• Die Online-Community für Menschen mit Querschnittlähmung, ihre Angehörigen und Freunde

  • Die Online-Community für Menschen mit Querschnittlähmung, ihre Angehörigen und Freunde

  • Die Online-Community für Menschen mit Querschnittlähmung, ihre Angehörigen und Freunde

  • Die Online-Community für Menschen mit Querschnittlähmung, ihre Angehörigen und Freunde

  • Die Online-Community für Menschen mit Querschnittlähmung, ihre Angehörigen und Freunde

Beatmung

Invasive Beatmung

Was versteht man unter einer invasiven Beatmung?

Bei querschnittgelähmten Menschen mit Läsion auf Höhe C4 oder darüber ist die Atmung unzureichend oder fällt komplett aus. Daher sind sie auf eine invasive Beatmung angewiesen – invasiv, da die Beatmung über eine Trachealkanüle erfolgt, die durch den Hals direkt in die Luftröhre führt.

Unter Beatmung wird die teil- oder vollständige Übernahme der physiologischen Atmung durch externe Hilfe (Beatmungsgerät) verstanden. Man unterscheidet zwischen kontrollierter und assistierter Beatmung. Bei der kontrollierten Beatmung wird die Atemarbeit vollständig von der Beatmungsmaschine übernommen. Atemfrequenz, Atemtiefe und Atemzugvolumen werden durch Einstellungen in der Maschine gesteuert. Je nachdem, welche Parameter definiert werden, spricht man von einer druck- oder volumenkontrollierten Beatmung.

Kontrollierte Beatmung

Druckkontrollierte Beatmung

Dies ist die am häufigsten angewandte Beatmungsform. Sie ist im Gegensatz zur volumenkontrollierten Beatmung schonender, da keine hohen Drücke entstehen können. Eingestellt werden die beiden Druckniveaus:

  • oberer Druck = Einatmungsdruck
  • unterer Druck = Druck, welcher in der Lunge nach der Ausatmung verbleibt

Das Atem(zugs)volumen resultiert aus der Differenz der beiden Druckniveaus. Es verringert sich jedoch mit steigendem Atemwiderstand z. B. aufgrund von vorhandenem Sekret.

Volumenkontrollierte Beatmung

Bei dieser Beatmungsform wird innerhalb einer bestimmten, einstellbaren Zeit ein bestimmtes Atemvolumen in die Lunge appliziert. Bei dieser Form können sehr hohe Spitzendrücke entstehen, da der Respirator1 nur das zu applizierende Volumen überwacht. Früher wurde diese Form oft auf der Intensivstation eingesetzt, mittlerweile nur noch selten.

16 170 06 Atemmanagement DE Seite 11

Assistierte Beatmung

Der natürliche Atemantrieb der betroffenen Person wird bei dieser Form berücksichtigt. Wenn sie anfängt zu atmen, wird der Atmungsvorgang unterstützt. Hat sie längere Atemaussetzer, wird sie kontrolliert zwischenbeatmet.

16 170 06 Atemmanagement DE Seite 12

Nicht-invasive Beatmung

Was versteht man unter einer nicht-invasiven Beatmung?

Unter der nicht-invasiven Beatmung versteht man eine mechanische Unterstützung der Atmung ohne endotrachealen Zugang, d. h. ohne Trachealkanüle in der Luftröhre. Die Beatmung erfolgt durch Überdruck via Gesichts-, Mund-Nasen- oder Nasenmasken.

Die Anpassung und Einstellung einer nicht-invasiven Beatmung erfolgt durch erfahrenes Personal und erfordert anfangs eine kontinuierliche Überwachung.

Das Tragen einer Beatmungsmaske ist eine Gewöhnungssache und muss trainiert werden.

Wann wird eine nicht-invasive Beatmung angewendet?

Am bekanntesten ist die nicht-invasive Beatmung für Menschen, die unter nächtlicher Schlafapnoe leiden, d. h. sie machen im Schlaf lange Atempausen und leiden daher unter einer verminderten Sauerstoffversorgung.

Ein weitere Gruppe, für die sich eine nicht-invasive Beatmung eignet, sind Menschen mit einem geschwächten Zwerchfell. Gründe dafür können sein:

  • hohe Querschnittlähmung
  • ALS (Amyotrophe Lateralsklerose2)
  • Critical-Illness-Polyneuropathie3

Wann ist eine nicht-invasive Beatmung nicht geeignet?

Wenn keine Spontanatmung4 vorhanden ist, ist die nicht-invasive Beatmung ungeeignet. Bei Menschen mit Bewusstseinsstörungen wie Somnolenz oder Koma wird sie wegen fehlender Schutzreflexe (z. B. fehlender Brechreiz) nicht angewendet. Auch bei Menschen mit Agitiertheit5 oder fehlendem Verständnis für die Massnahme ist eine Anwendung schwierig.

Weitere mögliche Gründe, die gegen eine nicht-invasive Beatmung sprechen (und somit eine invasive Beatmung erfordern):

  • viel Bronchialsekret, in Kombination mit ungenügendem Abhusten
  • Verlegung der Atemwege durch Tumore oder Fremdkörper
  • Probleme mit dem Aufsetzen der Maske, z. B. aufgrund von Anatomie, Gesichtsverletzungen oder -verbrennungen

Was sind mögliche Komplikationen bei einer nicht-invasiven Beatmung?

  • Gefahr der Aspiration6 und Magenblähung
  • Konjunktivitis7, verursacht durch ausströmende Luft bei Leckage im Bereich der Nasenwurzel
  • Druckstellen wegen zu fest sitzender Gesichtsmaske

Welche Vor- und Nachteile hat eine nicht-invasive Beatmung?

Für Menschen, die unter Schlafapnoe leiden, verbessert eine nicht-invasive Beatmung die Lebensqualität. Die Tagesmüdigkeit aufgrund der vielen nächtlichen Schlafunterbrüche, die durch den Sauerstoffmangel verursacht werden, nimmt deutlich ab.

Ein Nachteil ist, dass die Maske störend sein kann, vor allem, wenn man sich nachts im Bett dreht. Zudem muss man das Beatmungsgerät immer mitführen, wenn man es auch tagsüber braucht.

Allgemein sollte das Ziel einer Atemunterstützung immer eine nicht-invasive Form sein, weil dadurch die Komplikationsrisiken wie z. B. Infektionen reduziert werden.

Was mache ich, wenn die Atemmaske nicht gut sitzt?

Es gibt viele verschiedene Typen und Grössen von Masken. Das Herausfinden der optimalen Maske braucht Zeit. Es ist auch möglich, dass erst nach längerer Zeit ein Problem auftritt. Wenden Sie sich an Fachpersonen, z. B. an das RespiCare-Team. Eventuell muss eine neue Maske angepasst werden.

Kann ich mit dem Beatmungsgerät auf Reisen gehen?

Ja, das ist möglich. Denken Sie daran sich zu informieren, ob Sie einen Adapter für den Stecker benötigen, z. B. für den Anschluss an die Autobatterie.

1 Beatmungsgerät

2 degenerative Nervenerkrankung

3 Zustand nach Multiorganversagen

4 eigener Atemreiz

5 Unruhe

6 Eindringen von Material in die Atemwege

7 Augenbindehautentzündung

Kommentare (0)

Noch keine Kommentare vorhanden.
Sei der Erste, der dies kommentiert!
Forum
Neueste Antworten
144 carken
Betreuungsgutschriften zu Gunsten Verwandten: eine noch zu unbekannte...
    P.s Es mag schräg vorkommen, obwohl meine Muttersprache Deutsch ist, und ich fliesend Deutsch Französisch Italienisch und...
7 carken 21.10.2019
157 carken
Gleichstellung von Frauen mit Behinderungen: Thematisches Dossier
Lieber carken Vielen Dank, dass Du Dich bei avanti donne erkundigt hast. Es wäre schön, hier noch ein paar Stellungnahmen zum...
3 Johannes 21.10.2019
187 odyssita
Vernachlässigung des Rückenmarks in der Neurologie?
  Liebe Dr. ANKS,   herzlichen Dank für Ihre Antwort. Ich finde es toll, dass in diesem Forum dieser Austausch möglich ist. Auf welchem...
6 odyssita 03.10.2019
159 carken
Ist mein Bahnhof rollstuhlgängig? Wenn nicht, ist ein Umbauen vorgesehen,...
Danke carsten für Deine Mail mit den sehr hilfreichen Adressen. Jetzt weiss ich, dass ich noch ca. 3 Jahre warten muss, bis mein nächstgelegener...
1 cucusita 01.10.2019
Frag den Experten
Neueste Antworten
249 carken
Amitiza umstellen
Lieber Carken herzlichen Dank für Deine Anfrage. Wir haben hier auch bereits von dem Medikament gehört, es aber nicht regelmässig im klinischen...
1 ANKS 10.09.2019
310 hanspeda
Kribbeln vom Rücken bis in den Fuss
Hallo lieber Hanspoeda  Danke für diene promet Antwort, und Erfahrung, Ok scheint wirklich eine sache der Posiotion zu sein, leider kan ich...
9 Francescolife 09.08.2019

Blog
Neueste Blog-Artikel
fritz 21.10.2019 In Gesellschaft
Versuchskarnickel?
Das Gesundheitssystem ist auch heute noch obrigkeitlich und hierarchisch.
0
Johannes 16.10.2019 In News
Wohntraining für junge Erwachsene
In Schenkon/LU entsteht die erste Reha-WG der Schweiz – für den Übergang junger Menschen in ein selbstständiges Berufs- und Alltagsleben
0
Franklin D. Roosevelt: Der starke Mann im Rollstuhl
Ein besonderer Präsident in aussergewöhnlichen Zeiten
Wiki
Am meisten gelesen
Neuropathischer Schmerz
Schmerz ist eine grundlegende menschliche Erfahrung, die wir vielfach in unserem Leben machen, manchmal sogar täglich. Man schlägt sich den Ellenbogen an, die Weisheitszähne drücken oder der Kopf brummt, wenn das Wetter umschlägt. Es gibt...
Gefahren bei eingeschränkter Sensibilität
Was wir unter Sensibilität verstehen Unter Sensibilität verstehen wir den fünften Sinn, das Fühlen. Anders als bei den anderen vier Sinnen hat die Sensibilität kein eigenes Sinnesorgan, wie zum Beispiel der Sehsinn das Auge. Das sensible System...
Abhusten und Sekretmobilisation
Das Abhusten von Sekret ist sehr wichtig, damit ein freies Atmen möglich bleibt. Husten ist ein Schutzreflex zur Reinigung der Atemwege, da so der Schleim gelockert und aus den Atemwegen herausgefördert werden kann. Zum Husten werden die Bauch-...

Über diese Community
Neueste Themen
14.10.2019 In Aktuelle Hinweise
Mann kann mit gedankengesteuertem Exoskelett wieder gehen
Thibault, ein querschnittgelähmter Mann aus Frankreich, kann wieder gehen – mit einem Exoskelett, dass er nur über seine Gedanken steuert. Der Versuch glückte im Rahmen einer klinischen Studie im...
0
09.10.2019 In Aktuelle Hinweise
Lesung mit unserem Blogautor Fritz Vischer
In einer Woche liest Community-Blogautor Fritz Vischer in Zürich Passagen aus seinem Buch «Ansonsten munter – Einsichten eines Rollstuhlfahrers». Dazu sind Expertinnen und Experten zum Gespräch...
0
30.09.2019 In Aktuelle Hinweise
Reisevortrag von Andreas Pröve: «Myanmar-Burma, Zauber eines goldenen...
Über sein persönliches Traumland sagt Andreas Pröve: «Wer das Lächeln sucht, wird es in Burma finden». Der Weltreisende im Rollstuhl hat sich auf seiner 3000 km langen Reise durch Burma (seit 1989...
0

Kontakt

Schweizer Paraplegiker-Forschung
Guido A. Zäch Strasse 4
6207 Nottwil
Schweiz

Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!
T 0800 727 236 (aus der Schweiz, kostenlos)
T +41 41 939 65 55 (aus anderen Ländern, kostenpflichtig)

Sei ein Teil der Community – melde dich jetzt an!