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Operation Gipfelstürmer – Unterwegs für «Paraforum» – Erkundungstour auf den Säntis


Fast scheint es so, dass jedesmal, wenn die 'Gipfelstürmer' wieder unterwegs sind, auch die Teilnehmerzahl am 'Gipfelsturm' wächst! :-)


Unsere dritte Exkursion hat uns auf den höchsten Berg der Ostschweiz, den Säntis, geführt. Mit dabei waren wie immer Dr. Hans Georg Koch, Andrea Glässel und Nikola Angelov vom SPV für die wissenschaftliche Datenerhebung, Wilfried Kohrs als wissenschaftlicher Beirat – und als Fotograf und Berichterstatter René Wildi.



Im Rollstuhl begleitete uns diesmal der Appenzeller Haarschmuck-Künstler Jakob Schiess.



Mit dabei war für einmal auch die Presse – Frau Frischknecht und Herr Manser vom St. Galler Tagblatt – und die Event-Managerin der Säntisbahn, Frau Broger.



Im Prinzip führten wir eine Rundreise durch, die am Zürcher HB begann und uns über Gossau, Urnäsch und die Schwägalp auf den Säntis führte. Auf dem Rückweg wählten wir die alternative Route von der Schwägalp über Nesslau, Wattwil und Rapperswil nach Zürich zurück.



Da unser Rollstuhlfahrer Jakob Schiess in Appenzell wohnt, sozusagen am Fusse des Säntis, verabredeten wir uns direkt auf der Schwägalp für die Überprüfung der Bergbahn – und die restlichen Teile der Rundreise beurteilten wir für einmal aus der 'Fussgänger-Perspektive'.




Für die Fahrt von Zürich nach Gossau im IC muss für den Ein- und Ausstieg ein Rollstuhllift reserviert werden. In Gossau erfolgt der Umstieg in die Appenzeller-Bahn. Für die Überwindung der steilen Stufen ins Zuginnere sind Rampen notwendig; die meisten Türen (im Gegensatz zu dieser hier) sind allerdings sehr schmal (ca. 53 cm!) und die Platzverhältnisse im Innern der Bahnwagen eher bescheiden. Für die Anreise mit öV empfehlen wir daher eher die Route über Rapperswil-Wattwil-Nesslau (siehe weiter unten).
Von Urnäsch fährt uns dann ein Niederflurbus direkt auf die Schwägalp.




Allerdings werden wir da von einigen Appenzellern doch ein wenig skeptisch empfangen...



Doch schon kurz nach unserer Ankunft werden wir in das eine oder andere 'Geheimnis' eingeweiht:




Auf der Schwägalp z.B. wird momentan kräftig gebaut; anstelle des früheren Berghotels 'Schwägalp' entsteht ein neuer Hotelbau (hinten) direkt neben der Talstation (links) der Säntisbahn. Während der Neubauphase ist die Talstation nur über eine Holzrampe (links hinter dem Postauto) zugänglich. Nach der Eröffnung des Neubaus (im Dezember 2015) werden das Hotel und die Talstation bequem über den zentralen Eingangsbereich (direkt hinter dem Postauto) zugänglich sein. Unmittelbar vor dem Eingang befindet sich nicht nur die Postauto-Haltestelle, sondern es stehen auch mehrere Parkplätze für Rollstuhl-PW zur Verfügung (Vordergrund).




Die Niederflur-Postautos sind mit etwas Hilfe oder mittels einer mobilen Rampe (im Postauto) problemlos zu befahren. Im Innern hat es Platz für ca. 2-3 Rollstühle.




Da es sich bei der Säntisbahn um eine Schwebebahn mit grossen Kabinen handelt, erfolgt der Ein- und Ausstieg natürlich auf bequeme Weise. Platz hat es im Innern der Kabine reichlich, und die Fenster sind tief genug angebracht, damit man auch als Rollstuhlfahrer schon bei der Bergfahrt die Landschaft ringsum geniessen kann.


Einmal oben angelangt, kann man sich auf den insgesamt 6 Stockwerken der Bergstation fast völlig hindernisfrei bewegen. Hier befinden wir uns im 4. Stock auf der südwestlich orientierten Plattform. Auf dem gleichen Stock befinden sich eine nordwestlich ausgerichtete Aussichtsplattform (auf dem Bild nicht sichtbar) sowie eine südlich orientierte Terrasse (Bildmitte). Direkt unterhalb davon ist das Panorama-Restaurant mit Bedienung (3. Stock) und nochmals ein Stock tiefer das Selbstbedienungsrestaurant mit grosser Sonnenterrasse im 2. Stock (Bildmitte unten).
Hinter der grossen Aussichtsplattform des 5. Stockes (etwas links der Bildmitte) sieht man einen verglasten Treppenaufgang, der zu einer weiteren, etwas kleineren Terrasse knapp unterhalb des Gipfels führt (wie übrigens auch die Treppen für Fussgänger rechts im Bild).


Dieser verglaste Treppenaufgang wäre eigentlich mit einem Treppenlift ausgerüstet... Aber dieser war bei unserem Besuch nicht in Betrieb. Offenbar verursachte der Lift immer wieder Probleme, sodass er von der Herstellerfirma kurzerhand stillgelegt wurde! Nun ist es natürlich nicht so, dass man als Rollstuhlfahrer unbedingt in jeden hintersten Winkel einer Bergstation oder eines Gipfels gelangen muss (zumal der Säntis ja viele Plattformen und Terrassen aufweist, von wo aus man eine ausgezeichnete Fernsicht geniessen kann), aber wenn der Lift schon installiert ist, dann dürfte man eigentlich auch erwarten, dass er vom Hersteller und Betreiber ordentlich instand gehalten wird!


Um trotzdem auf die kleine Terrasse am Ende der Treppe zu gelangen, langten deshalb ein paar kräftige Hände tüchtig zu und trugen unseren Rollstuhlfahrer kurzerhand nach oben!


Und tatsächlich offenbart sich da oben eine wunderbare Aussicht über Teile des Alpsteins und des Toggenburgs (Bildmitte), auf die Churfirsten und die dahinter liegende Alpenkette.


Und weil es von da nur noch ca. 20 Meter bis zum eigentlichen Gipfel sind, hievten die starken Helfer den Jakob gleich auch noch bis ganz zuoberst!


Auf dem Gipfel sieht man dann natürlich ungehindert in alle möglichen Richtungen. Hier zum Beispiel geht der Blick über das Alpsteingebiet nach Nordosten Richtung Rheintal. In der Bildmitte kann man den Seealpsee erkennen, der von Wasserauen über einen (allerdings teilweise ziemlich steilen) Weg erreichbar ist; im Vordergrund sieht man den 'Alten Säntis', der vor wenigen Jahren renoviert wurde und der über eine steile Treppe (nur für Fussgänger) oder eine teilweise verglaste Rampe auch für Rollstuhlfahrer bequem zu erreichen ist (Bildmitte unten).


Zu diesem Berggasthaus gelangt man direkt von der Bergstation, wenn man das Erdgeschoss durch die Hintertüre (die wie alle Aussentüren im Gebäude nur mit ziemlich viel Kraft zu öffnen ist) verlässt.


Der erste Teil des Weges ist zwar steinig, aber durchaus breit, bequem zu befahren und gut gesichert.


Dann geht es durch die verglaste Galerie abwärts (Gefälle über 10 %!) Richtung 'Alter Säntis'. Wenn man sich Zeit nimmt, kann man sich 'en passant' gleich noch an den an der Felswand angebrachten Tafeln zu Themen rund um den Säntis informieren.


Das Berggasthaus bietet nebst der schönen Terrasse und Aussicht auch eine solide, rustikale Küche.


Der Innenbereich ist ebenfalls rollstuhlgängig und wird über den Hintereingang mit einer Rampe erschlossen. Drinnen hat es auch ein Rollstuhl-WC (im Wickelraum); Übernachtungsmöglichkeiten bietet das Berggasthaus allerdings nur für Fussgänger.


Grund genug, auf der Terrasse eine kleine Pause einzulegen, das Panorama zu geniessen und ein währschaftes Appenzeller Zmittag einzunehmen - ...


… und dies alles im Schutz der Appenzeller Flagge!


Zurück in der Bergstation geht es noch einmal auf die verschiedenen Aussichtsplattformen. Fernrohre und Informationstafeln hat es da zwar viele, aber die Tafeln sind für Rollstuhlfahrer eher ein wenig zu hoch angebracht. Lesen lassen sich die Tafeln zwar gut, aber um das Gelesene auch im Gelände zu betrachten, muss man sich schon bücken und unter der Tafel durch schauen.


Nach unserer Rückkehr auf die Schwägalp machen wir noch einen kurzen Abstecher in die Alp-Käserei, die sich gleich vis-à-vis der Talstation befindet. Diese ist für Rollstuhlfahrer gut befahrbar und bietet eine breite Auswahl an (selbstverständlich) Käse und anderen lokalen Produkten.


Dann geht für die Fussgänger die Fahrt weiter mit dem Postauto nach Nesslau, wo wir den für Rollstuhlfahrer bestens eingerichteten 'Thurbo' nach Wattwil besteigen. Dort gilt es auf den 'Voralpen-Express' umzusteigen, der uns nach Rapperswil bringt. An beiden Orten gilt es, den Rollstuhllift rechtzeitig zu reservieren.


Rapperswil! Die Rosenstadt mit mediterranem Flair – zahlreiche kleine Gassen, viele farbige Restaurants, die zum Verweilen einladen... Es gibt gute Gründe, nur schon deswegen hierher zu reisen!


Vom Bahnhof sind es ca. 10 Minuten bis zur Anlegestelle des Schiffes – und da erwartet uns?


Wer hätte das gedacht? Der Säntis! Oder korrekter gesagt: die Säntis. Das Schiff, das uns zurückbringen wird nach Zürich – und erst noch bestens eingerichtet ist für Rollstuhlfahrer.


Wir lassen den Tag im Fahrtwind des Schiffes ausklingen und freuen uns bereits auf unseren nächsten Ausflug. Der wird uns wohl erstmals in die Westschweiz führen. Näheres folgt in Kürze!

Bis bald!

Die Gipfelstürmer

Anhang 1: Säntis Checkliste
Anhang 2: Bericht der 'Ostschweiz-am-Sonntag' über unser Projekt

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