Autoren der Zusammenfassung: Ursina Arnet und Timo Hinrichs (Schweizer Paraplegiker-Forschung)
Originalartikel: Arnet U, Hinrichs T, Lay V, Bertschy S, Frei H, Brinkhof MW; SwiSCI study group. Determinants of handbike use in persons with spinal cord injury: results of a community survey in Switzerland. Disability and Rehabilitation. 2015 Mar 18:1-6. [Epub ahead of print]
 

Erstmals wurden Daten über die Handbike-Nutzung von Querschnittgelähmten in der Schweiz veröffentlicht: Gemäss der Studie nutzte knapp ein Viertel ein Handbike. Am häufigsten waren es Männer zwischen 31 und 45 Jahren, die über ein mittleres bis hohes Haushaltseinkommen verfügten, deutschsprachig waren und eine komplette Paraplegie hatten. Die wichtigsten Gründe für eine Nicht-Nutzung waren mangelndes Interesse, fehlende Kenntnis des Handbikes und zu hohe Anschaffungskosten.

Der Sommer ist die ideale Jahreszeit für gemütliche Touren in der Natur oder für sportliche Herausforderungen. Handbikefahren bietet für Menschen mit Querschnittlähmung eine gute Möglichkeit, sich zu bewegen und etwas für die eigene Gesundheit zu tun. Es lässt sich leicht in den Alltag integrieren und bereitet grosses Vergnügen.

 

Handbiken ist gesund

Diverse Studien haben bestätigt, dass sich die Benutzung eines Handbikes in vielerlei Hinsicht positiv auf den Körper auswirkt (siehe Abbildung 1): Die Kraftübertragung ist effizient und die Schultern werden deutlich weniger belastet als beim normalen Rollstuhl. Dadurch sinkt das Risiko für Schulterschmerzen. Ganz allgemein steigert ein regelmässiges Training die Kondition und verringert die Gefahr für Herzkreislauferkrankungen oder Diabetes. Somit kann regelmässiges Handbiken dabei helfen, bis ins höhere Alter aktiv zu sein. Daneben fördert es auch die soziale Integration: Gruppen von Handbikern und Radfahrern, Skatern und Läufern können je nach Trainingsstand und Geschwindigkeit zusammen Ausflüge unternehmen oder trainieren. Es verwundert daher nicht, dass das Handbike immer mehr Anhänger gewinnt. In vielen Rollstuhlsportvereinen bilden Handbiker bereits eigene Abteilungen, und im Jahr 2015 fanden auch die UCI Para-cycling Weltmeisterschaften in der Schweiz statt.

Abbildung 1: Vorteile des Handbikes

Was haben die Forscher entdeckt?

Die Forscher analysierten und veröffentlichten Daten aus der SwiSCI-Studie, die erstmals die Handbike-Nutzung von querschnittgelähmten Menschen in der Schweiz zeigten. Die Studie untersuchte, wer die typischen Handbike-Nutzer sind und aus welchen Gründen es einige Personen nicht nutzen.

Verteilung

Gemäss der Studie benutzte knapp ein Viertel der querschnittgelähmten Bevölkerung in der Schweiz das Handbike als Fortbewegungsmittel, genauer: Von 1549 Studienteilnehmern waren 350 Handbike-Nutzer (22.6%) (siehe Abbildung 2). Dies ist in etwa vergleichbar mit anderen europäischen Ländern wie Dänemark oder den Niederlanden.

Männer benutzen das Handbike eher (78%) als Frauen. Am häufigsten wurde es von Personen gefahren, die zwischen 31 und 45 Jahre alt waren. Mit zunehmendem Alter wurde die Nutzergruppe kleiner, und es gab kaum Menschen über 62 Jahre, die das Handbike nutzten; als Ursache vermuteten die Wissenschaftler die nachlassende Muskelkraft im Alter.

Abbildung 2: Verteilung der Handbike-Nutzer

Lähmungsgrad

Der überwiegende Anteil der Handbike-Nutzer (58%) hatte eine komplette Paraplegie (siehe Abbildung 3). Für diese Form der Querschnittlähmung eignet sich das Handbike besonders, da die Betroffenen zwar auf den Rollstuhl angewiesen sind, aber – im Gegensatz zu vielen kompletten Tetraplegikern – ihre Arm-, Schulter- und teilweise Rumpfkraft einsetzen können.

Bei inkompletten Lähmungen ist eine Restmotorik und/oder Restsensibilität vorhanden. Menschen mit dieser Lähmungsform nutzen das Handbike am wenigsten, weil sie teilweise noch gehen können oder nicht vollständig vom Rollstuhl abhängig sind.

Abbildung 3: Lähmungsgrad der Handbike-Nutzer

Einkommen

Die Handbike-Nutzer hatten im Vergleich zu den Nicht-Nutzern tendenziell ein höheres Haushaltseinkommen: 63% der Handbiker gaben ein mittleres (ab 3500 CHF) oder ein hohes (ab 4643 CHF) Einkommen an. Im Gegensatz dazu lag dieser Anteil bei den Nicht-Nutzern lediglich bei 49%.

Verbreitung nach Sprachregionen

Aus den Studiendaten ging hervor, dass der höchste Anteil der Handbike-Nutzer in der deutschsprachigen Schweiz lebte: Von allen deutschsprachigen Studienteilnehmern nutzten 27% ein Handbike, in der französischsprachigen Schweiz waren es lediglich 13% (siehe Abbildung 4).

Abbildung 4: Verbreitung des Handbikes nach Schweizer Sprachregionen

Gründe für Nicht-Nutzung

In der Gruppe der Nicht-Nutzer gaben 26% an, kein Interesse am Handbike zu haben, 19% kannten es überhaupt nicht und für 14% war der Anschaffungspreis zu hoch.

Die verschiedenen Kategorien der Handbikes

Handbikes werden in verschiedene Kategorien unterteilt: Allroundbikes für den täglichen Gebrauch lassen sich über verschiedene Systeme an den eigenen Rollstuhl koppeln. Wer schneller mit seinem eigenen Rollstuhl unterwegs sein möchte, kann ein Sportbike benutzen. Es wird wie ein Allroundbike an den Rollstuhl gekoppelt, ist durch Geometrie, Komponenten und die Auswahl der verarbeiteten Materialien aber ganz auf ein zügiges Fahren ausgerichtet. Schliesslich gibt es Rennbikes, die nur für den Sportbereich bestimmt und nicht an den Rollstuhl ankoppelbar sind (Deutscher Rollstuhlsportverband e.V.: Ein Sport für alle. URL: http://www.myhandicap.ch/sport-behinderung/sportarten/handbike-nicht-nur-fuer-menschen-im-rollstuhl/, abgerufen am 11.08.2015). Personen mit eingeschränkter Armkraft können ihr Handbike auch mit einem unterstützenden Elektromotor ausrüsten.

Rennbike

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