Wie kann sie Menschen mit Querschnittlähmung helfen?

Autorin der Zusammenfassung: Silene Stoppa (Schweizer Paraplegiker-Forschung)

Virtual Reality ist vielen nur aus dem Computerspielbereich bekannt. Doch ihre Nutzung kann sich auch positiv auf physische und psychische Probleme auswirken, die eine Querschnittlähmung mit sich bringen kann.

In den letzten Jahren wurden diverse Studien über den Nutzen von Virtual Reality (abgekürzt VR) bei Patienten mit Querschnittlähmung durchgeführt. Manche konzentrieren sich auf Interventionen zur Verminderung chronischer neuropathischer Schmerzen, andere auf die Reduzierung psychischer Symptome wie Angst, Depressionen und negativer Emotionen. Darüber hinaus wurde ein VR-Projekt entwickelt, das Rollstuhlfahrern helfen soll, mit Hindernissen im städtischen Umfeld umzugehen. Die Ergebnisse dieser Studien zeigen, dass Virtual Reality ein wirkungsvolles Hilfsmittel bei der Rehabilitation sein könnte – doch weitere Forschung ist nötig, um ihre vielfältigen Möglichkeiten zu nutzen.

Beispiel einer Rehabilitationstherapie mit Virtual Reality

Erste Studie: VR kann neuropathische Schmerzen lindern

Die Studie von Pozeg et al. wurde an 20 Patienten mit Querschnittlähmung und einer Kontrollgruppe von ebenfalls 20 Personen durchgeführt. Jeder Teilnehmer erhielt eine Brille für die VR-Simulation, dann wurde er diversen Sitzungen mit VR unterzogen. Eine davon war, dass die Forscher Bereiche des Rückens des Patienten berührten, während dieser eine virtuelle Projektion seiner Beine beobachtete, die gleichzeitig berührt wurden.

Diese Technik erzeugte bei den Teilnehmern die Illusion, Teile ihres Körpers wieder wahrzunehmen, die längst ihren Tastsinn verloren hatten. Die Forscher wollten wissen, ob die Intensität der neuropathischen Schmerzen auf diese Weise abnahm. Deshalb mussten die Teilnehmer ihre Schmerzen sowohl vor als auch nach der Simulation bewerten. In der Tat zeigten die Ergebnisse, dass die VR-Simulation die Intensität der neuropathischen Schmerzen bei den Patienten leicht reduzierte.

Simulation, auf einem Fluss zu gleiten

Zweite Studie: VR gegen depressive Symptome

In der Studie von Flores et al. wurden nur zwei Patienten mit Querschnittlähmung untersucht. Hier bestand die VR-Illusion darin, langsam einen Fluss hinunterzutreiben. Gleichzeitig hörten die Patienten „DBT® Mindfulness Skills“-Anleitungen: Diese sollten es den Patienten ermöglichen, ihre Emotionen zu erkennen, mit ihnen umzugehen und sie zu akzeptieren.

Vor und nach der Aktivität mussten die Patienten den Grad ihrer depressiven Symptome beurteilen. Hinterher gaben die Teilnehmer an, dass sie weniger Angst, emotionales Ungleichgewicht und Depressionen verspürten. Da allerdings nur zwei Patienten an der Studie teilnahmen, ist dieses Ergebnis nur bedingt aussagekräftig.

Virtuelle Realität reduziert psychische Symptome

Designprojekt: VR kann helfen, sich im Rollstuhl fortzubewegen

Auch wenn das Projekt eines Teams des Designbüros Fjord keine wissenschaftliche Studie ist, ist es ein weiteres Beispiel für die Nutzung von VR zu Rehabilitationszwecken. Ziel des Teams war die Schaffung einer virtuellen Landschaft, um Rollstuhlfahrern zu helfen, sich in einem neuen städtischen Umfeld zurechtzufinden.

Auf der Grundlage von Daten, die aus Interviews und Online-Ressourcen gesammelt wurden, entwickelten die Designer eine dreidimensionale Simulation einer imaginären Stadt voller architektonischer Hindernisse. Auf diese Weise konnten die Teilnehmer Alltagssituationen in einer risikofreien Umgebung testen und sich auf physische Barrieren im realen Leben vorbereiten.

Der Prototyp des Projekts heisst „Wheelchair Training Program“ und könnte, sofern sich genügend Sponsoren finden, bald vermarktet werden.

Fazit aus den Studien

Die Studienergebnisse geben Hoffnung auf zukünftige Rehabilitationstherapien für Patienten mit Querschnittlähmung. In der Tat sind sie ein sehr guter Ausgangspunkt für die Entwicklung nicht-invasiver therapeutischer Lösungen ohne gefährliche Nebenwirkungen. Die hier präsentierten Studien basierten jedoch auf kleinen Teilnehmerzahlen, weshalb die Ergebnisse nicht als abschliessend angesehen werden können.

Habt Ihr Erfahrung mit virtueller Realität? Welche Emotionen hat sie bei Euch geweckt?

 

Referenzierte wissenschaftliche Artikel und andere Quellen:

[Übersetzung des originalen italienischen Beitrags]

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