Wir haben verinnerlicht, dass sich hartes Ringen lohnt. Das geht auf die biblische Figur Hiob zurück

«Ihr Sohn kann noch sitzen, und er kann denken», tröstete der Chefarzt die besorgten Eltern. «Und sonst hat er alles verloren?», fragte die Mutter erschreckt. Der Doktor hielt inne, antwortete nicht sofort.

«Eine wahre Hiobsbotschaft», warf der Vater trocken ein, und der 19-Jährige nickte nachdenklich. Auf einer wilden Fahrrad-Tour war er verunfallt. Die Folge: eine hohe Tetraplegie.

Hiob leidet, weil Gott und Satan ihn prüfen

Zeichnet sich ab, dass wir selbst oder andere alles verlieren, so reden wir gerne von einer Hiobsbotschaft. Die bildungssprachliche Wendung geht auf das Buch Hiob im Alten Testament zurück. Botschafter verkünden Hiob, dem wohlhabenden Grossbauern, dass seine Tierherden geraubt worden sind, die Knechte erschlagen. Der Sturm hat seine Behausung einstürzen lassen und seine Familie begraben.

Ihm bleibt nur das nackte Leben in seinem aussätzig gewordenen Körper. Nicht einmal die Würde ist ihm geblieben, und doch entgegnet er den Unglücksverkündern: «Der Herr hat’s gegeben, der Herr hat’s genommen; der Name des Herrn sei gelobt.»

hiob und die botschafter

Botschafter verkünden Hiob, dass er seine Familie, seine Viehherden und seine Häuser verloren hat.

Hiobs Elend, vernehmen wir im ersten Kapitel des Buchs, geht auf Satan zurück. Als Berater Gottes verdächtigt er Hiob, sich nur fromm und gottesfürchtig zu geben, weil er göttliche Gunst in Form von Reichtum und Wohlergehen erschwindeln will. Gott willigt ein, dass Satan ihn prüfe, ohne ihm das Leben zu nehmen.

Wir erwarten Besserung

Dieses Geschichtsbild tragen wir alle in uns. Es ist Teil unserer Kultur. Es kommt uns hoch, wenn wir hadern. Wir fühlen uns geprüft und stellen uns den Widrigkeiten, immer in der Hoffnung, bald wieder bessere Zeiten erleben zu dürfen, vielleicht gar belohnt zu werden. Doch oft verzweifeln wir auch, hinterfragen uns, grübeln, was schiefgelaufen ist, bevor sich das Schicksal endlich wendet.

Hiob ergeht es noch schlimmer: Wie unredliche Klatschtanten unterstellen ihm seine Freunde, er sei selbst schuld an seinem Verderben. Ein Sünder sei er und nicht der fromme Mann, als den er sich preise, und zudem anmassend. In der Tat hatte Hiob in seiner Trauer, in seinen dunklen Stunden den Herrn bezichtigt, die Welt nicht gerecht zu regieren, und ihn zur Rede gestellt.

junge weint während alle auf ihn zeigen

«Du hast dein Unglück selbst verschuldet.» Diesen Vorwurf musste sich auch Hiob anhören.

Schliesslich wird der Herr gnädig

«Und der Herr antwortete Hiob aus dem Wettersturm». So beginnt Kapitel 38. Gott weist Hiob zurecht, ohne ihn zu verklagen. Zweimal erscheint er ihm, zeigt ihm auf, wie überlegen er ihm ist. Hiob zeigt sich einsichtig und tut, was der Herr ihn heisst. Er betet für seine falschen Freunde.

In der Folge wendet sich Hiobs Geschick: Er erhält doppelt so viel zurück wie er, der ehedem schon Reiche, einst besessen hat. Er lebt 140 Jahre lang, bis er «alt und lebenssatt» stirbt. Das folgende Video fasst die ganze Geschichte eindrücklich zusammen:

Ernten auch wir doppelt?

Das wundersame Ende der Geschichte Hiobs ist nicht im allgemeinen Bewusstsein. Unser Geschichtsbild lehrt uns nur, dass Hiob hart und ungerecht geprüft wird. Gleichwohl preist er Gott.

Dagegen hat sich in unseren Köpfen erhalten, dass sich hartes Ringen lohnt. Darauf spielt der Chefarzt an, wenn er darauf hinweist, dass der junge Tetraplegiker noch sitzen und denken kann. Sinnvoll genutzt, genügen diese Ressourcen, um selbst mit einer Tetraplegie bestehen zu können. Nach dem Buch Hiob hätte der Rehabilitationsarzt den bekümmerten Eltern durchaus sagen dürfen: «Ihr Sohn wird für die erlittene Qual doppeltes Lebensglück ernten.»

zwei lämmer trinken beim mutterschaf

Schlussendlich erhält Hiob doppelt so viel zurück, wie er verloren hat.

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