Wenn das Wasser bis zum Hals steht…

… geht es nicht um ein Vollbad oder eine Sumpfwanderung. Sondern: Segeln. Aber geht das wirklich zusammen, Segeln und Querschnittlähmung? Ist es nicht irgendwie gefährlich, sich auf ein Schiff zu begeben, wenn der Aktionsradius eingeschränkt, die körperlichen Fähigkeiten evtl. limitiert sind und Schwimmen nicht gerade Lieblingshobby ist?

Alles kein Problem, sagt Martin Doller, Vorstandsvorsitzender des Vereins Plauer Hai-Live. Diese Institution bietet den Patienten des MediClin Reha-Zentrums in Plau am See in Mecklenburg-Vorpommern (Deutschland) an, in der Bootsklasse 2.4mR Segelerfahrung zu sammeln und sich den Wind um die Nase wehen zu lassen. Die Idee entstand 2006, um Patienten dieser Rehaklinik gemeinsam mit anderen Menschen mit und ohne Behinderung den Zugang zum Wassersport zu ermöglichen. Gänzlich neu ist es nicht, dass dieser Sport auch von Menschen mit einer Behinderung respektive Querschnittlähmung betrieben wird, denn die Bootsklasse ist seit dem Jahr 2000 bei dem Paralympics eine zugelassene Wettkampfklasse.

Die besagten Boote sind zugegebenermassen winzig und der Segler sitzt regelrecht unter der Wasseroberfläche. Mit ihren 4.20 Metern Länge und nur 0.82 Metern Breite sind die kleinen Wassergleiter sehr handlich, tragen aber stolze 180 kg Ballast im Kiel. Sie sind nicht nur unkenter- und unsinkbar, sondern das Besondere an den Booten ist, dass man alle Leinen bequem im Sitzen bzw. Liegen bedienen kann – auch als querschnittgelähmte Person. Man sitzt nicht wie bei anderen Booten über, sondern unter der Wasseroberfläche – der Schwerpunkt ist also ideal und man kann auch nicht über Bord gehen. Das sieht vielleicht ein wenig kurios aus, aber dafür erlebt man das Segeln hautnah und «mitten drin».

Für den Transfer mag dann vielleicht ein wenig Hilfe nötig sein, doch ist man einmal im Boot, kann in entspannter und gut gelagerter Körperposition mit dem Wind gespielt werden. Je nach Infrastruktur (z. B. Höhe des Steges) kann ein kleiner Hebelift von Vorteil sein, um auch Menschen mit geringerem Aktivitätsniveau den Einstieg in das Boot zu ermöglichen. Auch wenn die Boote sehr sicher und gut zu bedienen sind, allein wird man von Martin Doller bei dem Wasserspass nicht gelassen: ein Schlauchboot ist auf dem Plauer See immer mit dabei und die Betreuer stehen mit Ratschlägen und helfender Hand zu Seite. Bei wenig Wind auf anderen Gewässern könnte auch ein Kajak die Segler begleiten und im Notfall Hilfe leisten – die Schweizer Seenlandschaft wäre also bestens geeignet.

Der Preis für diese Kleinsegler liegt bei ca 15'000 Euro (ca 18'300 CHF) und leider sieht es auf dem Gebrauchtmarkt nicht gerade gut aus. Das klingt nach einem stolzen Preis, doch kann für ein High-end-Handbike auch gerne ein fünfstelliger Betrag anfallen. Immerhin bekommt man ein segelfertiges kleines Boot, das auch gut von Menschen mit einer Behinderung gesegelt werden kann, und das öffnet neue Bereiche der Freizeit, Teilhabe und Partizipation in Vereinen und mit anderen.

Auf der Webseite des Plauer Vereins erfährt man etwa mehr darüber und kann sogar Kurse buchen.

https://www.plauer-hai-live.de/

Und wer sich für den Spitzensport interessiert, findet auf der offiziellen Webseite der Internationalen Vereinigung für Behinderten-Segelsport weitere Informationen.

https://www.sailing.org/events/paraworldsailing/index.php

Na dann Mast und Schotbruch!

Kommentare (1)

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Danke für den Beitrag, Fabian. Ich hab mich kürzich auch mit dem Thema auseinander gesetzt und hab dazu noch ein Video gefunden: https://www.youtube.com/watch?v=LELvIRXUeXE#t=47
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