Wie im ersten Kapitel unseres Vademecums erwähnt, ist einer der ersten Aspekte, die wir beim Erhalt von Informationen berücksichtigen müssen, ihre Quelle, also wer es gesagt hat. Wir verfügen jedoch nicht immer über alle notwendigen Elemente, um zu beurteilen, ob die Person tatsächlich berechtigt ist sich zu äussern. Oder wir haben nicht die Zeit, diese Einschätzung zu treffen. Deshalb beurteilen wir die Glaubwürdigkeit einer Quelle anhand anderer Elemente, wie z. B. der Authentizität oder dem Charme des Sprechers. Doch das führt oft zu schlechten Ergebnissen.

Es ist wichtig, dass wir etwas nicht schon deshalb glauben, weil die sprechende Person überzeugend klingt. Stattdessen sollten wir in der Lage sein zu beurteilen, ob der Redner als glaubwürdig angesehen werden kann.

Wir schlagen daher einige Punkte vor, die man bei der Beantwortung der Frage beachten sollte: Ist der, der spricht, glaubwürdig?

Wenn wir eine – schriftliche oder mündliche – Nachricht erhalten, die davon handelt, was COVID-19 ist, wie sich die Krankheit verbreitet und wie man sie verhindern kann, oder die Vorhersagen über Verlauf und Auswirkungen der Krankheit macht, sollten wir Folgendes nicht vergessen:

  1. Ohne Kompetenzen kommt man nirgendwo hin. Wenn sich die Kompetenz des Sprechers nicht feststellen lässt, durch den Nachweis einer spezifischen Ausbildung und jahrelanger Erfahrung auf dem Gebiet, sind die Informationen in Frage zu stellen. Um über Behandlungen für COVID-19 zu sprechen, reicht es beispielsweise nicht aus, ein paar Artikel im Internet gelesen zu haben oder einen Onkel zu haben, der Arzt ist.
  2. Niemand ist ein Experte für alles. Experten verfügen über Fachwissen in bestimmten Bereichen. Selbst unter Ärzten gibt es beispielsweise Experten für Kardiologie, Onkologie usw. Generell sollten wir uns vor denen hüten, die sich als Experten auf vielen Gebieten präsentieren.
  3. Guter Wille ist nicht genug. Ohne Fachkenntnisse lässt sich die Qualität der Informationen nicht garantieren. Man kann es gut meinen, aber nicht genug wissen.
  4. Die Kleidung macht den Mönch nicht aus. Gut sprechen zu können, oft im Fernsehen aufzutreten oder viele Anhänger in den sozialen Medien zu haben, bedeutet nicht, dass man auch die Kompetenz hat, über etwas zu sprechen. Und umgekehrt.

Wenn jemand als «Experte» spricht, sollten wir sein Fachgebiet hinterfragen. So können wir vermeiden, falsche, unvollständige oder irrelevante Informationen zu verwenden und weiterzuverbreiten.

Kommentare (3)

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Vielen Dank lieber Johannes für dein Vademecum gegoogelt = Ratgeber. Ich denke dies ist nicht nur wichtig im Zusammenhang mit Corona sondern ganz besonders in der heutigen Zeit, wo wir oft überschwemmt werden von den Medien in jeglicher Form. ...

Vielen Dank lieber Johannes für dein Vademecum gegoogelt = Ratgeber. Ich denke dies ist nicht nur wichtig im Zusammenhang mit Corona sondern ganz besonders in der heutigen Zeit, wo wir oft überschwemmt werden von den Medien in jeglicher Form. Liebe Grüsse, Silvia

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Vielen Dank liebe Silvia für den netten Kommentar. Es freut uns, dass Du das Vademecum / den Ratgeber hilfreich findest. Liebe Grüsse, Johannes

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Danke fürs Erstellen und Teilen des Vademecums! Ich finde das Thema grundsätzlich sehr wichtig.

Bei diesem Beitrag musste ich an den Begriff "Eminenz-basierte Medizin" statt "Evidenz-basierter Medizin" denken. Ich denke auch, allein eine...

Danke fürs Erstellen und Teilen des Vademecums! Ich finde das Thema grundsätzlich sehr wichtig.

Bei diesem Beitrag musste ich an den Begriff "Eminenz-basierte Medizin" statt "Evidenz-basierter Medizin" denken. Ich denke auch, allein eine Position oder Karriere bedeutet nicht automatisch Kompetenz und schützt nicht automatisch vor Bias.

Ich gehe an die Frage nach der Glaubwürdigkeit gerne so heran:
Ich schaue mir die Vita, den Lebenslauf an (der findet sich z. B. oft auf der Homepage des Arbeitgebers). Ich schaue auf Researchgate, was für Schwerpunkte, Forschungsbereiche, Publikationen derjenige hat und ggf. auch, Teil welcher Netzwerke er ist. Gegebenenfalls werfe ich einen Blick auf die Publikationen des Autors; dabei schaue ich gerne, ob z. B. ein Statistiker an der Publikation beteiligt war, wie gut differenziert wird und wie mögliche Fehlerquellen und Schwächen der Studie kommuniziert werden, und ich schaue auch dabei, was die Forschungsschwerpunkte des Autors sind.

Ganz grundsätzlich achte ich darauf, wie jemand an Themen herangeht und Informationen kommuniziert. Wird transparent und nachvollziehbar offengelegt, worauf sich die Einschätzungen stützen? Gibt es Quellenangaben und sind Rohdaten einsehbar, so dass die Wissenschaftsgemeinschaft sich ein eigenes Bild machen kann? Wird gut differenziert oder wird zu sehr verallgemeinert? Werden mögliche Fehlerquellen und Unsicherheiten klar kommuniziert oder wird eine falsche Sicherheit im Brustton der Überzeugung vorgetragen? Ist derjenige bereit, seine Einschätzung zu ändern, wenn neue Informationen vorliegen?

Super finde ich übrigens den Podcast "Das Coronavirus-Update" mit dem Virologen Prof. Christian Drosten, der auf Coronaviren spezialisiert ist und seine Abwägungen sehr gut erklärt.
https://www.ndr.de/nachrichten/info/podcast4684.html

Liebe Grüße,
odyssita

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