Sind Herz und Atem im Einklang, so sind wir im grünen Bereich

Das aufgereizte vegetative Nervensystem chemisch-pharmazeutisch zu dämpfen sei das eine, sagte mir unlängst eine Spezialistin für Psychosomatik. Das andere und wohl bessere sei es, die eigenen, entspannend wirkenden Botenstoffe dieses Systems zu stärken. Dann wurde sie konkret: «Auf der Suche nach Ausgeglichenheit und Wohlbefinden ist es zielführender, die Aktivität des beruhigenden Parasympathikus zu fördern als jene des aufwirbelnden Sympathikus medikamentös zu drosseln». Die Wege zu diesem Ziel sind allerdings vielfältig.

Auch an wohligen Tagen muss ich mich bemühen, aus dem "roten" Bereich zu kommen.

Das 1991 gegründete amerikanische «HeartMath Institute» hat einen Ansatz entwickelt, der hergebrachte Atemtechnik mit unserem Wissenschaftsglauben und der Freude an Technik verbindet: Wir sitzen vor unserem PC, haben einen Sensor am Ohr und erleben am Bildschirm, wie wir uns vom unruhigen roten über den blauen in den wohltuenden grünen Bereich atmen. Dort herrscht «coherence», wie es die Amerikaner nennen. Das bedeutet, unser Atem- und Herzrhythmus stehen im Einklang. Technisch formuliert, sind sie synchronisiert oder eben «kohärent». Unser Gehirn nimmt diese Botschaft des Herzens auf und belohnt uns: Wir fühlen uns entspannt und sind es auch, denn der Parasympathikus beherrscht uns.

Ich selbst habe mir zum Einstieg den Luxus geleistet, eine Atemtherapeutin beizuziehen. Zwingend ist das aber nicht. Zum Erlebnis der Kohärenz kommen wir ohne grossen Aufwand und ohne dämpfende Nebenwirkungen. Im Gegenteil: Wir haben einen klaren, besonnen denkenden Kopf.

Herzaktivität und Atem aufeinander abstimmen. Das tut gut.

Einen Haken hat die Sache aber doch. Der Parasympathikus ist der Faulenzer in unserem Nervensystem. Er lässt sich nach meinen bisherigen Erfahrungen nur aus der Reserve locken, wenn wir selber auch faulenzen, also hingebungsvoll regelmässig atmen und im Übrigen einfach nichts tun. Sobald ich gleichzeitig am PC nur schon was lese oder was schreibe, zum Beispiel diesen Bericht, falle ich zurück in den blauen und schon bald in den roten Bereich. Die Wirkung ist mithin befristet.

Gleichwohl können wir die Atemtherapie von HeartMath wie Kaffeepausen in unseren Alltag einbauen. Ihre Bremswirkung hilft vermeiden, dass wir vor lauter Aufgeregtheit überdrehen. Wir sehen und fühlen, wie sie uns zurückführt zur inneren Balance, wie es so schön heisst. Dank ruhigem Atmen stehen Herz und Kopf in liebevoller Harmonie, störende Stressfaktoren sind ausgeschaltet.

Auch auf dem Handy kommen wir in den grünen Bereich

Auch wenn wir unterwegs sind, können wir Pausen mit HeartMath einlegen: Die als «Inner Balance Trainer» bezeichnete Software samt dazugehörendem drahtlosem Sensor lässt sich für 189 Euro aufs iPhone runterladen, während für den Einsatz am PC das Gerät «emWave2» (234 Euro) zu kaufen ist. Von der Schweiz aus sind diese Produkte bei HeartMath Deutschland erhältlich. Link: https://www.heartmathdeutschland.de/

Wer mehr über die Hintergründe wissen will und Englisch kann, geht auf die Homepage des Mutterhauses: https://www.heartmath.org – sie erläutert die wissenschaftlichen Hintergründe und liefert auch eine wunderbare Erklärung: Die Welt wäre friedlicher und schöner, wenn wir Menschen alle danach trachteten, möglichst oft im Zustand der «Kohärenz» zu sein.

Für solche Schwärmereien bin ich zu nüchtern: Das Angebot von HeartMath finde ich nicht besser und nicht schlechter als andere komplementäre Therapien. Es passt aber zu unserem modernen Lebensstil, kommt unserem Spieltrieb entgegen, und wir können es überall auch ohne Unterstützung durch Drittpersonen einsetzen. Es schärft unser Gespür, wie wir mit unserem Atem die Herzfunktion und mithin unser Wohlbefinden beeinflussen und schon innert fünf Minuten verbessern können.

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