• Die Online-Community für Menschen mit Querschnittlähmung, ihre Angehörigen und Freunde

  • Die Online-Community für Menschen mit Querschnittlähmung, ihre Angehörigen und Freunde

  • Die Online-Community für Menschen mit Querschnittlähmung, ihre Angehörigen und Freunde

  • Die Online-Community für Menschen mit Querschnittlähmung, ihre Angehörigen und Freunde

  • Die Online-Community für Menschen mit Querschnittlähmung, ihre Angehörigen und Freunde

Orthostatische Dysregulation

Bei Menschen mit einer Querschnittlähmung ist die Steuerung des vegetativen Nervensystems von der Lähmung mitbetroffen, insbesondere bei einer hohen Lähmung kann es zu orthostatischen1 Dysregulationen kommen.

Bei gesunden Menschen regelt sich der Blutdruck von alleine. Bei Querschnittgelähmten ist diese Regelung, welche durch das vegetative Nervensystem gesteuert wird, gestört. Beim Wechsel vom Liegen ins Sitzen kann es dann zu einem plötzlichen starken Blutdruckabfall kommen, der orthostatischen Hypotonie.

Dieser Blutdruckabfall äussert sich durch Schwindel, Schwäche, Augenflimmern oder Leeregefühl im Kopf. Im Extremfall wird die betroffene Person bewusstlos.

Wie kommt es zu dieser Reaktion?

Beim gesunden Menschen wird der Blutdruck über die korrekte Steuerung der Gefässe und der Herzfunktion durch das vegetative Nervensystem geregelt. Beim querschnittgelähmten Menschen (mit Verletzungen oberhalb von T 6) ist es dem Sympathikus nicht mehr möglich, die Gefässe korrekt zu steuern. Zudem fällt bei einer Querschnittlähmung die Muskelpumpe weg. Diese hilft normalerweise, den Blutdruck durch Druck auf die Gefässe zu regulieren. Wenn sich nun die Muskeln nicht mehr verengen und das vegetative Nervensystem nicht reagieren kann, sackt das Blut in die Gefässe der Beine ab, als Folge sinkt der Blutdruck rasch. Vor allem Menschen mit Tetraplegie scheiden häufig nachts sehr viel Flüssigkeit aus, um dieser gestörten Kreislauffunktion entgegenzuwirken. Die fehlende Flüssigkeit bewirkt, dass es morgens häufiger zu Blutdruckschwierigkeiten kommt.

Viele Medikamente verstärken die orthostatische Hypotonie, vor allem Diuretika2 wie Lasix®, Neuroleptika wie Haldol® oder Quetiapin®, Blutdruckmedikamente und Medikamente gegen Prostatavergrösserung.

Was können Sie dagegen tun?

Eine vorbeugende Wirkung kann das Tragen von Kompressionsstrümpfen haben. Die Strümpfe üben Druck auf die Gefässe aus und übernehmen so teilweise die fehlende Funktion der Muskelpumpe in den Beinen. Einen Bauchgurt zu tragen kann im Einzelfall ebenfalls helfen, er hat aber keinen wissenschaftlich erwiesenen Nutzen zur Vorbeugung von einem Blutdruckabfall. Sehr wohl hilfreich kann ein Bauchgurt jedoch zur Erhöhung der Sitzstabilität oder als Atemunterstützung sein. Funktionelle Elektrostimulation der Beinmuskeln, aktives oder passives Bewegen der Beine oder Sport sind sehr wirksam.

Da die Blutdruckkontrolle bei gelähmten Menschen oft zwar funktioniert aber langsamer arbeitet, sollten Lagewechsel langsam erfolgen. Wenn orthostatische Hypotonie auftritt, hilft oft das kurzfristige Hochlagern der Beine unmittelbar nach der Mobilisation in den Rollstuhl.

Es kann hilfreich sein, das Kopfteil während der Nacht nicht ganz flach zu stellen, damit wird einer übertriebenen Flüssigkeitsausscheidung während der Nacht entgegengewirkt. Eine halbe Stunde vor der Mobilisation einen halben Liter Wasser oder allenfalls Bouillon zu trinken, kann helfen, dem Schwindel vorzubeugen. Einige tetraplegische Menschen verspüren auch Besserung durch einen erhöhten Salzkonsum.

Medikamente, die den Sympathikus anregen, können ebenfalls zur Behandlung oder Vorbeugung eingesetzt werden. Gutron® (Midodrin) ist das Mittel zur Wahl, das häufig verabreichte Effortil® (Etilefrin) ist meist nicht sehr wirksam. Der vor allem bei Tetraplegikerinnen und Tetraplegikern gestörte Wasserhaushalt kann durch Florinef® (Fludrocortison) korrigiert werden, welches zur Einlagerung von mehr Wasser führt.

Muss ich nun mein Leben lang Kompressionsstrümpfe tragen?

Wie lange Sie die Kompressionsstrümpfe tragen müssen, ist individuell. Die meisten Querschnittbetroffenen tragen sie in den ersten zirka 6 Monaten der Erstrehabilitation. Oft gewöhnt sich der Körper an die neue Situation und mit der Zeit können die Kompressionsstrümpfe meist weggelassen werden. Andere Betroffene werden immer wieder von Blutdruckabfällen geplagt und tragen deshalb über eine lange Zeit Kompressionsstrümpfe.

Wird die orthostatische Hypotonie mit der Zeit besser?

Ja, bei vielen querschnittgelähmten Menschen bessert sich die orthostatische Hypotonie innert Monaten oder Jahren. Einerseits werden die Blutgefässe kleiner im gelähmten Gebiet, sodass weniger Blut in die Venen abfliesst, andererseits gewöhnt sich das vegetative Nervensystem mit der Zeit auch an die Lähmung. Nicht zuletzt werden Sie lernen, sich angepasst zu verhalten.

Ist die orthostatische Hypotonie gefährlich?

Kurzzeitige Blutdruckabfälle über einige Minuten haben keinen nachteiligen Einfluss auf die Organgesundheit.

1 in aufrechter Körperhaltung

2 Medikamente zum Ausschwemmen von zuviel Flüssigkeit im Körper

Kommentare (0)

Noch keine Kommentare vorhanden.
Sei der Erste, der dies kommentiert!
Forum
Neueste Antworten
7 Tulipe
Wenn die Hormone verrückt spielen und Ferien in Sicht
Hallo Liebste Silvia.  Ach das erleichtert mir zu lesen, und bin sehr froh das es langsam Bergauf geht.! Das wünsche ich dir setzt.! Und erst...
1 Francescolife 20.01.2020
2237 odyssita
Behinderung, Erkrankung oder...? Wie seht Ihr Euch?
Hallo Liebe Daria, es freut mich das ich dir ein wenig Komfort schenken kann.  Jetzt verstehe ich mehr deine Problematik die sich dir in weg...
38 Francescolife 20.01.2020
472 carken
Rollstuhlgängige Wohnung auf der Costa Brava - Spanien zu vermieten - mit...
Tarife 2020 sind online auf http://appartrolli.e-monsite.com/pages/location-1.html  Liieber Gruss. Carken
1 carken 18.01.2020
328 carken
Lioresal - Sierdalud - CBD
Hoi Carken Als jemand, der ab und an eins kifft, habe ich viel mit Hanf experimentiert. Ich würde gerne vom Lioresal wegkommen, nur leider ist es...
2 Raffi 17.01.2020
117 carken
Der Elektrorollstuhl, ein gefährliches Hilfsmittel?
Hallo lieber Carken  Ich schliss mich an Silvia /Tulipe zu ihre Aussage, und möchte auch ergänzen, es kommt immer auch drauf an der grad der...
2 Francescolife 09.01.2020
Frag den Experten
Neueste Antworten
1 odyssita 20.01.2020
2 Francescolife 27.11.2019
724 carken
1 ANKS 10.09.2019

Blog
Neueste Blog-Artikel
Krankenbesucher und ihre Profile
Krankenbesuche sind auch für den Kranken etwas heikel. Er kann aber die Stimmung stark beeinflussen.
0
Sorli 13.01.2020 In News
Pflegeroboter
Werden wir in der Zukunft von Robotern versorgt?
fritz 06.01.2020 In News
Gutes Neues, ihr «Querschnittler» des Jahres!
Zum Jahresbeginn dürfen wir uns und unsere Mitstreiter alle bejubeln.
0
Wiki
Am meisten gelesen
Neuropathischer Schmerz
Schmerz ist eine grundlegende menschliche Erfahrung, die wir vielfach in unserem Leben machen, manchmal sogar täglich. Man schlägt sich den Ellenbogen an, die Weisheitszähne drücken oder der Kopf brummt, wenn das Wetter umschlägt. Es gibt...
Gefahren bei eingeschränkter Sensibilität
Was wir unter Sensibilität verstehen Unter Sensibilität verstehen wir den fünften Sinn, das Fühlen. Anders als bei den anderen vier Sinnen hat die Sensibilität kein eigenes Sinnesorgan, wie zum Beispiel der Sehsinn das Auge. Das sensible System...
Abhusten und Sekretmobilisation
Das Abhusten von Sekret ist sehr wichtig, damit ein freies Atmen möglich bleibt. Husten ist ein Schutzreflex zur Reinigung der Atemwege, da so der Schleim gelockert und aus den Atemwegen herausgefördert werden kann. Zum Husten werden die Bauch-...

Über diese Community
Neueste Themen
16.01.2020 In Aktuelle Hinweise
Schweizer Paralympische Ski-Meisterschaften 2020 in Airolo
Von Freitag 24. bis Sonntag 26. Januar finden auf den Pisten von Airolo-Pesciüm (Kanton Tessin) die Schweizer Paralympischen Ski-Meisterschaften 2020 statt. Die Veranstaltung wird von Valbianca SA...
0
10.01.2020 In Aktuelle Hinweise
Neue Plattform für Barrierefreiheit in Freiburg
Der Verein JVJ erfasst auf der neuen Webseite Fri-Access Daten über die Barrierefreiheit von öffentlichen Gebäuden in der (Schweizer) Stadt Freiburg. Ziel ist es, das Leben von Personen mit...
05.12.2019 In Aktuelle Hinweise
TikTok diskriminierte Menschen mit Behinderung
Die bei jungen Leuten sehr beliebte Video-Plattform TikTok hat ihre Moderatoren angewiesen, Videos mit «besonderen Menschen» zu markieren und ihre Reichweite zu beschränken. Dazu gehörten Menschen...
0

Kontakt

Schweizer Paraplegiker-Forschung
Guido A. Zäch Strasse 4
6207 Nottwil
Schweiz

Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!
T 0800 727 236 (aus der Schweiz, kostenlos)
T +41 41 939 65 55 (aus anderen Ländern, kostenpflichtig)

Sei ein Teil der Community – melde dich jetzt an!