Weihnachten und der Jahreswechsel haben im Grunde nichts miteinander zu tun. In der christlich geprägten Welt liegen die beiden Anlässe aber zeitlich nahe beieinander. Die Kirche hat die letzte Woche des Jahres damit arg beschwert. Sie strapaziert uns.

Kaum haben wir die Weihnachtsfeierlichkeiten im Kreise unserer Lieben und weniger Lieben bestanden, müssen wir schon auf Silvester umschwenken. Das verlangt viel von uns ab, denn wir bilden uns ein, im Hinblick auf den Jahreswechsel Rückblick und Ausschau halten zu müssen. Im Der Grosse Brockhaus von 1934 klingt das so: „Im Volksglauben und -brauch dient dieser Tag besonders der Zukunftserforschung."

Was wir bei dieser Forschung zu sehen bekommen, kommt nicht rundum leuchtend hell rüber. Wen wundert's? Unser Blick ist getrübt. Wir sind überanstrengt, es gab noch viel zu erledigen, die ersehnte Lohnerhöhung ist ausgeblieben, die Beförderung verschoben, mit den Lieben gab's Zoff, und zu alledem ist es draussen sau kalt. Jetzt überfordern wir uns noch mit Grübeleien über Vergangenes und das Kommende. Das kann ja nicht gehen.

Wohl deshalb neigen wir dazu, den Silvester besonders derb und ausgelassen zu feiern. Schliesslich erwachen wir im Laufe des Neujahrstages mit noch trüberem Blick. Erst am 2. Januar erkennen wir, dass sich eigentlich nichts geändert hat. Das Leben geht einfach weiter, so wie das neue Jahr seine 365 Tage unbeirrt abspult.

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