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Porträts & Geschichten

Zum Gedenken an Guido A. Zäch

«GAZ», «Papi Zäch» oder einfach «der Zäch» ist nicht mehr unter uns. Sein Geist lebt weiter. Er hat uns Para- und Tetraplegiker:innen geprägt und tut das noch heute.

1973 erkannte der erst 38-jährige neue und energische Chefarzt des Schweizerischen Paraplegikerzentrums in Basel sehr schnell, dass es nichts bringt, uns «arme» Gelähmte brav zu pflegen und zu bemitleiden. Wir möchten nicht dahinwelken, sondern gedeihen und erfahren, wie unser Leben weitergehen könnte. Sicher anders als geplant, aber wie? Hier setzte Guido Zäch an und verhalf uns zu Antworten auf brennende Fragen.

sir ludwig guttmann und guido a. zäch

Beim Aufbau seines ganzheitlichen Rehabilitationsansatzes orientierte sich Guido A. Zäch an Sir Ludwig Guttmann. Dieser gründete 1944 das weltweit erste Paraplegikerzentrum im britischen Stoke Mandeville.

Mit Guido Zäch ging es immer schnell voran

Nach jeder Chefarztvisite sah die Welt anders aus, meistens besser und aussichtsreicher. «Gibt es Neues von Ihrer Versicherung», fragte er Pierrot, meinen Zimmergenossen. «Seit Monaten läuft nichts», antwortete dieser. «Geben Sie mir die Unterlagen», wies er daraufhin den Stationsarzt an.

Zehn Tage später war alles erledigt. Pierrot erhielt eine sechsstellige Summe, obwohl der Versicherer alles versucht hatte, um ihn hinzuhalten und sich aus der Verantwortung zu ziehen. Aus dieser wirksamen Hilfestellung entstand die heutige Sozial- und Rechtsberatung der Schweizer Paraplegiker-Vereinigung (SPV).

«Wie geht es weiter mit der Übersetzerschule, die Sie besuchen möchten», fragte er mich anschliessend. «Sie liegt am Zürichberg und ist nur über eine 35 Stufen lange Treppe erreichbar.» Sofort gab er zurück: «Dann bauen wir dort einen Treppenlift.»

guttmann zäch und bundesrat furgler

Zehn Jahre Schweizerisches Paraplegikerzentrum Basel: Zäch nutze den Anlass, um das Zentrum und seine Stiftung bekannt zu machen. V. l. n. r.: Bundesrat Kurt Furgler, Guido A. Zäch, Sir Ludwig Guttmann, Oberarzt Oliver Seiler.

Das war im Jahr 1977, zwei Jahre nachdem er seine Schweizer Paraplegiker-Stiftung (SPS) gegründet hatte. Schon damals galt sie als die erfolgreichste Schweizer Sammelstiftung.

Die schwerfälligen Basler ermöglichten Nottwil

Zäch schaute immer voraus und unternahm alles, um uns neue Perspektiven zu eröffnen und uns in ein möglichst normales Leben zurückzuhelfen. Er emanzipierte uns. Zugleich war er ein charismatischer Macher, der seine Mitmenschen begeistern konnte.

Er löste Probleme am liebsten schon bevor sie uns über den Kopf wuchsen. So setzte er auch seine Projekte um. Langwierige Befragungen von Vorgesetzten und Gremien waren nichts für ihn. Er wollte nicht abwarten, bis die Aufsichtsbehörde ihm eventuell einen neuen Röntgenapparat genehmigte. Er bestellte einen, die Stiftung finanzierte ihn – zum Wohle der Patientinnen und Patienten.

guido a. zäch mit patienten und rettungshubschrauber

«GAZ» war stets voller Energie und zupackend. Er löste Probleme, bevor sie überhaupt entstanden.

So tickte «GAZ». Die Gremien fanden ihn frech, die Konflikte mehrten sich. «Basel machte es mir nicht leicht», bestätigte er mir einmal.

Vielleicht können wir froh darüber sein, denn wenn ihm das offizielle Basel entgegengekommen wäre, gäbe es kein Schweizer Paraplegiker-Zentrum in Nottwil. Es eröffnete 1990 seine Tore und begann, seine bis heute ungebrochene Strahlkraft zu entfalten. «Papi Zäch» sei Dank. Basel hatte das Nachsehen, stelle ich als gebürtiger Basler fest.

Zäch forderte viel von uns und gönnte uns auch viel

Typisch für den «Papi» war auch, dass er uns, wenn wir im Bett lagen, immer sachte und einfühlsam berührte. Andere Ärzte tun das nie. Sassen wir im Rollstuhl, kniete er sich neben uns. Mit ihm verkehrten wir immer auf Augenhöhe. Er kannte uns und war stets offen für ein Gespräch, obwohl er tagein, tagaus ein enormes Pensum bewältigte. Er war ein fordernder Rehabilitationsarzt und zugleich ein Mitmensch, der die Schönheiten des Lebens schätzte und sie auch uns wohlwollend gönnte.

guido a. zäch mit silvano beltrametti

«Papi Zäch», hier mit den ehemaligen Skirennfahrer Silvano Beltrametti, war zugleich herzlich und fordernd. So konnten wir über uns hinauswachsen.

Einer von uns scherte leider aus

Bis heute ist es befremdlich, dass sich Marc F. Suter, der 2017 verstarb, mit Guido Zäch dramatisch überwarf, obwohl er ihm viel zu verdanken hatte. Suter leitete lange Zeit die Sozial- und Rechtsberatung der SPV und war von 1986 bis 2000 Vizepräsident der SPS.

2003 sagte er vor Gericht in Basel sogar gegen ihn aus. Zäch war wegen ungetreuer Geschäftsführung angeklagt. In diesem Hahnenkampf gab es nur Verlierer. Die breite Öffentlichkeit sah darüber hinweg, und glücklicherweise flossen die Spenden selbst im Wirbel der schlechten Presse weiter.

Damals wie heute sind wir uns einig. Die Verdienste von Dr. med. Guido A. Zäch überwiegen seine möglichen Fehler bei Weitem. Dass nicht alles geradlinig verlief, machte ihn umso sympathischer.

Am Samstag, dem 28. Februar, findet um 10 Uhr morgens eine Dankesfeier in der Aula des SPZ statt.

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