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Venenthrombosen

Was sind Thrombosen und wie entstehen sie?

16 170 03 Management von Komplikationen DE Seite 21

Unter einer Venenthrombose versteht man die Bildung eines Thrombus1 (A) in einer Vene und die dadurch hervorgerufene Einengung bzw. Verstopfung dieses Gefässes (B).

Venenthrombosen sind gefährlich, da durch die Verschleppung eines Thrombus eine Lungenembolie entstehen kann (C).

Wann besteht ein erhöhtes Thromboserisiko?

Bekannte Ursachen für Venenthrombosen sind Bettlägerigkeit, Infektionen sowie Verletzungen wie Knochenbrüche usw. Ebenso besteht ein erhöhtes Risiko bei Übergewicht, Rauchen, der Einnahme von Hormonpräparaten oder wenn bereits Thrombosen aufgetreten sind.

Thrombosen bei Querschnittlähmung

Querschnittgelähmte Menschen haben in den ersten Monaten ein etwa 250-fach erhöhtes Risiko für Venenthrombosen, das Risiko sinkt auf das 20-fache in den ersten Jahren, danach bleibt es lebenslang 3- bis 10-fach erhöht. Die Ursachen für das hohe Thromboserisiko bei Querschnittlähmung sind nur zum Teil bekannt (fehlende Muskelpumpe und Lähmung des autonomen Nervensystems erklären es nicht genügend). Es ist nicht bekannt, ob inkomplett Gelähmte ein niedrigeres Risiko haben als komplett Gelähmte, deshalb behandeln wir alle gleich.

Wie erkenne ich eine Thrombose? Mögliche körperliche Beschwerden

  • Spontanschmerzen im betroffenen Körperteil (nur bei erhaltener Sensibilität)
    • Fusssohlenschmerz
    • ziehender Schmerz entlang der Vene
  • bei fehlendem Schmerzempfinden können sich folgende Anzeichen zeigen:
    • ein Bein deutlich (mindestens 2 cm) dicker als das andere, wobei das ganze Bein unterhalb der Thrombosestelle anschwillt. Eine isolierte Schwellung z. B. des Knies oder Oberschenkels spricht eher gegen eine Thrombose.
    • Rötung / Blaufärbung und Überwärmung des betroffenen Körperteils
  • vermehrte Spasmen und Spastik
  • Schweregefühl / Spannungsgefühl in den Beinen
  • allgemeines Unwohlsein
  • schneller Puls, leicht erhöhte Körpertemperatur
  • Atemnot

Was muss ich tun, wenn ich vermute, eine Venenthrombose zu haben?

Bei Thrombosen muss so rasch wie möglich gehandelt werden, da sie lebensbedrohlich sein können.

Wenn der Verdacht einer Thrombose vorliegt, sofort einen Arzt kontaktieren und sich wenn möglich nicht mehr stark bewegen (keine Mobilisation) – es besteht die Gefahr einer Lungenembolie durch das Lösen des Thrombus. Die Diagnose wird durch Ultraschall oder Computertomografie und Labor gestellt.

Wie kann ich einer Thrombose vorbeugen?

Thrombosen kann vorgebeugt werden durch

  • ausreichende Flüssigkeitszufuhr
  • «blutverdünnende» Medikamente bei stark eingeschränkter Mobilisationsdauer (Arzt kontaktieren)
  • Tragen von Kompressionsstrümpfen Klasse II bei stark anschwellenden Beinen
  • wegen des sehr hohen Risikos bei frischen Lähmungen werden in den ersten 6 Monaten Blutverdünner und Kompressionsstrümpfe eingesetzt. Da es nicht sicher ist, ob inkomplette Lähmungen ein geringeres Risiko aufweisen, behandeln wir alle gleich.
  • nach 6 Monaten müssen Blutverdünner nur noch in Risikosituationen eingesetzt werden

Was sind Risikosituationen für Venenthrombosen?

Besondere Vorsicht ist geboten

  • im Sommer
    • ausreichende Flüssigkeitszufuhr bei wärmeren Temperaturen
  • auf Reisen
    • ausreichende Flüssigkeitszufuhr bei heissem Klima
    • evtl. Kompressionsstrümpfe tragen bei langer Reisedauer (Bus, Flugzeug)
    • bei Reisedauer > 4 Std. «blutverdünnende» Medikamente spritzen  G:DropboxSPF Community WIKI v02�3 Management von Komplikationen16_170_03_Management_von_Komplikationen_DE_ch-web-resourcesimage3.png in Absprache mit dem Arzt
  • bei Verletzungen der Beine – z. B. starken Prellungen von Stürzen, Brüchen  G:DropboxSPF Community WIKI v02�3 Management von Komplikationen16_170_03_Management_von_Komplikationen_DE_ch-web-resourcesimage4.png Arzt kontaktieren
  • bei Infekten  G:DropboxSPF Community WIKI v02�3 Management von Komplikationen16_170_03_Management_von_Komplikationen_DE_ch-web-resourcesimage4.png Arzt kontaktieren

Das Tragen von Kompressionsstrümpfen

Kompressionsstrümpfe senken den Venendruck, verhindern eine Wasseransammlung in den Beinen und verbessern die Blutversorgung in den Beinen. Durch den besseren Rückfluss des Blutes zum Herzen ist die Gefahr der Bildung von Blutgerinnseln geringer. Durch den Druck der Strümpfe bleibt weniger Flüssigkeit im Gewebe zurück. Somit wirkt der Strumpf der Bildung von Ödemen2 entgegen.

Aufgrund des sehr hohen Thromboserisikos nach Eintritt der Querschnittlähmung ist zu Beginn das Tragen von hohen Kompressionsstrümpfen Klasse II notwendig. Mit der Zeit können sie meist weggelassen werden. Bei starken Kreislaufproblemen oder Anschwellen der Beine während der Mobilisation ist es eher schwierig, auf die Strümpfe zu verzichten.

Tragen Sie Kompressionsstrümpfe, so ist es wichtig, dass Sie sie korrekt und faltenfrei anziehen. Heruntergerollte Strümpfe können zu Stauungen führen, Falten begünstigen das Entstehen von Druckstellen. Stützstrümpfe müssen zudem richtig gepflegt werden. Durch regelmässiges Waschen (täglich bis zweitäglich) bleibt die Wirkung der Strümpfe erhalten.

Bei Umfangveränderungen der Beine oder wenn die Strümpfe alterungsbedingt zu lose sind, müssen sie ersetzt werden.

Was ist eine Lungenembolie?

Eine Lungenembolie entsteht, wenn ein Blutgerinnsel der Beinvenen sich losreisst und mit dem Blutfluss in die Lungenarterien gespült wird. Eine Lungenembolie äussert sich durch Atemnot, Beklemmungsgefühl, Hustenreiz, schnellen Puls. Je nach Grösse der Lungenembolie sind die Symptome mehr oder weniger stark ausgeprägt. Kleine Lungenembolien werden meist nicht bemerkt, grössere können tödlich enden.

Was bedeutet eine ausreichende Flüssigkeitszufuhr?

Empfohlen werden mindestens 2,5 Liter täglich. Bei heissen Temperaturen sollten Sie entsprechend mehr trinken. Gut geeignet sind Wasser und mineralhaltige Getränke (Mineralwasser). Es ist besser, auf alkoholische Getränke zu verzichten, da sie zu einer Gefässerweiterung führen. Ein gutes Messkriterium ist die Urinfarbe, welche (ausser beim Morgenurin) hellgelb sein sollte.

Was mache ich, wenn meine Stützstrümpfe Druckstellen verursachen?

Kontrollieren Sie, ob die Strümpfe richtig angezogen waren und ob sich die Druckstellen über Nacht erholen. Sollte dies nicht der Fall sein, dürfen Sie die Stützstrümpfe nicht wieder anziehen. Wenden Sie sich an den Lieferanten, er wird den Sitz der Strümpfe überprüfen.

Wie werden Kompressionsstrümpfe richtig gepflegt?

Kompressionsstrümpfe können bei 40 °C in der Maschine gewaschen werden. Verwenden sie dazu ein Feinwaschmittel und keinen Weichspüler. Werden die Strümpfe von Hand gewaschen, sollte man sie reichlich spülen, nicht wringen sondern in ein Handtuch einrollen und ausdrücken. Die meisten Strümpfe können im Schongang im Wäschetrockner getrocknet werden. Sie zum Trocknen auf der Heizung auslegen oder in der prallen Sonne trocknen ist nicht empfehlenswert. Löcher oder Risse sollten nur Fachleute flicken. Vorstehende Fäden nicht abschneiden! Suchen Sie nach den Gründen für diese Defekte (aufgeraute Hornhaut, lange Zehennägel, defektes Schuhinnenfutter, falsches Handling usw.).

Wie lange halten Kompressionstrümpfe und wo erhält man sie?

Medizinische Kompressionsstrümpfe halten ein halbes Jahr, bis das Gewebe an Festigkeit verliert und die medizinische Wirkung nachlässt.

In der Regel werden pro Jahr die Kosten für 2 Paar Strümpfe von den Krankenkassen übernommen. Dafür braucht es ein Rezept. Strümpfe können in einem Sanitätsfachhandel bezogen werden. Für einen korrekten Sitz der Strümpfe müssen die Beine jeweils neu ausgemessen werden.

1 Blutgerinnsel

2 Wassereinlagerung im Gewebe

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