Trotz Hilfe schaffen's nicht alle

In unserem Dasein als Menschen im Rollstuhl grenzt uns schon allein die historisch gewachsene Architektur immer wieder aus. Nicht aus Feindseligkeit, sondern weil sie beim Entwerfen nicht an uns gedacht haben. Dafür haben sie schon immer ans Vieh, die Knechte und die Lieferanten gedacht. Deshalb gibt es auch in alten Bauernhöfen, Kirchen und Palästen meistens ebenerdige Seiten- und Hintereingänge.

In unseren modernen, aufgeklärten und liberal beeinflussten Gesellschaften ist diese Art von Zutritt inzwischen die Norm. Im Gegensatz zum Adel von gestern gehen heute auch die Gutsituierten wie alle anderen bodeneben in ihre Geschäfts- und Privathäuser. Wo dies nicht möglich ist, gibt es Rampen und oft auch Tiefgaragen, durch die alle, die auf Rädern kommen, in Gebäude eindringen. – Rampen im übertragenen Sinne sind alle Gesetze und Einrichtungen, die unser sozialstaatliches Versorgungssystem untermauern. Seine Leistungen sind Rampen, die helfen sollen, dass alle auf der Höhe bleiben. Zumindest in der Theorie zerfliessen so die Grenzen in unseren Gesellschaften. Die unzähligen Rampen, die wir uns eingerichtet haben, grenzen auch Ausgegrenzte wieder ein.

Was aber mit denen, die sich, aus welchen Gründen auch immer, gar nicht einfügen mögen? Was aber mit denen, denen die Rampen zu steil sind? Was aber mit denen, die zwar auf der Höhe sind, dort aber das Erforderliche nicht finden, und wieder absinken? Was aber mit denen, die neueste technische Errungenschaften, aber auch politische Vorgänge ausgrenzen, obwohl wir uns so bemüht haben, diese Ausgrenzungen endlich abzubauen? – Die Welt als Ganzes ist keine Rampe. Sie bewegt sich so schnell, dass wir kaum nachkommen, ständig neue Rampen zu bauen.

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