„Drauf hocken und machen müssen Sie es schon selbst, aber alles andere besorgt dieses System.“ Das sagte mir der Vertreter der Firma Closomat im Spätherbst 1977. Ich hatte eben meinen 23. Geburtstag hinter mir und war seit sieben Monaten inkompletter Tetrapelgiker auf Höhe C5/7. 

Das ausgeklügelte Klosett, das die Analfalte nach vollzogener Darmentleerung warm spült und mit eingebautem Föhn trocknet, kostete damals gute 4000 Franken ohne Installation. Das war mir zu teuer, obschon ich ein Produkt dieser Art brauchte. Für 1300 Franken bot die Firma Sanett ein wesentlich einfacheres Duschsystem an, das seinen Zweck erfüllte. Mein zukünftiger Schwiegervater montierte es mir.

Über Jahre nutzte ich diese Anlage – zunächst im Zweitages-Rhythmus,  später nur noch alle drei Tage. Als Abführ-Granate sorgte das Zäpfchen dafür, dass sich mein Enddarm innert 30 bis 45 Minuten recht mühelos erleichterte, und das Klosett bedankte sich mit seiner spritzigen Dusche für die braune Gabe.  

In unserem 1997 gekauften Haus installierten wir zum dritten Mal ein neues Modell des bewährten Duschsystems. Rund zehn Jahre später begann aber der Wasserdruck deutlich nachzulassen. Eine aufwändige, aber dringend notwendige Nachreinigung im Bett drängte sich in der Folge jedes Mal auf. Gleichzeitig begann aber auch der Darm träger zu werden, als hätte er sich mit der WC-Dusche gegen mich verschworen. Seither komme ich unter 45 Minuten nicht davon; es ist sogar meistens eine Stunde oder noch länger. Zudem muss ich über dem Schambein mit der Hand pressen und kraftvoll klopfen, damit sich überhaupt was regt. Ist alles vorüber, bin ich schlapp.

Was tun, damit sich dieser Vorgang wieder beschleunigt, ohne unkontrollierbaren Durchfall auszulösen? Ich weiss es nicht. Die Experten auch nicht: „Sie werden eben älter“, entgegnen sie. Diese Binsenweisheit hilft wenig, auch wenn sie zutrifft: Ich werde am 4. November 2015 61 und habe 38 Dienstjahre als Tetraplegiker.

Meine WC-Dusche hatte im Januar 2014 17 Dienstjahre. Da entschied ich mich, ihrer verdriesslichen Altersschwäche mit der viel zitierten Kaufkraft des Pensionierten ein Ende zu setzen. Ich bestellte das Nachfolgeprodukt des Closomat. Kostenpunkt: 6500 Franken, dazu den passenden WC-Lift für weitere 5500 Franken.

Zum Glück fragte mich dann meine liebe Frau, warum ich so blöd sei, das selbst zu bezahlen und in der Tat: Roger Mottaz vom Zentrum für hindernisfreies Bauen organisierte alles, die Rechnungen gingen direkt an die IV. Das System hält seine Versprechungen. muss ich es aber tatsächlich selbst: Mit meinem alternden Darm, der deutlich weniger leistungsfähig ist als das wundersame neue Klosett. Wenn er sich nur wieder verschwören würde mit ihm – für mich und nicht gegen mich!

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