Was sind heterotope Ossifikationen?

Heterotope Ossifikationen (Synonyme: Myositis ossificans, periartikuläre Ossifikationen PAO) sind rasch einsetzende Umwandlungen von Muskelgewebe in knochenähnliches verkalktes Gewebe. Sie treten bei 20 – 30% der Menschen mit Rückenmarkverletzungen auf, typischerweise 1 – 5 Monate nach Eintritt der Querschnittlähmung.

Die Weichteile um die Hüftgelenke sind am häufigsten betroffen, oft auf beiden Seiten. Seltener sind auch Schultern, Knie oder andere Gelenke betroffen. Wenn die Therapie nicht schon in einer frühen Phase einsetzt, können heterotope Ossifikationen zu erheblichen Bewegungseinschränkungen eines Gelenkes führen.

Wie erkennt man eine heterotope Ossifikation?

Klinische Symptome bei der Entstehung heterotoper Ossifikationen sind Schwellung, Rötung, zunehmende Muskelspasmen und lokale Schmerzen. Oft tritt auch abends eine leichte Temperaturerhöhung auf. Zu Beginn der Erkrankung besteht eine Muskelentzündung, die im Verlauf verkalkt. Konventionelle Röntgenbilder zeigen erst das Spätstadium der Verkalkung, deshalb wird für die Frühdiagnostik die Magnetresonanztomografie (MRT) eingesetzt.

In den Blutuntersuchungen finden sich erhöhte Entzündungswerte sowie eine Erhöhung der alkalischen Phosphatase und Kreatinkinase. Damit werden viele Betroffene erfasst, die auf Grund dieser Diagnostik rechtzeitig behandelt werden können. Über die Ursache ist wenig bekannt. Risikofaktoren sind Operationen und Blutungen. Das Krankheitsbild tritt nicht nur bei Querschnittgelähmten auf. Bei Fussgängern wird ein ähnliches, aber wahrscheinlich nicht identisches Krankheitsbild beobachtet, selten nach Hüftoperationen oder grösseren Verbrennungen.

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Was kann man tun?

Vorbeugend wirken Blutverdünner und anti-entzündliche Medikamente aus der Gruppe der nicht-steroidalen Antirheumatika (z. B. Voltaren®). Die Behandlung besteht in der Gabe von Medikamenten, die sonst gegen Osteoporose eingesetzt werden (z. B. Zolendronat). Damit kann der Verlauf der Verkalkungen abgeschwächt werden.

Betroffene Querschnittgelähmte dürfen trotzdem mobilisiert werden, ein allzu forciertes passives Bewegen des betroffenen Gelenks sollte aber vermieden werden. Wenn ein Gelenk in der Beweglichkeit so stark eingeschränkt wird, dass eine gute Sitzposition nicht mehr möglich ist und Dekubitusgefahr besteht, muss die Verkalkung chirurgisch entfernt werden. Da eine Operation selbst ein bekannter Auslöser einer heterotopen Ossifikation ist, muss allerdings mit einem Rezidiv (Wiederauftreten) gerechnet werden.

 

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