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Darstellung von behinderten Menschen in den Medien: Das Ansehen einer Filmsequenz mit einem Polizisten im Rollstuhl beeinflusst die öffentliche Einstellung gegenüber Behinderung positiv

Autor der Zusammenfassung: Jan D. Reinhardt (Schweizer Paraplegiker-Forschung)
Originalartikel: Reinhardt JD, Pennycott A, Fellinghauer BA. Impact of a film portrayal of a police officer with spinal cord injury on attitudes towards disability: a media effects experiment. Disability and Rehabilitation. 2014;36(4):289-94.

Die Darstellung von behinderten Menschen in den Medien spielt für die öffentliche Einstellung gegenüber Behinderung eine wichtige Rolle. Diese Studie hat gezeigt, dass die positive Darstellung einer querschnittgelähmten Person in einer aktiven Rolle als Polizist dazu führt, dass die Arbeitsfähigkeit von Querschnittgelähmten höher eingeschätzt wird.

Was war das Ziel dieser Studie?

Einige jüngere Studien zeigen, dass Medienkonsum Meinungen über die Wirklichkeit beeinflussen kann. Dies gilt vor allem für die Generationen, die mit Fernsehen und Onlinemedien aufgewachsen sind. Darüber hinaus sind persönliche Kontakte und Erfahrungen im Umgang mit behinderten Menschen in der allgemeinen Bevölkerung eher selten, so dass es sehr gut möglich ist, dass Informationen aus den Medien die Bewertung von behinderten Menschen und deren Rolle in der Gesellschaft beeinflussen. Behinderung ist ein gängiges Thema vieler Medienproduktionen, z.B. Texte wie Homers "Ilias" und die Bibel, moderne Romane wie "Moby Dick" oder "Heidi" bis zu Filmen wie "Unbreakable - Unzerbrechlich", "Rain Man" und Fernsehserien wie "Dr. House" und "Monk". In der Vergangenheit wurde kritisiert, dass die fiktive Darstellung von behinderten Menschen stereotyp und negativ ist, z.B. als abhängig von anderen, sexuell anormal oder böse. Eine positive Darstellung von Menschen mit einer Behinderung wie beispielsweise in der Rolle eines Arztes oder Polizisten sind in den Medien eher selten.

In dieser Studie wurde untersucht, ob die positive Präsentation eines querschnittgelähmten Kriminalbeamten in einer Action-Szene die Einschätzung von Zuschauern mit und ohne Behinderung in Bezug auf die Arbeitsfähigkeit von behinderten Menschen positiv beeinflusst.

Wie sind die Forscher vorgegangen?

480 Studienteilnehmer mit und ohne Behinderung wurden auf zwei Wegen rekrutiert: Im Jahr 2010 nahmen 376 Personen an einer Online-Befragung teil, die über das Netzwerk der Schweizer Paraplegiker-Vereinigung und das Zentrum für Selbstbestimmtes Leben in Zürich sowie das private Netzwerk der Forscher verschickt wurde. Weitere 104 Teilnehmer mit und ohne Behinderung wurden beim 20-jährigen Jubiläum des Schweizer Paraplegiker-Zentrums 2011 akquiriert. Alle Teilnehmer sahen sich eine Filmszene mit dem Hauptdarsteller Sven Martinek aus der Fernsehserie "SOKO Rhein-Main" an, die in den Jahren 2006/2007 in Deutschland ausgestrahlt wurde. In dieser Action-Szene spielt Martinek einen querschnittgelähmten Kriminalbeamten, der einen Mann verhaftet, weil er einen Taxifahrer beraubt hat. Martinek setzt dabei seinen Rollstuhl geschickt ein, um den Räuber zu überwältigen. Die folgenden Fragen wurden den Studienteilnehmern jeweils vor und nach dem Ansehen der Szene gestellt:

  1. Bitte geben Sie in Prozent an (100% steht für die Eignung einer Person ohne Behinderung), wie geeignet Sie eine Person mit Querschnittlähmung für die folgenden Berufe finden: Dachdecker, Polizist, Schreiner, Lehrer, Arzt und Angestellter.
  2. Wieviel Prozent der Personen mit einer Behinderung in der Schweiz befinden sich in einem bezahlten Arbeitsverhältnis?
  3. Wie hoch (in Prozent) schätzen Sie die Produktivität eines 40-jährigen Mannes mit Querschnittlähmung (entsprechend dem gezeigten Kriminalbeamten) ein, verglichen mit der eines 40-jährigen Mannes ohne Behinderung?

Was haben die Forscher entdeckt?

Nachdem sie die Filmszene angesehen hatten, beurteilten Studienteilnehmer ohne Behinderung die Arbeitsfähigkeit einer querschnittgelähmten Person höher als zuvor. Ausserdem schätzten nicht-behinderte Teilnehmer auch die Beschäftigungsrate von Menschen mit einer Behinderung deutlich höher ein als vor dem Betrachten der Szene. Studienteilnehmer mit einer Behinderung dagegen änderten ihre Einschätzung nicht. Die Produktivität eines 40-jährigen Mannes mit Querschnittlähmung wurde nach dem Film leicht höher bewertet - in beiden Teilnehmergruppen lag der Wert bei nahezu 100%.

Was bedeuten die Ergebnisse?

Diese Studie hat gezeigt, dass die positive Darstellung von Querschnittgelähmten in aktiven Rollen die öffentliche Meinung hinsichtlich der Arbeitsfähigkeit von Menschen mit einer körperlichen Behinderung verbessern kann. Daher wäre es wünschenswert, dass die Massenmedien häufiger Menschen mit einer Behinderung in positiv besetzten und aktiven Rollen zeigen. Dies könnte Ihre gesellschaftliche Stellung im wirklichen Leben fördern. Die in diesem Artikel beschriebene Filmszene könnte als positives Beispiel dienen.

Wer hat die Studie durchgeführt und finanziert?

Die Studie wurde von der Schweizer Paraplegiker-Forschung finanziert und von Wissenschaftlern der Schweizer Paraplegiker-Forschung, der ETH Zürich sowie von Studenten der Universität Luzern durchgeführt.

Die_Wahrnehmung_von_Menschen_im_Rollstuhl_2.mp3

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