Frau Fasnacht steht vor der Tür!

Der Tag nach dem kommenden Mittwoch ist in Luzern der «Schmutzige Donnerstag», am 27. Februar ist in Köln «Rosenmontag», eine Woche später rücken die Basler mit ihrem «Morgestraich» nach. Das sind die prominenten Beispiele. Fasnacht gibt es aber an vielen Orten – den katholischen Bischöfen von einst sei Dank.
Fasnacht – historisch sind das die letzten Tage vor der Fastenzeit. Die – fast – letzten Vorräte gehen drauf, um es nochmals zu geniessen, bevor es zu darben gilt, bis uns der Osterhase erlöse.
Fasnacht, das ist die Kunst, an kalten Tagen alle auf die Strasse zu locken. Alle kitzeln sie ihre schöpferischen Kräfte und vereinen sich. Auch Verwegenes, Freches und Unstatthaftes ist erlaubt. Alle feiern und taumeln im Rausch karnevalesker Ausgelassenheit. Das Derbe, das Lebensfrohe und das Feinsinnige vermengen sich zum Volksritual, das alle mit allen verkittet.
Selbst der kritische Sozialwissenschaftler muss feststellen: Fasnacht – das ist gelebte Inklusion, fern von theoretischen Modellen, wie sie an Schreibtischen und Bildschirmen entstehen, aber den Weg in den Alltag nie finden. Die Fasnacht grenzt niemanden aus, zwingt aber auch niemanden zur Teilnahme. Die Teilnahme oder Teilhabe bedeutet eben auch, freiwillig auf etwas zu verzichten zu dürfen.
Die Fasnacht verbindet uns so, dass an diesen Tagen zustande kommt, was im übrigen Jahresverlauf höchstens näherungsweise gelingt. Alle sind dabei: Dick und Dünn, Reich und Arm, Gescheit und Einfältig, Behindert und nicht Behindert. Sie bringen sich ein als künstlerisch Mitwirkende, als tatkräftige Mitläufer, als begeisterte Zuschauer oder zufällig Dahergelaufene. Selbst die Daheimgebliebenen haben ihren Platz, denn auf ihre Weise spüren auch sie die Fasnachtstage.
Die Fasnacht ist konkurrenzlos, nicht nur im Sinne von einzigartig, sondern auch weil sie los von Konkurrenz ist. Das Miteinander und nicht das Gegeneinander, das Verbindende und nicht das Trennende sind die treibenden Kräfte. An der Fasnacht stehen wir nicht im Wettbewerb zueinander, sondern in Gemeinschaft. Alle sind eingeladen und willkommen.
Wo Wettbewerb herrscht, sind im besten Falle alle eingeladen, aber nur die willkommen, die auch bestehen. Wo der Wettbewerb spielt, wird der verbindende Kitt schnell durchlässig. Statt Respekt herrscht Rücksichtslosigkeit vor. Umso anspruchsvoller wird in einem solchen Umfeld die Inklusion, die Teilhabe aller an allem.

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