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Gesundheit & Sexualität

Die Rehabilitation – es gibt viel zu tun

Eine Querschnittlähmung ist für jeden Menschen ein gravierender Einschnitt ins gewohnte Leben. Mit einem Mal ist alles anders, neu, ungewohnt und beängstigend. Zu Beginn steht der Verlust der Mobilität im Vordergrund – nicht mehr gehen, allenfalls die Arme nur eingeschränkt nutzen zu können. Erst mit der Zeit wird einem bewusst, wie viele Körperfunktionen von der Querschnittlähmung mitbetroffen sind und dass das Leben gewissermassen «neu erlernt» werden muss.

Was ist das Ziel?

Ziel einer Rehabilitation ist es, dass Sie zur Fachperson für Ihre eigene Behinderung werden. Wir möchten Ihre Gesundheit soweit möglich wiederherstellen, damit Sie aktiv am Leben teilhaben können und Ihnen alles Wissen mitgeben, das Sie für den Erhalt eines gesunden Körpers brauchen. Entsprechend müssen Sie sich als Patientin / Patient nicht nur neues Wissen über die Querschnittlähmung aneignen, sondern auch Ihre Kompetenzen erweitern und stärken, um in der neuen Lebenssituation handlungsfähig zu sein.

Zentrales Thema jeder Rehabilitation ist die Förderung des Selbstmanagements und die Stärkung der eigenen Gesundheitskompetenz. Der Begriff «Gesundheitskompetenz» hat in der Rehabilitation eine grosse Bedeutung. ­Gesundheitskompetenz ermöglicht einem Menschen, sich über Gesundheit und Krankheit zu informieren, die Informationen zu verstehen und zu verarbeiten, um das eigene Verhalten entsprechend anpassen zu können.
Wichtig ist, dass Sie über Ihren eigenen Gesundheitszustand bestens informiert sind, um gezielt Entscheidungen über Ihre eigene Gesundheit treffen zu können. Dies bedeutet, dass wir Sie systematisch in der Selbstversorgung beraten und instruieren, damit Sie die Eigenverantwortung übernehmen können und Ihre Selbstkompetenz gestärkt wird. Sollten Sie auf Unterstützung im Alltag angewiesen sein, so ist es wichtig, dass Sie ihre Assistenzpersonen gezielt anleiten können und wissen, worauf zu achten ist.
Als Patientin / Patient müssen und können Sie Verantwortung und eine aktive Rolle im Behandlungsprozess, in der Rehabilitation und Ihrer Gesundheitsfürsorge übernehmen. Die Aufklärung durch Schulung, Instruktion und Wissensvermittlung trägt entscheidend zur Akzeptanz der Therapie, Behandlung und letztendlich der Querschnittlähmung bei.

Die Angehörigen

Aber nicht nur für Sie selbst verändert sich das Leben mit dem Eintritt der Querschnittlähmung komplett – Ihre Angehörigen sind genauso mitbetroffen. Auch sie sind mit einer neuen Lebenssituation und einer grossen Veränderung in ihrem Leben konfrontiert.
Fehlendes Wissen verunsichert. Auch Ihre Angehörigen sollten sich neues Wissen aufbauen, damit Sie und Ihre Familienangehörigen auf lange Sicht gesund bleiben, besonders wenn Sie im Alltag auf die Unterstützung Ihrer Familie angewiesen sind.

Rehabilitation = Teamwork

Für Ihre Rehabilitation arbeitet ein ganzes Team von Fachpersonen aus verschiedenen Bereichen zusammen, im Mittelpunkt stehen Sie als Mensch. Jeder Bereich hat ein eigenes Aufgabengebiet. Das Zusammenspiel des ganzen Teams ermöglicht eine erfolgreiche Rehabilitation, in der Sie selber den grössten Anteil leisten müssen. Nutzen Sie die Zeit, die Sie in der Klinik verbringen, Ihr interprofessionelles Rehabilitationsteam wird Sie mit seinem ganzen Wissen unterstützen – aber ohne Sie geht es nicht!

Wie läuft die ganzheitliche ­Rehabilitation konkret ab

Jeder querschnittgelähmte Mensch muss in der Rehabilitation seinen eigenen Weg finden. Dieser ist abhängig vom Ausmass der Rückenmarkverletzung und vom individuellen Verlauf. Je nachdem, welche Voraussetzungen Sie mitbringen, kommen Sie unterschiedlich schnell voran. Ein Mensch mit hoher Tetraplegie hat deshalb andere Ziele als einer mit Paraplegie. Die Erholung verläuft nicht gleichmäs­sig, Fortschritte wechseln sich ab mit manchmal vielleicht auch entmutigenden Stillständen oder Rückschlägen. Gemeinsam mit Ihnen werden wir immer versuchen, Ihre Möglichkeiten ­optimal auszuschöpfen.

Die verschiedenen ­Rehabilitationsphasen

Während der Rehabilitation zeigen sich verschiedene Schwerpunkte. Diese können in vier Phasen zusammengefasst werden. Die Dauer der einzelnen Rehabilitationsphasen ist nicht starr und sie gehen fliessend ineinander über. Sie orientieren sich am Erreichen grösstmöglicher Selbstständigkeit. Die Ziele werden zusammen mit Ihnen laufend an Ihre Möglichkeiten und Voraussetzungen angepasst.

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Die Akutphase

Die Akutphase bezeichnet die Zeit der Erstbehandlung nach Eintritt der Lähmung – dabei verbringen Sie eventuell einige Zeit auf der Intensivstation. Dort geht es vor allem darum, die richtige Diagnose zu stellen, Ihre Verletzung zu behandeln und die lebenswichtigen Funktionen wie Kreislauf und Atmung zu stabilisieren. Ebenfalls dazu gehört die Sicherstellung der Blasen- und Darmentleerung. Damit wird eine optimale Basis für die weitere Rehabilitation geschaffen.

Die Aufbauphase

Sie werden mobiler und damit selbstständiger in den alltäglichen Aktivitäten. Sie lernen den Umgang mit Ihrem gelähmten Körper kennen und übernehmen zunehmend Verantwortung für bestimmte Bereiche wie Blasen- und Darmmanagement, Ernährung und Hautkontrolle. Sie werden über die notwendigen Medikamente aufgeklärt und bestimmen die Medikamentenanpassung mit. Schon jetzt beginnen die Vorbereitungen für einen Austritt nach Hause in Ihr soziales und eventuell berufliches Umfeld. Wenn Sie wieder Autofahren möchten, werden wir die Möglichkeit dazu in dieser Phase abklären. Je nach Bedarf werden Angehörige geschult, und je nach Voraussetzung sind schon erste Wochenendurlaube zu Hause möglich.

Phasenmodell für einen Paraplegiker in der Primärrehabilitation

Phasenmodell für einen Paraplegiker in der Primärrehabilitation

Die Konsolidierungsphase

Im Hinblick auf den Austritt übernehmen Sie Ihrer Lähmungsausprägung entsprechend die volle Eigenverantwortung. Die Pflegenden und die Therapeuten setzen zunehmend auf Ihre Selbstbestimmung. Die Therapieintensität nimmt unter Umständen ab. Sie gestalten Ihre Aktivitäten immer selbstständiger und festigen Ihre Fähigkeiten. Wenn Komplikationen oder neue Probleme auftauchen, stehen wir Ihnen jederzeit als kompetentes Rehabilitationsteam beratend zur Verfügung. Ihr Umfeld ist Ihren Bedürfnissen entsprechend angepasst.

Die Austrittsphase

Sie können ein Ihrer Lähmung entsprechendes, selbstständiges Leben führen und sind eine Spezialistin oder ein Spezialist für das Management Ihrer Querschnittlähmung geworden. Die stationäre Behandlung wird in dieser Phase abgeschlossen. Letzte Vorbereitungen für den Austritt werden in allen Fachbereichen umgesetzt. Sie kennen alle wichtigen Kontakte. Bei Bedarf sind ambulante Therapien organisiert und Ihr Hausarzt wurde informiert.
Die Aufenthaltsdauer ist je nach Diagnose und Voraussetzungen verschieden lang. In der Regel dauert die Primärrehabilitation für ­Menschen mit Paraplegie vier bis sechs Monate und für solche mit Tetraplegie acht bis zwölf Monate.

Das Leben nach dem ­Klinik­aufenthalt

Ihren Aufenthalt in der Klinik müssen Sie sich als eine Art Laborsituation vorstellen. Die grosse Herausforderung ist, das in der Klinik Gelernte im Alltag ausserhalb der Klinik umzusetzen.
Im häuslichen Bereich können Anpassungen gemacht werden, sodass der Alltag möglichst einfach zu bewältigen ist. Jedoch findet das Leben nicht nur zuhause statt. Ausserhalb des gewohnten Umfeldes werden Sie zwangsläufig an Grenzen stossen, wo Sie improvisieren müssen. Je weniger Hilfsmittel Sie im Alltag benötigen, umso einfacher ist es, unterwegs zu sein, auswärts zu schlafen oder auf Reisen zu gehen.
Gerade zu Beginn der Rehabilitation sind Sie vielleicht froh, wenn Abläufe immer gleich sind, wie zum Beispiel immer auf der gleichen Seite aus dem Bett zu transferieren oder das Kopfteil beim Aufsitzen als Unterstützung einzusetzen. Sie werden feststellen, dass die Bedingungen im Alltag immer wechseln. Versuchen Sie, möglichst universell zu bleiben mit Ihren Handlungen, viele verschiedene Erfahrungen zu machen und Varianten zu entwickeln; dies macht es Ihnen einfacher, wenn Sie im Alltag mit neuen Situationen konfrontiert werden. Wir können Ihnen die Möglichkeit bieten zu üben, zu trainieren und besser zu werden. Stecken Sie sich Ziele und teilen Sie uns diese mit.

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