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Unsichtbare Behinderungen

  • kitwan

Leben mit einer unsichtbaren Behinderung – Fluch oder Segen?

Nicht jede Behinderung ist sichtbar. Diese Tatsache bereitet Menschen mit einer „unsichtbaren Behinderung“ häufig Probleme.

Mit unsichtbaren Behinderungen, oder versteckten Behinderungen, sind normalerweise Behinderungen gemeint, die nicht ohne weiteres erkennbar sind. Es gibt keine offizielle Zahl der Personen, die an einer unsichtbaren Behinderung leiden. Gemäss Disabled World, einer unabhängigen Online-Nachrichtenseite zu den Themen Gesundheit und Behinderung, haben schätzungsweise „rund 10 % der US-Amerikaner ein Gesundheitsproblem, das als unsichtbare Behinderung eingestuft werden könnte“. Ausserdem „leben 96 % der chronisch kranken Menschen mit einem äusserlich nicht erkennbaren Gesundheitsproblem“.

Ein grösseres Bewusstsein für unsichtbare Behinderungen ist notwendig. (Bildquelle: Facebook-Seite von Colitis Ninja)

Zu den bekannteren unsichtbaren Behinderungen gehören Herzerkrankungen, das chronische Erschöpfungssyndrom, Multiple Sklerose und Colitis ulcerosa. Wenn Menschen mit einer unsichtbaren Behinderung Anlagen für Behinderte nutzen müssen, bekommen sie oft böse Blicke oder werden gar mit Kommentaren gerügt. Der Grund dafür ist, dass andere sich des unsichtbaren Gesundheitsproblems nicht bewusst sind und denken, dass die Betroffenen die Anlagen missbrauchen. Daher fühlen sich Menschen mit unsichtbaren Behinderungen häufig stigmatisiert.

Ebenso gibt es oft falsche Vorstellungen von Querschnittlähmung (QSL). Anders als viele denken, können manche Menschen mit einer inkompletten QSL tatsächlich gehen. (Falls Dir der Ausdruck „inkomplette QSL“ nichts sagt, lies diesen Artikel in unserem Wiki.) Menschen mit einer inkompletten QSL leiden oft an den gleichen Gesundheitsproblemen, z. B. Harnwegsinfektionen und Katheter, wie andere Menschen mit QSL. Dadurch, dass das äussere Merkmal ihrer Behinderung – der Rollstuhl – fehlt, behandeln viele sie wie Menschen ohne Behinderung.

Jetzt die gute Nachricht: Als erster Fussballverein brachte Tottenham Hotspur, einer der besten Fussballvereine in der englischen Premier League, den Slogan „nicht alle Behinderungen sind sichtbar“ an den Türen seiner Behindertentoiletten an. Die BBC berichtete darüber in dem Artikel „Why these new signs are appearing on disabled toilets” („Warum es diese neuen Hinweisschilder an den Behindertentoiletten gibt“).

In dem Artikel teilen zwei junge Frauen, die an verschiedenen unsichtbaren Gesundheitsproblemen leiden, ihre Ansichten über dieses Zeichen der Unterstützung von Menschen mit unsichtbaren Behinderungen. Beide sind sich einig, dass ihnen das helfen wird, ihre Probleme zu erklären, wenn sie sich in Schwierigkeiten befinden. Die Schilder könnten sogar zum Abbau von Vorurteilen über Behinderung beitragen.

Toilettenschilder dieser Art werden im gesamten Vereinigten Königreich angebracht. (Bildquelle: Website von Crohn’s & Colitis UK)

Des Weiteren werden 2018 mehr als 2500 Supermarktfilialen im gesamten Vereinigten Königreich ein Schild an den Behindertentoiletten angebracht haben, das auf unsichtbare Behinderungen hinweist. Dies ist Teil der Kampagne der Stiftung „Crohn’s and Colitis UK“ zur Bewusstseinsbildung und im Kampf gegen Stigmatisierung von unsichtbaren Behinderungen. Nach diesem grossen Erfolg in den Supermärkten startet die Stiftung bereits ihre nächste Kampagne mit dem Aufruf, Schilder an weiteren öffentlichen Behindertentoiletten anzubringen.

Wenn Du eine Person siehst, die nicht im Rollstuhl sitzt und eine Behindertentoilette oder einen Parkplatz für Behinderte benutzt – ertappst Du Dich dann manchmal selber dabei, die Person zu verurteilen, weil Du keine Behinderung erkennen kannst? Wie kann man bedürftige von rücksichtslosen Menschen unterscheiden? Teile es mit uns!

[Übersetzung des originalen englischen Beitrags]

Kommentare (10)

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Hallo kitwan,
vielen Dank für den Artikel - das Thema liegt mir sehr am Herzen.
Ich gehöre ja selber zu den "Unsichtbaren", auch wenn mein Gangbild schon auffällig ist, aber das können viele nicht zuordnen. Und ja, auch ich habe schon einmal...
Hallo kitwan,
vielen Dank für den Artikel - das Thema liegt mir sehr am Herzen.
Ich gehöre ja selber zu den "Unsichtbaren", auch wenn mein Gangbild schon auffällig ist, aber das können viele nicht zuordnen. Und ja, auch ich habe schon einmal die Erfahrung gemacht, dass ich mit kritisch rügendem Blick gefragt wurde, ob ich denn eine Behinderung habe, weil ich von der entsprechenen Toilette kam. Als ich dann "ja" antwortete, war es der Fragerin auch sichtbar peinlich. Ist ja in Ordnung, man kann ja über alles sprechen. Besser so, als wenn Leute untereinander tuscheln oder verächtliche Blicke kommen - da fühlt man sich dann nämlich ziemlich missverstanden, zu Unrecht beschuldigt und angezweifelt. So etwas ist weniger leicht aufzuklären und fühlt sich tatsächlich nicht gut an, so dass man manchmal für sich abwägen muss, ob man an dem Tag psychisch stark genug ist, dass man da drüber stehen kann, oder ob man eine Verstärkung köperlicher Symptome durch Anstehen auf sich nimmt (und dann halt, wenn es schlecht läuft, wieder zwei Wochen ein Mehr an Schmerzen hat, das vermeidbar gewesen wäre).
Was ich mir manchmal wünschen würde, wäre irgendetwas Sichtbares wie die Armbinde für Menschen mit Sehbehinderungen, etwas, was anderen signalisiert, dass ich Rücksichtnahme brauche. Dass man bitte aufpassen muss, dass man mich nicht anrempelt. Dass ich einen Sitzplatz brauche, wenn ich mit Bus und Bahn unterwegs bin und erst aufstehen kann, wenn keine Kurve mehr kommt oder das Fahrzeug steht. Dass ich nicht lange anstehen kann und deswegen auf der Bank neben der Warteschlange "ansitze". Dass ich nicht faul bin und keinen erhöhten Geltungsbedarf habe, sondern einfach meine körperlichen Schwachstellen so gut wie möglich managen muss. 
Das Schwierigste ist für mich wirklich dieses unbegründete Misstrauen, was einem manchmal entgegenschlägt, weil damit einhergeht, dass ich nicht für voll genommen werde und ich als Person angezweifelt werde.
Insofern finde ich jede Aktion, die das Bewusstsein dafür schärft, super!
Ich bin gespannt, was andere hier schreiben.
Viele Grüße,
odyssita
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Vielen Dank für deinen Kommentar, odyssita! :smileyhappy:
Ich bin irgendwie erstaunt, dass du eine Armbinde/Kleidung mit Behinderung Hinweis tragen möchtest. Ich dachte, viele Leute möchten das nicht und deshalb ist eine Beschilderung wie die im...
Vielen Dank für deinen Kommentar, odyssita! :smileyhappy:
Ich bin irgendwie erstaunt, dass du eine Armbinde/Kleidung mit Behinderung Hinweis tragen möchtest. Ich dachte, viele Leute möchten das nicht und deshalb ist eine Beschilderung wie die im Artikel nützlich. Mein Vater ist hörgeschädigt (sein linkes Ohr funktioniert nicht mehr nach der Gehirnoperation), aber er möchtet kein Hörgerät benutzen. Wenn er mich in der Schweiz besuchte, fand ich, dass er immer die Fahrräder hinter ihm nicht hören kann. Ich möchte wirklich ihm ein T-shirt/eine Jacke mit „Vorsicht! Ich kann dich nicht hören“ geben. Etwas „funky“ aber auch wachsam, weißt du. Oh! Und die Radfahrer klingeln selten vor dem Vorbeifahren! Es macht immer das Problem herausfordernder, wenn die Leute unkooperativ und bewusst sind...:smileyfrustrated:
(Mein Deutsch ist nicht so gut. Es tut mir leid für die Fehler, die ich gemacht habe. :smileyembarrassed:)
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Hallo kitwan,
danke für Deine Antwort. Dein deutsch ist doch sehr gut! :) 
Wegen der Armbinde: Weisst Du, zum einen denke ich, dass Menschen ganz unterschiedlich sind in dem, was ihnen unangenehm ist und was nicht. Zum anderen ist die Frage,...
Hallo kitwan,
danke für Deine Antwort. Dein deutsch ist doch sehr gut! :) 
Wegen der Armbinde: Weisst Du, zum einen denke ich, dass Menschen ganz unterschiedlich sind in dem, was ihnen unangenehm ist und was nicht. Zum anderen ist die Frage, wieviel Rücksichtnahme man braucht, bzw. was die Konsequenzen sind, wenn keine Rücksicht genommen wird. Ein sichtbares Zeichen hat zur Folge, dass tendentiell eher Rücksicht genommen wird, auch, wenn es auch manche Nachteile mit sich bringt. Letzten Endes ist die Frage, wo die persönliche Schmerzschwelle ist hinsichtlich dessen, wie es einem geht, wenn nicht Rücksicht genommen wird (welche gesundheitlichen Konsequenzen hat das), und wie es einem damit geht, aufzufallen.
Bei mir sind die Konsequenzen, wenn keine Rücksicht genommen wird, für mich ziemlich zuverlässig und ziemlich direkt spürbar und schränken meine Lebensqualität deutlich ein, weil ein Anrempeln oder zu langes Stehen zuverlässig zu einer Zunahme von Symptomen und Schmerzen führt, die mich dann mehrere Tage im Griff haben und teilweise auch zur Folge haben, dass ich mehrere Tage die Wohnung nicht verlassen kann. 
Bei Deinem Beispiel mit den Radfahrern ist das Risiko dagegen eher abstrakt - im Allgemeinen werden Radfahrer immer mit darauf achten, niemanden umzufahren. Anrempeln oder längeres Stehen werden die meisten Leute, wenn sie von einem gesunden Gegenüber ausgehen, dagegen nicht als etwas ansehen, was man unbedingt vermeiden sollte.
Menschen mit Sehbehinderung sind ja auch nicht verpflichtet, eine Armbinde zu tragen, aber sie tun es, weil es ihnen Rücksichtnahme durch andere und damit ein Mehr an Sicherheit und Mobilität ermöglicht.
Wenn es eine Armbinde gäbe, die generell dafür steht, Rücksicht zu nehmen, weil eine körperliche Einschränkung besteht, würde ich das tatsächlich als Hilfe empfinden. Leider gibt es so etwas nicht.
Es ist ja keine Frage der Wahl, ob eine Erkrankung unsichtbar ist oder nicht. Mit einer unsichtbaren Erkrankung zu leben bedeutet also nicht, dass man nicht will, dass die Erkrankung sichtbar ist. Im Gegenteil ergeben sich daraus oft schwierige Situationen. Wenn es eine entsprechende Armbinde gäbe, deren Bedeutung bekannt ist, könnte ja immer noch jeder Betroffene selber entscheiden, ob und wann er diese tragen will und wann nicht. Wichtig wäre natürlich, dass die Bedeutung einer solchen Armbinde bekannt gemacht wird, so dass damit die sichtbare Legitimation einhergeht, um Rücksichtnahme zu bitten (beziehungsweise dies im Optimalfall gar nicht mehr notwendig ist, weil automatisch Rücksicht genommen wird).
Ich vermisse es wirklich, diese Wahlmöglichkeit zu haben - und bin mir natürlich auch dessen bewusst, dass so eine Wahlmöglichkeit ein Luxus wäre, den jemand, der auf den Rollstuhl angewiesen ist, nicht hat.
Viele Grüße,
odyssita
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Liebe Odyssita
Die Konsequenzen für dich, wenn sich Menschen rücksichtslos verhalten, sind wirklich sehr einschneidend, so dass du manchmal Tage zur Erholung brauchst. Könntest du dir vielleicht vorstellen, in besonders kritischen Situationen...
Liebe Odyssita
Die Konsequenzen für dich, wenn sich Menschen rücksichtslos verhalten, sind wirklich sehr einschneidend, so dass du manchmal Tage zur Erholung brauchst. Könntest du dir vielleicht vorstellen, in besonders kritischen Situationen einen Gehstock zu benützen. Ich denke da an die zusammenschiebbaren Exemplare. Ich bin überzeugt, dass du auf mehr Rücksichtnahme zählen könntest. 
Danke für deine anregenden Beiträge.
Herzlich grüsst
cucusita
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 Hallo cucusita,
lieben Dank für Deine lieben Worte! :) Ich freue mich wirklich, dass es dieses Forum gibt, und finde den Austausch und die Gedankenanstöße für mich sehr hilfreich.
Ja, ein Gehstock wäre sicherlich optisch hilfreich. Ich habe aus...
 Hallo cucusita,
lieben Dank für Deine lieben Worte! :) Ich freue mich wirklich, dass es dieses Forum gibt, und finde den Austausch und die Gedankenanstöße für mich sehr hilfreich.
Ja, ein Gehstock wäre sicherlich optisch hilfreich. Ich habe aus meinen "guten Zeiten" noch Trekkingstöcke hier, die ich vereinzelt genutzt habe. Dabei habe ich festgestellt, dass ich die Stöcke zeitgleich auf dem Boden aufsetzen muss - wenn ich mich nur auf einer Seite abstütze, dann führt das zu einer asymmetrischen Muskelspannung in den Armen und Schultern und somit auch in der Halswirbelsäule, und leider reicht schon das aus, um Symptome zu triggern (es fühlt sich an, als würde schon eine asymmetrische Muskelspannung meine oberen Halswirbel aus der Position ziehen). Na ja - und mit zwei Trekkingstöcken sieht man halt auch eher "Möchtegern-"sportlich aus als nach jemandem, der Rücksichtnahme braucht... Und man hat halt zwischendurch dann auch wieder das Problem: Wohin mit dem Ding, wenn man dann glücklich im Bus sitzt? Oder sich beim Treppensteigen am Geländer festhalten will? Letzten Endes haben für mich doch die Nachteile überwogen...
Ich lege bei Fahrten mit Bus und Bahn immer meine feste HWS-Orthese an - so ganz unsichtbar bin ich in dem Fall also auch nicht. Aber ich habe den Eindruck, dass das viele Leute auch nicht recht zuordnen können, bzw. dabei in erster Linie an Nackenschmerzen denken und das nicht damit in Verbindung bringen, dass ich wackeliger auf den Beinen sein könnte und Erschütterung für mich ein Problem sein könnte. Ist auch nicht so einfach - Schleudertraumata wurden ja in den letzten Jahren so konsequent kleingeredet, dass so etwas tendentiell als Bagatelle angesehen wird, und abgesehen davon denken die Leute wahrscheinlich an Bandscheibenprobleme, die ja auch mit richtiger Therapie einigermaßen behandelbar sind, und nicht an ein chronisches Problem oder gar ein Problem mit dem Rückenmark. Und Lobbyarbeit für Menschen mit Halswirbelsäuleninstabilitäten, vor allem in der oberen Halswirbelsäule, gibt es leider sehr wenig. Da haben andere Krankheitsbilder wirklich für ihren Bereich schon sehr wichtige Arbeit geleistet und sind da deutlich voraus. Manchmal würde ich mir wünschen, dass ein angrenzender Bereich, der schon gute Strukturen aufgebaut und eine funktionierende Lobbyarbeit hat, das Thema "adoptiert"...
Lobbyarbeit für etwas Sichtbares ist auch einfacher als Lobbyarbeit für etwas Unsichtbares, denke ich. Wenn etwas leicht angezweifelt werden kann, dann ist oft weniger Bereitschaft da, dafür Unterstützung zu leisten, weil natürlich niemand das Risiko eingehen will, eventuell doch ausgenutzt zu werden. Insofern ist die Kombination "unsichtbar"und "noch nicht gut erforscht" besonders schwierig - denn wer will schon Fördergelder für etwas investieren, bei dem er sich nicht sicher sein kann, dass es existiert?
Manchmal frage ich mich auch, ob es wirklich so vorteilhaft ist, in der Stadt zu wohnen. In der Stadt ist einfach alles sehr anonym. Auf dem Land würde man sich vermutlich eher kennen, miteinander reden, würde sich einmal erklären und könnte dann in Zukunft vermutlich eher auf Verständnis und Unterstützung hoffen. Dafür gibt es auf dem Land kaum öffentlichen Personennahverkehr, und der ist eigentlich schon wichtig für mich... Mal schauen, wo es mich längerfristig hinverschlägt. :)
Liebe Grüße,
odyssita
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Ich würde mir auch wünschen wenn Fragen kämen anstelle von Verurteilungen! Ob das auf dem Land einfacher ist??? Unser 2000-Seelen-" Dorf" ist in den letzten Jahren auch sehr anonym geworden!
Wegen Gleichgewichtsproblemen setze ich mich im Tram...
Ich würde mir auch wünschen wenn Fragen kämen anstelle von Verurteilungen! Ob das auf dem Land einfacher ist??? Unser 2000-Seelen-" Dorf" ist in den letzten Jahren auch sehr anonym geworden!
Wegen Gleichgewichtsproblemen setze ich mich im Tram in der Stadt in die Nähe des Ausgangs, sodass ich erst aufstehen muss, wenn das Tram schon steht. Regelmässig passiert es mir, dass - meist jüngere Leute- nicht zu mir, sondern mit Blickrichtung zu mir und ÜBER  mich sagen,  "es gibt eben noch anständige Leute die behinderten Platz machen", wenn jemand aufsteht um einer älteren Person eine Sitzgelegenheit anzubieten.
sooo gerne würde ICH Platz machen für andere. Mir stehen dann die Tränen in den Augen, weil ich die älteren Personen für ihr Gleichgewicht beneide, die im fahrenden Tram ohne sich festhalten zu müssen nicht stürzen. Dann würde ich mir auch wünschen, dass man weiss weshalb ich mich so verhalte & gleichzeitig bin ich sehr dankbar, dass meine "Behinderung" nicht sichtbar ist. 
Bezüglich Gehstock: kürzlich sah ich einen älteren Herrn, der einen wunderschön geschnitzten Holzgehstock hatte, der mit Strickarbeiten verziert war. Ich habe ihm gesagt, dass ich noch nie einen so tollen Gehstock gesehen habe! Er meinte dann, dass er das nur gemacht habe, weil er sich geschämt habe mit Gehstock unterwegs zu sein und mit so einem speziellen Exemplar, welches nur er hab, fühle er sich nicht so behindert! Tolle Einstellung- ob ich auch eines Tages so selbstsicher im Tram auftreten kann? Odyssita, vielleicht könntest du dich auch mit etwas sehr auffälligem anfreunden das dich Unterstützen würde?
 
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Hallo Hutsch

Vielen Dank für Deine beiden Beiträge! Besonders den hier oben finde ich sehr spannend. Die Geschichte mit dem älteren Herrn und seinem Gehstock ist grossartig!

Schön, dass Du auch auf der neuen Community wieder dabei und...
Hallo Hutsch

Vielen Dank für Deine beiden Beiträge! Besonders den hier oben finde ich sehr spannend. Die Geschichte mit dem älteren Herrn und seinem Gehstock ist grossartig!

Schön, dass Du auch auf der neuen Community wieder dabei und aktiv bist. Ich wünsche Dir einen lebhaften und interessanten Austausch hier.

Liebe Grüsse

Johannes
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 Hallo Hutsch,
ganz lieben Dank für Deinen Beitrag - es tut gut, sich so auszutauschen. Und ich kenne das Gefühl, wenn ich so gerne Platz machen würde für jemand anderes, ich aber wirklich auf meinen Sitzplatz angewiesen bin. Um ehrlich zu sein...
 Hallo Hutsch,
ganz lieben Dank für Deinen Beitrag - es tut gut, sich so auszutauschen. Und ich kenne das Gefühl, wenn ich so gerne Platz machen würde für jemand anderes, ich aber wirklich auf meinen Sitzplatz angewiesen bin. Um ehrlich zu sein ist das eines der Dinge, die ich mit am meisten vermisse: Großzügig sein zu können anderen gegenüber. Die Spielräume dafür sind einfach in jeder Hinsicht enger geworden.
Die Geschichte mit dem Gehstock finde ich auch toll. Leider ist für mich ein Gehstock halt eher hinderlich als hilfreich, und für ein anderes sichtbares Merkmal, das die Leute verstehen, fehlen mir die Ideen. Ich habe gar nicht so das Problem damit, aufzufallen. Aber außer Rollstuhl, Rollator, Gehstock und Armbinde bzw. Stock für Menschen mit Sehbehinderung fällt mir nichts ein, was so etabliert wäre, dass die Leute wissen, was das bedeutet und dass Rücksichtnahme notwendig ist.
Für diese sichtbaren und bekannten Zeichen gibt es ja auch immer wieder groß angelegte Informationskampagnen, die die Mitmenschen auf die besonderen Probleme aufmerksam machen und um Rücksichtnahme bitten. Wo ich wohne, ist z.B. der Gehstock das Symbol für den Sitzplatz für Menschen mit gesundheitlichen Einschränkungen in der Bahn, und am Bahnsteig und in der Bahn gibt es immer wieder Kampagnen auf den Videobildschirmen, dass man bitte die Bereiche, die für Menschen mit Sehbehinderung mit Strukturen am Boden markiert sind, frei halten solle. 
Ich denke, so etwas wäre wirklich hilfreich: Eine Armbinde zu etablieren, die man vom Arzt verordnet bekommt und in der Apotheke abholen kann, und groß angelegte Informationskampagnen dazu. Aber dazu bräuchte man halt auch erst mal eine Lobby...
Viele Grüße,
odyssita
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Letztlich ist es doch vor allem das Ausmaß der Behinderung, von dem es abhängt, ob diese von anderen Menschen hinreichend erkannt wird und man von ihnen Rücksicht erwarten kann und auch will. Letzteres ist nicht immer selbstverständlich.
Ich...
Letztlich ist es doch vor allem das Ausmaß der Behinderung, von dem es abhängt, ob diese von anderen Menschen hinreichend erkannt wird und man von ihnen Rücksicht erwarten kann und auch will. Letzteres ist nicht immer selbstverständlich.
Ich erinnere mich moch sehr gut daran, wie peinlich mir vor 8 Jahren kurz nach meinem Unfall meine allzu sichtbare Gehbehinderung (RM-Verletzung auf Höhe Th6) anderen Leuten, insbesondere aber Jugendlichen war, die - wenn auch selten - sich mit gewissen Bemerkungen nicht zurückhielten.
Dass man sich an so etwas aber schnell gewöhnt, weiss jeder von uns.
Dennoch besteht mein ganzer Ehrgeiz beim laufen in "freier Wildbahn", mit der Behinderung so wenig wie möglich aufzufallen, was viel Kraft, Konzentration und - zugegebenermaßen - auch manchmal einem langen Umweg bedeutet.
Meine Freude ist schon groß. wenn mir jemand, und sei es auch nur nicht ganz ehrlich gemeint, freundlich mitteilt, dass man doch eigentlich kaum etwas von meinem Handycap sehen könnte. Ich galube, dass ich das auch ein klein wenig erwarte.
Manchmal empfinde ich die unangemessene Rücksichtnahme gleichermaßen wie demonstratives Weggucken von Mitmenschen als verletztend, weiss aber auch sehr gut aus eigener Erfahrung, dass der angemessene, ungezwungene und lockere Umgang mit behinderten Menschen geradezu Glücksache, jedenfalls aber sehr schwer für Nichtbehinderte ist.
Und deshalb tue ich in der Öffentlichkeit alles, um nur nicht den Eindruck zu erwecken, hilfebedürftig zu sein.
Ob bei meiner Behinderung die Hilfsbedürftigkeit selber oder das jeweilige körperliche Gebrechen für mich persönlich schwerer wiegt, kann ich kaum sagen.
 
 
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Hallo Salieri,
 
ich glaube, dass sowohl die unangemessene Rücksichtnahme als auch das demonstrative Weggucken etwas in den Mittelpunkt stellt, was man selber gar nicht als Mittelpunkt empfindet. Was uns als Menschen ausmacht, sind ja nicht...
Hallo Salieri,
 
ich glaube, dass sowohl die unangemessene Rücksichtnahme als auch das demonstrative Weggucken etwas in den Mittelpunkt stellt, was man selber gar nicht als Mittelpunkt empfindet. Was uns als Menschen ausmacht, sind ja nicht unsere Einschränkungen. Und wer will schon gerne über seine Schwachstellen definiert werden? So gerät der Mensch und das, was uns ausmacht, aus dem Blick, weil viele Menschen nicht gelernt haben, Behinderungen als normalen Teil des Lebens anzusehen statt als etwas Bemitleidenswertes, und weil sie Behinderung mit Schwäche assoziieren. Das schafft eine Distanzierung, Unsicherheit und in gewisser Weise auch eine Ungleichheit. Wer jemanden bedauert, sieht sich selbst auf einer "bessergestellten" Ebene und neigt vielleicht dadurch dazu, auf den anderen herabzusehen und ihn zu bevormunden. Ich sehe in der Hinsicht auch die defizitorientierte Sichtweise, die lange in Medizin und Forschung vorgeherrscht und das Meinungsbild geprägt hat, als Teil des Problems an. Es ist sehr wichtig, dass sich an dieser Stelle etwas ändert und der ressourcenorientierte Ansatz mehr Gewicht bekommt.
 
Für mich persönlich ist es so, dass die Symptome, die mir am meisten Probleme bereiten, nicht sichtbar sind - die teilweise recht ausgeprägten Symptome von Dysautonomie. Es kommt hinzu, dass durch die Instabilität meine Symptome sehr wechselhaft auftreten. Aus dem Haus gehe ich nur in relativ guten Phasen, und so werde ich sehr leicht überschätzt. Das ist besonders problematisch, weil ich mir meine Kräfte sehr gut einteilen muss und es durch körperliche Überlastungen recht zuverlässig zu Verschlechterungen kommt. Deswegen bin ich bei den Kommentaren, die für Dich wohltuend sind (dass man von Deinem Handycap kaum etwas sehen könne) empfindlich. Wenn man überschätzt wird, hat das nämlich zur Folge, dass man immer wieder auf seine eigenen Grenzen hinweisen und sagen muss "das kann ich nicht", und zu allem Übel damit oft auf Unverständnis stösst. Und wenn man sein Leben lang die Zähne zusammengebissen hat und es einem sowieso nicht leicht fällt, "das kann ich nicht" zu sagen, ist das eine sehr unangenehme Situation.
 
Insofern würde ich Deinem Satz "Letztlich ist es doch vor allem das Ausmaß der Behinderung, von dem es abhängt, ob diese von anderen Menschen hinreichend erkannt wird" widersprechen. Jemand mit Gips am Bein bekommt deutlich mehr Rücksichtnahme als jemand mit inkompletter hoher Rückenmarksverletzung, weil das eine viel sichtbarer und für andere Menschen viel besser nachvollziehbar ist. Ausmaß der Behinderung und Sichtbarkeit der Behinderung korrelieren nicht immer.
 
Viele Grüße,
odyssita
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