Gebirgig und doch sehr rollstuhlfreundlich und bequem    

Duschsitz am Strand

Die Werbung preist uns Spanien als Ferienland mit weiten Sandstränden und Orangenhainen an. An der Atlantikküste zwischen Gibraltar und der Grenze zu Portugal sowie an der warmen Mittelmeerküste zwischen Barcelona und Alicante trifft das auch zu, ansonsten gilt Spanien aber nach der Schweiz und Norwegen als das gebirgigste Land Europas. Die Küsten sind an vielen Stellen felsig und bilden malerische, aber schwer zugängliche Buchten. Das Zentrum mit der – grösstenteils flachen – Hauptstadt Madrid liegt auf einer Hochebene (meseta), von der aus sich Gebirgszüge erheben.

Trotz der nicht einfachen Topografie ist Spanien aber das rollstuhlfreundlichste Land Europas, finde ich. Das war nicht immer so, doch die Infrastruktur hat sich in den vergangenen 40 Jahren im Zuge des Baubooms stark verbessert. Der Beitritt zur EU im Jahre 1986 hat diesen Prozess noch beschleunigt. Die Modernisierung trägt auf baulicher Ebene dazu bei, Artikel 49 der demokratischen spanischen Verfassung von 1978 umzusetzen: Dieser verlangt von den Behörden, alles zu unternehmen, damit Behinderte die gleichen Rechte geniessen können wie alle anderen Staatsbürger.

Schwimmbad mit Rampenzugang

So finden wir im modernen Spanien selbst in etwas schmuddeligen Kneipen und Bars eine rollstuhlgängige Toilette, Hotels in jeder Preisklasse mit behindertengerechten Zimmern sowie in praktisch jedem Kaff ein taxi adaptado, ein Taxi also, in das wir im Rollstuhl zusteigen können. Das geht schnell, ist unkompliziert und kostet kein Extra. Schliesslich ist jede Einrichtung, die in irgendeiner Form von öffentlichem Interesse ist, über eine Rampe zugänglich, seien es Kirchen, Parkanlagen, Badestrände, Museen, Theater, Kinos, Hotels, Restaurants oder Supermärkte. 

Lift zum Strand

Dieser erfreuliche Gesamteindruck hat sich auch bei unserem Entspannungsreislein Anfang Oktober bestätigt: Wir flogen nach Málaga an der Costa del Sol und von dort aus, natürlich mit dem taxi adaptado, der Küste entlang 60 Kilometer nach Osten ins malerische Städtchen Nerja. Es liegt auf einem Felsplateau etwa 15 Meter über dem Meer und beherbergt seit 1963 auch den modernen Parador de Nerja, ein sehr angenehmes Viersternehotel, das zur halbstaatlichen guten Hotelkette Paradores de España gehört. Er war schon vor 20 Jahren, als wir erstmals mit unseren beiden Töchtern dort waren, recht funktional und bot freie Sicht aufs Mittelmeer. Heute ist alles perfekt. Die Zimmer 401 und 402 sind rollstuhlgängig, haben ein grosses Badezimmer mit Stützen und Duschsitz. Sie führen direkt in die grosse Gartenanlage über dem Meer. Sie lädt zum Entspannen und Sinnieren ein. Wer mehr erleben will, fährt mit dem Lift zum Meer runter. Unten angekommen, liegt der öffentliche Sandstrand einladend zu Füssen. Auch die kleinen Restaurants und Bars laden ein. Wir hatten ein individuelles Arrangement mit Flug ab Basel und acht Übernachtungen für 2680 Franken. Es gab nichts zu klagen, das Frühstück brachten sie uns in Zimmer!

Rampe von der Promenade zum Strand

Im Städtchen mit seiner ausgedehnten Fussgängerzone gibt es zahlreiche kleine Geschäfte und viele Restaurants, darunter auch drei etwas teurere mit kreativer Küche. Nennenswert sind das Sollun, das Oliva und die Pata Negra, alle drei leicht zugänglich und mit geeignetem stillem Ort. Inzwischen ist España nicht nur das Ferienland der Rampen, Rampaña, sondern auch des guten Essens.

Link zum Parador de Nerja: http://www.parador.es/de/paradores/parador-de-nerja.

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