• Die Online-Community für Menschen mit Querschnittlähmung, ihre Angehörigen und Freunde

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Veränderte Sexualfunktion bei Frauen

Befeuchtung der Scheide (Lubrifikation)

Als Lubrifikation wird der Austritt von Gleitflüssigkeit in der Scheide bezeichnet, die bei sexueller Erregung aus Drüsen abgesondert wird. Die Lubrifikation tritt während der Haupterregungsphase auf und erleichtert das Eindringen des Penis.

Bei einer querschnittgelähmten Frau können die körperlichen Zeichen der sexuellen Erregung je nach Lähmungshöhe vermindert auftreten oder ganz fehlen. Dies bedeutet aber nicht, dass sie keine Lust empfindet.

Psychogene Lubrifikation

Anziehungskraft und Ausstrahlung eines Partners sind wirksame psychische Reize. Natürlich führen auch Gerüche, optische und akustische Anreize zu einer psychogenen Lubrifikation. Besteht die Lähmung unterhalb T11, ist eine psychogene Befeuchtung möglich, bei einer kompletten Lähmung oberhalb T11 eher nicht.

Reflexogene Lubrifikation

Bei Frauen mit kompletter Querschnittlähmung oberhalb T11 kann die Vagina durch direktes Stimulieren befeuchtet werden. Frauen mit kompletter, tiefer Querschnittlähmung haben keine Reflexlubrifikation.

Hilfsmittel

Wenn die Scheide zu wenig feucht wird, erleichtert ein Gleitmittel das Einführen des Gliedes oder von Sex-Hilfsmitteln in die Vagina. Dazu können Öle, Vaseline oder Gleitmittel auf Wasser- oder Silikonbasis verwendet werden. Bei gleichzeitiger Verwendung von Kondomen sollten keine fetthaltigen Gleitmittel verwendet werden, da sie mikroskopisch kleine Risse im Latex-Kondom verursachen können. Somit scheiden Öle und Vaseline für Safer Sex aus. Gleitcremes sind in Apotheken, Drogerien, Supermärkten und in Erotik-Shops erhältlich.

Orgasmus

Der Orgasmus kann je nach Lähmungshöhe weiterhin auftreten oder ausbleiben. Querschnittgelähmte Frauen spüren die physische Empfindung in den Genitalien und im Beckenbereich nicht mehr so intensiv wie vor Eintritt der Lähmung. Der Orgasmus wird entweder verändert wahrgenommen, beispielsweise durch ein Wohl- oder Wärmegefühl im Becken, überhaupt nicht empfunden oder als unangenehm wahrgenommen, beispielsweise durch das Auftreten einer Bein- und Bauchspastik oder einer autonomen Dysregulation. Ausserdem vergeht mehr Zeit, bis der Orgasmus erreicht wird als vor Eintritt der Lähmung.

Frauen berichten von einem Orgasmus, den sie als «Para-Orgasmus» beschreiben. Dies bedeutet, dass der Orgasmus, den sie erleben, sich von dem genitalen Orgasmus unterscheidet und eine ganz eigene Qualität hat. Es kann eine Kombination aus körperlichen Empfindungen, emotionaler Reaktion, Erinnerungen, Phantasien und visuellen und / oder auditiven Stimulationen sein und somit mehr eine ganzheitliche Körpererfahrung als eine nur auf den Genitalbereich bezogene.

Fruchtbarkeit

Kurz nach dem Eintreten einer traumatisch bedingten Querschnittlähmung kann die Menstruation ausfallen. Diese setzt aber nach zwei bis zwölf Monaten wieder ein. Eine Empfängnis ist bei einer querschnittgelähmten Frau trotzdem problemlos möglich. Die Eizellen sind bereits bei der Geburt der Frau im Eierstock angelegt, die Eireifung und der Eisprung sind hormonell gesteuert und der Transport der Eizelle durch die Eileiter in die Gebärmutter wird durch unwillkürliche Muskelbewegungen des Eileiters und durch die Bewegung der Flimmerhärchen gewährleistet.

Verhütungsmittel

Trotz anfänglichem Ausbleiben der Menstruation ist die Frau nach Eintritt einer Querschnittlähmung nicht vor einer Schwangerschaft geschützt. Daher sollte verhütet werden. Grundsätzlich sind alle gängigen Verhütungsmethoden bei Frauen mit Querschnittlähmung möglich. Da die unterschiedlichen Verhütungsmethoden Vor- und Nachteile haben, ist es wichtig, die Wahl mit der Gynäkologin zu besprechen: Hormonelle Antikonzeption mit Östrogenen (Pille) erhöhen das Thromboserisiko. Temperaturmessungen sind eventuell zu ungenau, da die Temperatur durch wiederkehrende Infekte oder durch die Temperaturregulationsstörungen bei einer tetraplegischen Lähmung verändert sein kann.

Mirena®

Empfohlen wird die Hormonspirale Mirena®, welche ihre Wirkung lokal in der Gebärmutter entfaltet und eine langanhaltende, sehr sichere Schwangerschaftsverhütung gewährleistet. Ein elastischer Kunststoffzylinder, der direkt in die Gebärmutterhöhle eingelegt wird, enthält ein Hormon, das seit Jahren in vielen empfängnisverhütenden Pillen verwendet wird. Damit ist eine langsame und gleichmässige Freisetzung des Hormons direkt in die Gebärmutter gewährleistet, wo es seine Wirkung entfaltet. Das Hormon vermindert das monatliche Wachstum der Gebärmutterschleimhaut. Damit kann sich eine Eizelle nicht mehr einnisten und die Monatsblutungen verringern sich auf natürliche Weise. Das Wegfallen der Monatsblutung hat zur Folge, dass keine Tampons oder Binden mehr gewechselt werden müssen.

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Schwangerschaft

Frauen mit einer Querschnittlähmung können eine ganz normale Schwangerschaft haben; einige Dinge müssen beachtet oder durchgeführt werden:

  • Kooperation von Gynäkologen, Paraplegiologen und Hebamme
  • Abklärung der Medikamente auf mögliche Schädigung des Embryos
  • Physiotherapie, Hochlagern der Beine, Stützstrümpfe oder Medikamente zur Thromboseprophylaxe
  • Anleitung der Schwangeren zur Selbstpalpation des Bauches, um die Wehentätigkeit zu kontrollieren (Bauch wird hart, Uterus wölbt sich nach vorne). Bei fehlender Sensibilität muss die Frau wissen, welche Zeichen sie als mögliche Wehentätigkeit interpretieren kann.
  • Die meisten Frauen kennen ihren Körper sehr genau und wissen, welche Ersatzsymptome für Schmerzen auftreten wie beispielsweise Spastik, Druckgefühl, Kopfschmerzen, Gänsehaut oder Schwitzen.
  • Anpassen der Hilfsmittel wie beispielsweise Verbreiterung des Rollstuhls, Anpassung des Sitzkissens zur Dekubitusprophylaxe wegen Gewichtszunahme, herunterfahrbares Kinderbett
  • Auf Symptome der autonomen Dysregulation achten: Je näher der Geburtstermin rückt, desto höher ist die Gefahr ihres Auftretens
  • Anpassen des Geburtstermins: Frauen mit Querschnittlähmung gebären vor dem errechneten Termin. Tetraplegikerinnen entbinden erfahrungsgemäss 24 Tage früher. Bei Paraplegikerinnen ist der Entbindungszeitpunkt durchschnittlich fünf bis sechs Tage vorverlegt. Dies stellt für das Kind normalerweise kein Problem dar, weil die Neugeborenen keine spezielle Überwachung benötigen. Für die Mutter bringt dies den Vorteil, dass die letzten und beschwerlichsten Schwangerschaftswochen wegfallen.

Geburt

Die Entbindung kann grundsätzlich auch ohne die Möglichkeit der Mutter, aktiv mitzupressen, spontan und unkompliziert verlaufen. Der Uterus besitzt ein selbständiges Reizleitungssystem, welches die Geburt entscheidend beeinflusst. Durch die meist vollständige Entspannung der Bauch- und Beckenbodenmuskulatur wird der Geburtsvorgang erleichtert. Bei verzögerter Austreibungsphase ist die vaginale, instrumentelle Entbindung angezeigt (Zangengeburt, Saugglocke). Die Indikation zum Kaiserschnitt unterscheidet sich nicht von der bei Frauen ohne Rückenmarkläsionen.

Eine Ausnahme sind hoch gelähmte Paraplegikerinnen und Tetraplegikerinnen mit autonomen Dysregulationen, die sich in Kopfschmerzen, Schweissausbrüchen, Pulsverlangsamung und Beeinträchtigung der Nasenatmung durch Schleimhautschwellung äussern können. Auf Grund dieser Komplikation sollte die Geburt bei Frauen mit einer Lähmung auf dem Niveau T6 und höher unter Periduralanästhesie erfolgen.

Schwangerschaftsabbruch

Sowohl ein medikamentöser als auch ein operativer Abbruch durch Absaugen (Aspiration) oder Ausschaben (Curettage) sind möglich. Dies sollte auch bei einer Frau mit sensibel kompletter Lähmung zur Vermeidung einer autonomen Dysregulation unter Anästhesie durchgeführt werden.

Vorsorgeuntersuchungen

Die jährliche Vorsorgeuntersuchung gehört auch bei einer Frau mit Querschnittlähmung zur Gesundheitsvorsorge. Allerdings gibt es wenige gynäkologische Praxen, die über die nötige Infrastruktur und ausgebildetes Hilfspersonal verfügen. Wenden Sie sich doch dazu ans Ambulatorium Ihres Querschnittzentrums.

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