Ihren altgedienten Soldaten, den Veteranen, bauten die Römer ganze Städte mit allem, was sie brauchten. Emerita Augusta im seinerzeitigen Lusitanien ist ein Beispiel. Kaiser Augustus gründete sie im Jahr 25 vor Christus. Heute heisst die Stadt in der spanischen Provinz Extremadura Mérida. Ihre römischen Stätten gelten seit 1993 als Weltkulturerbe. Niemand käme auf die Idee, sie als Altersghetto zu bezeichnen.

1670 liess Ludwig IV, der Sonnenkönig, das Hôtel des Invalides für kriegsversehrte und nicht mehr einsatzfähige Soldaten errichten. Es ist ein prunkvoller Barockbau mitten in Paris. Zur Anlage gehört die ebenso prächtige Kathedrale Saint Louis des Invalides. Niemand käme auf die Idee, diese mächtigen Bauten als mickrige Verliese für Krüppel zu bezeichnen.

Es sind typische Angebote mächtiger Herrscher an eine soziale Gruppierung mit besonderen Bedürfnissen. Sie geben sich grosszügig, um mögliche Unrast zu vermeiden. Ihre Strategie hat sich bewährt.

Unser Unbehagen gegenüber zentralistischen Einrichtungen für bestimmte soziale Gruppen kommt aus anderen Ecken der Geschichte. Gedanklich verbinden wir Heime noch heute mit Zucht und Ordnung, Freiheitsentzug, Mangel an Komfort, schlechtem Essen und Separation. Wir haben das zwar selbst nicht erlebt, wissen aber, dass es Zeiten gab, da Alte, Waise, Invalide, , Ausgeflippte, Süchtige, Kranke, selbst Homosexuelle abgeschoben wurden. Die Bezeichnung Heim beschönigt nach unserer Wahrnehmung nur, was eigentlich eine Anstalt, ein Verlies, im Grunde ein Gefängnis oder, noch üblerer, ein Lager sein könnte.

So trifft es auch zu, dass sich gewisse Strukturen erhalten haben: Moderne Spezialkliniken entsprechen im Grunde den Siechenhäusern von gestern und haben durchaus Gemeinsamkeiten: Sie sind auf bestimmte Krankheitsbilder fokussiert, und sie liegen fast ausnahmslos am Rande von Städten oder irgendwo im Grünen. Ähnlich verhielt es sich mit Heimen, doch in der jüngeren Vergangenheit vermochten sie an elegantere und zentrumsnähere Lagen vorzudringen. So nehmen sie die Fährte der römischen Kaiser und des Sonnenkönigs wieder auf. Wenn das so weitergeht und es zudem gelingt, diese Orte mit viel Wertschätzung und Sachverstand zu beseelen, würden wir viel gewinnen. Das Heim wäre nicht mehr die Lösung aus schierer Not, sondern eine echte Alternative zum manchmal starrsinnig durchgesetzten Dasein im eigenen Heim.

Kommentare (0)

Noch keine Kommentare vorhanden.
Sei der Erste, der dies kommentiert!

Beitrag bewerten