Der Herbst ist da, und mit kühleren Temperaturen und bunten Blättern beginnt auch die Jagdsaison.

In diesem Blog geht es um ein norwegisches Projekt mit dem Ziel, Menschen mit eingeschränkter Mobilität zur Teilnahme an der Jagd zu ermutigen und sie einzuschliessen. Ausserdem gehen wir auf einige Vorteile von Outdoor-Aktivitäten für die Gesundheit ein.

Jagen ist eine unserer ältesten Traditionen. Tausende Jahre lang waren die Menschen Jäger und Sammler. In der heutigen modernen Gesellschaft ist Jagen in erster Linie eine Freizeitaktivität und steht für Naturerlebnisse.

Laut dem Verband JagdSchweiz gibt es in der Schweiz ca. 30.000 lizenzierte Jäger. Wild, Rotwild, Wildschwein, Fuchs und Dachs sind einige der Tierarten, die gejagt werden dürfen. JagdSchweiz argumentiert, dass Jagen notwendig ist, um eine langfristige Balance der Artenvielfalt zu gewährleisten und den Lebensraum der heimischen Wildtiere zu erhalten.

Jagen für alle

Der Norwegische Behindertenverband startete 2016 gemeinsam mit dem Norwegischen Verband der Jäger und Angler ein zweijähriges Pilotprojekt namens Jagen für alle. Es war von einem ähnlichen Projekt inspiriert, das 2012 in Schweden durchgeführt wurde. Das Hauptziel des norwegischen Projekts war es, die Möglichkeiten rund um Jagen und Outdoor-Aktivitäten für Menschen mit Behinderungen zu erleichtern und zu fördern.

teilnehmer am projekt jagen für alle

Die Teilnehmer des Projekts Jagen für alle. (Quelle: https://jaktogfiske.njff.no/jakt/2019/01/hjortejakt-rullestol)

Mit ein paar Anpassungen konnten die Teilnehmer Erlebnisse draussen geniessen, die ihnen sonst nur schwer möglich gewesen wären. Doch vor der ersten Jagd mussten alle noch ein Training absolvieren und die Jagd-Eignungsprüfung bestehen.

Diverse Ausrüstung und Geräte unterstützen Menschen mit eingeschränkter Mobilität bei der Teilnahme an Jagd- und Outdoor-Aktivitäten. Es gibt einige motorisierte Fahrzeuge, die konzipiert wurden, um ins Gelände abseits von Strassen zu gelangen. Auch wenn die Teilnehmer während des Projekts geländegängige Rollstühle testen konnten, ist es in Norwegen noch nicht legal, von einem motorisierten Fahrzeug aus zu jagen. Es ist jedoch durchaus möglich, in einem normalen Rollstuhl auf die Jagd zu gehen, sofern das Jagdgebiet leicht zugänglich ist.

jagen im geländegängigen rollstuhl

Geländerollstühle erleichtern die Fortbewegung auf unwegsamem Terrain. (Quelle: https://www.dam.no/prosjekter/jakt-for-alle/)

Guro Konstanse Frønsdal, die an diesem Projekt teilnahm, meinte:

«Einfach draussen in der Natur zu sein gibt mir ein grossartiges Gefühl von Freiheit. Ich bin dankbar dafür, Teil eines so freundlichen und offenen sozialen Umfelds zu sein. Es ist auch einfacher, sich anderen anzuschliessen, die in der gleichen Lage sind wie ich.»

Der Manager des Projekts, Leif Arild Fjellheim, äusserte sich gegenüber dem norwegischen Magazin Jakt & Fiske:

«Es war mir ein Vergnügen, Teil dieses Projekts zu sein. Es hat die Möglichkeiten für Rollstuhlfahrer mit Hilfe relativ einfacher und günstiger Mittel aufgezeigt.»

Der Norwegische Behindertenverband sagte abschliessend, dass das Projekt sehr erfolgreich gewesen sei. Es habe einzigartige Einblicke ermöglicht und sei eine gute Grundlage für künftige Arbeiten rund um Outdoor-Aktivitäten für Menschen mit eingeschränkter Mobilität.

Natur und Gesundheit

Normalerweise gibt es während der Jagd viele ruhige Momente, in denen man auf die Beute wartet und einfach die Natur und die Ruhe geniessen kann. Auch wenn die Jagd nicht immer erfolgreich ist, hat es viele Vorteile, Zeit in der Natur zu verbringen.

Laut einer in Japan durchgeführten experimentellen Studie können Menschen auf mehrere Arten davon profitieren, Zeit im Wald zu verbringen – in der Studie «Waldbaden» genannt. Die Studie hat gezeigt, dass die Waldumgebung den Blutdruck und die Herzschlagfrequenz senken und eine niedrigere Konzentration des Stresshormons Cortisol fördern kann. Eine weitere Review-Studie brachte ähnliche Ergebnisse hervor.

wald

«Waldbaden» hat viele Vorteile. (Quelle: JuniperPhoton auf Unsplash)

Ausserdem führte die Universität Michigan eine Studie zu den kognitiven Auswirkungen von Interaktionen mit der Natur durch. Darin wurden zwei Gruppen verglichen, die zu Fuss unterwegs waren: die eine in einer natürlichen Umgebung, die andere in einer städtischen. Die Ergebnisse des Experiments zeigten bei den Teilnehmern in der natürlichen Umgebung einen grösseren Nutzen für das Kurzzeitgedächtnis als bei der anderen Gruppe. Ein weiteres Experiment dieser Studie zeigte, dass allein das Betrachten von Bildern der Natur mehr kognitive Verbesserungen bewirken kann als das Anschauen von Bildern städtischer Gebiete.

Alles in allem gibt es viele gute Gründe dafür, Zeit draussen zu verbringen. In der Natur zu sein kann sich auf verschiedene Arten positiv auf die Gesundheit auswirken, z. B. durch einen gesenkten Blutdruck, weniger Stresshormone und eine verbesserte kognitive Funktionsfähigkeit.

Wenn Ihr mehr über Jagen in der Schweiz erfahren möchtet, schaut Euch die Website oder Facebook-Seite von JagdSchweiz an. Ein berühmter Schweizer Jäger im Rollstuhl ist übrigens der ehemalige Skistar Silvano Beltrametti, wie er in diesem Interview erzählt.

Was haltet Ihr vom Jagen? Welche Outdoor-Aktivitäten macht Ihr gerne?

[Übersetzung des originalen englischen Beitrags]

Kommentare (2)

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Ich finde es erfreulich, dass sich auch für Rollstuhlfahrer das Spektrum an Aktivitäten laufend erweitert. Gleichermassen scheint mir aber, dass Freizeitaktivitäten auch zu uns passen sollten. Mir genügt es, draussen zu sein, ohne zu jagen. Ich...

Ich finde es erfreulich, dass sich auch für Rollstuhlfahrer das Spektrum an Aktivitäten laufend erweitert. Gleichermassen scheint mir aber, dass Freizeitaktivitäten auch zu uns passen sollten. Mir genügt es, draussen zu sein, ohne zu jagen. Ich hatte nie Bezug zur Jagd, also muss ich sie vom Rollstuhl aus nicht plötzlich zur Leidenschaft erklären. Ganz anders verhält sich das bei einem Menschen, der mit der Jagd aufgewachsen ist und sich diese Entfaltungsmöglichkeit auch im Rollstuhl bewahren will.

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Also, mir geht dies genauso wie Fritz. Die Jagd ist irgendwie kein Thema für mich. Es gibt so viele schöne und bedeutend angenehmere Möglichkeiten sich in der Natur aufzuhalten. Wenn ich das Bild anschaue, wirkt es nicht so positiv auf mich. Bei...

Also, mir geht dies genauso wie Fritz. Die Jagd ist irgendwie kein Thema für mich. Es gibt so viele schöne und bedeutend angenehmere Möglichkeiten sich in der Natur aufzuhalten. Wenn ich das Bild anschaue, wirkt es nicht so positiv auf mich. Bei uns ist die Jagd eher lästig. Hier in unserem Departement Gard kann man dauernd Jagen. So ist es schier unmöglich von September bis März einen schönen ausgiebigen Spaziergang zu machen, ohne auf Jäger zu stossen. Da immer wieder "Jagdunfälle" passieren, bei denen sich Jäger untereinander abschiessen oder gar unbedarfte Wanderer, kann ich diesem Freizeitvergnügen wirklich nichts mehr abgewinnen.

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