Immer gut drauf und immer erfolgreich

Es gibt Menschen, denen alles leicht zu fallen scheint. Sie sind erfolgreich, meist auch wohlhabend, aber nicht hochmütig, sondern zuvorkommend und offenherzig. Was sie anpacken, gelingt ihnen. Nichts ist zu verwegen für sie. Wir bewundern diese Menschen und nehmen es auch hin, dass sie sich Freiheiten herausnehmen können, an die wir nicht einmal zu denken wagen. Typische Beispiele sind Musiker, Spitzensportler, Stararchitekten, Börsengurus. Diese begnadeten Meister können’s locker nehmen, die Götter sind ihnen immer hold gesinnt, glauben wir.

Spielerisch heizte er zu meinem Geburtstag ein: Der Bassist der Walter Trout Band bei einem geilen Solo

Geflissentlich blenden wir aus, dass wir sie nur erleben, wenn sie im Rampenlicht stehen. Dort erzählen sie nicht, wie viele Hürden auch sie zu nehmen hatten, wie schlecht sie geschlafen haben und wie besorgt sie in die Zukunft blicken.

Wir wollen das auch gar nicht hören. Wir wollen uns in ihrem Erfolg räkeln, im Rausche ihrer Musik schwelgen, im Triumph ihre Siege bejubeln, in der Anmut ihrer Werke scharwenzeln, im Glanze ihres Reichtums stehen. Wir nehmen uns diese Menschen zum Vorbild, ohne zu hinterfragen, was sie denn auszeichnet.

Bertrand Piccard rechts: Charmant, gelassen und erfolgreich, links ich selbst

Sie alle haben eine bestimmte Fähigkeit, ein Talent, das sie zielstrebig, aber auch lustvoll und inbrünstig verfolgen. Sie lassen sich vom Drang tragen, dieses Talent unentwegt weiter zu entwickeln. Sie dressieren sich selbst mit spielerischer Freude. Diese Grundhaltung prägt auch ihre ansprechende Ausstrahlung.

Im Grunde führen sie ein Leben wie wir Rollstuhlfahrer. Auch wir sind immer und überall im Blickfang, weil wir auffallen. Schicksalsbedingt bedingen auch wir uns Sonderrechte aus. Auch wir müssen uns drängen lassen, die notwendige Fähigkeit zur Lebenskunst tagein, tagaus zu verbessern und anzupassen – als ob wir ein angeborenes Talent dazu hätten.

Mahatma Gandhi ging als charismatischer Politiker in die Geschichte ein

Je besser wir unsere ungewöhnlichen Lebensumstände meistern, desto gekonnter und charmanter treten auch wir auf und unsere lieben Mitmenschen denken: Denen fällt eben alles etwas leichter, ohne dass sie selbstherrlich und anmassend daherkommen. Sie setzen um, was sie sich zum Ziel gesetzt haben. Das bewundern wir.

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