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Alltag & Mobilität

Grundlagen Schulterphysiologie

Um alle Bewegungen im Schultergelenk durchzuführen braucht es das Zusammenspiel von vielen verschiedenen Muskeln der Schulter, der Halswirbelsäule und des Rumpfes. Es sind dabei fünf verschiedene Gelenke beteiligt. Das Zusammenspiel all dieser Gelenke und Muskeln ermöglicht das Abstützen auf den Händen und Schultern sowie sämtliche Alltagsaktivitäten und Tätigkeiten über Kopf. Die Schultergelenke kommen sowohl beim Aufsitzen als auch beim Transferieren unter grosse Belastung. Häufige Abnutzungserscheinungen findet man in Sehnen (Supraspinatussehne, Subscapularis­sehne, Bizepssehne) und Gelenken (Schulter- und Schultereckgelenk).

schulterphysiologie de

Verschiedene Antriebstechniken

Zum Antreiben des manuellen Rollstuhl werden verschiedene Techniken ­verwendet:

arc

Arc

«Arc» bedeutet, dass kurze, schnelle Stösse auf das ­Greifrad abgegeben werden. Diese Technik eignet sich beim Bergauffahren oder ­Über­winden von Trottoir­rändern. Sie hat jedoch den Nachteil, dass man viel antreiben muss, langsam vorwärts kommt und die Schulter viele ruckartige Bewegungen erfährt.

single loop

Single Loop Over Propulsion

«Single Loop Over Propulsion» ist eine Stoss­richtung am Greifrad nach vorne mit einer Kreisbewegung über dem Greifrad zurück. Hierbei ist immer die gleiche Muskulatur aktiv und somit kommt es schnell zu Überlastungen.

semi circular

Semi Circular

Bei der «Semi Circular»-Technik wird nach der Stossrichtung nach vorne der Arm locker gestreckt nach hinten geschwungen. Bei dieser runden und gleichmässigen Bewegung kommt es zu einer Entspannungsphase von aktivierten Muskeln, man braucht weniger Stösse und kommt schneller vorwärts. Diese Technik eignet sich beim Fahren auf ebenem Gelände und ist sehr energieeffizient und schonend für die Schulter.

double loop

Double Loop Over Propulsion

Die «Double Loop over Propulsion»-Technik ­entspricht einer liegenden Acht und ist
auch eine runde und gleichmässige Bewegung. Sie wird meist von sehr erfahrenen Roll­­stuhlfahrern für lange Strecken verwendet.

Folgende Risikofaktoren gibt es in Bezug auf Schulterprobleme:

  • Körperliche Risikofaktoren in Bezug auf Schulterschmerzen:
    • Übergewicht
    • Lähmungshöhe (Tetraplegie)
    • Spastik
    • Langjähriger Rollstuhlfahrer
    • «Alter»
    • Schulterschmerzen vor der Querschnittlähmung
    • Eingeschränkte Beweglichkeit in den Schultergelenken
  • Risikofaktoren im Alltag:
    • Sie machen viele Transfers
      Transferieren belastet die Schultern sehr. Benützen Sie ein Hilfsmittel (Rutschbrett und / oder Gleittuch), wenn Sie nicht Ihr ganzes Körpergewicht hochstützen können. Trainieren Sie eine gute Transfertechnik mit Ihrem Therapeuten. Benutzen Sie beim Transfer keinen Bettgalgen zum Ziehen. Transfers mit weiten Distanzen, wie beim Autotransfer, oder unterschiedlichen Höhen möglichst minimieren oder vermeiden.
    • Sie arbeiten oft über Kopf
      Das häufige Ausführen von Überkopfaktivitäten beansprucht die Schultern sehr und ist ein Risiko für Schulterschmerzen. Bei Überkopfaktivitäten kann es zu einem Einklemmen von Sehnen kommen und dies kann zu kleinen Verletzungen und eventuell sogar Entzündungen führen. Eine schlecht angepasste Wohn- oder Arbeitssituation, Sport wie z. B. Basketball, schlecht angepasste Handbikes können zu solchen Überlastungen führen.
    • Sie sind körperlich nicht sehr aktiv
      Ein regelmässiges Training ist sehr wichtig, damit die Schultermuskulatur gut trainiert bleibt. Neben Schulterübungen sind Handkurbeltraining und Handbike fahren Aktivitäten, die die Schultern stärken, ohne sie gross zu belasten. Beim Sport ist ein präventives Krafttraining unerlässlich.
    • Stürze sollen vermieden werden!
      Stürze sollten möglichst vermieden werden, da es dabei zu Schäden der Schulterstrukturen kommen kann. Zur Sturzprophylaxe gehört ein individuell gut angepasster Rollstuhl.
  • Risiken in Ihrer Umgebung mit Ihren Hilfsmitteln
    • Rollstuhleinstellung
      Abhängig von der Einstellung des Rollstuhls kann das Rollstuhlfahren mehr oder weniger anstrengend für die Schultern sein. Es ist wichtig, dass der Körper­schwerpunkt der Arme direkt über der Radnabe liegt. Dies führt dazu, dass der Rollstuhl kippig eingestellt ist. Wird der Rollstuhl weniger kippig eingestellt, wird das Antriebsrad weiter nach hinten gestellt. So ist es hingegen schwerer, den Rollstuhl ergonomisch anzutreiben und es können Schulterschmerzen provoziert werden. Hier muss individuell nach optimalen Lösungen gesucht werden (Antikippräder, Elektrohilfsantriebe und Rollstuhlverladesysteme).
    • Wohnverhältnisse
      Die Wohnverhältnisse sollten Ihren Fähigkeiten angepasst sein und gegebenenfalls sollten Hilfsmittel eingesetzt werden.
  • Empfehlenswerte Ausgleichssportarten:
    • Bogenschiessen
    • Schwimmen
    • Handbikefahren
    • Gezieltes Krafttraining
    • Heimprogramm mit Kräftigungs-, ­Dehnungs- und Beweglichkeitsübungen

 

Häufig gestellte Fragen

Warum soll ich mich nicht an den ­Händen ins Sitzen hochziehen lassen?

Diese Bewegung ist für Sie und für Ihre ­Hilfs­personen gleichermassen gesundheits­schädigend. Für Sie besteht eine hohe ­Belastung in den Schultern, was diese auf lange Sicht schädigen wird, und für Ihre ­Hilfsperson ist es schädlich für den Rücken. Zudem können Sie bei dieser Art von Auf­sitzen selber nicht mithelfen und haben somit auch keine Kontrolle über die Bewegung. Eine ähnlich ungünstige Aktivität ist das das Hochziehen an einem Bettgalgen.

Wenn ich auf Reisen bin und im Flugzeug transferiert werde, werde ich immer unter den Schultern gehoben und meine Schultern tun danach weh. Was kann ich tun?

Es gibt Situationen, wo sich das Heben unter den Schultern schlecht vermeiden lässt.
Bei Transfers im Flugzeug ist das häufig der Fall.
Wichtig ist, die Schultern nach unten zu ­drücken und sie so zu stabilisieren. ­Können Sie das nicht oder Sie haben bereits bestehende Schulterprobleme, kann ein Transfergurt helfen. Dies ist ein breiter Gurt mit Hebelaschen, der sehr eng um die Taille angebracht wird, sodass die Hilfsper­sonen Sie daran heben ­können und Ihre Schultern entlastet werden.

Was kann man zur Entlastung der Schulter in Bezug auf den Rollstuhl machen?

  • Pneus pumpen (die Angabe des Reifendrucks befindet sich auf dem Pneu)
  • Reinigen der Lenkräder
  • Antriebstechnik üben
  • Möglichst geringes Rollstuhlgewicht

Welche Antriebstechnik ist schulterschonend?

Die runde und gleichmässige Bewegung bei der «Semi Circular» Technik ermöglicht eine ­Entspannungsphase von aktivierten Muskeln. Man braucht weniger Stösse und kommt schneller vorwärts. Die Technik ist schonend für die Schulter und sehr energieffizient.

Was tun bei akuten Schulterschmerzen?

  • Ursache suchen und Schulterschmerzen ernst nehmen
  • Wärme / Kälte auflegen
  • Schulter schonen, eventuell Transfers ­reduzieren
  • Hilfsmittel, wie z. B. ein Rutschbrett ­verwenden
  • Einen Arzt / Therapeuten aufsuchen

 

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