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  Donnerstag, 17. Oktober 2024
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Lieber Doktor-Online, Liebe Community 
In letzter Zeit häufen sich die Nächte wo ich kaum schlafen kann weil ich aufschrecke und "Krämpfe" habe in den Beinen (Schienbein, Wade, Zehen, Vorfuss, Oberschenkel vorne, mal hinten). Es fühlt sich an wie ein Krampf aber nicht wie ein typischer Muskelkrampf- schwierig zu beschreiben. Es dauert manchmal nur paar Sekunden bis zu einigen Minuten. Bei einem "normalen" Krampf kann man gegendrücken was Linderung verschafft, hier hilft das kaum/wenig. Es ist nur Nachts! Es ist gehäuft wenn ich körperlich viel gemacht habe und vor allem zu wenig Hilfsmittel benutzt habe. (Walkingstöcke oder die Unterschenkelorthese (Neuroswing) mit den leichteren Federn drin genommen habe.) ich nehme täglich 3x300mg Magnesium - ohne das sind die Krämpfe unerträglich. Sie fühlen sich an als ob Metall am Ort des Krampfes wäre, oder Strom die Muskeln blockiere.

Meine Geschichte zur Erinnerung: vor 10 Jahren wurde ich TH6 an einer Subarachnoidalzyste operiert& habe seither autonome Dysreflexien. Als ich die erste autonome Dysreflexie gemacht hatte meinte mein Neurourologe dass es sehr selten vorkomme bei einer inkompletten QS und klärte mich dann über die Gefährlichkeit der Symptome auf und wie ich reagieren muss. Ich kann ohne Hilfsmittel im Haus gehen, trage aber die Neuroswing-Orthese sobald ich das Haus verlasse. Die Krämpe habe ich an beiden Beinen aber das linke (wo ich die Orthese trage) ist stärker bettoffen. Ursprünglich meinten die Ärzte dass ich mit dem rechten Bein Probleme haben müsste weil die Zyste das  Rückenmark rechts verdrängte (jedoch verdrängte es nach links was sie im OP sahen. Beim Gehen ist nur das linke Bein eingeschränkt.)

Nun meine Frage: was könnten diese Krämpfe sein? Warum 10 Jahre nach der OP diese Symptome? 
Ich habe ja keine komplette Querschnittslähmung nur eine Symptomatik und im Gegensatz zu vielen hier in der Community habe ich sehr Milde Symptome. 

Ich bin froh um jeden Input!
Liebe Grüsse, Hutsch

 

 

l.jardin updated the category from Frag den Doktor to Archiv Frag den Doktor — vor etwa 10 Monaten
vor etwa 1 Jahr
·
#5503

Lieber Dr HAM

Herzlichsten Dank für die super Ausführungen.

Das wellenförmige habe ich sehr oft auch für nur kurze Momente. Die 20-Minütige Episode hatte ich bisher nur 1x. Dann scheinen das ja am ehesten Spasmen zu sein.

Ich werde alle Tips und Vorschläge ausprobieren!  Falls sich die Symptome nicht bessern, weiss ich nun zu welchem Spezialisten ich gehen müsste.

Nochmals aller besten Dank, das hat mir seeehr geholfen und beruhigt!

Liebe Grüße und auch ein erholsames Wochenende

Hutsch

vor etwa 1 Jahr
·
#5502

Hoi, Hutsch,

Spasmen sind nicht das Gleiche wie Crampi. Bei Crampi liegt das "Problem"/der Auslöser im Muskel selbst. Bei Spasmen ist es wohl eher eine kurze Übererregbarkeit des/r zuständigen Nerven/s. Spasmen dauern wenige Sekunden, vielleicht mal 1-2 Minuten, aber nicht bis 20 Min. Manchmal sind Spasmen auch etwas "wellenförmig", d. h. in ihrer Ausprägung stärker und schwächer, wie eine Kommen und Gehen. Spastik ist etwas länger Anhaltendes, halbe Stunde bis ganzer Tag. Wenn Spastik neu auftritt oder sich verändert oder häufiger auftritt, dann sollte man nach einer zugrundeliegenden Ursache forschen (Infekt, Blaseninfekt, Hautdefekt, eingewachsener Zehennagel, Verstopfung u. a.) und benötigt evtl. auch eine neue Kernspintomographie (MRI/NMR/MRT) des Rückenmarks, gerade wenn nach vielen Jahren etwas Neues auftritt.. Als Ansprechpartner nebst dem Hausarzt wäre sicher ein Neurologe oder ein Paraplegiologe (diesen Facharzttitel gibt es nicht, allenfalls ein Rehabilitationsmediziner mit Erfahrung in der Querschnittgelähmten-Medizin) zu konsultieren. Bevor man über neue Medikamente nachdenkt, muss man versuchen die Ursache ausfindig zu machen.

Schönes Wochenende, Dr. HAM

vor etwa 1 Jahr
·
#5501

Lieber Dr. HAM

Vielen Dank für die rasche und ausführliche Antwort!

Ich habs schon mit meinem Hausarzt besprochen und er meinte ich soll Magnesium hochdosiert probieren (was ich getan habe) & wenn es dann bessert seien es "normale" Krämpfe  und wenns nicht bessert tippe er auf Spastiken und dass man es dann eben weiter abklären müsste/könnte. Ich möchte aber keine Spastiken haben🙃, daher gefallen mir die Antworten sehr gut: 

- relative Muskelüberforderung: dann könnte ich versuchen mich weniger zu bewegen - was mir sehr schwer fällt weil ich schon extrem reduziert habe. Den Tip mit dem Trinken werde ich versuchen & auch die Elekrolythaltigen Lösungen wie Apfelschorle etc.

Darf ich nochmals nachfragen wegen der Spasmen (nicht Spastik): Spasmen sind "normale" Krämpfe" und das selbe wie Crampi?Meine Krämpfe dauern zwischen 10s und 20 Minuten. Würden da die Eletrolytgetränke helfen und weniger Bewegung damit keine Muskelüberlastung auftritt?

Es irritiert mich, dass mich mein Hausarzt, meine Chirurgen und mein Orthopädietechniker gefragt haben ob ich Spastiken habe. Ich bin zurückhaltend es weiter abklären zu lassen, weil ich mir momentan nicht vorstellen kann (zusätzliche) Medikamente zu nehmen und dann die Frage ob es Sinn macht lange(teure) Abklärungen zu machen "nur" zu wissen wie meine Probleme heissen. Mich interessiert die Diagnose nur damit ich die Symptome reduzieren kann. Ich dachte ich kann konservativ z.B. mit Getränken eine "Ausschlussdiagnose" herleiten. Oder gibt es einen guten/sinnvollen Grund es tatsächlich abklären zu lassen?

Warum habe ich jetzt nach 10 Jahren plötzlich solche Symtome?

Vielleicht gibt es ja noch eine "einfache" Antwort auf eine meiner Fragen.

Vielen herzlichen Dank fürs Engagement 

Hutsch

vor etwa 1 Jahr
·
#5500

Hoi, Hutsch,

nach der Schilderung könnten es "banale" Muskelkrämpfe (Fachmedizinisch: Crampi) sein, auch wenn Magnesium nicht hilft (was es auch bei Fussgängern nicht immer tut). Es könnte auch Folge einer (relativen) Muskelüberforderung/-überbelastung sein. Wichtig ist bei Anstrengung, Sport oder Schwitzen ebenso wie bei Durchfall oder Fieber auch eine ausreichende Flüssigkeitszufuhr, nicht einfach mit Wasser, sondern besser mit Elektrolyt-haltigen Getränken (Apfelschorle, Bouillon, alkoholfreies Weizenbier; für teure isotonische Sportgetränke muss man kein Geld ausgeben). Wenn die "Krämpfe" nach wenigen Minuten von selbst enden, kann es sich auch um sog. Spasmen handeln (nicht zu verwechseln mit Spastik). Die gängigen Medikamente gegen Spastik (Baclocalm, Sirdalud, Lioresal) helfen dann allerdings nicht. Eine weitere Möglichkeit könnte ein restless legs syndrom (RLS) sein. Dazu müsste man eine entsprechende Diagnostik betreiben (Polygraphie mit Beinableitungen; teurere Variante: eine Nacht im Schlaflabor). Sollte sich das RLS bestätigen, würde man zu anderen Medikamenten greifen. Man kann das entsprechende Basismedikament aber zu diagnostischen Zwecken auch für ein paar Tage am Abend probehalber einsetzen (Madopar 62,5 mg).  

Zunächst kann man das Thema mal mit dem Hausarzt durchgehen. Alternativ wäre auch eine Abklärung in einem Ambulatorium eines Paraplegikerzentrums in der Schweiz oder allenfalls bei der Sportmedizin im SPZ Nottwil. denkbar.

Gute Besserung, Dr. HAM

Hallo Hutsch

Das ist aber schön, wieder einmal von dir zu hören – auch wenn der Anlass leider kein schöner ist. Unser Dr. Online hat die Nachricht erhalten und meldet sich baldmöglichst.

Liebe Grüsse

Johannes

vor etwa 1 Jahr
·
#5498

Lieber Franz

vielen Dank für deine liebe und rasche Antwort.

ich bin der "alte" Hutsch der schon hier in der Community war aber sich lange nicht gemeldet hat...

ich habe auch alle bisherigen Posts über "Spastik" nochmals gelesen, aber finde für mein Problem dort keine Amtwort, daher habe ich hier reingeschrieben.

Liebe Grüsse Hutsch

Hallo lieber Hutsch

herzlich willkommen in unserer großartigen Community, schön, dass du den Weg zu uns gefunden hast. Du bist hier genau am richtigen Ort!

Zwei Dinge vorab:

1. Ich bin selbst nur Betroffener, also kein Arzt. Sicherlich wird dir einer unserer tollen Online-Ärzte bald antworten. Bitte hab ein wenig Geduld – sie sind auch nur Menschen und haben viel zu tun. Aber sei gewiss, dass sie stets mit höchster Professionalität antworten werden.

2. Du musst dich weder entschuldigen noch schämen, wegen deines milderen Verlaufs oder deiner Diagnose. Bei uns gibt es weder „mild“ noch „schlimm“. Jedes Leid ist eines zu viel, und jedes Leid verdient Aufmerksamkeit und eine Lösung.

Ich wünsche dir von Herzen, dass du eine gute Lösung oder Therapie findest. Hier bist du jedenfalls in guten Händen. Alles Weitere werden dir unsere Online-Ärzte erklären. Denk bitte daran, dass es hier oft um Einschätzungen oder Empfehlungen geht, da konkrete und gezielte Therapien immer eine direkte persönliche Abklärung erfordern. Vielleicht wäre auch das SPZ Nottwil eine Möglichkeit.

Liebe Grüße,

Franz

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