Muottas-Muragl-Bahn (MMB) fahren zu lassen – wie hier unsere Gipfelstürmer rechts unten im Bild!



Wenn wir bei der Talstation etwas genauer hinschauen, dann sehen wir im Vordergrund auch zwei Parkplätze exklusiv für Rollstuhlfahrer – vorbildlich! In der Bildmitte ist der Billetschalter, der allerdings infolge einer hohen Stufe (und mangels einer Rampe) für Rollstuhlfahrer nicht zugänglich ist – da ist also eine Hilfsperson gefragt! Links von der Kasse ist der Eingang für Fussgänger, rechts vom Schalter führt eine kleine Rampe vom Gebäuderand her zu der olivfarbenen Türe, durch welche man mit dem Rollstuhl zur Bahn gelangt.



In der Talstation erwarten wir dann die Ankunft der MMB, deren zwei oberste Abteile für Rollstühle zugänglich sind (Details vgl. Checkliste).



Und dann sind wir bereits unterwegs nach oben, auf den Muottas Muragl!

Zur Reise in der Standseilbahn muss man vielleicht noch anfügen, dass die Steigungsgrade während der Fahrt naturgemäss stets ein wenig wechseln und man sich daher im Rollstuhl sitzend ein wenig 'instabil' fühlen kann.



Oben auf Muottas Muragl wird man von einem nigelnagelneuen Treppenlift – der just auf diese Sommersaison hin in Betrieb genommen wurde – in Empfang genommen. Von da aus bewegt man sich dann im Rollstuhl nahezu hindernissfrei.

Der ganze Komplex mit Bergstation, -hotel und -restaurant wurde vor wenigen Jahren komplett renoviert, erweitert und sehr geschmackvoll eingerichtet (allein der Besuch des WC ist ein Erlebnis und ein Muss!) – nicht nur für Fussgänger, sondern auch für Rollstuhlfahrer: So ist Muottas Muragl z.B. die bisher einzige von uns besuchte Bergstation mit einem eigens für Gehbehinderte und Rollstuhlfahrer eingerichteten Zimmer im Berghotel.



Ein längerer Aufenthalt auf Muottas Muragl wäre also sicherlich bedenkenswert – doch im Grunde genommen geht man vor allem mit folgender Motivation dort hin: Um die sagenhafte Aussicht auf die Oberengadiner Seenplatte und die umliegenden Berggipfel zu geniessen! ...



… Oder um als Fussgänger die zahlreichen Wanderwege in diesem Gebiet zu begehen. Aber auch als Rollstuhlfahrer hat man ein gewisses Mass an Bewegungsfreiheit auf Muottas Muragl (siehe unten)!

Auf dieser Orientierungskarte sieht man übrigens auch, dass Muottas Muragl nicht wirklich ein 'Gipfel' ist. Vielmehr handelt es sich um einen Aussichtspunkt, der sich auf der einen Schulter des Piz Muragl befindet. Kein Grund allerdings, ihn – den Aussichtspunkt – nicht trotzdem erstürmen zu wollen!



Um als Rollstuhlfahrer auf die riesige Terrasse des Hotels zu gelangen, nimmt man den hoteleigenen Lift im Gebäude drin. Fussgänger können auch über die Aussentreppe dahin gelangen.



Die Aussicht von der Terrasse musste allerdings bei unserem Besuch erst einmal 'verdient' sein… ;-)

Begleitet wurden wir nämlich auch von mehreren Medienvertretern, die sich für unser Projekt interessierten. Hier im Bild sehen wir links David Spinnler (von rhätoromanischen Fernsehen), Andreas Overath (von der 'Engadiner Post') und rechts Nadja Simmen (vom Radio Südostschweiz) im Gespräch mit unserem Begleiter im Rollstuhl, Erwin Graf aus Chur.

Die Berichte der Medienschaffenden finden sich selbstverständlich im Anhang dieser kleinen Erzählung!



Wer war denn diesmal eigentlich mit von der Partie? Nun, Erwin Graf aus Chur, der uns im Rollstuhl begleitete, habe ich bereits erwähnt; für die wissenschaftliche Bestandesaufnahme und Auswertung waren diesmal Nikola Angelov, Dr. Hans Georg Koch und Johannes Kinast vom SPV zuständig; und als Berichterstatter und Fotograf waltete René Wildi (v.l.n.r.).



Natürlich wollten wir nicht nur wissen, was alles in der Bergstation und im Hotel möglich ist für Rollstuhlfahrer… sondern eben auch, was alles um die Bergstation machbar ist.

Wie bereits erwähnt ist Muottas Muragl in den Sommer- und Herbstmonaten ein kleines Paradies für Ausflügler und Wandervögel. Ein dichtes Netz an Wanderwegen unterschiedlicher Länge und Schwierigkeitsgrade durchzieht die Gegend.

Da es sich vorwiegend um Bergwanderwege handelt, sind die meisten Wege natürlich für Rollstühle wenig oder gar nicht geeignet. Aber unmittelbar um die Bergstation hat es doch einige Wege, die breit angelegt sind (wie diese hier) und auf einer Länge von ca. 800-1000 m befahren werden können.



Zuweilen geht es dann halt ein bisschen stark aufwärts – aber mit ein wenig Schubhilfe schaffen wir das gemeinsam schon!



So gewinnt man bald ein wenig an Höhe und kann aufs Tal und die Bergstation hinunterblicken. In der Bildmitte sehen wir das Berghotel und gleich rechts davon, unmittelbar hinter dem Gebäude, steht ein grosser Kinderspielplatz.



Wenn man sich mit dem Rollstuhl auf diesen befestigten Wegen noch ein wenig weiter wagt, dann kommt man auch an verschiedenen Kunstwerken vorbei: diverse, in der Landschaft platzierte Figuren, die präziseste Sonnenuhr der Welt… oder – wie hier – Aussichtspunkte für die höchsten Berggipfel der Umgebung.



Muottas Muragl ist allerdings nicht nur in der warmen Jahreszeit einen Besuch wert – auch im Winter lohnt es sich, hierher zu reisen. Die Aussicht mit den verschneiten Berghängen ist vielleicht sogar noch ein wenig imposanter!

Es gibt dann zusätzlich zu den Attraktionen im Sommer noch eine rassige Schlittelbahn hinunter nach Punt Muragl; für jene, die es lieber etwas gemütlicher nehmen, gibt es den Philosophenweg, …



… wo man und frau sich trefflich über den einen oder anderen Gedanken vergangener und gegenwärtiger Geistesgrössen unterhalten kann.



Auf dem Weg sind sogar Schweizer Dramatiker vertreten!



Und für alle jene, die es noch etwas entspannter haben wollen, finden sich diese in regelmässigen Abständen aufgestellten Sitzgelegenheiten, wo man die Seele so richtig baumeln lassen und das Panorama geniessen kann – carpe diem & panorama!


Was alles genau im Winter für Rollstuhlfahrer machbar ist, ist allerdings schwierig zu sagen… Die auf Muottas Muragl angelegten Wege werden vom Pistenfahrzeug breit und sehr solide gewalzt. Mit einem Schlitten oder einem mit Cross-Country-Bereifung ausgerüsteten Rollstuhl sollte der eine oder andere Weg sicher befahrbar sein (die entsprechende Erfahrung fehlt uns da aber).

Vielleicht sollte man es bei einem Besuch im Winter einfach so handhaben, wie Erwin Graf das im Interview gesagt hat: 'Einfach mal probieren – und wenn es nicht auf Anhieb klappt, kann man immer noch jemanden um Hilfe bitten.'



So oder so darf man aber sagen: Muottas Muragl ist ein Ort, wo sich Fussgänger und Rollstuhlfahrer wohlfühlen können!


Cordials salüds!


Die Gipfelstürmer


Anhang 1: Muottas Muragl pdf-Checkliste

Anhang 2: Bericht von Andreas Overath in der 'Engadiner Post'

Anhang 3: Audiobericht von Nadja Simmen im 'Radio Südostschweiz' (mp3)

TV-Bericht von David Spinnler im rhätoromanischen Fernsehen unter:

www.srf.ch/play/tv/telesguard/video/quant-accessib...

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Die 'Gipfelstürmer' haben sich das erste Mal in die Westschweiz gewagt – auf den Moléson in der Nähe von Gruyères im Kanton Fribourg, um genau zu sein!




Mit von der Partie auf unserer vierten Exkursion waren wieder Dr. Hans Georg Koch, Andrea Glässel und Nikola Angelov vom SPV für die wissenschaftliche Datenerhebung, Wilfried Kohrs als wissenschaftlicher Beirat – und als Fotograf und Berichterstatter René Wildi.

Sue Bertschy aus Düdingen (Kanton Freiburg) begleitete uns im Rollstuhl.

Auch die Presse interessierte sich für unseres Projekt! Die 'Freiburger Nachrichten' entsandte die Journalistin Mireille Rotzetter und den Fotografen Charles Ellena; für die 'Tribune de Genève' war die Journalistin Lucie Monnat vor Ort.

Eigentlich wollten wir mit den öffentlichen Verkehrsmitteln – und all dies natürlich in Begleitung einer Rollstuhlfahrerin – eine Reise von Bern über Fribourg, Bulle und Gruyères auf den Moléson und wieder zurück durchführen, aber … es kam dann etwas anders!

Da ich die Strecke zuvor bereits einmal rekognosziert hatte, musste ich von einem solchen Vorhaben dringend abraten. Die Eisenbahn-Waggons der 'Transports Publics Fribourgeois', die uns nach Gruyères hätten bringen sollen, sind schlicht nicht rollstuhltauglich!
Aus diesem Grund organisierten wir für unsere Begleiterin im Rollstuhl, Sue Bertschy, einen Fahrzeugtransport direkt zur Talstation der Moléson-Bergbahn.

Wenn man aber einmal in Gruyères ist, dann verläuft die weitere Reise auch im Rollstuhl problemlos. Ein Niederflurbus fährt direkt beim Bahnhof vorbei und bringt uns nach Moléson-sur-Gruyères.



Die Haltestelle des Postautos befindet sich etwa 200 Meter von der Talstation (Bildmitte) entfernt. Für Personenwagen (wie man hier sieht) hat es genügend Parkplätze. Allerdings war es bei unserem Besuch nicht einfach, spezielle Parkplätze für Rollstuhl-PW ausfindig zu machen. Auf dem ganzen Areal liess sich gerade mal ein einziger solcher Platz finden – und der war erst noch ungenügend gekennzeichnet...


Gute Orientierungshilfe bieten hingegen die vielen Schilder, die einem den Weg weisen zum gewünschten Ort.


Die Talstation der Bergbahn ist also einfach zu erreichen und mit dem Rollstuhl gut befahrbar. Auch der Einstieg in die Standseilbahn erfolgt problemlos.


Die Türen der Standseilbahn sind breit genug, die Abteile geräumig und mit Platz für mehrere Rollstühle. Zudem sind die Fenster sehr tief angebracht und man kann die Landschaft ringsum schon bei der Bergfahrt betrachten.
Hier auf dem Bild sind wir bei der Mittelstation der Bergbahn und es erfolgt gerade der Wechsel von der Standseilbahn auf die Luftseilbahn. Dazu muss ein kurzer Weg von ca. 50 Meter zurückgelegt werden.


Der Zugang zur Luftseilbahn erfolgt hindernisfrei, drinnen hat es Platz für ca. 60 Personen.


Oben auf dem Gipfel bilden Bergstation (Bildmitte Hintergrund), Restaurant (Bildmitte Vordergrund) und Aussichtsterrasse (auf der Bergstation) eine Einheit. Die Bewegungsfreiheit im Rollstuhl beschränkt sich auf den Bereich unmittelbar um das Restaurant und die Bergstation.


Etwas unterhalb der Bergstation befindet sich ein Picknickplatz für Fussgänger, die sich nicht im Restaurant verpflegen möchten. Für Rollstuhlfahrer ist der Platz kaum zugänglich.


Fährt man aus der Luftseilbahn heraus, so gelangt man rechts durch eine Türe auf eine Metallbrüstung, die ums Restaurant herumführt. Von dort aus hat man einen guten Blick Richtung Westen (im Hintergrund sieht man den Genfersee) und Norden bis hin zu den Juraketten. Leider war es bei unserem Besuch etwas dunstig, so dass unsere Blicke nicht ganz so weit schweifen konnten, wie wir uns das gewünscht hatten.


Die Wege rund um das Restaurant und die Bergstation sind zwar alle eben und gut befahrbar; auch hat man von da einen guten Rundblick auf die umliegende Bergwelt, … aber: Die eigentlichen Aussichtsterrassen auf der Bergstation (rechts der Bildmitte) sind leider nur für Fussgänger konzipiert.
Das ist jammerschade, denn von da oben hat man tatsächlich noch einmal einen deutlich besseren Ausblick aufs Greyerzerland ringsum als von der Terrasse vor dem Restaurant!
Und da sich alle Informationstafeln zum Panorama der Umgebung oben auf der Plattform befinden, kann man sich unten (wo solche Tafeln gänzlich fehlen) auch kein klares Bild machen über die Berggipfel rundherum.
Was also soll man tun?


Wir von der „Operation Gipfelstürmer“ entschieden uns für die handgreifliche Variante! Sue Bertschy liess sich von Nikola Angelov kurzerhand auf den Arm nehmen und zuoberst auf den Aussichtspunkt tragen!


Diese Aussichtsterrasse wäre nun wirklich für alle einen Besuch wert!
Man schwebt sozusagen in der Luft, und der Blick geht frei hinaus in alle Himmelsrichtungen.
Dass diese Plattform nur für Fussgänger gedacht ist, sieht man auf diesem Bild auch daran, dass die hier vorhandenen Informationstafeln zu hoch angebracht sind für Rollstuhlfahrer.
Auf dem Gruppenfoto sehen wir übrigens nebst den 'Gipfelstürmern' auch unsere BegleiterInnen von der Presse: Mademoiselle Monnat von der 'Tribune de Genève' (Bildmitte) sowie Frau Rotzetter und Herr Ellena (rechts von Sue Bertschy) von den 'Freiburger Nachrichten'.


Nach der spontanen 'Exkursion' auf die Aussichtsplattform wird Sue von kräftigen Burschen ganz behutsam wieder zurück nach unten getragen, …


… wo wir alle eine kräftigende Mahlzeit mit Fleisch- und Käsespezialitäten aus der Region verdient haben!


Für Kaffee und Kuchen geht es noch einmal zurück ins Selbstbedienungsrestaurant. Dieses ist für Rollstuhlfahrer gut befahrbar, und die meisten Artikel stehen oder liegen in Griffweite.


Will man allerdings mit dem Kaffee und Kuchen zurück auf die Aussenterrasse des Restaurants, dann hat man ein kleines Problem: diese Stufe hier ist mit dem Rollstuhl schlicht nicht überwindbar – und weit und breit ist keine mobile Rampe zu sehen (dabei wäre so etwas doch so einfach und günstig zu installieren!).


Aber das Personal auf dem Moléson ist sehr freundlich, bietet Hilfe an und bringt uns das Tablett mit Kaffee und Kuchen auf die Terrasse.


Wie bereits erwähnt, beschränkt sich der Bewegungsradius für Rollstuhlfahrer rund um die Bergstation. Für Fussgänger allerdings gibt es am und in der Nähe vom Moléson eine Fülle von Wanderwegen unterschiedlicher Schwierigkeitsgrade. Hier zum Beispiel stehen wir auf einem Hügel mit tollem Rundumblick, nur etwa 300 Meter von der Station entfernt. Hinter dem Restaurant sieht man einen weiteren 'Gupf', von wo aus man …


… dieses Panorama geniessen kann!

So, das war's für den Augenblick vom Moléson und den 'Gipfelstürmern'!
Bereits sind wir mit der Planung des nächsten Ausflugs beschäftigt. Wenn alles klappt, werden wir eine Reise nach Graubünden unternehmen – da gibt's ja Dutzende von Bergbahnen!
Wohin es genau geht, verraten wir allerdings (noch) nicht. Aber ihr könnt es bald schon mitverfolgen. Hier, im Paraforum!

À bientôt!

Die Gipfelstürmer

Anhang 1: Moléson Checkliste
Anhang 2: Zeitungsbericht der 'Freiburger Nachrichten' von M. Rotzetter (Text) und C. Ellena (Bilder)
Anhang 3: Zeitungsbericht der 'Tribune de Genève' von L. Monnat

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Fast scheint es so, dass jedesmal, wenn die 'Gipfelstürmer' wieder unterwegs sind, auch die Teilnehmerzahl am 'Gipfelsturm' wächst! :-)



Unsere dritte Exkursion hat uns auf den höchsten Berg der Ostschweiz, den Säntis, geführt. Mit dabei waren wie immer Dr. Hans Georg Koch, Andrea Glässel und Nikola Angelov vom SPV für die wissenschaftliche Datenerhebung, Wilfried Kohrs als wissenschaftlicher Beirat – und als Fotograf und Berichterstatter René Wildi.



Im Rollstuhl begleitete uns diesmal der Appenzeller Haarschmuck-Künstler Jakob Schiess.



Mit dabei war für einmal auch die Presse – Frau Frischknecht und Herr Manser vom St. Galler Tagblatt – und die Event-Managerin der Säntisbahn, Frau Broger.



Im Prinzip führten wir eine Rundreise durch, die am Zürcher HB begann und uns über Gossau, Urnäsch und die Schwägalp auf den Säntis führte. Auf dem Rückweg wählten wir die alternative Route von der Schwägalp über Nesslau, Wattwil und Rapperswil nach Zürich zurück.



Da unser Rollstuhlfahrer Jakob Schiess in Appenzell wohnt, sozusagen am Fusse des Säntis, verabredeten wir uns direkt auf der Schwägalp für die Überprüfung der Bergbahn – und die restlichen Teile der Rundreise beurteilten wir für einmal aus der 'Fussgänger-Perspektive'.




Für die Fahrt von Zürich nach Gossau im IC muss für den Ein- und Ausstieg ein Rollstuhllift reserviert werden. In Gossau erfolgt der Umstieg in die Appenzeller-Bahn. Für die Überwindung der steilen Stufen ins Zuginnere sind Rampen notwendig; die meisten Türen (im Gegensatz zu dieser hier) sind allerdings sehr schmal (ca. 53 cm!) und die Platzverhältnisse im Innern der Bahnwagen eher bescheiden. Für die Anreise mit öV empfehlen wir daher eher die Route über Rapperswil-Wattwil-Nesslau (siehe weiter unten).
Von Urnäsch fährt uns dann ein Niederflurbus direkt auf die Schwägalp.




Allerdings werden wir da von einigen Appenzellern doch ein wenig skeptisch empfangen...



Doch schon kurz nach unserer Ankunft werden wir in das eine oder andere 'Geheimnis' eingeweiht:




Auf der Schwägalp z.B. wird momentan kräftig gebaut; anstelle des früheren Berghotels 'Schwägalp' entsteht ein neuer Hotelbau (hinten) direkt neben der Talstation (links) der Säntisbahn. Während der Neubauphase ist die Talstation nur über eine Holzrampe (links hinter dem Postauto) zugänglich. Nach der Eröffnung des Neubaus (im Dezember 2015) werden das Hotel und die Talstation bequem über den zentralen Eingangsbereich (direkt hinter dem Postauto) zugänglich sein. Unmittelbar vor dem Eingang befindet sich nicht nur die Postauto-Haltestelle, sondern es stehen auch mehrere Parkplätze für Rollstuhl-PW zur Verfügung (Vordergrund).




Die Niederflur-Postautos sind mit etwas Hilfe oder mittels einer mobilen Rampe (im Postauto) problemlos zu befahren. Im Innern hat es Platz für ca. 2-3 Rollstühle.




Da es sich bei der Säntisbahn um eine Schwebebahn mit grossen Kabinen handelt, erfolgt der Ein- und Ausstieg natürlich auf bequeme Weise. Platz hat es im Innern der Kabine reichlich, und die Fenster sind tief genug angebracht, damit man auch als Rollstuhlfahrer schon bei der Bergfahrt die Landschaft ringsum geniessen kann.


Einmal oben angelangt, kann man sich auf den insgesamt 6 Stockwerken der Bergstation fast völlig hindernisfrei bewegen. Hier befinden wir uns im 4. Stock auf der südwestlich orientierten Plattform. Auf dem gleichen Stock befinden sich eine nordwestlich ausgerichtete Aussichtsplattform (auf dem Bild nicht sichtbar) sowie eine südlich orientierte Terrasse (Bildmitte). Direkt unterhalb davon ist das Panorama-Restaurant mit Bedienung (3. Stock) und nochmals ein Stock tiefer das Selbstbedienungsrestaurant mit grosser Sonnenterrasse im 2. Stock (Bildmitte unten).
Hinter der grossen Aussichtsplattform des 5. Stockes (etwas links der Bildmitte) sieht man einen verglasten Treppenaufgang, der zu einer weiteren, etwas kleineren Terrasse knapp unterhalb des Gipfels führt (wie übrigens auch die Treppen für Fussgänger rechts im Bild).


Dieser verglaste Treppenaufgang wäre eigentlich mit einem Treppenlift ausgerüstet... Aber dieser war bei unserem Besuch nicht in Betrieb. Offenbar verursachte der Lift immer wieder Probleme, sodass er von der Herstellerfirma kurzerhand stillgelegt wurde! Nun ist es natürlich nicht so, dass man als Rollstuhlfahrer unbedingt in jeden hintersten Winkel einer Bergstation oder eines Gipfels gelangen muss (zumal der Säntis ja viele Plattformen und Terrassen aufweist, von wo aus man eine ausgezeichnete Fernsicht geniessen kann), aber wenn der Lift schon installiert ist, dann dürfte man eigentlich auch erwarten, dass er vom Hersteller und Betreiber ordentlich instand gehalten wird!


Um trotzdem auf die kleine Terrasse am Ende der Treppe zu gelangen, langten deshalb ein paar kräftige Hände tüchtig zu und trugen unseren Rollstuhlfahrer kurzerhand nach oben!


Und tatsächlich offenbart sich da oben eine wunderbare Aussicht über Teile des Alpsteins und des Toggenburgs (Bildmitte), auf die Churfirsten und die dahinter liegende Alpenkette.


Und weil es von da nur noch ca. 20 Meter bis zum eigentlichen Gipfel sind, hievten die starken Helfer den Jakob gleich auch noch bis ganz zuoberst!


Auf dem Gipfel sieht man dann natürlich ungehindert in alle möglichen Richtungen. Hier zum Beispiel geht der Blick über das Alpsteingebiet nach Nordosten Richtung Rheintal. In der Bildmitte kann man den Seealpsee erkennen, der von Wasserauen über einen (allerdings teilweise ziemlich steilen) Weg erreichbar ist; im Vordergrund sieht man den 'Alten Säntis', der vor wenigen Jahren renoviert wurde und der über eine steile Treppe (nur für Fussgänger) oder eine teilweise verglaste Rampe auch für Rollstuhlfahrer bequem zu erreichen ist (Bildmitte unten).


Zu diesem Berggasthaus gelangt man direkt von der Bergstation, wenn man das Erdgeschoss durch die Hintertüre (die wie alle Aussentüren im Gebäude nur mit ziemlich viel Kraft zu öffnen ist) verlässt.


Der erste Teil des Weges ist zwar steinig, aber durchaus breit, bequem zu befahren und gut gesichert.


Dann geht es durch die verglaste Galerie abwärts (Gefälle über 10 %!) Richtung 'Alter Säntis'. Wenn man sich Zeit nimmt, kann man sich 'en passant' gleich noch an den an der Felswand angebrachten Tafeln zu Themen rund um den Säntis informieren.


Das Berggasthaus bietet nebst der schönen Terrasse und Aussicht auch eine solide, rustikale Küche.


Der Innenbereich ist ebenfalls rollstuhlgängig und wird über den Hintereingang mit einer Rampe erschlossen. Drinnen hat es auch ein Rollstuhl-WC (im Wickelraum); Übernachtungsmöglichkeiten bietet das Berggasthaus allerdings nur für Fussgänger.


Grund genug, auf der Terrasse eine kleine Pause einzulegen, das Panorama zu geniessen und ein währschaftes Appenzeller Zmittag einzunehmen - ...


… und dies alles im Schutz der Appenzeller Flagge!


Zurück in der Bergstation geht es noch einmal auf die verschiedenen Aussichtsplattformen. Fernrohre und Informationstafeln hat es da zwar viele, aber die Tafeln sind für Rollstuhlfahrer eher ein wenig zu hoch angebracht. Lesen lassen sich die Tafeln zwar gut, aber um das Gelesene auch im Gelände zu betrachten, muss man sich schon bücken und unter der Tafel durch schauen.


Nach unserer Rückkehr auf die Schwägalp machen wir noch einen kurzen Abstecher in die Alp-Käserei, die sich gleich vis-à-vis der Talstation befindet. Diese ist für Rollstuhlfahrer gut befahrbar und bietet eine breite Auswahl an (selbstverständlich) Käse und anderen lokalen Produkten.


Dann geht für die Fussgänger die Fahrt weiter mit dem Postauto nach Nesslau, wo wir den für Rollstuhlfahrer bestens eingerichteten 'Thurbo' nach Wattwil besteigen. Dort gilt es auf den 'Voralpen-Express' umzusteigen, der uns nach Rapperswil bringt. An beiden Orten gilt es, den Rollstuhllift rechtzeitig zu reservieren.


Rapperswil! Die Rosenstadt mit mediterranem Flair – zahlreiche kleine Gassen, viele farbige Restaurants, die zum Verweilen einladen... Es gibt gute Gründe, nur schon deswegen hierher zu reisen!


Vom Bahnhof sind es ca. 10 Minuten bis zur Anlegestelle des Schiffes – und da erwartet uns?


Wer hätte das gedacht? Der Säntis! Oder korrekter gesagt: die Säntis. Das Schiff, das uns zurückbringen wird nach Zürich – und erst noch bestens eingerichtet ist für Rollstuhlfahrer.


Wir lassen den Tag im Fahrtwind des Schiffes ausklingen und freuen uns bereits auf unseren nächsten Ausflug. Der wird uns wohl erstmals in die Westschweiz führen. Näheres folgt in Kürze!

Bis bald!

Die Gipfelstürmer

Anhang 1: Säntis Checkliste
Anhang 2: Bericht der 'Ostschweiz-am-Sonntag' über unser Projekt

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Die 'Gipfelstürmer' waren wieder unterwegs! Diesmal hat es uns ins Berner Oberland gezogen, auf den Niesen – um genau zu sein.
Von Bern aus fuhren wir mit der BLS nach Mülenen im Kandertal, und von dort aus weiter mit der Niesen-Standseilbahn auf die Bergstation Niesen-Kulm.
Mit von der Partie waren Dr. Hans Georg Koch, Andrea Glässel und Nikola Angelov vom SPV, sowie Christoph Kunz, seines Zeichens Goldmedaillengewinner an den Winter-Paralympics von Vancouver und Sotschi.
Hinter der Kamera war wieder René Wildi für die Dokumentation zuständig.




Der kleine Bahnhof Mülenen ist ausgezeichnet für Rollstuhlfahrer eingerichtet. Die Perrons sind hoch genug, damit man ohne Hilfe direkt aus dem BLS-Wagen hinausfahren kann.
In Bern hingegen liegen die Perrons etwas tiefer, sodass man für die BLS beim Einstieg etwas Hilfe, für viele SBB-Züge sogar den Rollstuhllift benötigt.



Auf beiden Seiten des Bahnhofs Mülenen hat es sowohl ein Treppe für Fussgänger als auch eine Rampe für Rollstuhlfahrer. Das Gefälle der Rampe ist etwas über 6 %, aber gut zu meistern.


Der Weg zur Talstation der Niesen-Bahn beträgt nur rund 200 m. Da pro Fahrt nur 2 Rollstuhlfahrer transportiert werden können, empfiehlt sich eine vorgängige Anmeldung!
Das Rollstuhl-WC und der Kiosk befinden sich hinter dem Billetschalter links von der Talstation.


Gleich bei der Talstation befinden sich auch zwei Parkplätze für Rollstuhlfahrer – für jene, die nicht mit dem öV anreisen wollen oder können.


Die Niesen-Bahn hat sich bei der Renovation der Anlage vor einigen Jahren grosse Mühe gegeben, die historische Standseilbahn auch für Rollstuhlfahrer besser zugänglich zu machen. Bei der Talstation führt rechts eine Rampe zum Einstiegsbereich der Seilbahn. Mit etwas Hilfe oder einer mobilen Einstiegsrampe gelangt man durch den 80 cm breiten Eingang in den Bahninnenbereich.


Bei der Mittelstation 'Schwandegg' gilt es die Seilbahn zu wechseln. Dies geschieht über einen eigens angebrachten Metallsteg.


Von der Standseilbahn führt ein erster Lift (hinten) zum Eingangsbereich der Bergbahn, und ein zweiter Lift (vorne) bringt Menschen mit einer Gehbehinderung hinauf zum Weg, der dann zum Berghaus und zum Gipfel führt.


Oben auf der Bergstation angekommen, sind die Ausflügler gerüstet für ihre Inspektion!


Der Weg von der Bergstation zum Berghaus und Restaurant ist praktisch ebenerdig, asphaltiert und gut gesichert.


Rund 200 m von der Bergstation entfernt steht das Berghaus 'Niesen Kulm'. Es bietet eine riesige Sonnenterrasse mit toller Aussicht, einen Glaspavillon mit Restaurant und eine abwechslungsreiche Küche. Abends finden hier regelmässig auch besondere Anlässe statt.


Einen kleinen Eindruck dessen, was es von der Terrasse aus zu bestaunen gibt, vermittelt dieses Bild ...


… und das müssen die Expeditionsteilnehmer natürlich auch geniessen!


Gleich neben dem Berghaus befindet sich übrigens das 'Niesedörfli' – ein Spiel- und Tummelplatz für Kinder.


Vom Berghaus führt der asphaltierte Weg weiter auf den Gipfel. Der Weg ist allerdings sehr steil (teilweise über 20 % Neigung) ...


… und nicht ganz ungefährlich, da er seitlich nicht gesichert ist und z.B. zwei Rollstühle kaum kreuzen können. Fazit: nur für sportliche Rollstuhlfahrer oder mit genügend Unterstützung machbar; für Elektro-Rollstühle nicht empfehlenswert (da Kippgefahr besteht).


Oben angekommen, öffnet sich auf dem Gipfel eine grosszügige Aussichtsplattform, auf der sich Rollstuhlfahrer frei bewegen können …


… und zusammen mit Fussgängern das Panorama geniessen können.


Der Gipfel bietet zahlreiche Informationstafeln zur Gegend, die auch für Rollstuhlfahrer gut einsehbar und nicht zu hoch angebracht sind.


Und dann ist da natürlich noch die fantastische Aussicht! Hier im Bild sehen wir z.B. den Thuner- und Brienzersee (links), die Berner Oberländer Bergriesen mit Eiger, Mönch und Jungfrau (Bildmitte), und weiter rechts das Blümlisalphorn und das Doldenhorn.


Hier geht der Blick runter auf das Berghaus Kulm und hinüber zu den teilweise in Wolken gehüllten Bergen; rechts der Bildmitte ist die Stockhornkette erkennbar und rechts unten im Tal Thun.


Nachdem wir die Aussicht tüchtig ausgekostet haben, kehren wir wieder zurück. Wie bereits erwähnt, ist der Weg zum/vom Gipfel sehr steil, und bei der Rückfahrt fällt das Bremsen im Rollstuhl nicht leicht – Handschuhe anziehen ist also empfehlenswert, damit es keine wunden Hände gibt!


Nach dem Ausflug auf den Niesen erholten sich die Fussgänger noch ein wenig von ihrem anstrengenden Gipfelsturm bei einem Zvieri im zauberhaften Rosengarten in Bern. Vielleicht werden wir bald schon einmal einen Bericht über diesen Ausflugsort veröffentlichen. Einen Besuch ist der Garten auf alle Fälle wert!


Auch für ein bisschen Aromatherapie hat die Zeit im Rosengarten noch gereicht, um für den nächsten Gipfelsturm (der uns auf den Säntis führen wird) gestärkt und gewappnet zu sein!


Herzliche Grüsse vom Gipfelstürmer!

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Auf Erkundungstour mit René Wildi, Hobbyfotograf und Tetraplegiker - René Wildi hat ein ambitiöses Ziel: Für das Online-Portal «Paraforum» will er zusammen mit Rollstuhlfahrern die Schweizer Bergwelt erkunden.



Worum geht es bei der «Operation Gipfelstürmer»?
Zusammen mit Rollstuhlfahrern und Begleitpersonen möchte ich via Bahn und Bus eine Serie von Bergbahnen und Bergstationen besuchen, diese auf ihre Rollstuhltauglichkeit überprüfen und die gewonnenen Informationen hier über das Online-Portal «Paraforum» allen Interessierten zugänglich machen. So können sich Menschen im Rollstuhl über lohnenswerte Ausflugsziele in der Bergwelt orientieren, über all die Dinge, die es da zu sehen und zu bewundern gibt, aber auch über allfällige Schwierigkeiten, die im Zusammenhang mit einer solchen Reise auftreten können. Die Erkundungstouren sollen zudem mit zahlreichen Fotos dokumentiert werden, damit jene, die Lust zu einem solchen Ausflug verspüren, bereits im Voraus wissen, was sie in etwa erwartet. In der Anlage dieser ersten Tour ist eine Checkliste über unseren Ausflug auf die Rigi angefügt sowie die Ankündigung der Operation Gipfelstürmer, erschienen in der aktuellen Ausgabe von Paracontact Juni 2015.



Unsere Reise beginnt so richtig beim Bahnhof Arth-Goldau. Mit von der Partie sind Dr. Hans Georg Koch und Harald Suter vom SPV (vor der Kamera) und René Wildi als Fotograf (hinter der Kamera).

Der Weg zur provisorischen Talstation der Rigi-Zahnradbahn in Goldau ist in ca. 10 Minuten zu bewältigen. Die Strecke ist teilweise etwas steil (Rampe der SBB-Unterführung) und an gewissen Stellen zu wenig gesichert.



Der Einstieg in die Bahn erfolgt über eine mobile Rampe. Das Personal ist sehr hilfsbereit und freundlich. Grössere Gruppen können einen Spezialwagen für max. 20 Rollstühle im Voraus reservieren.



In der Bahn selbst geniesst man auch im Rollstuhl eine tolle Aussicht auf die umliegende Landschaft.



Gleich bei der Bergstation Rigi Kulm befindet sich ein Kiosk, ein kleines Selbstbedienungsrestaurant (Mitte) und das Hotel mit der Terrasse (Hintergrund). Etwas Vorsicht ist beim Überqueren der Geleise angezeigt.

Ebenfalls gleich bei der Bergstation befindet sich ein Sanitätsposten (Bildmitte) und dahinter (rechts) ein Behinderten-WC (in der Damentoilette).



Durch einen Verbindungstunnel gelangt man zum grossen Transportlift, der zum Bergrestaurant und zur Terrasse führt. Achtung! In der Zwischensaison ist dieser Tunnel und der Lift geschlossen, Hotel und Terrasse sind also nicht zugänglich.



Das Rigi Kulm Hotel mit Restaurants (mit Bedienung oder Selbstbedienung) und grosser Terrasse (links).



Ein Teil der riesigen Terrasse vor dem Hotel. Im Hintergrund sieht man die beiden Wege, die zum Gipfel führen.



Die Terrasse bieten einen tollen Ausblick auf die umliegende Berglandschaft. Das Fernrohr ist für Rollstuhlfahrer allerdings zu hoch angebracht.



Zwei Wege führen zum Gipfel. Der steile ist auch für Fussgänger recht anstrengend, ...



... und selbst der bequeme Weg ist nicht einfach flach und erfordert zuweilen etwas Schubhilfe.



Aber wenn es zu streng wird, kann man eine kleine Pause einlegen und bei schönem Wetter und günstigem Wind den Gleitschirmfliegern beim Start zuschauen.



Fast auf dem höchsten Punkt angekommen, gibt es eine erste Orientierung über die vielen Bergspitzen ringsum. Es hat verschiedene Orientierungstafeln zum Panorama, die aber für Rollstuhlfahrer nicht alle optimal angebracht sind (z.B. diese hier in der Bildmitte).



Weiter geht's zum Gipfel und Sendeturm (der für Fussgänger teilweise zugänglich ist).



Dann gilt es für Fahrer und Fussgänger erst einmal den Ausblick zu geniessen!


Gegen Süden breitet sich ein grossartiges Panorama aus - vom Rossberg bei Goldau (ganz links) über die Zentralschweizer Alpen bis hin nach Luzern (rechts).



Nach so viel 'Arbeit' haben wir uns eine Mahlzeit im Selbstbedienungsrestaurant des Hotels Rigi Kulm verdient!



Der Rückweg führt uns zuerst mit der Zahnradbahn (Richtung Vitznau) nach Rigi Kaltbad zu einer Kaffeepause, ...



... dann mit der Luftseilbahn von Kaltbad nach Weggis; und von dort ...



... zur Schifflände in Weggis, wo wir mit dem Dampfschiff 'Uri' nach Luzern zurückkehren.



Wir sind jetzt bereits auf unsere nächste Erkundungstour in die Schweizer Berge gespannt….


Anlage 1: Checkliste Besuch Rigi
Anlage 2: Beitrag Paracontact – Operation Gipfelstürmer Juni 2015

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«Ein Gedanke, eine Idee, ein Wunsch – wir haben so viel Energie in uns»
Ein Erlebnisbericht von Martin Senn: eine Reise entlang der Donau – von Donaueschingen bis Budapest im Rollstuhl (Reisebericht in 4 Teilen)

Autor: Martin Senn, 36 Jahre, seit 2001 querschnittgelähmt nach einem Kletterunfall am Bürgenstock; Berufe: Metallbauschlosser, nach dem Unfall Weiterbildung zum Maschinenbautechniker, heute Jobcoach.

 

Martin Senn berichtet über seine Eindrücke, Erfahrungen und Erlebnisse auf seiner achtwöchigen Reise mit dem Rollstuhl von Donaueschingen bis Budapest 1000 Kilometer im Rollstuhl lebensnah und detailreich geschildert.

Teil 1: Die Vorbereitungen laufen – alles muss gut geplant sein

Teil 2: Jeder Meter zählt – noch läuft nicht alles rund

Teil 3: Grenzen überschreiten Etappe von Passau zweimal nach Wien

Teil 4: Ein Gedanke, eine Idee, ein Wunsch – Ankunft in Budapest


Teil 1: Die Vorbereitungen laufen alles muss gut geplant sein

Mit dem Rollstuhl vom Ursprung der Donau bis nach Budapest wolle er, sagt Martin Senn, 32-jährig, Maschinenbautechniker und seit 2001 Tetraplegiker im Rollstuhl. Nun ist das zwar nicht ganz neu, die Donau mit dem Rollstuhl, aber neu ist, dass Martin dazu «nur» seine Arme braucht, also weder mit Swiss-Trac noch Handbike unterwegs sein wird. «Das hat mich nie interessiert» meint er «das ist was Zusätzliches, ich will frei sein, autonom». Auf die Idee gekommen sei er auf seiner Reise nach Nepal mit einer Equipe des SPZ. Da habe er sich auf ein Minimum an Gepäck beschränkt und dann plötzlich gedacht, das wäre was, mal so unterwegs sein, nur mit dem Rollstuhl, das müsse «cool» sein. Und warum die Donau? «Weiss ich eigentlich nicht», meint er, «ich hab mal was gehört und gelesen – und jetzt mache ich einfach die Donau».

Im Moment wartet er noch auf seinen «präparierten» Rollstuhl, dem soeben der letzte Schliff verpasst wird, bevor es am nächsten Tag losgeht. Es sei jetzt alles ein bisschen «busy» geworden, meint er, was ihn aber nicht weiter zu stressen scheint. Als erstes habe er eine Lösung fürs WC suchen müssen, ein Loch im Sitz, nein, gehe nicht, unter dem Sitz sei sein Schlafsack, so gesehen ist dies weggefallen. Eine andere, einfache Konstruktion hat er jetzt, in Form einer ausziehbaren Rohrkonstruktion. Ob’s funktioniere, werde sich ja dann zeigen. Alles hat seinen Platz auf oder am Rollstuhl; die Schlafmatte vorne unter dem Stuhl, der Schlafsack gleich dahinter, das Zelt bei den Griffen und der Rucksack hinten angehängt. Auf dem Rucksack sitzt eine kleine Solarzelle «zum Aufladen des Handys und damit ich etwas Strom im Hintern habe», sagt Martin lachend. Das Ganze ist jetzt allerdings ziemlich schwer geworden und verlangt eine etwas andere «Sitzposition». Die kommt Martin zwar noch ungewohnt vor aber bis in ein paar Tagen werde er gar nicht mehr wissen, wie’s vorher gewesen sei…

Nun geht’s schon mal mit Freunden im Auto bis Konstanz, danach entweder per Zug oder trampenderweise nach Donaueschingen, und dann schaue er einfach mal, wie weit er komme. Vom Arbeitgeber hat er zwei Monate frei bekommen. Ob er in dieser Zeit die über 1000 km zwischen dem Donauursprung und Budapest zurücklegen kann, weiss er nicht, spielt aber eigentlich auch keine Rolle, beweisen muss er weder sich noch sonst jemanden etwas. Er freut sich erst mal einfach drauf, draussen zu sein und sicher auch spannende Begegnungen zu machen. Und was passiert wenn’s regnet? «Das ist der absolute Notfall», sagt er «da ziehe ich meine rote Pelerine an, dann geht gar nichts mehr. Ich mach noch so ein kleines Fensterchen vorne rein, damit ich rausschauen kann und dann sitze ich’s halt aus, schlafe vielleicht ein wenig und warte, bis es vorbei ist.»

«Bin noch nicht hinten rausgeflogen» heisst's in seinem ersten Mail nach der Abfahrt. So viel Unbekümmert- und Offenheit gegenüber all dem, was das Leben zu bieten hat, ist beneidenwert. Wir bleiben dran an Martin und seinem rollenden Gepäckstuhl und halten ihm die Daumen! 


Teil 2: Jeder Meter zählt noch läuft nicht alles rund

Tja wo soll ich anfangen...

Ich bin damals also nach Donaueschingen gekommen. Es war ein Regentag wie er im Bilderbuch steht. Ein Freund, den ich ein Jahr zuvor in Argentinien kennengelernt hatte, entschloss sich spontan, mit mir dieses Abenteuer anzugehen.

Schon nach den ersten 10 km merkte ich, dass mein Gepäck nicht optimal verteilt war. Der Stuhl war zu «kippelig» und ich konnte zu wenig Druck auf die Räder geben. Im nächsten Dorf trafen wir auf Tanja, eine russische Schneiderin. Wir verstanden uns sofort sehr gut. Es ging also darum, eine Lösung zu finden. Im Fahrradgeschäft auf der anderen Strassenseite liess ich mir Metallhaken anferti-gen, die Tanja dann an meinen Rucksack nähte. Jetzt musste nur noch der Schlafsack und die Matte auf die Vorderseite der Achse verlegt werden, so dass der Rucksack mehr unter den Rollstuhl zu liegen kam. Somit veränderte sich der Schwerpunkt nach vorne.

Jetzt konnte es losgehen... wenn nur nicht dieser Regen gewesen wäre. Zuerst suchte ich immer wieder Schutz vor der Nässe, bis ich dann den Regen zulassen konnte. Ich hatte immer gemeint, im Regen nicht fahren zu können, da ich an den Greifringen ausrutschen würde. Doch der Drang, nicht aufzugeben war viel stärker und so konzentrierte ich mich auf jede einzelne Bewegung. Ich war zwar nicht schnell, «aber jeder Meter zählt», sagte ich mir. Nach drei Tagen kamen wir in ein Dorf, wo es keine Übernachtungsmöglichkeiten mehr gab. Natürlich regnete es wieder unaufhörlich. Schlussendlich erlaubte uns ein Bauer, seine Garage als Nachtlager zu benutzen und so machten wir es uns gemütlich so gut es ging.

Schnell stellte sich heraus, dass Claude und ich ein gutes Team sind. Er ist zu Fuss mit Rucksack unterwegs. Auf den ersten 200 km gab es immer wieder Steigungen zu bewältigen. Mit meinen 30 Kilo unter dem Hintern ist das schon sehr anstrengend. Aber auch da wieder; «jeder Meter zählt». In solchen Situationen geht mein Denken von langsam auf sehr langsam. Das Ziel ist nicht mehr Buda-pest, sondern jeder einzelne Meter. Oben angekommen fühle ich dann die Kraft, die mir gegeben wurde und geniesse umso mehr die Abfahrt, bis ich Claude wieder eingeholt habe.

Auch die Erfahrung mit den kilometerlangen Kieswegen der Donau entlang blieb mir nicht erspart. Zuerst lehnte ich mich innerlich auf gegen diese anstrengende Herausforderung. Schon bald aber änderte sich das Wetter, aus Regen wurden heisse Stunden und tausende von Mücken umschwirrten mich, wenn ich auf dem Schotter stehen blieb. Dann lieber weiter und wenn‘s halt sein muss auf zwei Rädern.

Gestürzt bin ich bis anhin nicht oft, aber es kommt halt vor. Meist ist es nicht so gefährlich, ausser vor ein paar Tagen: Da durchquerten wir eine von Autos befahrene Unterführung. Ich wollte Anlauf nehmen, um auf der anderen Seite problemlos hoch zukommen. In voller Geschwindigkeit fingen die kleinen Vorderräder auf einmal an zu rattern. Der Stuhl drehte sich seitlich und ich flog in hohem Bogen auf die Strassenmitte. Claude war zum Glück gleich zur Stelle und konnte den noch rollenden Rollstuhl und mich zur Seite nehmen. Ich hab keine einzige Schürfung davon getragen. Einen kurzen Moment lang konnte ich zwar kaum atmen, aber dann ging’s auch schon wieder weiter...

Natürlich begegnen wir Leuten, die auch unterwegs sind. Der Weg der Donau entlang ist als Radwanderweg bekannt und so fallen wir beide halt schon auf. Manchmal gibt es Leute, die vom Rad steigen um mich zu schieben, wenn sie sehen, wie ich mich da den Berg hoch mühe. Ich lehne das Angebot dann jeweils dankend ab und füge an «ausser sie wollen mich bis nach Budapest schieben?».

Schöne Momente sind jene, wo man unterwegs anhält und sich Einheimische zu einen setzen und ihre Geschichten erzählen, über ihren Liebeskummer, über ihre Beziehungsprobleme, dass sie halt schon lange nicht mehr auf Reisen waren oder was sie gerade so im Alltag beschäftigt. Da nehmen wir uns stets Zeit und hören zu. Wenn wir dann weitergehen, wirken diese Menschen oft sehr erleichtert, so als hätten sie gerade einen schweren Rucksack abgelegt.

Die Tagesdurchschnittsstrecke liegt zwischen 25-30 km. Oft begegnet man sich mehr als einmal, da ältere Menschen auch mal einen Tag Pause einlegen. Nun sind wir in Regensburg angekommen und ich habe 325 km auf dem Zähler.

Zurzeit macht mir die Tageshitze sehr zu schaffen und wir werden in den nächsten Tagen den Ablauf ändern. Sobald es hell wird (zwischen 4:30 und 5:30), fahren wir los und legen am Mittag eine Pause ein, um in den Städten zu bummeln und uns auszuruhen. Und heute treffe ich eine Freundin, die mir Nachschub an Katheter bringt und gleich ein paar Tage mitläuft.


Teil 3: Grenzen überschreiten Etappe von Passau zweimal nach Wien

Ich bin in Wien angekommen, bereits zum zweiten Mal auf dieser Etappe. Vor vier Tagen hab ich mich von Passau auf den Weg gemacht, früh morgens um 2:30 Uhr. Claude hat Probleme mit seinem Fuss, braucht seit ein paar Tagen mehr Zeit oder fährt mit dem Zug nach. Nun hat er gehört, dass Prince an diesem Abend in Wien ein Konzert gibt. Da mussten wir hin, also organisierte er Tickets für uns. Ich rollte meine 35 km zu Ende und bestieg dann den Zug für die restlichen 80 km nach Wien. Wir bekamen sehr gute Plätze und zwei Drittel Vergünstigung wegen meines Rollstuhls! Am nächsten Tag gönnte ich mir eine Pause, schaute mir Wien an und erlebte dabei den Horror jedes Rollifahrers: Mit dem vielen Gepäck wollte ich die Rolltreppe nicht alleine nehmen wie ich es sonst mache. Darum fragte ich den Herrn, der gerade kam, ob er mir ein bisschen Sicherheit von hinten geben würde. In der Hälfte des Trajets zog es mich auf einmal förmlich nach hinten, ich konnte das Gewicht nicht mehr halten und purzelte mit dem Rollstuhl über den schon am Boden liegenden Mann die Rolltreppe nach unten. Unten angekommen setzte ich mich auf, die Rolltreppe lief immer noch, der Mann war eingeklemmt und so fuhren wir wieder nach oben, bis endlich jemand die Treppe abstellte. Da konnte ich mir ein genaueres Bild von diesem – sehr angetrunken – Mann machen, der sich auf meinem Stuhl abgestützt hatte, anstatt ihn zu sichern. Ich hab keinen einzigen Kratzer abbekommen, er zwar ein paar Platzwunden am Kopf, aber der Alkohol desinfiziert bekanntlich nicht nur, sondern lindert auch die Schmerzen.

Dieses Abenteuer hielt mich aber nicht davon ab, die 80 km mit dem Zug wieder zurückzufahren, um die Strecke nach Wien selber noch zu rollen. Aber zurück zum Ausgangsort in Passau, die letzte Stadt vor dem Landeswechsel nach Österreich. Bei der kleinen Grenztafel wollte ich ein Foto machen mit Claude, musste dort aber auf ihn warten, da die Radwege jetzt asphaltiert sind und ich wesentlich schneller unterwegs bin. Ich hatte gemeint, alle Arten von Wegen erfahren zu haben, aber da gibt’s noch die eine: Sie ist asphaltiert, und schlängelt sich kilometerlang durch die Hügellandschaft mit einer Neigung auf die eine oder andere Seite. Da es auf diesen Strassen nur die Kraft eines Arms braucht, hab ich schon mal mittels Fähre das Ufer gewechselt zur Entlastung. So wartete ich also vor der Grenztafel mit Blick in die Richtung, aus welcher Claude mir entgegen kam. «Hey Claude», rief ich «komm, wir machen ein Foto zusammen.» «Ja das sieht wirklich gut aus» rief er zurück, «sowas hab ich noch niiiie gesehen!». Ich verstand nicht ganz, bis ich wegen des Blitzlichts die Augen nach hinten abwandte… (siehe Foto). Seit dieser Begegnung schlafe ich nicht mehr wirklich ruhig draussen.

Da kamen mir unsere geänderten Rollzeiten entgegen, die wir auf die Nacht verlegt hatten, denn ab 11:00 Uhr ist’s ganz einfach zu heiss. Schön, wenn sich dann gerade ein See oder ein Freibad anbietet. Da können wir uns waschen, ausruhen und schwimmen.

Seit ich mehrheitlich alleine unterwegs bin, treffe ich noch mehr Menschen die mir zuwinken und ein «Phüeti Gott» rufen, oder mir einfach vom Gehsteig aus zunicken und mir ein «Respekt» mit auf den Weg geben. Da ich jetzt tagsüber mehr Zeit habe, entstehen immer wieder Begegnungen. Dann sitze ich mit irgendwelchen Leuten bis tief in die Nacht am See und kann mir dann bei ihnen auf der Couch noch ein paar Stunden Schlaf holen, bevor es weitergeht.

N

ach 700 km steht nun also noch die letzte Etappe nach Budapest bevor. In Wien werde ich noch etwas aufgehalten, da ich mir das mit der Nachbestellung der Katheter etwas anders vorgestellt hatte. Ausserdem haben meine Vorderräder fast keinen Gummi mehr und die Greifringe etliche Löcher im Gripp, das wiederum schmerzt beim Bremsen in den Händen. Es sieht so aus, als wäre es nicht möglich, die Ringe auszutauschen. Zudem wird sich zeigen, ob und wie ich mit Claude weiter reise. Einerseits ist da seine Schwellung am Fuss, die ihn verlangsamt. Ob ich aber auf Ungarns Strassen weiterhin so schnell unterwegs sein werde, weiss ich nicht, vielleicht wurde ich ja auf den letzten 200 km einfach sehr verwöhnt. Anderseits, brauchen wir beide gerade etwas Abstand voneinander. Ich bin der spontane Typ; mal sehen was kommt, es ergibt sich schon das Richtige, während Claude doch lieber weiss, wo wir übernachten und an welchem Ort man sein wird. Von beidem etwas, das ist die perfekte Mischung und da jeder aus eigenem Antrieb diese Reise macht, können wir das ruhig angehen und uns den Raum gönnen, den wir jetzt brauchen. Ausserdem zwingt mich ein Blaseninfekt gerade zum täglichen Waschen der Kleider und schränkt mich durch die vermehrte Spastik bei jeglichen Transfers sehr ein. Auch die Blasen an den Händen, die nicht wirklich verheilen, könnten mal eine Ruhezeit gebrauchen.

So werde ich hier in Wien die leeren Speicher wieder füllen und dann geht‘s in die letzten 300 km nach BUDAPEST!


Teil 4: Ein Gedanke, eine Idee, ein Wunsch Ankunft in Budapest

Morgens um 3 Uhr verliessen Claude und ich Wien Richtung Slowakei. Claude hatte ein paar gute Ideen gehabt, um meinen Rollstuhl wieder auf Vordermann zu bringen. So flickten wir die Löcher im Greifring mit Zweikomponenten Kleber und wechselten die Vorderräder, welche die Orthotec (Nottwil) per Post gesendet hatte. Nach langen Verhandlungen bekam ich dann auch meine Katheter in der Apotheke und so konnte es also weitergehen.

Bis zur Grenze waren es nur 50 km gut asphaltierte Strasse und so erreichten wir in zwei Tagen Bratislava. Von dort wählten wir die Strecke auf slowakischer Seite, da sie immer direkt an der Donau auf dem Damm verläuft. Ja, dieser Damm… er forderte noch einmal alles von mir.

Zum Glück kam diese harte Prüfung am Schluss, wo ich in guter körperlicher Kondition war. Kilometerlange Strecken ohne die Möglichkeit, Wasser aufzufüllen. Obwohl wir stets in der Nacht aufbrachen, hatte ich mittags bei 34° im Schatten noch 10 km vor mir und da passierte es: Ein dumpfes Geräusch hinter mir und ich wusste, was geschehen war. Die eingesteckte PET-Flasche mit Wasser war aus dem Rucksack gerutscht und ich konnte ihr gerade noch beim Davon rollen in die Donau nachsehen. Da sass ich nun, alleine in der brütenden Hitze und zudem noch ohne Wasser. Sofort wurde mir die erhöhte Gefahr eines Hitzschlages bewusst. Es gab nur eine Lösung: «In der Bewegung liegt die Kraft» ging es mir durch den Kopf. Langsam aber stetig bewegte ich meine Arme, bis endlich wieder ein «flow» kam. Ein «flow» geht folgendermassen: Kurz bevor meine Blase voll ist, fange ich an zu schwitzen, was mich sehr abkühlt. Ausserdem empfinde ich in diesem Zustand keine Schmerzen der Muskeln und kann voll Gas geben. Das ganze dauert aber nur 20 Minuten, dann muss ich die Blase entleeren, sonst bekomme ich einen sogenannten «Gutmann Effekt». In diesen 20 Minuten jedoch erreiche ich bis zu 5 km, was ich sonst in einer knappen Stunde schaffe. Das rettete mich dann schlussendlich teilweise aus meiner aussichtslosen Lage. In meiner Konzentration hatte ich zudem die beiden Schweizer fast überfahren, die auf mich warteten. Sie waren an mir vorbeigefahren und hatten sich gedacht: «Das ist doch fast nicht möglich, eine solche Strecke in dieser Hitze mit dem Rollstuhl zu fahren». Ich konnte mich dann die letzten 3 km an ihren Fahrrädern anhängen.

So zog es sich also die nächsten 200 km hin bis nach Ungarn. Claude blieb dabei jeweils weit mehr als 10 km zurück. Er hatte vermehrt Schmerzen in den Beinen und holte mich dann per Anhalter jeweils wieder auf.

Die Motivation stieg, je näher wir Budapest kamen. Ein paar Hindernisse, welche ich ohne Claude nicht geschafft hätte, mussten noch überwunden werden, wie zum Beispiel dort, wo die Strasse einfach abrupt fertig war und auf der anderen Seite des Baches weiterging. Dann endlich der letzte Tag, die letzten 35 km... Claude fuhr mit dem Zug nach Budapest um schon mal ein Hostel aufzusuchen. Ich rollte mich durch den immer dichteren Verkehr ins Zentrum dieser wunderschönen historischen Stadt. Bei der Promenade an der Donau gönnte ich mir dann ein Bier und symbolisierte damit, das Ziel erreicht zu haben. Innerlich löste sich die ganze Anspannung, die mich dazu getrieben hatte, nicht aufzugeben. Ich fiel in mich zusammen und weinte über das Unglaubliche, das geschehen war und das ich schon fast nicht mehr wahr haben konnte.

So möchte ich mich an dieser Stelle bei all jenen bedanken, die mir geholfen und mich motiviert haben, angefangen bei meinem Namensvetter in der Berufsfindung im SPZ und bei Simone, die in letzter Stunde den Rucksack abänderte und Schlaufen annähte, damit der Rolli reisetauglich wurde. Auch bei der Orthotec-Mechanik, die sich spontan eingesetzt hatte bei den Abänderungen und vor allem die Ersatzteile nach Wien lieferte. Bei «transa», die einen grossen Teil der Ausrüstungskosten übernahmen und mich professionell beraten hatten. Bei der Firma «SISTAG», welche einverstanden war, mir zwei Monate Urlaub zu gewähren für dieses Projekt und natürlich bei meinen Freunden, die mich während dieser Zeit besucht oder mich ein Stück weit begleitet hatten.

Helene, die ich ein paar Tage vor meiner Abreise kennenlernte, plante, mit ihrem VW-Bus «Schnäggehüsli» nach Budapest zu fahren. Zum Glück hatte ich ihr damals Nachschub an Kathetern mitgegeben, so haben wir uns in Budapest wieder gefunden. Danke für deine Freundschaft und den Abstecher nach Ozora, eines der grössten Goa-Festivals in Europa.

Claude, du warst mir ein treuer Reisebegleiter. Respekt dafür, dass du zu Fuss und mit dem schweren Gepäck am Rücken mit mir mitgehalten hast!

So erhole ich mich von den gerollten 1000 km in Budapest. Wir haben noch eine Woche Zeit bis zum Rückflug und geniessen nicht nur das Nachtleben, sondern auch die täglichen Spaziergänge in der Stadt, um all die beeindruckenden Sehenswürdigkeiten zu betrachten und uns mit den Einheimischen zu unterhalten. So begegnete ich in einer der Gassen drei Kindern, die mir hinter dem Fenstergitter zuriefen. Um ein Foto machen zu dürfen, erbrachte ich als Gegenleistung Kunststücke mit meinem Rolli für die drei.

Fazit der Reise:

Ein Punkt, ein Gedanke, eine Idee, ein Wunsch, ein Traum... je mehr man an das glaubt, was man möchte, desto mehr Aufmerksamkeit schenkt man dem, was man sich wünscht und so verdichtet es sich immer mehr, bis es zur Realität wird – so auch diese Reise. Ein Gedanke, eine Idee, ein Wunsch – wir haben so viel Energie in uns. Was uns oft hindert ist unser Kopf, unser Verstand. Danke, dass ich daran glaubte und meinem Wunsch vertraute.