• Die Online-Community für Menschen mit Querschnittlähmung, ihre Angehörigen und Freunde

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Aufstieg (!!) und Fall (??) der Querschnittgelähmten

Neurologische Krankheitsbilder, namentlich Demenz und Schlaganfall, sind in jedermanns Munde. Sie treten auch immer häufiger auf. Derweil bildet sich die Zahl unfallbedingter Querschnittlähmungen eher zurück, die krankheitsbedingten nehmen zu. Als Querschnittgelähmte bleiben wir aber eine statistische Restmenge. Wir bewegen uns im Promillebereich. In der Schweiz sind wir rund 6000 bei einer Gesamtbevölkerung von etwa 8 Millionen sogar noch weniger als ein Promille.

Umso wichtiger ist es, dass wir uns dank Sympathieträgern wie Heinz Frei, Edith Wolf-Hunkeler oder dem , Felice Mastrovita, im Gerede halten. Es mag absurd klingen, aber es herrscht ein gewisser Wettbewerb. Die sind zurzeit nicht im Fokus der Gesellschaft. Der Versuch einer Rückblende soll aufzeigen, wie Para- und Tetraplegiker in der Schweiz ins Bewusstsein der Öffentlichkeit gerückt sind und sich Sympathien geholt haben.

  • 1928: Alexander Fleming, der schottische Bakteriologe, entdeckt mit einem Zufallsbefund das Penicilin. Bislang tödliche Infektionskrankheiten werden nach und nach leicht behandelbar. So auch Nieren- und Harnwegsinfekte, wie sie bei Rückenmarkverletzungen zwangsweise auftreten und über kurz oder lang zum Tode führen.

Alexander Fleming, Erfinder des Penicillins

  • 1939 – 1945 generiert der Zweite Weltkrieg eine Unzahl von Querschnittlähmungen. Geschätzte 80 Prozent der Betroffenen bleiben auf den Schlachtfeldern liegen.
  • 1944 schafft Sir Ludwig Guttmann im englischen Stoke Mandeville eine Station zur Behandlung von Rückenmarkverletzten. Guttmann ist ein geflüchteter deutscher Jude. Er ist der Urvater der Paraplegiologie. Als Sir ist der 1899 Geborene 1980 gestorben.

Sir Ludwig Guttmann, der Urvater aller Paras und Tetras

  • 1948 finden die ersten „Stoke Mandeville Games" statt. Sie sind der Vorläufer der Paralympics, deren Name sich von Paraplegie ableitet.
  • 1956 erleidet der Waadtländer Alain Rossier einen Badeunfall und zieht sich eine Paraplegie zu. Er setzt sein Medizinstudium trotzdem fort.
  • 1959: Gründung der Eidgenössischen Invalidenversicherung (IV). Sie sichert die – hohen - Rehabilitationskosten von Paraplegikern.
  • 1963 Rainer Küschall erleidet einen Badeunfall mit nachfolgender Tetraplegie. Er wird zum schweizweit bekannten Tischtennis-Spieler.
  • 1964 wird Alain Rossier Chef des ersten Schweizerischen Paraplegiker Zentrums. Es ist Teil des Universitätsspitals Genf. Später wird er Professor an der Havard Medical School in Boston (USA) und leitet das dortige Paraplegiker Zentrum. Der aus einer wohlhabenden Familie stammende Rossier wird zur international bekannten Persönlichkeit. Zuletzt war er Chefarzt des Paraplegiker Zentrums Balgrist in Zürich und Inhaber des ersten Lehrstuhls für Paraplegiologie an der Universität Zürich.
  • 1969: Gründung des Schweizer Paraplegiker Zentrums in Basel
  • 1972: Erstmals wird mit George Wallace, Gouverneur von Alabama (USA), ein bekannter Politiker durch ein Attentat zum Paraplegiker. Für Wallace, den aktiven Verfechter von Rassentrennung, ist es das Ende seiner politischen Karriere.

George Wallace, der rassistische Gouverneur von Alabama (USA)

  • 1973 wird Guido A. Zäch Chefarzt des Schweizer Paraplegiker Zentrums in Basel. Er erwirbt sich in der ganzen Schweiz Anerkennung als charismatischer Arzt und Interessenvertreter der Para- und Tetraplegiker.

Der Arzt Guido A. Zäch, der

  • 1973 stürzt der Berner Franz Nietlisbach von einem Kirschbaum und verletzt sich das Rückenmark auf Höhe der Lendenwirbelsäule. Er wird zu einem der bekanntesten Rollstuhlsportler mit internationaler Ausstrahlung.
  • 1975 gründet Guido A. Zäch die Schweizer Paraplegiker Stiftung (SPS).
  • 1976 beginnt Rainer Küschall an zweckmässigen, sportlichen Leichtbaurollstühlen zu tüfteln. Sein Name steht heute weltweit für elegante und wendige Rollstühle.

Rainer Küschall, der Rollstuhlpionier

  • 1980 verunfallt der Tessiner Formel-1-Fahrer Clay Regazzoni bei einem Rennen hoch dramatisch. Er überlebt, es verbleibt aber eine inkomplette Paraplegie.

Clay Regazoni, verunfallter Formel-1-Fahrer

  • 1988 führen auch die Schweizer Architekten (SIA) endlich eine Norm für behindertengerechtes Bauen ein.
  • 1990 öffnet das von der SPS erbaute Schweizer Paraplegiker Zentrum Nottwil seine Pforten und entwickelt sich schnell zur führenden Klinik in der Rehabilitation von Rückenmarkverletzten.
  • 1990 durchdringt der Schuss eines Attentäters das Rückenmark des deutschen Innenministers Wolfgang Schäuble auf Höhe des sechsten Brustwirbels. Mit einer kompletten Paraplegie setzt er seine politische Karriere trotz gelegentlicher Tiefschläge bis heute glanzvoll fort. Der Bestürzung über das Attentat folgt Bewunderung.
  • 1991 wählt das Berner Stimmvolk den Bieler Anwalt und Parapglegiker Marc F. Suter in den Nationalrat, wo er bis 2007 bleibt. Mit Guido A. Zäch, einem seiner wichtigsten Mentoren, bricht er vollständig in einem schmutzigen und öffentlich ausgetragenen Streit. Erfolgreich reicht er im Jahre 2000 sogar eine Strafanzeige gegen Zäch ein. 2010 gelingt ihm die Wiederwahl in den Nationalrat nicht.

Marc F. Suter, der streitbare FDP-Politiker im Rollstuhl

  • 1995: Der als weltberühmte Filmschauspieler Christopher Reeve stürzt vom Pferd und bricht sich das Genick. Der hohe Tetraplegiker kann nur noch mit Atemgerät leben. Mit seiner Frau engagiert er sich fortan für die Erforschung des Zentralnervensystems und Heilungsmöglichkeiten. Die Christoper Reeve Foundation ist sein Vermächtnis.

Christopher Reeve, alias

  • 2001 fällt der Bündner Silvano Beltrametti bei einem vom Fernsehen übertragenen Skirennen grässlich und rutscht weit runter, bis in das seitliche Sicherheitsnetz schliesslich auffängt. Das Röntgenbild mit den Ende seiner in zwei Stücke zerbrochenen Wirbelsäule geht durch die Medien. Seine Aussage „Jetztbeginnt das härteste Trennung" löst in der Öffentlichkeit Betroffenheit und Bewunderung aus.
  • 2004 tritt nach langwieriger Entstehungsgeschichte das Behindertengleichstellungsgesetz in Kraft. Wir verdanken es zumindest teilweise dem Wirken von Marc F. Suter.
  • Seit 2009 regelt die SIA-Norm-500 alle Fragen des behindertengerechten Bauens umfassend. Uns Para- und Tetraplegikern bereiten diese Normen aber nicht nur Freude. Wer immer sitzt, hat vielfach das Nachsehen.
  • Ebenfalls seit 2009 ist Daniel Joggi Präsident der Schweizer Paraplegiker Stiftung.
  • 2013 stürzt der Gleitschirmflieger Stefan Keller ab und findet sich selbst im Rollstuhl, nachdem er 2007 viele Rollifahrer mit einer Seilwinde zum Gleitschirmfliegen verholfen hatte. Er war und ist in den Medien präsent und wirkte 2016 im Fernsehkrimi Die Toten von Salzburg mit.

Jetzt frage ich euch: Wie geht denn die Geschichte unseres Aufstiegs weiter?

Eines steht fest: Vielleicht fallen wir nicht zurück, aber wir werden alle älter.

2014 erscheint das Buch Warum das Leben weitergeht – auch im Alter und mit Behinderung. Herausgeber und Mitautoren sind Peter Lude, Mechtild Willi Studer und ich selbst…

Kommentare (1)

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Als erstes bedanke ich mich ganz herzlich für die prominente Erwähnung in diesem Beitrag. Ich habe mir lange überlegt, aus welchem Grund mein Name diese Auflistung prominenter Persönlichkeiten abschliessen darf und was ich mit diesen gemeinsam...
Als erstes bedanke ich mich ganz herzlich für die prominente Erwähnung in diesem Beitrag. Ich habe mir lange überlegt, aus welchem Grund mein Name diese Auflistung prominenter Persönlichkeiten abschliessen darf und was ich mit diesen gemeinsam habe.

Alle diese Persönlichkeiten sind auf ihre spezielle Art und Weise Pioniere in dem was sie tun oder taten. Und das war oder ist der Grund, warum die Öffentlichkeit auf sie aufmerksam wurde. Und mit dem was ich heute mit all meinen vielen Projekten und Ideen mache, gehöre ich wohl auch zu diesen Pionieren.

Ob unser Aufstieg weiter geht, hängt vorwiegend von diesem Pioniergeist ab und ob dieser gefördert wird oder nicht.

Die 6000 in der Schweiz lebenden Parapglegiker stellen tatsächlich eine nicht nennenswerte Minderheit dar. Eine Minderheit, die gar nicht fallen kann, weil sie, zumindest zahlenmässig, sowieso unbedeutend ist. Doch das ist nur eine mögliche Sichtweise.

Ich sehe mich als Zugehöriger jener 15% der Schweizer Bevölkerung, welche irgendein körperliches, geistiges oder psychisches Handicap hat. 15% von 8.33 Millionen sind 1.25 Millionen Menschen. Das ist nicht wenig. Das ist auch keine Minderheit mehr. Mehr als jeder 7 gehört zu dieser Bevölkerungsgruppe. Zusammen sind wir bedeutend mehr, als die Wählerschaft der stärksten Partei dieses Landes, welche sich immer so furchtbar wichtig nimmt und glaubt als einzige das Schweizer Volk zu vertreten. Bei den Eidgenössischen Wahlen im Herbst 2015 haben bei einer Wahlbeteiligung von 48.2% bei 5.3 Millionen Stimmberechtigten somit 2.55 Millionen an den Wahlen teilgenommen. 29% der Wählenden haben für eben jene Partei gestimmt. Also ziemlich genau 740'000 Menschen.

Wir, also die 15% der Bevölkerung mit irgendeinem Handicap, sind also zumindest zahlenmässig deutlich stärker als die stärkste Partei dieses Landes. Doch leider spielen wir unsere Stärke nicht aus, weil uns dazu die selbstbewusste Stimme und eben dieser Pioniergeist und der Glaube, etwas bewegen zu können, fehlt. Darin besteht der Fall der Paraplegiker. Nur zusammen sind wir stark. Nur wenn wir uns mit anderen Gruppen und Organisationen zusammen tun, werden wir uns Gewicht und Gehör verschaffen können. Und genau das sind wir dem Anteil der 85% der Bevölkerung ohne Handicap schuldig, denn es kann jede und jeden jederzeit durch irgendein Umstand treffen:-).

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