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Cannabis hält sich im Gerede – gegen Spastik natürlich!

Dank Holger Lochmann, leitender Arzt im Ambulatorium des Rehab Basel, ist Cannabis unverhofft zu meinem Lieblingsthema geworden. Ende Dezember habe ich hier im paraforum ausführlich darüber berichtet. Die angekündigte neue Studie ist am vom 23. bis 25. Mai dauernden DMGP-Kongress in Hamburg vorgestellt worden. Es ist eine Patientenbefragung, im Umfang aber nicht vergleichbar mit der SwiSCI-Studie, welche die ganze Gemeinschaft von rund 6000 Querschnittgelähmten in der Schweiz erfasst hat. Es bestätigt sich aber, dass Cannabis in der Behandlung ärgerlicher Spastik durchaus seinen Platz hat. Die verpönte, kleine Modedroge von gestern meldet sich über die medizinische Hintertüre zurück und ist legal, wenn sie verordnet wird. Für die Ärzte ist das mit zusätzlichem administrativem Aufwand verbunden. Als käme der Stoff aus dem Schwarzmarkt, erweist sich die Therapie zudem als teuer. Auch das muss aber nicht das Problem von uns Patienten sein.

Wesentlicher ist wohl folgendes: Wer gerne mit ärztlichem Plazet sein möchte, wird möglicherweise enttäuscht. Die bei Spastik wirksame Kombination von THC und Cannabidiol hat sich auch deshalb durchgesetzt, weil die bewusstseinsverändernde Wirkung sehr gering ist. Genau deshalb schneidet sie im Vergleich zu den Antispasmolytika der Pharmaindustrie, die schläfrig machen, gut ab. Dennoch berichtet ein Patient von fliegenden Elefanten…

Ich zitiere nachstehend aus dem zum DMGP-Kongress.

Dort findet ihr Zusammenfassungen zu allen Themen, die der Kongress aufgegriffen hat. Link: http://www.dmgp-kongress.de/fileadmin/congress/media/dmgp2016/pdf/DMGP2016_Abstractband.pdf

Fliegende Elefanten - wie Cannabis bei Spastik wirkt

H. Lochmann, K. Hug , T. Spichty, A. Brenner, M. Messerli, M. Hund Geor­giadis – alle REHAB Basel

Der Einsatz von Cannabiswirkstoffen gegen Krämpfe und Schmerzen hat eine jahrtausendealte Tradition. Unsere Klinik hat eine klinische Studie dazu 2007 im Spinal Cord veröffentlicht. Neu ist die Verfügbarkeit von verordnungsfähigen natürlichen Pflanzenextrakten in Spray und Tropfen­form alkoholisch oder auf Öl-Basis, die das bisher verwendete synthetisch hergestellte reine THC (Dronabinol) quasi vollständig ersetzt haben, da sie preiswerter sind und vorteilhafter u.a. durch ihre Wirkstoffkombination THC mit Cannabidiol (CBD).

Fragestellung

Aufgrund der zunehmenden gesellschaftlichen Akzeptanz für eine medizi­nische Verwendung, gesteigertem Interesse unserer Patienten und auch bei erweitertem Produktangebot haben wir eine systematische Evaluation aller seit 2009 von uns mit Cannabis-Rezept versorgten Patienten mittels anonymem Fragebogen vorgenommen. Hierbei geht es uns vor allem darum, den Stellenwert und die Kombinati­onsmöglichkeiten darzulegen, wie auch die möglichen unerwünschten Ef­fekte -wobei ein Patient treffend als Nebenwirkung „fliegende Elefanten" auf dem Kommentarfeld festhielt.

Methode

Im Zeitraum 2009 bis 2015 wurden mehr als 60 Patienten mit Cannabis-Therapie behandelt und 48 erhielten nach telefonischer Vorin­formation den Fragebogen, welcher 4 Seiten mit 25 Einzelfragen um­fasste.

Ergebnisse

Nach der vorläufigen Auswertung von 28 Fragebögen zeigen sich folgende Trends:

  • Die Hälfte der Patienten ist sehr zufrieden oder zufrieden mit der Ge­samtwirkung, ein Viertel äussert sich neutral.
  • Zwei Drittel der befragten Patienten befürworten die Weiterempfehlung der Cannabistherapie an Mitpatienten, nur drei Patienten waren explizit dagegen (Rest neutral).
  • 42 Prozent der Patienten erachten die Kosten der Therapie als nicht ge­rechtfertigt hoch.
  • Ein Drittel der Patienten konnte unter der Cannabistherapie andere Medi­kamente gegen Spastik oder Schmerzen reduzieren, vereinzelter illegaler Cannabiskonsum konnte verringert werden.
  • Es gab viele hilfreiche praktische Hinweise und auch kritische Anmerkun­gen zu Nebenwirkungen und Kombinationsproblemen im Kommentarfeld.

Schlussfolgerungen

Die Cannabistherapie ist meist wirksam und sicher, sie kann die Reduktion von sedierenden Medikamenten ermöglichen. Sie benötigt ärztliche Be­gleitung und administrativen Aufwand, leider ist sie noch teuer.

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